Inhalt:
Muskelfaserriss
Synonyme
Muskelriss, Muskelbündelriss, Muskelzerrung
Definition
Ein Muskelfaserriss ist eine meist sichtbare Unterbrechung der Muskelstruktur (teilweise als Delle sichtbar und tastbar). Ursache sind Maximalbelastungen in nicht ausreichend erwärmter Muskulatur, sowie unverhältnismäßig starke Überdehnung.
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Buch "Die optimale Therapie des Muskelfaserrisses"
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Dieses Buch informiert über alle Therapiemöglichkeiten des Muskelfaserrisses mit Vor- und Nachteilen detailliert und laienverständlich beschrieben.
Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc JungermannAls "PDF" oder "Printversion" erhältlich.
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Zusammenfassung

- Muskelfaserriss
Im Sport treten recht häufig Verletzungen im Bereich der Muskulatur auf. Die häufigsten Verletzungsformen im Bereich der Muskulatur sind die Muskelzerrungen, die Muskelfaserrisse und der Muskelriss, in individuell unterschiedlichem Ausmaß. Alle drei genannten Verletzungsformen sind auf eine muskuläre Störung zurückzuführen, bei gleichzeitigem Auftreten einer muskulären Dekompensation, beispielsweise in Form von Muskelermüdungen.
Man spricht von einer Muskelzerrung, wenn der Muskel über sein physiologisches Maß hinweg gedehnt wird. Die anatomische Struktur des Muskels verändert sich bei einer Zerrung nicht. Erst wenn über diese Muskelzerrung hinweg die Kraft, bzw. die Belastung des Muskels weiterhin überschritten wird, treten Verletzungen wie Muskelfaserrisse oder gar Muskelrisse ein.
Im Falle eines Muskelfaserrisses reißen die sehr kleinen Muskelfasern ein, während bei einem Muskelriss der Muskel als solches vollständig durchtrennt wird. Da der Muskel als solches recht widerstandsfähig ist, treten Muskelrisse nur dann auf, wenn der Muskel unter maximaler Beanspruchung steht.
Alle oben beschriebenen Verletzungen müssen auf Fehlfunktionen in der Muskulatur, wie beispielsweise Muskelermüdung, Ungleichgewicht des Stoffwechsels oder Überbelastung in Folge einer fehlerhaften Kommunikation zwischen Nervenbahnen und Muskulatur zurückgeführt werden. Muskelzerrung, Muskelfaserriss und Muskelriss stellen dabei ein und dieselbe Muskelverletzung dar, die sich lediglich in der Schwere der Verletzung unterscheidet.
Wenn Sie sich für eine detaillierte Erläuterung zum Aufbau der Muskulatur interessieren, können Sie dies im Bereich Muskulatur nachlesen.
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Ursachen
Menschen, die zu einer Muskelverhärtung neigen, sind tendenziell häufiger von Verletzungen im Bereich des Muskels betroffen.
Zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen im Bereich der Muskulatur zählen plötzlich auftretende Maximalbelastungen, wie beispielsweise Beschleunigungen (Endspurt, schnelles Ansprinten, ...) oder Kombinationen aus beschleunigen und abbremsen, wie sie beispielsweise im Tennis auftreten. Zerrungen und Risse resultieren dann stets aus der kurzzeitigen Extrembelastung im Bereich der Muskelschnellkraft, sodass der Muskel die plötzlichen mechanischen Zugkräfte nicht mehr auf-, bzw. abfangen kann.
Auch kalte Witterung oder ein unzureichendes Aufwärmen vor sportlichen Betätigungen zählen zu den Ursachen.
Symptome

- Einblutung Muskulatur
Muskelverletzungen führen in der Regel Druck- Dehn- und Anspannungsschmerzen mit sich. Während sich eine Zerrung durch rasch zunehmende und krampfartige Schmerzen äußert, ist es beim Muskel(faser)riss eher der akut auftretende, stechende Schmerz, der es erforderlich werden lässt, ausgeführte Bewegungsabläufe sofort abzubrechen.
Die oben erwähnten Schmerzsymptomatiken unterscheiden sich durch die Schwere und den Grad der Verletzung in ihrer jeweiligen Erscheinungsform. Die Einteilung in verschiedene Schweregrade der Muskelverletzung gibt letztlich auch Aufschluss im Hinblick auf die nachfolgende Therapie.
Bei einem Muskelfaserriss ersten Grades sind weniger als 5 % der Muskelfasern eines Muskels gerissen. Diese Verletzung ist gleichzusetzen mit einer leichten Zerrung. Beide Verletzungen werden durch die Überdehnung des Muskels hervorgerufen, schränken die Person in Muskelkraft oder Bewegungsausmaß nicht wesentlich ein. Bei aktiver Bewegung sowie bei passiven Drehbewegungen kann es zu krampfartigen Schmerzen im Bewegungsablauf kommen, die sich dann mehr oder minder störend auf den Sportler und seine Leistungen auswirken.
Bei einem Muskelfaserriss zweiten Grades reißt ein höherer Prozentsatz der Muskelfasern eines Muskels. Bereits unmittelbar nach der Verletzung bildet sich eine sicht- und tastbare Delle im Muskel, die allerdings in der Regel durch die eintretende Schwellung innerhalb eines Tages nicht mehr sicht- und tastbar ist. Aufgrund starker Schmerzen wird die Muskelkraft und die Bewegungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, besonders störend wirkt sich die eingeschränkte Kontraktionsfähigkeit im Verletzungsbereich aus, sodass gewohnte Bewegungsabläufe stark beeinträchtigt werden.
Das Zerreißen eines Skelettmuskels – ein Riss dritten Grades – infolge direkter Gewalteinwirkung oder sehr starker Kontraktion ist in der Regel mit starken stechenden Schmerzen verbunden, die sich beim Versuch, den Muskel erneut anzuspannen, erneut in gleicher Schwere bemerkbar machen. Kontraktionen dieses Muskels sind aufgrund des „Muskelbruches“ nicht mehr möglich. Unter Umständen kann sich eine so genannte „Muskelhernie“ ausbilden, die durch ein Auswölben einzelner Muskelteile sicht- und fühlbar macht.
Nach der so genannten „Dellenbildung“ schwillt die verletzte Stelle innerhalb der nachfolgenden 24 Stunden stark an, ein Hämatom (Bluterguß) unterhalb der Verletzung wird sichtbar. Durch den kompletten Riss des Muskels kommt es zu partiellen, bzw. unter Umständen zu kompletten Funktionsverlust.
Mittels einer Sonographie kann die Lokalisation und die Ausdehnung eines Risses und eines Hämatoms genaustens bestimmt werden. Man unterscheidet im Bereich der Hämatome zwischen intra- (= innerhalb der Muskulatur) und intermuskulären (= innerhalb des Muskelzwischengewebes) Hämatomen, deren Differenzierung im Rahmen der Therapie und Heilung eine große Rolle spielen.
Diagnose
Wie bereits oben erwähnt, unterscheiden sich die Muskelverletzung in ihrer Schwere und in der Art des Schmerzes. Aus diesem Grund ist die Schmerzbeschreibung durch den Patienten zur Diagnoseerhebung in besonderer Weise Aufschluss gebend.
Generell treten bei Muskelverletzungen Druck- Dehn- und Anspannungsschmerzen auf. Der Patient begibt sich in eine Schonhaltung, die sich beispielsweise bei Muskelverletzungen am Bein durch Humpeln oder ähnliches äußern kann.
Bei Zerrungen ist über die Patientenbeschreibung in Form von rasch zunehmenden krampfartigen Schmerzen hinaus eine spindelförmig, abgrenzbare Zone ertastbar. Der akut auftretende, stechende Schmerz beim Muskelfaserriss oder Muskelriss zeichnet sich gegebenenfalls durch ein äußerlich sichtbares Hämatom aus. Bei einem Muskelriss kann eine Delle durch die Auswölbung von Muskelteilen sichtbar werden, die später durch Schwellungen nicht mehr sichtbar wird. Für einen Muskelriss spricht auch ein partieller, bzw. ein kompletter Funktionsverlust des Muskels und wieder auftretende stechende Schmerzen bei Kontraktion.
Der Arzt ermittelt nicht nur per Abtasten und Augenschein die Verletzung, sondern prüft mittels spezifischer Bewegungstests das Ausmaß der Einschränkung. Speziell der Widerstandstest, bei dem der Patient den Muskel anspannt während der Arzt einen Gegendruck ausübt, macht die Einschränkung und das Ausmaß der Schmerzen erkenntlich.
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Therapie
Ab dem ersten Tag nach Eintreten der Verletzung bis zum dritten Tag kann die Elektrotherapie eingesetzt werden. Es wird in diesem Bereich unterschieden zwischen:
- Galvanisation
Zurückgehend auf Luigi Galvani (1737 – 198), wird hierbei mit konstant fließendem Gleichstrom behandelt. Dieser Gleichstrom steigert die Reaktions- und Funktionsfähigkeit motorischer Nerven. - Iontophorese
Hierbei werden gezielt Wirkstoffe mittels galvanischen Stroms durch die intakte Haut eingeschleust. Da hierbei der Wirkstoff nur relativ unzuverlässig dosiert werden kann, wird sie nur recht selten angewendet. - Funktionelle (z.B. Tapeverbände) und abschwellend wirkende Salbenverbände können zusätzlich als konservative Therapieform ihren Einsatz finden. Die Gabe entzündungshemmender Medikamente und Muskel entspannender Medikamente kann vom behandelnden Arzt unter Prüfung des Gesamtstatus (z.B.: Magenanamnese) zusätzlich in Erwägung gezogen werden. Bei Muskelfaserrissen kommt es – wie bereits oben erwähnt – zu Einblutungen, wodurch die zusätzliche Einnahme von Medikamenten, die das geronnene Blut im Bluterguss verflüssigen (Fibrinolytika) zum Einsatz kommen kann.
Ab dem 4. Tag ist eine Behandlung mit Interferenzstrom (Mittelstrom, 1000 Hz – 1000 kHz) möglich. Auch die Ultraschalltherapie (über 1000 kHz) kann (zusätzlich) eingesetzt werden. Durch die Schallwellen kommt es zu einem Druckwechsel im Gewebe, wodurch eine mechanische Vibrationswirkung ausgelöst wird. Ein Teil der Schallenergie wird zusätzlich in Wärme umgewandelt, wodurch eine thermische Wirkung entsteht. Durch die Wirkung des Ultraschalls und dessen Reflektion am Knochen entsteht im Weichteilgewebe eine so genannte „Mikromassage“. Diese Therapieform ermöglicht ein Eindringen der Schallwellen bis in eine Tiefe von etwa 8 cm, löst Verklebungen auf und ermöglicht ein Auflockern der Muskulatur und regt somit in besonderer Weise die Regeneration an.
Belastung kann sofort wieder vorgenommen werden, allerdings nur dann, wenn sie schmerzfrei ist. Die Belastung sollte beispielsweise in Form von Krankengymnastik vorgenommen werden. Aus dem Bereich der Krankengymnastik sind verschiedene Behandlungsformen denkbar:
- Muskeltonisierung
- Isometrie (Ganzkörperspannung)
- PNF (= Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
- Stimulation und Kräftigung der Muskulatur um das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskulatur zu stimulieren mit dem Ziel der Normalisierung des Muskeltonus, der Muskeldehnung und –kräftigung, sowie dem Abbau der pathologischen Bewegungsmuster, wie beispielsweise der Schonhaltung nach eingetretener Verletzung.
- Auf eine passive Dehnung oder Massage der verletzten Muskulaturbereiche sollte aufgrund der hohen Regenerationsfähigkeit des Skelettmuskels bei einer Zerrung in den ersten zwei bis drei Wochen komplett verzichtet werden. Bei einem Muskelfaserriss sollte dies sogar erst ab der 6. Woche und bei einem Muskelriss erst zwischen 8. und 12. Woche versucht werden. Es besteht in besonderer Weise die Gefahr einer verkalkenden Heilung (= Myositis ossificans) beim Muskelfaserriss oder aber im schlimmsten Fall die Gefahr des Nachblutens. Aktive Dehnungen sind in der Regel früher möglich, sollten aber nur dann durchgeführt werden, wenn sie schmerzfrei sind.
Bei der körpereigenen Regeneration der Muskelverletzung kommt es zur Regeneration der Muskelfasern, zum anderen aber auch zur Bildung von Narbengewebe. Narbengewebe ist generell weniger dehnbar als die Muskelfasern. Hinzu kommt, dass die neuen Muskelfasern kürzer sind und weniger Bindegewebe enthalten. Durch die Kombination dieser beiden Fakten ist der Muskel als solches von einem Funktionsverlust betroffen und muss neu aufgebaut werden (REHA). Da sich im Muskel nun verschiedene Anteile mit unterschiedlichen Dehnungseigenschaften befinden, muss spezielle Vorsorge und Vorsicht geboten sein, sodass die Entstehung neuer Faserrisse verhindert wird.
Der Einsatz der operativen Therapie erfolgt in der Regel bei Muskelrissen und auch nur dann, wenn der Riss länger ist als 2/3 des Querschnitts, wenn eine erhebliche Unterbrechung durch den Riss entstanden ist oder ein stark ausgedehntes Hämatom aufgetreten ist. Da es unter Umständen zu einem erheblichen Funktionsverlust kommen kann, wird die operative Therapie bei Leistungssportlern und ambitionierten Hobby – Sportlern nur sehr selten angewendet.
Im Rahmen der Operation wird das Hämatom ausgeräumt und die gerissenen Enden mit resorbierenden Nähten adaptiert (= genäht). Die Nachbehandlung besteht in der Regel aus einer Ruhigstellung für den Zeitraum von etwa 4 Wochen, einer Teilbelastung bis hin zur Körpergewichtsbelastung bis etwa zur 12. Woche, sowie aus einer Krankengymnastik, die direkt nach der Operation einsetzen kann und ähnlich der Behandlung bei Muskelzerrung und Muskelriss gehandhabt werden sollte.
Hinweis: Sportkarenz
Geben Sie Ihrer Muskelzerrung oder Muskelfaserriss genügend Zeit zum Ausheilen und üben sie sich in Geduld!
Komplikationen
Bei Muskelfaserrissen / Muskelrissen kommte es – bedingt durch die Ruptur zu inter-, bzw. intramuskulären Blutungen und somit zur Hämatombildung. Bei starken Einblutungen bildet sich der Verletzungsbereich nicht (vollständig) zurück. Bindegewebe wächst in den Bluterguss ein und es entwickelt sich ein Narbenplatte, die – wie bereits oben beschrieben – nicht so elastisch ist wie das Muskelgewebe. Somit setzt sich der Muskel aus vielen Bereichen mit unterschiedlicher Elastizität zusammen: Muskelbereiche, Muskelfasern, die sich neu gebildet haben und kürzer sind, Narbengewebe, das weniger elastisch ist...
Aus diesem Grund ist die Kontraktionsfähigkeit und die Kraftausübung des Muskels im Vergleich zum Zeitraum vor der Verletzung erheblich vermindert und somit auch anfälliger für neue Verletzungen, insbesondere für erneute Muskelfaserrisse, Muskelrissen oder Nachblutungen im neu generierten Bereich. Unter Umständen ist der Patient auch nach vollständiger Ausheilung der Erkrankung immer noch nicht beschwerdefrei. Meist liegt das am ausgeprägten Narbengewebe, das in solchen Fällen unter Umständen operativ entfernt werden muss.
Es gibt noch weitere klassische Komplikationen, die nach einem Muskelfaserriss oder Muskelriss auftreten können. Nachfolgend wird auf zwei klassische Krankheitsbilder nach einer solchen Erkrankung eingegangen werden. Es sind diese:
- Myositis ossificans:
Durch Schädigung des Muskels infolge von Muskelfaserrissen oder Muskelrissen, starken Muskelprellungen oder –quetschungen und dadurch hervorgerufene intra- bzw. intermuskuläre Blutungen, kann es bei unzulänglicher Behandlung oder beispielsweise bei zu früh einsetzender Massage (siehe oben), zu früh einsetzendem Training usw. zu einer Kapselbildung der Verletzung kommen. In der Folge wird die Entzündung chronisch und es kommt zu einer Umwandlung der Muskulatur und schließlich zu Kalkeinlagerungen, die unter Umständen langsam verknöchern. Ähnlich wie bei der Bildung des Narbengewebes entstehen durch die Verknöcherungen im Muskel Bereiche mit unterschiedlicher Dehnbarkeit und Kontraktionsfähigkeit. Die Folge ist eine differierende Kontraktionskraft des Muskels und somit ein erhöhtes Risiko, dass Verletzungen in diesen Bereichen erneut auftreten. In Fällen von nachweislichen Verknöcherungen (Röntgenbilddiagnostik) kann unter Umständen ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden. Die Gefahr durch die OP weitere Verknöcherungen auszulösen besteht.
- Entstehung von Zysten:
Zysten sind durch eine Kapsel abgeschlossene sackartige Geschwulste mit einem flüssigen Inhalt. Im Bereich von Muskelverletzungen spricht man von einer Zystenbildung, wenn es um einen nicht absorbierten Bluterguss herum zu einer Kapselbildung kommt. Im Inneren befindet sich dann das nicht abgebaute Blut des ursprünglichen Hämatoms. Sollte sich die Zyste störend auswirken, müssen sie gegebenenfalls operativ entfernt werden.
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