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Was ist ein schizophrenes Residuum?

Der Begriff des schizophrenen Residuums beschreibt eine Persönlichkeitsveränderung, die im Rahmen einer Schizophrenie auftreten kann und im Vergleich zur akuten schizophrenen Episode vor allem durch eine ausgeprägte Negativsymptomatik gekennzeichne ist. Der Begriff der Negativsymptomatik umfasst hierbei alle Symptome, die mit der Herabsetzung oder Minderung psychischer Merkmale eines Menschen zusammenhängen. Hierzu gehören Antriebslosigkeit, Interessenverlust, emotionale Abstumpfung, sozialer Rückzug und vieles mehr. Ein schizophrenes Residuum tritt in zwei Drittel der Fälle im Anschluss an eine akute schizophrene Psychose auf und kann mehrere Monate bis Jahre anhalten.

Welche Symptome kennzeichnen ein schizophrenes Residuum?

Die Symptome, die während eines schizophrenen Residuum auftreten, werden, wie oben beschrieben, unter dem Begriff der Negativsymptomatik zusammengefasst.

Eines der führenden Symptome stellt die ausgeprägte Antriebslosigkeit dar, die zu einer deutlichen Einschränkung des Alltags führen kann. Betroffene berichten in diesem Kontext häufig, dass bereits banale Handlungen mit einer großen Erschöpfung einhergehen und keine Motivation besteht, Freunde zu treffen, in die Arbeit zu gehen oder alltägliche Tätigkeiten, wie das Einkaufen, auszuführen. Eine Antriebslosigkeit kann somit zur sozialen Isolation beitragen, da Betroffene deutlich weniger soziale Kontakte pflegen. Doch besteht bei vielen Patienten kein Interesse an der intensiven Führung solcher Kontakte.

Weiterhin besteht bei fast allen Patienten eine gedrückte Stimmung, die durch Freudlosigkeit und einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist. Neben der Konzentrationsstörung, die eine Einschränkung der beruflichen Tätigkeit zur Folge haben kann, sind auch Schlafstörungen und eine geringere körperliche Belastbarkeit nicht selten.

Vergleicht man dieses Symptomspektrum mit dem einer Depression, fallen deutliche Ähnlichkeiten auf. So ist im klinischen Alltag eine Differenzierung dieser beiden Erkrankungen häufig nicht leicht. Wegweisend ist hierbei jedoch meist, eine bekannte Schizophrenie in der Krankengeschichte der Patienten.

Lesen Sie mehr zu den Symptomen einer Schizophrenie unter: Symptome einer Schizophrenie

Wie unterscheidet sich ein schizophrenes Residuum von einer Depression?

Betrachtet man lediglich das Symptomspektrum dieser beiden Erkrankungen fällt eine Differenzierung in der Tat schwer. Eine Unterscheidung ist jedoch meist dadurch vereinfacht, dass Patienten mit einem schizophrenen Residuum in den allen Fällen eine bereits bekannte Schizophrenie in der Krankengeschichte aufweisen.

Zudem können während eines Residuums einzelne Positivsymptome, wie akustische Halluzinationen auftreten, was bei einer Depression deutlich seltener vorkommt.

Eine weitere Differenzierungsmöglichkeit stellt der klinische Verlauf der Erkrankung dar. So verlaufen Depressionen meist in Phasen, die zwar mehrere Monate anhalten können, jedoch in gewissem Maße selbstlimitierend sind. Das Residuum hingegen kann in einigen Fällen deutlich über diesen Zeitrahmen andauern.

Haben Sie weitere Fragen zu den Symptomen einer Depression? Lesen Sie mehr unter: Symptome einer Depression

Wie ist die Prognose eines schizophrenen Residuums?

Der Verlauf und die Prognose des schizophrenen Residuums sind individuell sehr unterschiedlich und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen ist der Schweregrad der Erkrankung zu nennen. So kann im Rahmen einer sehr schweren Schizophrenie das Residuum mehrere Jahre oder dauerhaft anhalten, wohingegen bei leichteren Formen häufig ein kürzerer und milderer Verlauf des Residuums beschrieben ist.

Bekannt ist jedoch auch, dass selbst nach mehreren Jahren noch Verbesserungen der Symptomatik auftreten können. Neben dem Schweregrad der Schizophrenie, sind vor allem äußere Faktoren prognostisch entscheidend für die Prognose. Sind Betroffene sozial isoliert und unterstimuliert, kann dies zu einer deutlichen Verschlechterung der Prognose führen.

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Verlauf der Erkrakung

Die Erkrankung der Schizophrenie kann sehr verschiedene Verlaufsformen annehmen, die von einem langsam zunehmenden Charakter bis hin zu einem sehr episodenhaften Auftreten reichen. Schizophrene Residuen treten in den meisten Fällen nach dem Abklingen einer solchen Episode auf. Die Dauer und die Schwere der Symptomatik sind hierbei individuell sehr unterschiedlich.

So kann das Residuum bei manchen Betroffenen nur wenige Wochen anhalten und in einer völligen Symptomfreiheit enden, wohingegen manche Patienten über mehrere Monate bis Jahre mit den Symptomen des Residuums leben.

Bei einem sehr langen Verlauf wird das Residuum meist von schizophrenen Episoden unterbrochen.

Ursachen

Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung eines schizophrenen Residuums führen, sind bisweilen noch nicht geklärt. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass im Laufe mehrerer schizophrener Schübe bestimmte Bereiche des Gehirns einen Substanzverlust aufweisen, was funktionelle Einschränkungen hervorrufen kann. So wird vermutet, dass das schizophrene Residuum die Folge einer solchen Einschränkung sein könnte.

Ein weiterer Erklärungsversuch bezieht sich auf die Therapie der Schizophrenie. Während die heute eingesetzten Antipsychotika meist eine sehr gute Wirkung auf die Positivsymptomatik (Halluzinationen, etc.) der Schizophrenie aufweisen, stellt sich die Therapie der Negativsymptomatik häufiger als schwieriger dar. Dies könnte zur Folge haben, dass dieses Symptomspektrum länger bestehen bleibt, im Sinne eines schizophrenen Residuums.

Ausführliche Informationen finden Sie auch unter Was sind die Ursachen einer Schizophrenie?

Therapie

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass sich die Therapie des schizophrenen Residuums häufig als kompliziert darstellt. Während klassische Antipsychotika, wie Haloperidol, nur sehr geringe Effekte auf das Symptomspektrum haben, zeigen atypische Antipsychotika (Olanzapin, Clozapin, etc.) bessere Anspruchsraten.
Wie alle Medikamente dieser Klasse, gehen diese leider oft mit Nebenwirkungen einher. Zu diesen zählen eine deutliche Gewichtszunahme, Veränderungen der elektrischen Herzaktivität (QT-Zeit-Verlängerung) und stark sedierende Eigenschaften.

Weiterhin werden, aufgrund der sehr ähnlichen Symptomatik, Antidepressiva in der Therapie des schizophrenen Residuums eingesetzt. Meist werden Präparate beider Substanzklassen in Kombination über mehrere Wochen bis Monate gegeben.

Lesen Sie mehr zu der Behandlung einer Schizophrenie unter: Therapie einer Schizophrenie

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.06.2019
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