Inhalt:
Borderline Störung
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich beim Thema Borderline um ein Dr.Gumpert TOP - Thema handelt, zu dem ein ausführliches Buch verfasst wurde. Weitere Informationen erhalten Sie am Ende dieses Themas.
Lesen Sie auch:
Synonyme
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, BPD, BPS, Selbstverletzung, Parasuizidalität
Englisch: borderline
Definition
Bei der Borderline Störung handelt es sich um eine sog. Persönlichkeitsstörung vom “emotional instabilen” Typ. Unter Persönlichkeit versteht man hierbei Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Menschen, mit denen er auf bestimmte Situationen reagiert und reagieren wird.
Emotionale Instabilität bedeutet, dass es bei der Borderline Störung zu Schwierigkeiten in der Regulierung der Stimmungslage, des sog “Affektes” kommt. Kleine Reize, seien es Situationen von außen oder aber die eigenen belastenden Gedanken, reichen oft schon aus, eine sehr hohe Erregung (positiv oder negativ) auszulösen. Darüber hinaus dauert es nach dieser Erregung sehr lange, bis die Stimmung wieder auf dem Level angekommen ist, auf dem sie vor dem Ereignis bzw. Gedanken war.
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Dieses Buch richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an alle Personen aus dem Umfeld des Erkrankten, um die Erkrankung besser verstehen zu können.
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Epidemiologie

- Borderline-Störung
Die Borderline - Störung ist eine Störung, die häufiger bei jungen Menschen vorkommt. Meist treten erste Symptome schon im Kindesalter auf und entwickeln sich mit zunehmendem Alter weiter.
In der Regel entwickelt sich das Vollbild (mit Angst, Depression, Suizidalität etc) zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr. Langzeitstudien haben gezeigt, dass die Symptome einer Borderline - Störung im höheren Lebensalter (zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr) deutlich abnehmen (Paris J;Harv Rev Psychiatry 2002 Nov-Dec;10(6):315-23 ).
Ca. 70 - 75 % der Erkrankten sind Frauen, wobei zu bedenken ist, dass Männer mit dieser Störung zum Einen wahrscheinlich seltener zum Arzt gehen und zum Anderen wegen möglicher Straftaten aufgrund von Aggressionen häufiger in Gefängnissen sitzen.
Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an einer Borderline - Störung zu erkranken liegt in der Gesamtbevölkerung bei 1-1,5%.
Komorbidität
Eine Reihe von anderen psychiatrischen Störungen kann zusammen mit der Borderline - Störung auftreten. In verschiedenen klinischen Studien fand man heraus, dass nahezu alle Patienten im Laufe ihres Lebens mindestens einmal die Kriterien einer Depression erfüllen. Fast 90% erfüllten die Kriterien einer Angststörung und mehr als die Hälfte hatten eine Essstörung oder Drogenmissbrauch.
Auch fanden sich recht hohe Wahrscheinlichkeiten neben der emotional instabilen noch eine weitere Persönlichkeitsstörung zu entwickeln.
Diagnostik
Jede Diagnose (so auch die Diagnose) Borderline, die in diesem Lande gestellt wird, muss, so man es professionell und nicht einfach aus dem Bauch heraus machen will, “verschlüsselt” werden. Dies bedeutet, dass es Systeme gibt, in denen alle Krankheiten, die die Medizin kennt, mehr oder weniger gut erfasst werden. Ein Arzt kann also nicht einfach hergehen und Diagnosen verteilen, solange nicht bestimmte Kriterien erfüllt sind, die das Verschlüsselungssystem verlangt. Sind die Kriterien nicht erfüllt, kann die Diagnose Borderline nicht gestellt werden.
In der Psychiatrie in Deutschland arbeiten wir mit zwei Systemen. Das eine ist das sog. ICD - 10 System (Internationale Klassifikation der Krankheiten, laut WHO). Dieses ist das Standardsystem zur Verschlüsselung und Diagnosestellung in den Krankenhäusern. Dieses System wird von den Geldgebern (den Krankenkassen) verlangt. Kritiker sehen das ICD - 10 manchmal als zu ungenau in der Beschreibung der Krankheiten wie Borderline an.
Die Forschung verwendet das aus dem amerikanischen Raum kommende System des DSM - IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen). Hier sind die Beschreibungen der Krankheitssymptome oft tatsächlich genauer. Um nun die Diagnose stellen zu können, müssen genau festgelegte Kriterien erfüllt sein (Siehe auch Psychische Störung).
Diagnostische Kriterien der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung nach ICD - 10 - Kriterien:
A.) Um die Diagnose einer Borderline Störung stellen zu können müssen mindestens 3 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:
- Deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln.
- deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit andere, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden.
- Neigung zu Ausbrüchen mit Wut und Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens.
- Schwierigkeit in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden.
- Unbeständige und unberechenbare Stimmung.
B.) Zusätzlich müssen zur Diagnose Borderline mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorliegen:
- Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und “inneren Präferenzen”
- Neigung, sich in intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der folge von emotionalen Krisen.
- Übertriebene Bemühungen das Verlassenwerden zu vermeiden.
- Wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung.
- Anhaltendes Gefühl von Leere
Die diagnostischen Kriterien nach DSM-IV für eine Borderline Persönlichkeitsstörung:
Um die Diagnose einer Borderline Störung stellen zu können müssen mindestens 5 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:
- verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern.
Ein Muster von instabilen und zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung auszeichnet - Identitätsstörung: eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder des Gefühls für sich selbst.
- Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (z.B. Geld ausgeben, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Fressanfälle).
- Wiederkehrende Suizidandrohungen, Suizidandeutungen oder -versuche oder selbstschädigendes Verhalten.
- Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist: z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst.
- Chronisches Gefühl der Leere.
- Unangemessene, starke Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernder Ärger, wiederholte Prügeleien.
- Vorübergehende, stressabhängige paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.
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