Inhalt:
- ISG
- Synonyme im weiteren Sinne
- Erklärung
- Geschlechtsspezifische Unterschiede der Gelenkflächen
- Stabilisierende Faktoren des ISG
- Funktion der Bänder im Gesamten
- Provokationstests für die Bänder
- Innervation des ISG (nervale Versorgung)
- Bewegungsachsen
- Bewegungsausmaß
- Bewegungen beim Gehen
- Praxistipp
- OPIS-Buch
- Weiterführende Informationen
- Anatomie Quiz
ISG
Synonyme im weiteren Sinne
Medizinisch: Articulatio sacroiliaca
Iliosakralgelenk, Kreuz-Darmbeingelenk, SIG (Sakroiliakalgelenk)
Erkrankung: ISG-Blockierung
Erklärung
Das ISG (medizinisch: Articulatio sacroiliaca) ist die gelenkige Verbindung zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os Ilium).
Die Gelenkflächen (Facies auricularis) zwischen diesen beiden Knochen haben bumerang-bis c-förmige Gestalt und befinden sich zwischen dem 1. und 3. Sacralwirbel.
Sie bestehen aus einem oberen und unteren Pol, deren Umschlagstelle sich etwa in Höhe des 2. Sakralwirbels (Teil des Kreuzbeins) befindet. Zwischen oberen und unteren Pol befindet sich eine Knickstelle, deren Winkel 100-120° beträgt.
Geschlechtsspezifische Unterschiede der Gelenkflächen
Bei der Frau ist die Gelenkoberflläche von deutlich ebenerer Gestalt, so dass ein deutlich größerer Bewegungsspielraum als beim ISG des Mannes besteht.
Die Stabilisierenden Faktoren des Gelenkes bei der Frau sind einerseits die Lage des Kreuzbeines im Beckenring, andererseits der Muskel- und Bandapparat. Man spricht vom sogenannten Kraftschluss des Gelenkes.
Die Oberflächen der Gelenkflächen beim Mann sind durch zahlreiche Rinnen und Erhebungen gekennzeichnet, so dass sehr viel Kraft aufgewendet werden muß, um eine Verschiebung der Gelenkflächen gegeneinander zu erreichen. Folge ist eine große Stabilität aber nur geringe Beweglichkeit des Gelenkes. Man spricht vom sogenannten Formschluß des Gelenkes.
Stabilisierende Faktoren des ISG
Neben der Oberflächenbeschaffenheit der Gelenkflächen und der Lage des Kreuzbeines im Beckenring zeichnen sich eine Reihe von Bändern für die Stabilität des ISG verantwortlich.
Die wichtigsten Bänder sollen im folgenden kurz beschrieben werden.
- Hintere Kreuz-Darmbein-Bänder (Ligg. sacroiliaca dorsalia)
Hierbei handelt es sich um Faserzüge die das Darmbein mit dem Kreuzbein verbinden. - Vordere Kreuz-Darmbein-Bänder (Ligg. sacroiliaca ventralia)
Diese Bandstrukturen verbinden ebenfalls das Darmbein mit dem Kreuzbein,sind eher dünn und haben eine Verbindung mit der Kapsel. In ihrem oberen Faserverlauf gehen sie eine Verbindung mit dem Lig.iliolumbale ein. - Ligg. sacroiliaca interossea
Diese Bänder, deren Faserzüge sehr dicht und kurz sind, gehen ebenfalls eine Verbindung mit der Gelenkkapsel ein und füllen den Sakralsulcus aus. Durch ihre unmittelbare Lagebeziehung zur Kapsel und durch das Ausfüllen des Sakralsulcus übernehmen sie eine wichtige Funktion bei der Stabilisierung des ISG. - Ligg. sacrospinale
Dieses Band hat seinen Ursprung an der unteren Außenfläche des Kreuzbeins und der Basis des Steißbeins, verläuft vor dem Ligamentum sacrotuberale mit dem es eine enge Verbindung eingeht und setzt im Bereich der Spina ischiadica an. - Lig. sacrotuberale
Dieses dreieckförmige Band entspringt an den Seitenbereichen des Kreuz-/ Steiß und Darmbeines (Spina iliaca posterior superior (SIP)) und setzt am Tuber ischiadicum an.
Auch dieses Band übernimmt eine wichtige Funktion für die Stabilisierung und Bewegung des ISG. Gemeinsam mit dem Lig. sacrospinale ist es das kräftigste Band zur Stabilisierung der Nutationsbewegung.
Das Ligamentum sacrospinale und das Ligamentum sacrotuberale
machen aus der Incisura ischiadica major und minor ein Foramen isciadicum majus und minus. Diese stellen wichtige Durchtrittsstellen für Gefäße, Nerven und Muskeln dar. - Lig. iliolumbale
Sie setzen die hinteren Sakroiliakalbänder nach oben fort und ziehen vom Darmbein zum 4. und 5. Lendenwirbel . Diese Bänder sind für die Stabilisierung des ventralen ISG-Bereichs verantwortlich.
Funktion der Bänder im Gesamten
Die beschriebenen Bänder sind die wichtigsten Strukturen zur Stabilisierung des ISG und verhindern unphysiologische Bewegungen in diesem Gelenk.
Kommt es zu Funktionsstörungen im ISG mit Fehlhaltungen bzw. Fehlstellungen des Darm-oder des Kreuzbeins, werden die betroffenen Bänder vermeht belastet.Die Folge ist eine Spannungszunahme der Bänder, die zu einer Bewegungsstörung des ISG führen kann.
Provokationstests für die Bänder
Getestet und provoziert werden die Bänder in Rückenlage. Dabei beugt man das Bein des Patienten und dehnt die Bänder in dem man in verschiedenen Stellungen des Hüftgelenkes einen Schub entlang der Oberschenkellängsachse ausübt.
- Zur Testung des Lig. iliolumbale führt man das Knie in Richtung des gegenüberliegenden Hüftgelenkes
- Zur Testung des Lig. sacrotuberale führt man das Knie zur gleichseitigen Schulter
- Zur Testung der Ligg. sacroiliaca dorsalia und sacrospinale führt man das Knie zur gegenüberliegenden Schulter.
Als Tipp für die Praxis hat es sich als günstig erwiesen,die Dehnstellung der Bänder eine zeitlang zu halten und diese dabei zu ertasten (palpieren).
Innervation des ISG (nervale Versorgung)
Das Iliosacralgelenk wird haptsächlich aus der Nervenwurzel S1 (Nerv aus dem Kreuzbein) versorgt. Eine Ausnahme bilden die Ligg. sacrotuberale und sarospinale die aus den Segmenten S3-4 versorgt werden.
Bewegungsachsen
Im ISG finden Bewegungen um verschiedene Bewegungsachsen statt, deren Schnittpunkt sich in Höhe des zweiten Sacralwirbels befindet.
- Frontale Achse
Um diese Achse finden die Flexionsbewegung und Extensionsbewegungen (Beugen und Strecken) des ISG statt. Sie ist eine gedachte Linie die horizontal durch den zweiten Sacralwirbel verläuft.
Die Flexions-und Extensionsbewegungen bezeichnet man auch als Nutation und Gegennutation. - Longitudinale Achsen
Um diese Achse, dreht sich das Kreuzbein beim Gehen und läßt somit leichte Rotationsbewegungen zu.
Sie ist eine verticale Linie die das Kreuzbein in eine rechte und linke Hälfte teilt. - Diagonale Achsen
Das sind zwei Achsen die diagonal durch das Kreuzbein verlaufen. Die rechte verläuft dabei vom rechten oberen zum linken untern Pol, die linke vom linken oberen zum rechten unteren Pol.
Da um diese Achsen die Torsionsbewegungen beim Gehen stattfinden werden diese auch als Torsionsachsen bezeichnet - Sagittale Achse
Sie ist der Schnittpunkt der meisten Achsen und verläuft von vorne und hinten durch den zweiten Sacralwirbel.
Die sagittale Achse ist für das Gleichgewicht des Kreuzbeines von großer Bedeutung.
Bewegungsausmaß
Das Ausmaß der Beweglichkeit ist sehr gering. Eine aktive Bewegung ist nicht möglich.
Bewegungen beim Gehen
Während des Gehens erfolgen minimale, aber wechselnde Bewegungen in den SIGs. Die Bewegungen im ISG sollen am Schritt mit dem rechten Bein verdeutlicht werden.
- Bei einem Schritt mit dem rechten Bein bewegt sich das rechte Ilium (Darmbein) nach hinten. Dabei erfolgt eine Rotationsbewegung des Ilium um die longitudinale Achse nach links, während sich das linke nach vorne bewegt. Durch eine zusätzliche Torsionsbewegung (Drehbewegung) um die linke Torsionsachse kommt es zu einer Neigung der Sacrumbasis nach links.
- Ab dem Übergang in die mittlere Standbeinphase kommt es zu einer Drehung des rechten Os coxae nach vorne und des linken nach hinten. In Folge dessen dreht das Kreuzbein nach rechts und dessen Basis senkt sich auf dieser Seite.
Praxistipp
Testung des Gelenkspiels (Jointplay) und der Muskulatur
Bei Funktionsstörungen im ISG ist es wichtig ob die Ursache in einer Störung des Gelenkspiels oder der Muskulatur liegt. Meist sind beide Störungen aneinader gekoppelt. Um das Gelenkspiel zu untersuchen werden verschiedene Tests durchgeführt. Zum allgemeinen Verständnis wird dabei ein Gelenkpartner fixiert und der andere bewegt(mobilisiert). Liegt eine Seitendifferenz vor handelt es sich auf der schlechter gleitenden Seite um ein vermindertes Gelenkspiel. Zusätzlich muss die dazugehörige Muskulatur auf ihre Dehnfähigkeit überprüft werden.
Muskeltraining bei SIG-Instabilität
Bei einer Gelenkinstabilität sollte das ISG nicht mobilisiert oder manipuliert werden sondern die entsprechende Muskulatur zur Stabilisierung auftrainiert werden. Von besonderer Bedeutung sind dabei der M.erector spinae und der M. piriformis. Da beim Muskelaufbau meist eine weiterlaufende Bewegung im ISG erfolgt, muss versucht werden dies zu verhindern. Deshalb ist es wichtig zunächst den Beckenring passiv zu stabilisieren und erst danach die Muskulatur aufzutrainieren.
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