Gangstörung

Definition

Bei einer Gangstörung handelt es sich um eine Störung des physiologischen Bewegungsablaufs, die das Gehen erschwert oder unmöglich macht. Sie kann Ausdruck neurologischer, orthopädischer oder auch psychischer Störungen sein. Die Gangstörung beruht auf Schäden im zentralen Nervensystem, in peripheren Nerven oder dem Bewegungsapparat, der aus Muskeln, Knochen und Gelenken besteht.

Gangstörung im Alter

Oftmals manifestiert sich eine Gangstörung das erste Mal im Alter. Neben dem erschwerten Gehen ist vor allem das erhöhte Sturzrisiko  ein Problem, da parallel im Alter die Knochen anfälliger für Brüche werden. Diese Form der Gangstörung kann verschiedene Ursachen haben. Neurologische Erkrankungen wie ein Schlaganfall, bei dem es zu Lähmungen kommt, oder ein Morbus Parkinson können häufig Auslöser für das Auftreten des Krankheitsbilds sein. Daneben sollte auch immer an Verletzungen von Rückenmark z.B. durch die Fraktur eines Wirbelkörpers oder Hirntumoren gedacht werden.

Die häufigsten Ursachen für eine Gangstörung im Alter sind jedoch orthopädischer Natur, bei der Knochen und Muskulatur beschädigt sind. Dazu zählt die Arthrose, eine abnutzungsbedingte Degeneration von Gelenken, vor allem in der Hüfte oder im Knie. Die Gelenke können nicht mehr uneingeschränkt belastet werden und behindern so das Gangbild. Auch rheumatisch bedingte Einschränkungen können eine Gangstörung begünstigen. Häufige klinische Erscheinungen dabei sind das Hinken, Schlurfen oder Nachziehen eines Beines. Oftmals ist auch eine geschwächte Muskulatur der Grund einer Gangstörung. Je nach Ursache muss die zugrunde liegende Erkrankung behandelt und das Gangbild durch professionelle Physiotherapie stabilisiert werden


Gangstörung durch Alkohol

Auch durch Alkohol kann sich eine Gangstörung entwickeln. Es muss unterschieden werden zwischen der durch einen Alkoholrausch hervorgerufenen Gangstörung und den Symptomen, die ein chronischer Alkoholabusus hervorrufen kann. Im Rauschzustand ist die Gangstörung durch die direkte Wirkung des Alkohols im Gehirn zu erklären, bei der wichtige, für die Koordination des Ganges zuständige Zentren beeinträchtigt werden. Diese durch Alkohol hervorgerufene Gangstörung äußert sich durch einen schwankenden Gang und den Verlust des Gleichgewichts, sie kann teilweise schon bei einem Blutalkoholpegel von 0,3 Promille auftreten. Die Störung verschwindet nach Abbau des Alkohols im Körper.

Daneben gibt es eine Art der Gangstörung, die durch chronischen und übermäßigen Alkoholkonsum verursacht wird. Sie ist Teil des Symptomkomplexes, der Wernicke-Enzephalopathie genannt und durch einen Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) verursacht wird. Die betroffenen Personen leiden unter einer Gang- und auch Standunsicherheit, das Gehen ist fast nicht möglich. Dieser Zustand hält dabei über die Dauer des eigentlichen Alkoholrausches hinaus an. Bei mäßigem Alkoholkonsum entwickelt sich in der Regel keine Gangstörung dieser Art. Behandelt wird die Wernicke-Enzephalopathie durch die Gabe von Vitamin B1 und Glucose sowie mit Alkoholentzug.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Folgen von Alkohol

Gangstörung bei einer Spinalkanalstenose

Bei der Spinalkanalstenose (Claudicatio intermittens) kommt es durch knöcherne Strukturen zu einer Verengung des Rückenmarkkanals in der Wirbelsäule und somit zur Einklemmung von Rückenmark und Nerven. Hier kann es neben weiteren Symptomen ebenfalls zu einer Gangstörung kommen. Je nach Lokalisation der Spinalkanalstenose treten verschiedene Symptome auf. Häufig ist die Lendenwirbelsäule betroffen. Schmerzen, die durch die Einklemmung hervorgerufen werden, schränken bestimmte Bewegungen ein, so dass diese nicht mehr in vollem Umfang ausgeführt werden können. Kennzeichnend ist, dass der Patient nur noch eine sehr geringe Wegstrecke normal gehen kann, bevor es zu starken Schmerzen in der Vorder- und auch Rückseite der Oberschenkel kommt, welche zum Stoppen der Gehbewegungen führen. Teilweise kann die Gehstrecke auf weniger als 100m eingeschränkt sein. Typisch für das Beschwerdebild sind Probleme beim Bergabgehen. Eine Besserung erfährt der Patient durch Hinsetzen oder durch leichtes nach vorne Beugen, da dabei der Spinalkanal durch die Beugung der Wirbelsäule etwas geöffnet wird und so der Druck auf die Nervenfasern abnimmt. Ein nach hinten Beugen führt zum gegenteiligen Effekt. Ist die Halswirbelsäule betroffen, kann es ebenfalls zur Gangstörung bei Spinalkanalstenose kommen. Hier sind weniger Schmerzen Ursache, sondern viel mehr eine gestörte Tiefensensibilität Grund der Gangstörung. Informationen über die Stellung der Muskeln, Knochen und Gelenke werden nicht mehr adäquat übermittelt, was zu Gangunsicherheit und Stürzen führt. Eine Spinalkanalstenose kann konservativ mit Krankengymnastik, Muskeltraining und Physiotherapie behandelt werden. Tritt keine Besserung der Symptome auf, muss über eine Operation nachgedacht werden.

Gangstörung bei Parkinson

Morbus Parkinson, im Folgenden Parkinson genannt, ist eine relativ häufige neurologische Erkrankung. Sie kann sich im Alter manifestieren und wird durch den Untergang von Nervenzellen im Gehirn verursacht, welche die Motorik regulieren. Typisches klinisches Bild ist die Gangstörung. Insgesamt ergibt sich ein gehemmtes, verlangsamtes Gangbild. Patienten mit Parkinson haben  Startschwierigkeiten mit dem Gehen zu beginnen. Die Gangstörung zeichnet sich durch kleinste Trippelschritte aus, die nach einigen Metern etwas besser werden. Menschen, die unter diesem Krankheitsbild leiden, fällt es auch häufig schwer eine Richtungsänderung beim Gehen vorzunehmen. Wird der Patient z.B. gebeten, sich auf der Stelle umzudrehen, tut er dies mit vielen kleinen Schritten. Sogenannte Engpassschwierigkeiten gehören ebenso zur Gangstörung bei Parkinson. Damit ist gemeint, dass sich die Gangstörung besonders in engen Räumen oder an Engstellen wie einem Türrahmen zeigt.  

Teilweise reichen schon kleinste Erhebungen, wie eine Teppichkante, um einen Parkinsonpatienten zum Stolpern zu bringen. Frühes Erkunnungszeichen einer solchen Gangstörung beschreibt ein vermindertes Mitschwingen der Arme, welches zunächst einseitig auftritt. Die Therapie besteht vor allem in der Gabe von Dopamin, dem Botenstoff, der dem Gehirn fehlt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Symptome von Morbus Parkinson

Gangstörung beim Kleinkind

Beim Kind bzw. Kleinkind ist das Entwickeln einer Gangstörung keine Seltenheit. Oftmals treten sie im Zuge der Entwicklung auf und verschwinden auch wieder, wie es z.B. bei einer Coxa antetorta der Fall ist. Sie betrifft ca. 15% der Kinder. Hierbei sind die Beine etwas nach innen rotiert. Diese Gangstörung bildet sich fast immer wieder zurück. Teilweise steckt dahinter jedoch eine behandlungsbedürftige Ursache.

Die meisten Ursachen beim Kind/Kleinkind sind orthopädischer Natur. Begleitet werden die Gangstörungen oft durch Hüft- oder Knieschmerzen. Eine angeborene, unentdeckte Hüftdysplasie führt beim Kleinkind zu bewegungsabhängigen Schmerzen und einem typischen Hinken oder Watschelgang. Auch ein Morbus Perthes, bei der der Hüftkopf beim Kind betroffen ist, verursacht eine hinkende, schmerzende Gangstörung. Beim älteren Kind kann eine neu aufgetretene Gangstörung Ausdruck einer Ablösung der Hüftkopfepiphyse (Epiphysiolysis capitis femoris) sein. Darüber hinaus kann eine Gangstörung beim Kind oder Kleinkind durch angeborene Fehlstellungen von Füßen, Beinen oder Hüfte verursacht werden. Jede Gangstörung beim Kind oder Kleinkind sollte schnell erkannt und behandelt werden, um dauerhafte Schäden durch andauernde Fehlbelastungen zu vermeiden und so eine normale Entwicklung zu fördern.

Übungen bei einer Gangstörung

Eine Säule der Verbesserung und Therapie einer Gangstörung ist die Krankengymnastik bzw. Physiotherapie, bei der mit verschiedenen Übungen die Muskulatur aufgebaut oder einer Fehlhaltung entgegengewirkt wird. Übungen machen vor allem bei orthopädisch bedingten Problemen Sinn, doch auch nach Schlaganfall spielen bestimmte Übungen eine wichtige Rolle, um z.B. das Gangbild wieder zu verbessern. Je nach Ursache und Ausmaß der Gangstörung kommen bestimmt Übungen in Betracht, die professionell angeleitet und vom Patienten konsequent durchgeführt werden müssen.

Bei leichter Spinalkanalstenose macht die Stärkung der Rückenmuskulatur Sinn, um die Haltung zu verbessern und so Druck von den Nerven zu nehmen.

Im Alter lohnen sich Übungen zur Stabilisierung der Bein- und Hüftmuskulatur besonders. Daneben können Übungen zur Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichtssinns zum Einsatz kommen, wodurch sich die Gangstörung und das Sturzrisiko deutlich senken lassen.

Für Kinder sind Übungen zu Verbesserung der Haltung und der Stellung der Gelenke ebenfalls eine gute Maßnahme, da sich im Kleinkindalter noch viele Haltungsprobleme beheben lassen können. Wichtig ist es zu wissen, dass alle Übungen nur dann effektiv sind, wenn sie ordnungsgemäß und sorgfältig ausgeführt werden. Daher lohnt es sich die Hilfe von Physiotherapeuten in Anspruch zu nehmen, um gemeinsam die Trainingsabläufe zu erlernen, damit diese zu einem späteren Zeitpunkt auch zu Hause durchgeführt werden können.  

Natürlich hat jede Art der Krankengymnastik ihre Grenzen. Sollte daher die Gangstörung auch nach einigen Wochen nicht besser werden, muss über weitere Therapiemaßnahmen nachgedacht werden. Auch sollte eine klare Diagnose zuvor durch einen Arzt gestellt worden sein, um nicht im Falle schwerwiegender Erkrankungen unnötig den Beginn einer adäquaten Therapie zu verzögern. Oftmals sind Übungen jedoch ein probates Mittel, mit denen sich leichte Formen einer Gangstörung vor allem bei Fehlhaltungen und Muskelschwäche beheben lassen.

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Weitere Informationen zu dem Themengebiet finden Sie unter Neurologie

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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