Inhalt:
Bänderdehnung am Sprunggelenk
Synonyme
Supinationstrauma, Pronationstrauma, Bänderdehnung, Bänderriß, Bänderruptur, Bänderläsion, Distorsionstrauma, Außenbandriss, Fibulare Bandruptur, Umcknicken Sprunggelenk
Lesen Sie auch:
Definition
Zu einer Verletzung des oberen Sprunggelenkes (OSG) kommt es häufig im Rahmen sportlicher Aktivitäten, aber auch im Alltag. Die meisten Ereignisse führen nicht zu schwerwiegenden strukturellen Schäden, d.h. zu einer Verletzung mit dauerhaften Folgen. Dennoch kann es zu einem Bänderriss v.a. im Bereich des Außenknöchels kommen. Bei der Untersuchung des Sprunggelenkes durch den Arzt sind sie kaum von Bänderdehnung oder Bänderteilrissen oder kompletten Bänderrissen zu unterscheiden. Der Übergang ist fließend.
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Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc JungermannAls "PDF" oder "Printversion" erhältlich.
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Abbildung Außenknöchel
- Ligamentum fibulotalare posterius
- Ligamentum fibulocalcaneare
- Ligamentum fibulotalare anterius
- Wadenbein (Fibula)
- Schienbein (Tibia)
- Sprungbein (Talus)
- Kahnbein (Os naviculare)
- Keilbein (Os cuniforme)
- Mittelfußknochen (Os metatarsale)
- Würfelbein (Os cuboideum)
Einleitung
Dieses Thema ist überwiegend aus physiotherapeutischer (krankengymnastischer) Sicht geschrieben.
Eine Sprunggelenksverletzung kommt häufig vor und ist in der Regel harmlos. In einigen Fällen kann aber eine vermeintlich harmlose Bänderdehnung dauerhafte Folgen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung des verletzten Sprunggelenkes haben.
Nur bei den wenigsten Sprunggelenksverletzten wird eine Kernspintomographie (MRT) durchgeführt, um das Ausmaß der Bandschädigung festzustellen.
Eine Kernspintomographie ist eine magnetische Untersuchung - also frei von Röntgenstahlen - die Schichtbilder vom Sprunggelenk darstellt.
Das Behandlungskonzept sieht meist eine konservative Therapie vor. Auch wenn die meisten Bandverletzungen folgenlos abheilen, kommt es immer wieder vor, dass Patienten über anhaltende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen oder über eine bleibende Instabilität des Sprunggelenkes klagen. Um derartige Verletzungsfolgen zu vermeiden, ist eine physiotherapeutische Behandlung von großer Bedeutung.
Zu den häufigsten Verletzungsmechanismen im Bereich des oberen Sprunggelenks gehört das Umknicken während des Laufens oder bei der Landung nach einem Sprung.
In den allermeisten Fällen erfolgt das Umknicken des Fußes zur Außenseite, es kommt zum sogenannten „Supinationstrauma“.
Das deutlich seltenere Umknicken zur Innenseite wird als „Pronationstrauma“ bezeichnet.
Diese Beschreibung der Verletzungsart sagt jedoch noch nichts darüber aus, welche Strukturen des Sprunggelenkes hierbei verletzt wurden.
Die häufigste Verletzungsfolge ist eine Schädigung der Kapsel und Bänder (Kapsel-Bandapparat) des Sprunggelenkes. Eine gründliche Untersuchung direkt nach dem Auftreten der Verletzung, gibt häufig erste Hinweise auf die Schwere der Verletzung. Eine endgültige Diagnose ist jedoch oft nur durch den Einsatz bildgebender Verfahren (Röntgen, Kernspintomographie) möglich.
Grundsätzlich sollte jede Umknickverletzung mit Entwicklung einer deutlichen Schwellung zum Ausschluss eines Bruches geröntgt werden. Je nach genauem Unfallmechanismus können folgende Knochenbrüche auftreten:
- Außenknöchelbruch
- Innenknöchelbruch
- Unterschenkelbruch
- Hoher Wadenbeinbruch (Maissoneuve Fraktur)
- Bruch des 5. Mittelfußknochens
Frühfunktionelle Behandlungsphase
Die frühfunktionelle Nachbehandlung einer Bänderdehnung / Bänderriss beginnt in den ersten Tagen nach der Verletzung und ist wichtig für einen möglichst schnellen und optimalen Heilungserfolg. Durch Umknickverletzungen entstehen Schmerzen und Schwellungen des Sprunggelenkes, die die Beweglichkeit des Sprunggelenkes einschränken.
Die frühfunktionelle Behandlung wird meist im Rahmen der Krankengymnastik durchgeführt.
Hauptziel der frühfunktionellen Behandlung ist die möglichst frühe Wiederherstellung der vollständigen Beweglichkeit im betroffenen Sprunggelenk.
In der Krankengymnastik kann dies beispielsweise durch eine Bewegungstherapie im Sinne einer PNF-Behandlung (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) erfolgen. Die Intensität und die Art der Belastung kann dabei gut an das aktuelle Leistungsvermögen angepasst werden.
Allgemeine Informationen zur Krankengymnastik finden Sie auch unter unserem Thema: Krankengymnastik
Koordinations- und Propriozeptionstraining
Ein ganz wesentlicher, wenn nicht gar der wichtigste Aspekt bei der Nachbehandlung einer Sprunggelenksverletzung, liegt jedoch in der Schulung der koordinativen und propriozeptiven Fähigkeiten.
Wenn nach den ersten beiden Behandlungsphasen eine gute Sprunggelenksbeweglichkeit sowie eine Schmerzarmut erzielt werden konnte, besitzt das Training dieser beiden Fertigkeiten oberste Priorität.
Koordinationsschulung bedeutet, das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern, die für die Stabilität und Bewegung des Sprunggelenkes verantwortlich sind.
Propriozeption bedeutet die Fähigkeit, die Wahrnehmung und Steuerung des eigenen Körpers im Raum sicher zu gewährleisten. Das Wort „Gleichgewichtsgefühl“ ist wohl eine annehmbare Übersetzung des Begriffs „Propriozeption“.
Ein Training dieser beiden Fähigkeiten ist nur schwer zu differenzieren und isoliert kaum möglich, da bei nahezu jeder koordinativen Aktion auch ein hohes Maß an propriozeptiven Fertigkeiten gefordert ist. Umgekehrt verhält es sich ähnlich.
In der Praxis sollte ein Propriozeptoren- bzw. Koordinationstraining für die Sprunggelenke möglichst barfuss durchgeführt werden, da bereits das Tragen von Socken wichtige Trainingsreize unterbinden kann.
Der Übungsaufbau, bzw. die Übungsabfolge richtet sich nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit des Patienten, sowie nach dessen individuellen Anforderungen an den Alltag.
Auf den ersten Blick einfache Übungen verlangen von Sprunggelenkspatienten bereits ein erhebliches Maß an koordinativen Fähigkeiten.
So gehört beispielsweise der Einbeinstand auf einer Gymnastikmatte schon zu den Aufgaben, die ein hohes Maß an Körpergefühl und Gleichgewichtsfähigkeit erfordern.
Am Ende dieser Therapiephase sollte unbedingt das Erarbeiten der Dynamischen Stabilität während der Bewegung erfolgen.
Diese lässt sich beispielsweise durch Laufübungen auf einer Matte oder auf einem Minitrampolin sehr gut schulen.
Die Koordinations- und Propriozeptionsschulung richtet sich in erster Linie nach den Anforderungen, die das Alltagsleben an die jeweiligen Patienten stellt. Ein Profifußballer benötigt sicherlich eine andere Form der Rehabilitation als ein Mensch, der überwiegend sitzende Tätigkeiten verrichtet und sportlich wenig aktiv ist. Die muskulären und koordinativen Ausgangsbedingungen sind hier schon ganz andere.
Dennoch ist eine ausreichende Stabilität und Beweglichkeit im Sprunggelenk für jeden Sprunggelenksverletzten wichtig. Bei jüngeren Patienten oder bei sportlich aktiven bietet sich die Durchführung eines sogenannten „Lauf ABC“ bzw. einer „Sprungschule“ an.
Beim „Lauf ABC“ werden verschiedene Laufformen, wie Hopserlauf, bewusstes abrollen über die Sprunggelenke, oder auch Skippings (Anziehen der Knie bis etwa Hüfthöhe) erarbeitet.
Bei der „Sprungschule“ werden die unterschiedlichsten Sprungarten (beidbeinige Sprünge, Einbeinsprünge, Sprünge über Hürden usw.), nach methodisch aufeinander abgestimmten Gesichtspunkten mit dem Patienten trainiert.
Eine Nachbehandlung einer Sprunggelenksverletzung bietet jede niedergelassene Krankengymnastikpraxis an.
Sportlich ambitioniertere Patienten, die eine Laufschule oder ein sportarztspezifisches Aufbautraining wünschen, sind bei einem speziell ausgebildeten Sportphysiotherapeuten besser aufgehoben.
Ein Blick auf die Internetseiten der ortsansässigen Physiotherapiepraxen, hilft Ihnen dabei, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Praxis entsprechende Sportphysiotherapie anbietet.
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