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Lungenfunktionsdiagnostik bei Asthma bronchiale

Allgemeines

Beim Asthma bronchiale handelt es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer Obstruktion, anfallsartiger Atemnot und Verkrampfung der Bronchialmuskulatur einhergeht.

Das Asthma Bronchiale kann unterschiedliche Ursachen haben, sodass man ein allergisches von einem nicht-allergischen Asthma unterscheidet. Dies spielt sowohl bei der Diagnostik als auch in der Therapie eine wichtige Rolle. Die meisten Menschen weisen jedoch Mischformen beider Asthmatypen auf, wobei das Asthma bei Kindern oftmals eher allergisch getriggert. Erwachsene hingegen leiden öfter an der nicht-allergischen Form des Asthmas.

Allergene, die Asthma auslösen können sind bspw. Pollen oder andere Umweltreize. Bei Betroffenen kommt es zu einer überschießenden Immunreaktion mit der Ausschüttung von verschiedenen allergievermittelnden Stoffen wie Histamin, Bradykinin und Leukotrienen. Das Entstehen der nicht-allergischen Form des Asthmas wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Medikamentennebenwirkungen (s. Analgetikaasthma), Infektionskrankheiten der Atemwege, Refluxerkrankungen und körperliche Anstrengung. Auch giftige oder reizende Stoffe wie z.B. Reinigungsmittel oder Raumsprays haben einen Einfluss darauf. Zuletzt wirkt sich auch der Tabakkonsum negativ auf die Gesundheit der Lungen und das Entstehen von Asthma-Erkrankungen aus.

Bei Asthmatikern kommen drei wichtige Faktoren zusammen, die das Geschehen solcher asthmatischer Anfälle erklären. Zum einen kommt es vermehrt zu Entzündungsreaktionen der Bronchien, die mit teils starken Immunreaktionen einhergehen. Darüber hinaus weist das Bronchialsystem bei Asthmatikern eine Hyperreaktivität auf, die sich durch verschiedene Substanzen in medizinischen Tests auch provozieren lässt. Letztendlich mangelt es den Bronchien an einer ausreichenden Reinigung. Diese mangelnde Selbstreinigung der Lunge hat zur Folge, dass Sekrete nicht abfließen können und sich somit ein Teufelskreis bildet, indem die Bronchien immer schlechter belüftet und immer mehr verlegt werden.

Es gibt nun verschiedene Tests zur Beurteilung der Lungenfunktion, die beim Asthma angewendet werden. Der folgende Text befasst sich eingehend mit dem Ablauf der verschiedenen Lungenfunktionstests, den zu erfassenden Parametern und der Auswertung.

Lesen Sie außerdem unsere Seite Diagnose von Asthma.

Lungenfunktionstest bei Asthma

Die klinische Symptomatik ist in der Diagnose des Asthmas meist bereits ausschlaggebend. Lungenfunktionstests dienen hier der genauen Beurteilung der aktuellen Lungenfunktion sowie der Verlaufskontrolle über die Therapie hinweg. Typischerweise werden verschiedene Tests durchgeführt, die dem Erheben unterschiedlicher pulmonaler (bzgl. der Lunge) Parameter dienen. Dazu gehören unter anderem:

  • Spirometrie
  • Gankörperplethysmografie
  • Pulsoxymetrie
  • Peak-Flow-Meter.

Die gängigen Verfahren und ihre Bedeutung in der Asthma-Diagnostik werden im Folgenden kurz vorgestellt:

1. Spirometrie

Dieses Verfahren bildet die Basis in der Asthmadiagnostik. Die Spirometrie ist ein Verfahren, bei welchem die Patienten durch ein Mundstück in das Spirometer ein- und ausatmen. Die Nasenatmung ist dabei durch eine Nasenklemme unterbrochen. Mithilfe der Spirometrie können verschiedene pulmonale Parameter bzw. Volumina bestimmt werden. Für die Diagnose obstruktiver Erkrankungen (Erkrankungen, bei denen die Atemwege verengt sind, z.B. Asthma) sind die Einsekundenkapazität sowie die Vitalkapazität hier von Bedeutung.

Bei der Vitalkapazität handelt es sich um die Gesamtmenge an maximal ein- und ausgeatmeter Luft. Die Einsekundenkapazität ergibt sich, wenn der Patient nach tiefer Einatmung mit einem kräftigen Atemstoß das größtmögliche Volumen in das Spirometer ausatmet. Bei Patienten mit obstruktiven Erkrankungen, zu denen das Asthma bronchiale gehört, ist die Ausatmung erschwert. Daher ist die Einsekundenkapazität bei diesem Test dann verringert. Diesen Test, bei dem der Patient nach maximaler Einatmung innerhalb von einer Sekunde forciert ausatmet (daher auch „forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde = FEV1) nennt man Tiffeneau-Test. Um die Werte besser vergleichen zu können, setzt man diese Sekundenkapazität in Bezug zur Vitalkapazität, die sich ebenfalls in der Spirometrie bestimmen lässt. Wenn die Sekundenkapazität nämlich unter 80% der Vitalkapazität liegt, spricht dies für eine obstruktive Störung wie das Asthma bronchiale. Es werden in der Praxis i.d.R. drei Messungen gemacht, von denen der höchste Wert dann zur Auswertung genommen wird.

Die Spirometrie ist durch ein Ergometer erweiterbar (Ergospirometrie). Mithilfe der Ergospirometrie lassen sich die pulmonalen Volumina unter Belastung messen. Patienten mit ausgeprägtem Asthma bronchiale sind i.d.R. weniger belastbar als Menschen ohne obstruktive Erkrankung.

2. Ganzkörperplethysmografie

Dieses Verfahren, welches auch Bodyplethysmografie genannt wird, ist in der Diagnostik des Asthmas unumgänglich. Es dient der definitiven Bestätigung einer Obstruktion und der Differenzierung des Asthmas von anderen obstruktiven Erkrankungen.

Der Patient sitzt dabei in einer luftdicht abgeschlossenen Kabine und atmet ganz normal ein und aus. Beim Ein- und Ausatmen ändert sich der Druck in der Kabine. Diese Druckänderungen werden von Messgeräten erfasst. Mit der Ganzkörperplethysmografie können der Atemwegswiderstand sowie das gesamte intrathorakale Gasvolumen, das Gasvolumen des gesamten Brustkorbs, erfasst werden. Bei Lungenkranken mit Asthma bronchiale zeigt sich ein erhöhter Atemwiderstand bei der Ausatmung. Das spricht ganz klar für eine Obstruktion, da bei dieser die Ausatmung erschwert ist.

3. Das Peak-Flow-Meter

Das Peak-Flow-Meter dient zur Verlaufskontrolle in der Asthmadiagnostik. Es ist nicht geeignet zur Identifizierung einer Asthmaerkrankung. Es handelt sich dabei um ein medizinisches Messgerät, welches die maximale Strömungsgeschwindigkeit bei forcierter Ausatmung misst.

Der Ablauf der Untersuchung ist ganz einfach. Der Patient atmet einmal, so tief er kann, ein und hält die Luft kurz an. Dann nimmt er das Mundstück des Peak-Flow-Meters in den Mund und umschließt es fest mit den Lippen. Nun muss er mit einem kräftigen Atemstoß maximal in das Gerät ausatmen. In dem Röhrchen des Peak-Flow-Meters ist ein kleiner Widerstand eingebaut, der natürlich stärker verschoben wird, je stärker die Ausatmung des Patienten ist. Ein Zeiger zeigt dann einen Ausschlag an. Bei Lungengesunden ist dieser Ausschlag höher als bei Patienten mit Asthma bronchiale.

Zur Stellung einer Asthma-Diagnose ist das Peak-Flow-Meter nicht geeignet, da es ein großes Intervall akzeptabler Werte gibt. Es eignet sich jedoch aus folgendem Grund zur Verlaufskontrolle: Der Test kann dabei während einer Asthmatherapie in bestimmten Zeitabständen wiederholt werden und ermöglicht es so, die Werte miteinander zu vergleichen, bzw. die Werte mit dem Bestwert des Patienten zu vergleichen. So zeigt sich bspw., ob sich durch eine Therapie der Zustand des Patienten verbessert oder sich etwas verschlechtert hat. Anhand dieser Verlaufskontrolle kann die Therapie dann angepasst werden. Da Peak-Flow-Meter keine geeichten Messgeräte sind, sollte zur Verlaufskontrolle immer dasselbe Messgerät verwendet werden.

4. Pulsoxymetrie

Als letztes Verfahren der Lungenfunktionsdiagnostik wird in der Asthmadiagnostik die Pulsoxymetrie verwendet. Dieses Verfahren misst auf nicht-invasive Weise die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes. Dazu wird ein Klebesensor bevorzugt auf den Finger oder das Ohrläppchen angebracht. Man macht sich bei diesem Verfahren zu Nutze, dass das Hämoglobin des Blutes je nach Beladungszustand mit Sauerstoff Licht unterschiedlich absorbiert. Das Gerät kann dies messen und so die Sauerstoffsättigung, welche normalerweise über 97% liegen sollte, bestimmen.

Bei Asthmatikern ist diese Sauerstoffsättigung unter Umständen verringert, da die Atmung und vor allem die Ausatmung von Kohlendioxid erschwert sind.

Allgemeine Informationen zum Ablauf eines Lungenfunktionstests finden Sie unter Lungenfunktionstest.

Zusammenfassung

In der Diagnostik des Asthmas werden neben anderen Untersuchungen verschiedene Tests zur Beurteilung der Lungenfunktion durchgeführt. Dazu gehören die Spirometrie, die Ganzkörperplethysmografie, das Peak-Flow-Meter sowie die Pulsoxymetrie.

Die Spirometrie gibt dabei erste Hinweise auf eine bestehende Obstruktion, welche dann durch die obligat durchgeführte Bodyplethysmografie bestätigt werden. Das Peak-Flow-Meter dient dann der Verlaufskontrolle des Asthmas und kann bei der Findung der optimalen Therapie sehr hilfreich sein. Die Pulsoxymetrie gibt Aufschluss über die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes, welche bei Lungenerkrankungen wie dem Asthma erniedrigt sein kann.

Weiterführende Informationen

Eine Übersicht aller Erkrankungen der Lunge erhalten Sie unter: Erkrankungen der Lunge

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.07.2020
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