Muskelfaserrisse können prinzipiell in jedem Muskel auftreten, mit Abstand am häufigsten sind von dieser Verletzung allerdings die Muskeln von Oberschenkel oder Wade betroffen.

Die Muskulatur der Wade ist besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Sie ist dafür verantwortlich, dass wir beim Gehen unseren Fuß über die Zehen und den Vorfuß abrollen können. Folglich ist die Wadenmuskulatur praktisch ständig in Aktion. Einer erhöhten Anstrengung ist sie ausgesetzt, wenn man eine plötzliche Beschleunigungsbewegung durchführt, wie zum Beispiel beim Abspringen oder Loslaufen, aber auch bei einer negativen Beschleunigung, also beim schnellen Abbremsen.
Zu einem Muskelfaserriss im Bereich der Wade kann es entweder durch solch einen Vorgang kommen oder auch durch eine direkte Gewalteinwirkung auf die Wadenmuskeln, wie sie zum Beispiel häufig bei einem Tritt gegen den Unterschenkel im Rahmen von sportlichen Aktivitäten wie Fußball auftritt. Manchmal kommt es vor, dass ein Betroffener das Reißen der Muskelfasern sogar spüren kann.
Charakteristisch sind die damit einhergehenden plötzlich auftretenden Schmerzen der Wade. Seltener passiert es jedoch auch, dass sich Schmerzen erst innerhalb der nächsten Stunden nach der Verletzung entwickeln. In wenigen Fällen kommt es vor, dass der Schmerz nicht genau lokalisiert werden kann, da er in den gesamten Unterschenkel ausstrahlt. Eine kurze Zeit nachdem sich der Unfall ereignet hat, kann man oft eine Delle in der Wade sehen und gelegentlich sogar beim Abtasten spüren. Wenn etwas mehr Zeit verstrichen ist, geht diese Delle allerdings normalerweise wieder verloren und es bildet sich eine Schwellung aus, die sehr massiv sein kann. Außerdem kommt es meistens zu einem Bluterguss, der in seinem Ausprägungsgrad jedoch sehr variabel ist.

Möglichst direkt nach erfolgtem Muskelfaserriss sollte dieser behandelt werden, um ein rasches Abheilen zu erleichtern und das Risiko für Komplikationen zu vermindern. Hierbei sollte man, wie nach fast allen Sportverletzungen, dem PECH-Prinzip folgen: P wie Pause, E wie Eis, C wie Compression und H wie Hochlagerung. Erfolgt diese frühzeitige Therapie des Muskelfaserriss, heilt der Muskelfaserriss üblicherweise innerhalb weniger Tage von selbst folgenlos ab. (Lesen Sie hierzu Muskelfaserriss Dauer) Bleiben Schmerzen und/ oder Schwellung hingegen über mehrere Tage bestehen, so sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Im Anschluss an einen Muskelfaserriss sollte das Bein möglichst nicht komplett ruhig gestellt werden. Es gilt die Faustregel, dass jede Bewegung, die nicht wehtut, auch nicht schädlich für die Muskulatur ist. Eine schnelle Mobilisation fördert die Heilung, extreme Belastungen sollten dagegen für etwa drei bis sechs Wochen unterlassen werden. Ein operativer Eingriff ist nur in den seltensten Fällen notwendig, und zwar wenn über ein Drittel der Muskelfasern gerissen ist oder es zu massiven Einblutungen gekommen ist.

Um das Auftreten eines Muskelfaserrisses der Wade zu vermeiden, ist es wichtig, die Muskulatur vor sportlichen Aktivitäten gut aufzuwärmen. Da man besonders zu Beginn des Sports anfällig für Verletzungen solcher Art ist, sollte man, soweit möglich, nicht direkt mit den schwersten Übungen beginnen, sondern das Training langsam aufbauen.

Eine wichtige Differenzialdiagnose des Muskelfaserrisses in der Wade ist die Thrombose, die ebenfalls häufig in diesem Gebiet auftritt und genau wie der Muskelfaserriss mit heftigen Schmerzen und einer Schwellung des Unterschenkels einhergeht.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012