Kleinhirnschädigung

Synonyme

Medizinisch: Cerebellum (lat.)

Englisch: cerebrellum

Lesen Sie auch:

Einleitung

Wird das Kleinhirn geschädigt kann es zu spezifischen neurologischen Symptomen kommen.

Ataxie

Bei Schädigungen (Läsion) des Kleinhirns in jedweder Form (durch eine Blutung, einen Tumor, eine Vergiftung (Intoxikation), entzündlichen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose und andere Schädigungen) ist das primäre Symptom eine sogenannte Ataxie. Das Wort ist aus dem griechischen entwendet, dort bedeutet ataxia soviel wie Unordnung. Eine Ataxie kann in verschiedenen Formen auftreten. Bei der Rumpfataxie können die Patienten nicht mehr ohne Hilfsmittel aufrecht sitzen, bei einer Standataxie gilt ein gleiches für den aufrechten Stand. Bei einer Gangataxie (häufig wird das Wort Ataxie synonym für diese Form der Koordinationsstörung verwendet) zeigen die Patienten einer unsicheren Gang. Bei einer weiteren Form der Ataxie – der sogenannten afferenten Ataxie (wie oben beschrieben bedeutet afferre soviel wie zuführen) bestehen große Probleme bei Ausführung von Zielmotorik (z.B. nach etwas greifen).

Skandierende Sprache

Ein weiteres Symptom der Kleinhirnläsion ist die sogenannte skandierende Sprache (nach Charcot, Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie holprig, verwaschen, undeutlich), die dadurch zustande kommt, das an dem Sprechen von Worten genauso Muskeln beteiligt sind, wie am Stehen oder Laufen. Und die Feinabstimmung eben dieser Muskeln ist durch eine Schädigung des Kleinhirns – genauso wie bei der Ataxie – gestört.


Allgemeine Hinweise

Die aufgezählten typischen Symptome wie unsicherer, schwankender Gang, Gleichgewichtsprobleme, Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen und verschiedenartige Bewegungen zu koordinieren, sowie undeutliches Sprechen lassen sich – reversibel – bei übermäßigem Alkoholkonsum beobachten.

Ein interessantes Experiment zur Symptomatik bei schwerwiegenden Kleinhirnläsionen ist Folgendes: Ein Patient mit einer solchen Schädigung wirft einige Dartpfeile auf eine Dartscheibe, ohne dabei nennenswerte Probleme zu haben. Anschließend wird ihm eine Brille aufgesetzt, die alles um ihn herum um 15 Grad verschiebt. (Eine sogenannte Prismenbrille). Die Dartscheibe scheint nun also in seinen Augen um 15 Grad weiter rechts/links zu sein, sodass er ersteinmal in genau diese abweichende Richtung werfen wird. Nach dem Wurf nimmt er die Brille ab und prüft sein Wurfergebnis. Ein gesunder Mensch würde nach einigen Versuchen, bei denen er gehörig danebengeworfen hat, mithilfe seines Kleinhirns in der Lage sein, die falsche Sicht, die ihm die Brille aufzwingt auszugleichen, indem er einfach 15 Grad entgegen der Richtung wirft, die ihm suggeriert wird und so die Dartscheibe wieder trifft. Ein Patient mit Kleinhirnläsion hingegen ist – egal wie oft er es versucht – nicht in der Lage, sich dieser neuen Situation anzupassen, er wird dauerhaft um 15 Grad daneben zielen. Das Kleinhirn trägt hier also wesentlich dazu bei, visuelle Fehlinformationen zu kompensieren.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.07.2011