Die Wirbelsäule besteht aus der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule. Die Lendenwirbelsäule besteht wiederum aus fünf aufeinanderliegenden Wirbel, die aus Knochen bestehen und eine waagrechte Unterseite bilden. Auf dieser liegt die Bandscheibe auf, die Zum Einen die Bewegungen, die die Wirbelsäule durchführen muss, reibungsärmer gestaltet, zum Anderen Kräfte, die auf die Wirbelsäule lasten abfedert.
Die Bandscheiben sind teilelastisch und bestehen aus einem Faserring (Anulus fibrosus) und einem Gallertkern (Nucleus pulposus). Die Bandscheibe liegt durch die Wirbelkörper und die Dornfortsätze abgegrenzt recht gut befestigt zwischen jedem Wirbelkörper. Kommt es zu chronischen, unphysiologischen Bewegungen der Wirbelsäule kann es sein, dass zwei sich gegenüberliegende Wirbelkörper so zueinander stehen, dass sie den Weg für eine Bandscheibe „frei“ geben. In diesem Fall würde sich die Bandscheibe aus ihrer stabilen Verankerung entweder nach hinten (dorsal) oder nach vorne (ventral) bewegen. Dies hätte aber auch zur Folge, dass die Druckverhältnisse, die sonst auf den Bandscheiben lasten, ungleichmäßig verteilt werden. Das hätte zur Folge, dass der Nucleus pulposus sich aus dem Anulus fibrosus hindurchdrücken kann und dadurch die Stabilität der Bandscheibe gefährden würde.
Das Herausdrücken der Bandscheibe zwischen beiden Wirbelkörpern oder des Nucleus pulposus aus dem Anulus fibrosus bezeichnet man als Bandscheibenvorfall. Er hat zur Folge, dass sich die Wirbelkörper nicht mehr in sicherer Entfernung zueinander befinden und sich annähern. Auch kann es sein, dass sich ein bestimmter Teil der Wirbelkörper so weit annähert, dass die Knochenenden in Kontakt treten und aneinander reiben. Meistens sind es die Hinterkanten oder die Vorderkanten, die aufeinandertreffen.
Der Mittelteil des Wirbelkörpers kommt selten in Kontakt mit seinem benachbarten Wirbelkörper. Dies geschieht im Grunde nur dann, wenn die Bandscheibe sich vollständig aus der Enge zwischen den Wirbelkörpern herausgedrückt hat und Wirbelkörper auf Wirbelkörper liegt.
Der Knochenkontakt zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und die Reibung verursacht letztendlich Schmerzen. Meistens bei Bewegungen der Wirbelsäule (z.B. beim Laufen, Bücken oder Sitzen), in extremen Fällen aber auch in Ruhe.
Die Lendenwirbelsäule hat im Gegensatz zur Brustwirbelsäule und zur Halswirbelsäule eine Besonderheit:

Die Wirbel sind besonders steil zueinander gestellt. Im normalen Fall können sie Kräften, die nach vorne oder hinten gerichtet sind, entgegen wirken. Solche Kräfte treten am ehesten beim Bücken sowie beim Vor- und Rückneigen des Oberkörpers auf. Besonders bei sehr häufig und unphysiologisch durchgeführten Bewegungen kann es zu Instabilitäten kommen. Von Bandscheibenvorfällen sind am ehesten die Wirbelkörper LWK 4 und 5 sowie LWK 5 und SWK 1 betroffen.

Neben den chronischen Fehlbelastungen, die zu Bandscheibenvorfällen führen, kann es auch in einigen seltenen Fällen zu angeborenen Fehlstellungen der Wirbelkörper kommen. Diese Fehlstellungen betreffen besonders häufig die Dornfortsätze der Wirbelkörper und fördern das Auftreten von Bandscheibenverfällen.

Neben den Schmerzen, die durch das Reiben gegeneinander von gegenüberliegenden Wirbelkörper auftreten können, stellt eine neurologische Symptomatik ein weiteres Risiko dar. Die Wirbelsäule dient nicht nur der Stabilität des Körpers sondern bildet auch eine Art Tunnelsystem für das Rückenmark dar, das vom Kopf bis zur Lendenwirbelsäule durch übereinander liegende Löcher (Foramina) durch die Wirbelkörper hindurchführt. Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall besteht aus diesem Grund die Gefahr, dass die sich herausschiebende Bandscheibe gegen das Rückenmark drückt und so zu zum Teil massive neurologische Einschränkungen führt.
In einigen, leichten Verläufen verspürt der Patient meistens nur ein Kribbeln in linkem oder rechtem Bein. Bei schweren Verläufen kann das Rückenmark so komprimiert werden, dass es zu Symptomen einer Querschnittslähmung kommt. Auch Symptome einer Inkontinenz können Anzeichen für einen schweren Bandscheibenvorfall sein. An vielen Stellen, wo sich die Bandscheibe herausgedrückt hat und wo benachbarte Wirbelkörper oft in kippender Position aufeinander stehen, hat ein Bandscheibenvorfall zudem noch die Folgen einer Instabilität. Für den Patienten hat dies zur Folge, dass er Bewegungen nicht mehr so einfach durchführen kann und, dass Kräfte, die über die Wirbelsäule abgeleitet werden sollen ungedämpft auf der gesamten Wirbelsäule lasten. Dies hat wiederum Mehrbelastungen und Schäden der anderen Wirbelkörper zur Folge. In vielen Fällen entsteht aus diesem Grund beim Auftreten eines Bandscheibenvorfalles an benachbarter Stelle ein weiterer. Um einen Bandscheibenvorfall vorzubeugen, sollte zunächst evtl. vorhandenes Übergewicht abgebaut werden.
Des Weiteren sollten unter physiotherapeutischer Betreuung Bewegungsabläufe optimiert werden. Langes Sitzen oder Stehen sollte vermieden werden. Bei der Auswahl des Schuhwerkes sollte auf bequeme aber stabile Schuhe geachtet werden. Menschen in sitzenden Berufen sollten in regelmäßigen Abständen den Arbeitsplatz verlassen und Bewegungsübungen durchführen. Dazu zählen Streckübungen und Dehnübungen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden sollten. Lockerungsübungen der Muskulatur in Form von Massagen können helfen, die durch die Fehlstellung belastete Muskulatur zu enthärten.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012