Hirnstamm

Synonyme im weitesten Sinne

Truncus encephali

Lesen Sie auch:

Einleitung

Der Hirnstamm auch Truncus encepahli betseht aus folgenden Bestandteilen:

  • Mittelhirn=Mesencephalon
  • Nachhirn=Metencephalon aus Brücke (Pons) und Kleinhirn (Cerebellum)
  • Verlängertes Mark=Medulla oblangata

Allgemeines

Der Hirnstamm des Gehirns umfasst von oben nach unten das Mittelhirn, die Brücke mit dahinter lokalisiertem IV. Hirnventrikel sowie daran grenzendem Kleinhirn und ganz unten das verlängerte Mark, welches in das Rückenmark übergeht. Außerdem beinhaltet der Hirnstamm die Hirnnervenkerne des dritten bis zwölften Hirnnerven.

Mittelhirn

Das Mittelhirn weist im Gehirn eine Größe von 1,5 bis 2 cm auf und teilt sich von vorne nach hinten in die beiden Hirnschenkel (Crura cerebri), die Haube (Tegmentum) sowie die Vierhügelplatte (Tectum). Unterhalb der Vierhügelplatte tritt der IV. Hirnnerv (Nervus trochlearis) aus. Im Inneren verläuft der Aquaeductus mesencephali (aquaeductus = Wasserleitung) als Verbindung vom III. und IV. Ventrikel. Als Verbindung mit dem Kleinhirn verlassen die oberen Kleinhirnschenkel (Pedunculi cerebellares superiores) das Mittelhirn.
Bezüglich der wichtigen Kernen des Mittelhirns sind das zentrale Höhlengrau (Substantia grisea centralis = zentrale graue Substanz), die Formatio reticularis („netzartige Formation“, Nervenzellnetzwerk), die Substantia nigra (schwarze Substanz) mit melaninhaltigen Nervenzellen und der eisenhaltige Nucleus ruber (roter Kern) zu nennen.
Desweiteren findet man im Mittelhirn die Kerne des III. und IV. Hirnnerven.


Brücke

Die Brücke des Gehirns besitzt ein dem Mittelhirn (Hirnstamm) vergleichbaren Aufbau: Brückenfuß (vorne), Brückenhaube (mittig) und Velum medullare (hinten; Velum = Segel, medullare = markhaltig).
Auch die Brücke besitzt mit den mittleren Kleinhirnschenkeln (Pedunculi cerebllares medii) eine Verbindung zum Kleinhirn.
Die Brückenhaube (Hirnstamm) enthält ebenfalls die Formatio reticularis, den Locus caeruleus sowie die Hirnnervenkerne der Hirnnerven V bis VIII.

Verlängertes Mark

Auch das zwiebelförmige verlängerte Mark (Hirnstamm) ist dreischichtig aufgebaut in ein vorderes und hinteres Gebiet und dazwischen befindliche Haube (Tegmentum). An der Vorderseite des verlängerten Marks laufen die beiden Pyramiden mit den Pyramidenbahnen, deren Kreuzung (Pyramidenkreuzung) das Ende des verlängerten Marks markiert. Seitlich daneben befinden sich die Oliven, von denen die unteren Kleinhirnschenkel (Pedunculi cerebellares inferiores) zum Kleinhirn ziehen. An der Hinterseite dieses Gehirnteils (Hirnstamm) findet man die Rautengrube; im Inneren liegen neben der Formatio reticularis außerdem die Area postrema (Brechzentrum) und verschiedene Hirnnervenkerne (des VIII., IX., X. und XII. Hirnnerven).

Kleinhirn

Das Kleinhirn als Teil des Gehirns liegt dem Hirnstamm an seiner Hinterseite auf und ist mit diesem über drei Kleinhirnstiele (Pedunculi = Füßchen) verbunden. Vom restlichen Gehirn (Großhirn), unter dem sich das Kleinhirn befindet, wird es durch eine Hirnhautplatte (Tentorium cerebelli, Tentorium = Zelt) getrennt.
Eingeteilt wird das Kleinhirn in den mittig gelegenen Kleinhirnwurm (Vermis), welcher auf jeder Seite von einer Kleinhirnhemisphäre umgeben wird. Verbunden mit dem Wurm gehört noch der Flocculus dazu (flocculus = kleine Plane). Die Oberfläche des Kleinhirns besteht aus Furchen und Windungen, welche eine Einteilung in Lappen erlauben.

Funktion

Insgesamt gesehen ist der Hirnstamm des Gehirns verantwortlich für die Regulation lebenswichtiger Vorgänge wie Schlaf, Atmung, Blutdruckhöhe oder Miktion (Wasserlassen).
a) Mittelhirn: Im Mittelhirn (Hirnstamm) verlaufen zum Gehirn auf- und zum Rückenmark absteigende Bahnen. Weiterhin nimmt es mit dem zentralen Höhlengrau als Teil des limbischen Systems eine Aufgabe bei der Wahrnehmung von Schmerzen ein. Die Substantia nigra spielt eine Rolle im motorischen System, der Nucleus ruber bei der Koordination von Muskelbewegungen und der Muskelspannung (Muskeltonus). An Sehvorgängen (Augenbewegungen, visuelle Reflexe) sowie an Hörprozessen (auditive Reflexe) ist das Gehirn über die Vierhügelplatte beteiligt.
b) Brücke: In der Brücke werden Signale zum Kleinhirn umgeschaltet.
c) verlängertes Mark: Das verlängerte Mark (Hirnstamm) bildet mit der Formatio reticularis ein wichtiges Reflex- und Koordinationszentrum de Gehirns. Die Pyramidenbahnen (Tractus corticospinalis) stellen die Verbindung zwischen der Hirnrinde und dem Rückenmark zur Regulation muskulärer Arbeit her.
Das Olivensystem formiert sich als Umschaltstation zwischen motorischem System und Kleinhirn.
Die Formatio reticularis (Hirnstamm) findet sich sowohl im Mittelhirn, als auch in der Brücke und im verlängerten Mark. Ihre Aufgabe besteht in der Regulation vegetativer und affektiver Vorgänge. Verbindungen bestehen zum limbischen System (Stimmung), zur Hirnrinde (Bewusstsein, Einschlafen, Aufwachen, Erregung), zum Rückenmark (Schmerzunterdrückung, motorische Vorgänge), zu sensorischen Systemen und zu motorischen Nervenstationen (Muskelspannung, Koordination stereotyper Bewegungen, Steuerung der Augenbewegungen). Weiterhin ist die Formatio reticularis an Reflexen beteiligt, wobei man den Schluck-, Saug-, Korneal, Vestibularisreflex, okulomotorische Reflexe sowie Sekretionsreflexe bei der Verdauung dazurechnet.
d) Kleinhirn: Das Kleinhirn als Teil des Gehirns spielt eine Rolle in der Koordination und Regulation muskulärer Bewegungen inklusive Muskelspannung (Mukeltonus) sowie zeitliche Abfolge der Bewegungen. Zusammen mit dem Labyrinthorgan (Gleichgewichtsorgan) sorgt es für das Gleichgewicht. Zur Wahrnehmung all dieser Aufgaben erhält das Kleinhirn visuelle (das Sehen betreffend), auditive (das Hören betreffend), vestibuläre (das Gleichgewicht betreffend), propriozeptive (die Tiefensensibilität betreffend) und exterozeptive (Berührung, Vibration, Druck, Schmerz, Temperatur betreffend) Informationen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012