Depression

Synonyme

Manie, Zyklothymie, Depressive Symptome, Antidepressiva, Antidepressivum, Depressionen, Wahn, bipolare Erkrankung, Schwermut

häufige Tippfehler: Depresionen, Depresion

Englisch: Depression

Definition

Die Depression ist, ähnlich wie die Manie, eine sog. Stimmungserkrankung. Unter Stimmung ist hierbei die sog. Grundstimmung zu verstehen. Es geht hierbei nicht um eine Störung von Gefühlsausbrüchen oder sonstigen Aufwallungen von Gefühlen. In der Psychiatrie gibt es eine Einteilung nach dem sog. Schweregrad einer Depression. Man unterscheidet die leichte, mittelgradige und schwere depressive Episode.
Doch wer ist jetzt depressiv?

Informationen zur Diagnose und Therapie der Depression finden Sie unter Diagnose und Therapie der Depression!


Epidemiologie

Depression

Das Erstauftreten einer Depression hat die höchste Wahrscheinlichkeit zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr. Nach dem 60. Lebensjahr erkranken nur noch ca. 10% der Patienten.

Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken liegt bei Männern bei etwa 12% und bei Frauen bei etwa 20%.

Das so genannte Lebenszeitrisiko liegt bei etwa 17%. Das Risiko neben der Depression eine zusätzliche Erkrankung zu entwickeln (das sog. Komorbiditätsrisiko), liegt bei bis zu 75%. Die häufigsten zusätzliche Erkrankungen sind hier: Angststörung (50%), Zwangsstörung, posttraumatische Belastungsstörung, Essstörung, Substanzmißbrauch, soziale Phobie, Substanzabhängigkeit, Schlafstörungen, sexuelle Störungen und somatoforme Störungen. Auch kommt eine Depression häufig in Kombination mit einer Manie in Form einer manisch - depressiven Erkrankung vor.
Die Depression findet sich ebenfalls bei vielen sog. Persönlichkeitsstörungen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten mit einer sog. Borderline - Störung im Verlauf seines Lebens an


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Sonderformen

Sonderformen der Depression sind die:

  • Schwangerschaftsdepression
  • Winterdepression

Die Schwangerschaftsdepression ist eine Variante der Depression die nach der Schwangerschaft auftritt und unterschiedliche Ausprägung haben kann.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter: Schwangerschaftsdepression.

Die Winterdepression findet man während der Wintermonate und hat in einem Lichtmangel seine Ursache. Hilfe und Informationen zum Thema finden Sie unter  Winterdepression.

Symptome

Die typischen Merkmale, die ein Mensch aufweisen muss, um psychiatrischerseits als depressiv bezeichnet zu werden, sind Folgende:

Depressive Stimmungslage

Die Stimmungslage ist “depressiv”. Dies kann von den einzelnen Patienten als ganz unterschiedlich erlebt und berichtet werden. Sicherlich findet sich die einfache Traurigkeit sehr häufig.

Gefühl der Gefühllosigkeit

Weitaus öfter jedoch wird das so genannte “Gefühl der Gefühllosigkeit” beschrieben. Hierbei handelt es sich um einen überaus quälenden Zustand emotionalen Erstarrens. Für den Kranken gibt es kein Ereignis, welches ihm ermöglicht, adäquat, als normal auf Dinge zu reagieren, welche ihn normalerweise sehr bewegen würden.

Beispiel: Ein Lottogewinn würde genauso wenig als bewegendes Ereignis empfunden werden wie z.B. der Verlust des Arbeitsplatzes oder auch eines geliebten Menschen.

Es ist somit wichtig festzuhalten, dass es sowohl negative als auch positive Ereignisse sind, die den Menschen mit depressiver Stimmungslage nicht mehr erreichen.

Angst

Weiterhin sieht sich der an Depression Leidende einer massiven Angst gegenüber. Diese Ängste können sich um alle Lebensbereiche drehen. Am häufigsten jedoch steht die Angst um die Zukunft (die Eigene, aber auch die von näherem Umfeld). Verstärkt wird diese Angst durch ein fast dauerhaft vorhandenes Gefühl in dem sich der Patient mit allen an ihn herangetragenen Aufgaben überfordert fühlt. Teilweise können sich auch soziale Phobien entwickeln.

Antriebslosigkeit

Antriebslosigkeit: Einfachste Dinge, wie auch schon das Verrichten der alltäglichen Hausarbeit oder auch nur das morgendliche Aufstehen und die Körperpflege werden als fast undurchführbar erlebt. Wann immer der Depressive sich mit einer Sache beschäftigt, welche Antrieb erfordert, erlebt er sich fast im gleichen Moment als körperlich ausgelaugt und erschöpft.

Sozialer Rückzug

Auch das Pflegen sozialer Kontakte wird zu einer unüberwindbaren Aufgabe. Es kommt zu einem deutlichen so genannten “sozialen Rückzug”. Dies wiederum führt dazu, das der Kranke mehr und mehr vereinsamen kann (sozial isoliert – soziale Isolation / Phobie).

Beispiel: Soziale Vereinsamung

Ein Patient, der vorher rege an einem Vereinsleben teilgenommen hat, kann sich zunächst nicht mehr recht aufraffen seinen Vereinsgeschäften nachzukommen. Im Verlauf kommt er immer unregelmäßiger zu den Treffen und vernachlässigt seine Pflichten. Den nachfragenden Kollegen kann er nur sagen, dass er sich nicht recht wohl fühle und irgendwie kraftlos sei. Von den Vereinskameraden anfänglich noch toleriert wird das Fernbleiben von weiteren Aktivitäten als Desinteresse gedeutet und der Kamerad mit Ausschluss bedroht. Dies kann im Endeffekt zu einer totalen sozialen Vereinsamung führen.

Schlafstörungen

Schlaflosigkeit / Schlafstörungen: Obwohl der depressive Patient ein fast durchgehendes Gefühl der Erschöpftheit und auch Müdigkeit erlebt, ist doch die Schlafstörung eines der drängensten Probleme in der Depression.

Die Störungen können sich ganz unterschiedlich zeigen. Die quälensten Beschwerden sind die jedoch Durchschlafstörungen, insbesondere mit einem Erwachen in den frühen Morgenstunden.

Jeder Mensch braucht den regelmäßigen Schlaf. Wenn dieser somit seine entspannende Wirkung verliert und sogar als Belastung empfunden wird, kann das ein sehr ernstes Problem darstellen.

Es gibt auch depressive Patienten, die einen erhöhten Schlafbedarf haben, doch handelt es sich hierbei um insgesamt nur wenige Prozent der Gesamtheit.

Wahn

Wahn: Bei immerhin einem Drittel der Patienten mit der Diagnose einer Depression kommt es zum Auftreten von wahnhafter Symptomatik. Bei der wahnhaften Symptomatik bzw. dem Wahn handelt es sich um eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit muss mit der tatsächlichen Wirklichkeit überhaupt nichts gemein haben, wird aber vom Kranken als unverrückbar angenommen. Dies stellt insbesondere für Angehörige ein besonderes Problem dar, da sie mit dem Kranken häufig seine Wahnideen diskutieren und diese widerlegen wollen. (siehe hierzu bitte gesondertes Kapitel Wahn und Manie).

Merke: Wahn ist Wissen

Wahn ist Wissen! Der wahnhafte glaubt nicht, dass etwas nicht stimmt, er weiß es und muss seine Umgebung davor warnen oder schützen oder es sonst mitteilen.

Beispiel: Wahn

Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der schon seit längerer Zeit mit einer Depression einen Leistungsknick hat, kommt eines Tages aufgeregt zu seiner Frau, um ihr mitzuteilen, dass er gerade die Lebensversicherungen hat auflösen lassen, da er Geld braucht, um seine Familie zu versorgen. Ein Hinweis der Ehefrau, dass es der Familie doch gut gehe und alle versorgt seien, wird nicht angenommen. Auch das Vorlegen von Kontoauszügen kann den Mann nicht dazu bewegen die Dinge rückgängig zu machen.


Ein solches Wissen kann und wird mit großer Wahrscheinlichkeit also auch ein nicht normales Verhalten nach sich ziehen. Das Auftreten des Wahns ist nicht plötzlich. Es läuft in der Regel in verschiedenen Stufen ab.

  1. Stufe: Wahnstimmung
  2. Stufe: Wahnwahrnehmung
  3. Stufe: Wahngewissheit / Wahnidee (siehe hierzu bitte Kapitel Wahn (folgt noch)
     

Einige typische Wahninhalte von depressiven Patienten sind:

  1. Verarmungswahn: Hier weiß der Kranke um seinen bevorstehenden finanziellen Ruin. Hierbei drehen sich die sorgen im Besonderen häufig um die Versorgung der Angehörigen
  2. Hypochondrischer Wahn: Hier weiß der Patient, dass er an mindestens einer schweren körperlichen Erkrankung leidet. Diese Erkrankung wird vom Patienten nicht selten als unheilbar und tödlich wahrgenommen.
  3. Versündigungswahn: Der Kranke weiß, dass er sich gegen eine höhere oder niedere Macht versündigt hat. Handelt es sich um einen gläubigen Menschen, ist der Inhalt des Wahns häufig religiös geprägt. Gibt es keine besondere Spiritualität, kann sich die Versündigung auf weltliche Belange erstrecken.
  4. Nihilistischer Wahn: Dies ist ein Wahn, der insbesondere von Außenstehenden als besonders verstörend empfunden wird. Hierbei leugnet der Kranke als Resultat seiner empfundenen Leere die Existenz als eigene Person und gegebenenfalls auch noch die Existenz der ihn umgebenen Welt.

Körperliche Symptome

Körperliche Symptome (sog. somatische oder vegetative Symptome), treten bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen auf. Sie sind jedoch insbesondere bei der Depression sehr häufig zu finden. Häufig hängen die in der Depression empfundenen Beschwerden direkt mit bereits im Vorfeld bekannten Problemen zusammen. Im Vordergrund der körperlichen Symptomatik stehen häufig Schmerzen. Diese betreffen besonders den Kopf, den Bauch und die Muskeln. Weiterhin kann es zu Verstopfung kommen, was insbesondere bei älteren Menschen ein sehr zentrales Problem werden kann.

Bei jüngeren Menschen kommt es fast immer zu einem totalen Verlust des sexuellen Triebes und auch zu einer tatsächlichen Funktionsstörung der Sexualorgane.

Ein weiterer häufiger Punkt ist der Schwindel, der in allen Altersklassen und zu jeder Tageszeit auftreten kann.

Einen besonderen Stellenwert nehmen die Herzbeschwerden ein. Ein mögliches, ungefährliches sog. “Herzstolpern” kann im Rahmen eines hypochondrischen Wahns als sehr dramatisch angesehen werden, da es die Gewissheit des baldigen Todes ankündigen könnte.


Halluzinationen

Halluzinationen: In sehr seltenen Fällen kann es im Rahmen einer depressiven Episode zu Wahrnehmung von sog. Halluzinationen kommen (weniger als 7%). Hierbei handelt es sich in der Regel um akustische Halluzinationen. Dies bedeutet, dass der Patient eine oder mehrere ihm bekannte oder auch unbekannte Stimmen hört.

Diese Stimmen reden entweder mit ihm (dialogisierend), über ihn (kommentierend) oder geben ihm Anweisungen und Befehle (imperativ)(siehe hierzu auch Kapitel Schizophrenie / Manie). Abhängig davon wie die Stimmen sprechen und was sie sprechen können Halluzinationen dahingehend gefährlich werden, wenn sie quasi in die Stimmung des Kranken hineinsprechen.

Beispiel: Ein 20-jähriger Student, der seit einigen Wochen an einer Depression leidet und deshalb das Haus so gut wie nicht mehr verlassen kann, hört eines Tages die Stimme seiner Mutter, die ihm zunächst zuredet, dass es doch alles wieder besser werden wird. Nach einiger Zeit jedoch wechselt die Stimme zu einem Befehlston, der ihm sagt, er könne genauso gut vom Balkon springen, da er sein Studium sowieso nicht beenden werden, da er ein Faulpelz sei.

Selbstmordgedanken

Selbstmordgedanken / Suizidalität: Hier ist ein offenes Wort sehr wichtig! Eine Depression kann lebensgefährlich sein. Mehr als zwei Drittel aller Depressiven denken während der Erkrankung daran, dass der Tod die bessere Alternative sei. Es muss sich hierbei nicht immer um konkrete Selbsttötungsabsichten handeln, sondern kann auch ein passiver Wunsch sein etwa einen Unfall zu erleiden oder an einer tödlichen Krankheit zu versterben. Der Gedanke an die aktive Selbsttötung ist jedoch ein sehr häufiger. Hintergrund hierbei ist häufig die Hilf- und Ausweglosigkeit. Der Suizidale glaubt sich durch den Suizid einen Ausweg aus seinem Leiden zu schaffen.

Besonders dramatisch kann es werden, wenn der Kranke, wie oben genannt, an Wahnwahrnehmungen oder Halluzinationen leidet.

Bei Verdacht auf Selbstmordgedanken muss immer ein Fachmann aufgesucht werden, der ein vorsichtiges, aber ehrliches Gespräch über die Thematik führt.

Bei so einem Thema ist es schwer konkrete Aussagen zu machen, jedoch hat sich in der klinischen Erfahrung gezeigt, dass insbesondere folgende Kriterien für eine erhöhte Selbstmordgefahr sprechen:

    • männliches Geschlecht
    • frühere Selbstmordversuche
    • Depressionen über einen langen Zeitraum
    • Schulderleben
    • eine aggressive Grundpersönlichkeit

Als grundlegend falsch betrachtet man heutzutage in der Psychiatrie den Ansatz das Thema der Selbstmordgedanken nicht anzusprechen, um den Patienten nicht “ auf dumme Gedanken zu bringen”.

Einteilung

Die Einteilung der Depression erfolgt zunächst einmal in die einmalig auftretende (monophasische) oder wiederkehrende (rezidivierende) Depression. Die weitere Einteilung erfolgt in folgende Kategorien:

monophasische Depression

  • leichte depressive Episode
      ohne somatische Symptomen
      mit somatischen Symptome
  • mittelgradige depressive Episode
      ohne somatische Symptome
      mit somatischen Symptomen
  • schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  • schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  • andere / nicht näher Bezeichnete

 

rezidivierende Depression

  • gegenwärtig leichte depressive Episode
      ohne somatische Symptomen
      mit somatischen Symptome
  • gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
      ohne somatische Symptome
      mit somatischen Symptomen
  • gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  • gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  • gegenwärtig remittiert
  • andere / nicht näher Bezeichnete

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Autor: Dr. med. Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 07.08.2011