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Demenz

Synonyme im weiteren Sinne

Morbus Alzheimer, dementielle Entwicklung, Morbus Pick, Delir, Vergesslichkeit

Englisch: dementia

Definition

Als Demenz bezeichnet man eine Störung der allgemeinen Denkfunktionen, die zu einer Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens führen. Diese Störungen sind in vielen Fällen fortschreitend und nicht heilbar (irreversibel).

 

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Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert, Dr. med Marc Jungermann

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Epidemiologie - Vorkommen in der Bevölkerung

Auftreten einer Demenz

Die Demenz ist typischerweise eine Krankheit des älteren und des alten Menschen (älter als 65 Jahre). Die Wahrscheinlichkeit, vor Erreichen des 65 Lebensjahres an einer schweren Demenz zu erkranken, ist verhältnismäßig gering (weniger als 1 : 1000). Jenseits des 65 Lebensjahres steigt die Wahrscheinlichkeit jedoch auf etwa 15% für eine leichte Demenz und auf etwa 6% für eine schwere Demenz.

Männer erkranken typischerweise häufiger als Frauen. Als Ausnahme von dieser Regel ist jedoch die Alzheimer-Erkrankung zu nennen, die typischerweise eher Frauen betrifft.





Ursachen

Diese Frage ist insgesamt nur schwer und unzureichend zu beantworten. Die Wissenschaft kennt Dutzende Ursachen, die zu einer Demenz führen können.

Zum einen gibt es die sog. abbauenden (degenerativen) Demenzen, bei denen die Ursachen entweder genetisch vererbt oder nicht erklärbar sind. Allen voran sind hier die Alzheimer - Demenz, der Morbus Pick (frontotemporale Demenz), sowie der Morbus Parkinson zu nennen.

Es können aber Erkrankungen und Störungen der Blutgefäße zur Demenz führen. Häufig kommt es zu dementiellen Veränderungen nach Schlaganfällen (Apoplex), Minderdurchblutungen oder auch Sauerstoffunterversorgungen.

Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Porphyrie oder Erkrankungen der Schilddrüse können bei schlechtem Verlauf eine Demenz auslösen.

Ferner muss man auch immer an Vergiftungen oder Substanzmissbrauch (z.B. Drogenabhängigkeit), Infektionen und Krebserkrankung denken, wenn man nach den Ursachen einer Demenz sucht.


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Symptome

Allgemein ist zu sagen, dass die Symptome in der Regel einen langsamen Verlauf nehmen. Nicht selten kann eine solche Entwicklung Jahre dauern.

Zu Beginn einer Demenz entwickeln sich häufig folgende Symptome:

Man muss hierbei natürlich bedenken, dass das vereinzelte Auftreten solcher Symptome durchaus normal sein kann und man keineswegs direkt Rückschlüsse auf eine drohende Demenz ziehen kann. Aus diesem Grunde müssen diese Symptome als uncharakteristisch (untypisch) bezeichnet werden.

Typische Symptome hingegen sind:

Andere häufige Symptome, die auftreten können, aber nicht müssen, sind folgende:

Diagnose

Die Diagnose stellt typischerweise ein Psychiater (Facharzt für Psychiatrie) , ein Neurologe (Facharzt für Neurologie), oder aber ein Psychologe. Oftmals ist die klinische Symptomatik sehr eindeutig, so dass die Diagnose recht schnell und sicher gestellt werden kann. Oft jedoch gibt es Hinweise auf eine Demenz, die jedoch einer weiteren Abklärung bedürfen.

Hierbei kommt die sog. „Testpsychologie“ (z.B. Uhrentest, Mini-Mental-State-Test) zum Einsatz. Dies sind zum größten Teil Tests, die sehr schnell einen orientierenden Eindruck zur Art und zum Ausmaß der Störung geben.

Abgerundet wird die Diagnostik durch körperliche Befunde, die erhoben werden können (CT, MRT etc.)

Differentialdiagnosen

Alter
Wenn ein Organ wie z.B. das Gehirn lange „im Gebrauch“ ist, kommt es zu einem völlig normalen und natürlichen Abbau der Leistungsfähigkeit. Neue Dinge können nicht mehr so leicht erlernt werden, alte Informationen werden gelegentlich vergessen oder verwechselt. Im Gegensatz zur „echten“ Demenz fehlen jedoch meist die Veränderungen der Stimmungslage, der Persönlichkeit und anderer o.g. Merkmale.

Depression
Ein typisches Merkmal bei der Depression ist die sog. „Konzentrationsstörung“. Die Ausprägung einer solchen Störung kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann ein solches Ausmaß annehmen, dass Psychiater (Facharzt für Psychiatrie) früher von einer „Scheindemenz“ (Pseudodemenz) sprachen. Die beste Antwort, um Demenz von Depression zu trennen, kann nur der zeitliche Verlauf geben. Eine Depression ist heilbar, so dass die Symptome (einschließlich der Konzentrationsstörungen) mit zunehmender Besserung zurückgehen werden.
Mehr Informationen unter: Depression

Verwirrtheitszustände (Delir)
Verschiedene Erkrankungen können Verwirrtheitszustände auslösen, die zu Störungen der Gedächtnisleistungen führen.
Hierbei kommt es typischerweise zu einem Verlust der Orientierung, zu unzusammenhängenden Gedanken und zu Halluzinationen. Im Gegensatz zur typischen Demenzentwicklung, entsteht ein Delir sehr plötzlich.
Auch ist es in der Regel recht gut behandelbar, so dass sich die Gedächtnisstörungen nach der Behandlung rasch wieder bessern können. Typischerweise treten diese Art von Verwirrtheitszuständen z.B. im Rahmen von Entzugssyndromen bei Alkoholabhängigkeit auf. 

Hinweis: Delir

Der Vollständigkeit halber muss hier noch erwähnt werden, dass es im späteren Verlauf der dementiellen Entwicklung sehr häufig zu Entwicklung solcher deliranten Zustände kommen kann. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch die Diagnose der Demenz beim Patienten längst gesichert.


Schizophrenie
Vor allem schlecht behandelte oder schlecht behandelbare Verläufe der Schizophrenie können ebenfalls zu einer deutlichen Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit führen (Residualsymptomatik). Typischerweise geht jedoch die Schizophrenie mit einer Vielzahl anderer Symptome einher.
Weitere Informationen finden Sie unter unserem Thema: Schizophrenie

Simulation
Nicht zuletzt muss man auch daran denken, dass es Menschen gibt, denen es „helfen“ könnte, die Diagnose einer Demenz zu bekommen und die deshalb eine Symptomatik präsentieren, von der sie annehmen müssen, dass sie typisch ist für eine Demenz. Dies ist für den geübten Diagnostiker in der Regel recht schnell zu durchschauen. (Wie soll hier natürlich nicht verraten werden...)

Prognose und Verlauf

Grundsätzlich richtet sich der Verlauf nach der Ursache der Störung. Wie oben bereits erwähnt, kann eine z.B. durch Alkoholvergiftung hervorgerufene Demenz sehr wohl vollends wieder verschwinden.

In den meisten Fällen (ca. 80-90%) jedoch kann man nur noch die Symptome behandeln und nicht mehr die Ursache der Störung. Man kann somit sagen, dass die Demenz in der Regel nicht heilbar ist, sondern im besten Falle zu verlangsamen.





Therapie

Aus der häufig ungünstigen Prognose der Demenz lässt sich bereits erkennen, dass es im Großen und Ganzen nur recht unbefriedigende therapeutische Ansätze in der Demenzbehandlung gibt.
Man muss zunächst einmal festhalten, dass es kein Medikament gibt, welches die Demenz ursächlich behandeln oder sogar heilen kann.

Der Arzt muss somit besonderes Augenmerk darauf legen, ob es sich bei der vorliegenden dementiellen Entwicklung um eine der besser behandelbaren Arten handelt (z.B. Depression etc.). Insgesamt ist der therapeutische Ansatz sehr vielschichtig.

Besonders im Anfangsstadium einer Demenz kann mit pflanzlichen Präparaten eine Besserung der Symptomatik erzielen. Besonders Ginkgo - Präparate eignen sich um die Hirnleistung zu verbessern. Obwohl der Effekt von Ginkgo wissenschaftlich belegt ist, ist der Wirkungsmechanismus von Ginkgo noch nicht zweifelsfrei geklärt.
Weitere Informationen finden Sie unter unserem Thema : Ginkgo

Deutlich potenter können Medikamente die Symptome der Demenz verbessern.
Medikamentös gibt es verschiedene Ansätze, bei denen nachgewiesen werden konnte, dass sich die dementielle Entwicklung insgesamt verlangsamt (sog. Antidementiva).

Typische Medikamente hier sind:

Ergänzend finden zahlreiche andere Medikamente Einsatz, abhängig von der Begleitsymptomatik.

Bei zusätzlich auftretenden Halluzinationen setzt man idealerweise niedrigdosiert Neuroleptika (z.B. Risperdal ®) ein.

Bei zusätzlicher depressiver Symptomatik setzt man auf Antidepressiva. Hierbei ist therapeutischerseits darauf zu achten, dass einige Antidepressiva die dementielle Symptomatik verstärken können. Aus diesem Grunde sollten insbesondere die sog. SSRI bzw. SSNRI verwendet werden.

Bei chronischen Unruhezuständen können ggf. Benzodiazepine (z.B. Valium) hilfreich sein. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass es bei allen Benzodiazepinen zu einem sog. paradoxen Effekt kommen kann. Hierbei handelt es sich um eine Umkehr der gewünschten Wirkung. Die Medikation wirkt somit nicht dämpfend, sondern aufputschend. Darüber hinaus machen Benzodiazepine bei regelmäßigem Gebrauch süchtig.

Besser geeignet zur Behandlung von Unruhezuständen eignen sich schwache Neuroleptika (z.B. Atosil, oder Dipiperon).

Neben dem medikamentösen Ansatz ist es wichtig, die vorhandenen geistigen Fähigkeiten regelmäßig zu fördern und zu fordern. Vor allem zu Beginn einer Demenz kann man durch regelmäßiges Training einen positiven, verlangsamenden Verlauf auf die Entwicklung nehmen.

Mit fortschreitender Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit steigen die Pflegebedürftigkeit der Patienten sowie die Ansprüche an die Angehörigen.

 

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