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Trigeminusneuralgie

Synonyme

Tic douloureux, paroxysmaler Gesichtsschmerz


engl.: trigeminal neuralgia.

Anatomische Grundlage - der Trigeminusnerv

Der Nervus Trigeminus ist als fünfter Hirnnerv mit seinen drei Ästen auf jeder Gesichtshälfte für den Gefühlssinn der Gesichtshaut zuständig. Desweiteren wird durch den unteren Ast des Nerven die Kaumuskulatur motorisch innerviert.


Definition und Symptome

Trigeminusneuralgie

Als Trigeminusneuralgie bezeichnet man plötzlich einschießende, heftigste Gesichtsschmerzen (Siehe auch Kopfschmerzen), die häufig halbseitig im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Äste des Nervus Trigeminus auftreten und von Tränenlaufen sowie Rötung und Schwitzen der Haut im betroffenen Bereich begleitet sein können. Die Schmerzen halten für einige Sekunden an, die Attacken können über Wochen oder Monate mehrmals täglich auftreten, es kommt jedoch immer wieder zum Auftreten schmerzfreier Episoden.
Auftreten können die Schmerzen sowohl spontan als auch durch Auslöser hervorgerufen. Als solche Auslöser kommen z. B. Gesichtsbewegungen, Kauen, Zähneputzen, Sprechen oder ein kalter Luftzug infrage. Die Intensität der Schmerzen wird von Betroffenen auf einer Skala meist der höchstmöglichen Stufe zugeordnet, die Trigeminusneuralgie gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt. Aufgrund dieser Tatsache entwickeln zahlreiche Patienten depressive Verstimmungen, (Siehe auch Depression) die Selbstmordrate unter Betroffenen ist erhöht.

Ursache

Am häufigsten tritt die Trigeminusneuralgie idiopathisch, d. h. ohne erkennbare Ursache auf. In selteneren Fällen führt eine örtliche Einengung des Nerven, beispielsweise durch arteriosklerotisch veränderte Gefäße, zum Bild der Trigeminusneuralgie. Ebenso können Tumoren, Entzündungsprozesse oder eine Schädelbasisfraktur in der Nähe des Ursprungs des Trigeminusnerven zu Reizerscheinungen an diesem führen.

Häufigkeit

Die Trigeminusneuralgie kommt mit einer Häufigkeit von ungefähr 3 – 10/100000 in der Bevölkerung vor und tritt eher bei Menschen jenseits des 50. Lebensjahres auf, Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.


Ausschlußerkrankungen (Differentialdiagnosen)

Als Differentialdiagnosen kommen neben anderen Kopfschmerzformen auch Verletzungen des Trigeminusnervs nach Unfällen oder Operationen infrage. Schmerzen im Gesichtsbereich können auch durch Multiple Sklerose, Herpes Zoster, psychosomatische Schmerzen oder eine Verkalkung der Schläfenarterie bedingt sein.

Diagnose

Bei der Erhebung der Krankengeschichte liegt ein Hauptaugenmerk auf der Erfragung der Schmerzcharakteristik sowie möglichen Auslösern. Eine anschließende neurologische Untersuchung dient dem Ausschluss möglicher neurologischer Grunderkrankungen als Ursache der Schmerzen. Um Raumforderungen im Schädel auszuschließen, können Röntgen- und CT-Bilder des Kopfes angefertigt werden.

Therapie

Zur Therapie der Trigeminusneuralgie kommen

 

zur Anwendung. Da operative Verfahren, zumal am Schädel, mit gewissen Risiken verbunden sind, wird immer erst ein medikamentöser Therapieversuch unternommen.

Relativ etabliert in der Therapie der Trigeminusneuralgie ist Carbamazepin, ein Antiepileptikum (eigentlich zur Behandlung von Krampfanfällen), im Rahmen von Studien wird jedoch fortwährend die Wirksamkeit anderer Medikamente erforscht. Zur Akutbehandlung kann Phenytoin, auch dies ein Antiepileptikum, intravenös verabreicht werden. Weiter besteht die Möglichkeit, ein Lokalanästhetikum in die Nähe des betroffenen Trigeminusastes zu spritzen, um dessen Schmerzweiterleitung zeitweilig zu unterbinden.

Auch zur operativen Versorgung einer Trigeminusneuralgie stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Dabei unterscheidet man Methoden ohne Schädelknocheneröffnung von Methoden, die eine Schädelknocheneröffnung erfordern. Zu ersteren zählen Verfahren, die eine mechanische, thermische oder elektrische Verödung an einer Schaltstelle des Nerven vornehmen. Dadurch wird in mehr als 90% der Fälle Schmerzfreiheit erreicht, auch die Langzeitergebnisse sind relativ gut. Allerdings muss mit Nebenwirkungen in Form von Gefühlsstörungen, gelegentlich auch schmerzhaften Missempfindungen im Versorgungsgebiet des Trigeminusnerven gerechnet werden. Bei Methoden, die eine Schädelknocheneröffnung erfordern, wird eine Entlastung des Nerven am Austrittspunkt aus dem Gehirn vorgenommen, indem ein Kissen aus Muskelfasern oder körperfremdem Material zwischen Nerv und umgebende Gefäße gebracht wird. Auch hier sind die Frühergebnisse sehr gut (Schmerzfreiheit oder deutliche Linderung in 98% der Fälle), über einen 10-Jahres-Zeitraum geht die Erfolgsrate auf 67% zurück. Nebenwirkungen sind Gefühlsstörungen in 3 – 30% der Fälle, in bis zu 5% auch eine Taubheit auf dem Ohr der behandelten Seite.

Relativ neu sind radiologische Verfahren, bei denen eine Bestrahlung des Nervus Trigeminus nahe seines Austrittspunktes aus dem Gehirn vorgenommen wird. Auch hier sind die Erfolgsquoten gut, sie liegen bei ca. 85% Schmerzfreiheit initial, nach 3 Jahren sind es noch 75%. Wie bei den anderen Verfahren können als Nebenwirkungen Gefühlsstörungen im Versorgungsbereich des Trigeminusnerven auftreten.

Welches Verfahren im Einzelfall angewandt wird, bedarf sorgfältiger Abwägung.

Prognose

Im Verlauf der Erkankung sind Spontanheilungen möglich, zumindest zeitweilig lässt sich die Krankheit auch medikamentös beherrschen. Bei Versagen der medikamentösen Therapie stehen operative Verfahren zur Verfügung, die in den meisten Fällen einen guten Erfolg zeigen.

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