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Therapie einer Schizophrenie

Synonyme im weiteren Sinne

  • Bewusstseinsspaltung
  • Spaltungsirresein
  • endogene Psychosen
  • schizophrene Psychosen
  • Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis

Definition

Um den Begriff der Schizophrenie zu verstehen, muss man zunächst einmal den Begriff „Psychose“ klären. Eine Psychose ist ein Zustand, bei dem der Patient den Bezug zur Wirklichkeit (Realität) verliert.

Normalerweise nehmen wir Menschen unsere Realität mit Hilfe unserer Sinne wahr und verarbeiten sie anschließend in unserem Denken. Im Rahmen einer Psychose, bzw. eines psychotischen Zustandes kann beides gestört sein.

Die Schizophrenie nun ist eine Form der Psychose, bei der zum einen die Sinneswahrnehmungen gestört sein können und es zu Halluzinationen kommen kann, zum anderen kann auch das Denken an sich schwer gestört sein. Die Verarbeitung von Wahrnehmungen können z.B. zu Wahnvorstellungen führen.

Alles in allem verlieren Menschen in einem psychotischen Zustand nach und nach den Bezug zur Realität und somit auch zu ihrem Leben. Sie können die ihnen zugetragenen Aufgaben (als Partner, Arbeitnehmer, Autofahrer etc.) zunehmend schwerer erfüllen.

Was Psychose bzw. Schizophrenie nicht meint, ist eine gespaltene Persönlichkeit bzw. multiple Persönlichkeitsstörung!


Diagnose

Jede Diagnose, die in diesem Lande gestellt wird, muss, so man es professionell und nicht einfach aus dem Bauch heraus machen will, “verschlüsselt” werden. Dies bedeutet, dass es Systeme gibt, in denen alle Krankheiten, die die Medizin kennt, mehr oder weniger gut erfasst werden. Ein Arzt kann also nicht einfach hergehen und Diagnosen verteilen, solange nicht bestimmte Kriterien erfüllt sind, die das Verschlüsselungssystem verlangt. Sind die Kriterien nicht erfüllt, kann die Diagnose nicht gestellt werden.

In der Psychiatrie in Deutschland arbeiten wir mit zwei Systemen. Das eine ist das sog. ICD - 10 System (Internationale Klassifikation der Krankheiten, laut WHO). Dieses ist das Standardsystem zur Verschlüsselung und Diagnosestellung in den Krankenhäusern. Dieses System wird von den Geldgebern (den Krankenkassen) verlangt. Kritiker sehen das ICD - 10 manchmal als zu ungenau in der Beschreibung der Krankheiten an.

Die Forschung verwendet das aus dem amerikanischen Raum kommende System des DSM - IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen). Hier sind die Beschreibungen der Krankheitssymptome oft tatsächlich genauer. Um nun die Diagnose stellen zu können, müssen genau festgelegte Kriterien erfüllt sein.

Diagnostische Kriterien der Schizophrenie nach ICD - 10 - Kriterien:

Schizophrenie (allgemein):
Die schizophrenen Störungen sind im allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit gewisse kognitive Defizite entwickeln können. Die wichtigsten psychopathologischen Phänomene sind Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen, Denkstörungen und Negativsymptome. Der Verlauf der schizophrenen Störungen kann entweder kontinuierlich episodisch mit zunehmenden oder stabilen Defiziten sein, oder es können eine oder mehrere Episoden mit vollständiger oder unvollständiger Remission auftreten.
Die Diagnose Schizophrenie soll bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen nicht gestellt werden, es sei denn, schizophrene Symptome wären der affektiven Störung vorausgegangen. Ebenso wenig ist eine Schizophrenie bei eindeutiger Gehirnerkrankung, während einer Intoxikation oder während eines Entzugssyndroms zu diagnostizieren.

Besondere Formen der Schizophrenie

Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie (ICD-10 F20.0)
Die paranoide Schizophrenie ist durch beständige, häufig paranoide Wahnvorstellungen gekennzeichnet, meist begleitet von akustischen Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen. Störungen der Stimmung, des Antriebs und der Sprache, katatone Symptome fehlen entweder oder sind wenig auffallend.

Hebephrene Schizophrenie (ICD-10 F20.1)
Eine Form der Schizophrenie, bei der die affektiven Veränderungen im Vordergrund stehen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen flüchtig und bruchstückhaft auftreten, das Verhalten verantwortungslos und unvorhersehbar ist und Manierismen häufig sind. Die Stimmung ist flach und unangemessen. Das Denken ist desorganisiert, die Sprache zerfahren. Der Kranke neigt dazu, sich sozial zu isolieren. Wegen der schnellen Entwicklung der Minussymptomatik, besonders von Affektverflachung und Antriebsverlust, ist die Prognose zumeist schlecht. Eine Hebephrenie soll in aller Regel nur bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen diagnostiziert werden.

Katatone Schizophrenie (ICD-10 F20.2)
Die katatone Schizophrenie ist gekennzeichnet von den im Vordergrund stehenden psychomotorischen Störungen, die zwischen Extremen wie Erregung und Stupor sowie Befehlsautomatismus und Negativismus alternieren können. Zwangshaltungen und -stellungen können lange Zeit beibehalten werden. Episodenhafte schwere Erregungszustände können ein Charakteristikum dieses Krankheitsbildes sein. Die katatonen Phänomene können mit einem traumähnlichen (oneiroiden) Zustand mit lebhaften szenischen Halluzinationen verbunden sein.

Schizophrenes Residuum (ICD-10 F20.5)
Ein chronisches Stadium in der Entwicklung einer schizophrenen Krankheit, bei welchem eine eindeutige Verschlechterung von einem frühen zu einem späteren Stadium vorliegt und das durch langandauernde, jedoch nicht unbedingt irreversible "negative" Symptome charakterisiert ist. Hierzu gehören psychomotorische Verlangsamung, verminderte Aktivität, Affektverflachung, Passivität und Initiativemangel, qualitative und quantitative Sprachverarmung, geringe nonverbale Kommunikation durch Gesichtsausdruck, Blickkontakt, Modulation der Stimme und Körperhaltung, Vernachlässigung der Körperpflege und nachlassende soziale Leistungsfähigkeit.

Therapie

Die moderne Therapie der Schizophrenie berücksichtigt die verschiedenen ursächlichen Ansätze ihrer Entstehung. Man unterscheidet somit die medikamentöse (pharmakologische) von der sog. sozialtherapeutischen Therapie. Eine Therapie sollte immer durch einen Psychiater eingeleitet und kontrolliert werden. 

  • Pharmakotherapie (Therapie mit Medikamenten):
    Da die Schizophrenie eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung ist, sind Medikamente zur Behandlung unerlässlich! Der Oberbegriff der Medikation zur Behandlung der schizophrenen Symptomatik ist Neuroleptika.
    Neben der Behandlung der akuten Erkrankung schützen Neuroleptika auch vor Rückfällen in die Erkrankung.

Neuroleptika sind bei vielen Patienten äußerst unbeliebte Medikamente, da sie eine Reihe von Nebenwirkungen aufweisen können.
Zur Wirkungsweise bzw. Nebenwirkungen von Neuroleptika siehe auch Thema Risperdal. Risperdal gehört zur Gruppe der neueren Neuroleptika.
Man unterteilt Neuroleptika in hochpotente, mittelpotente und schwach potente (potent = wirksam).
Je potenter die Neuroleptika, desto größer die antipsychotische Wirkung (jedoch auch die Nebenwirkung).
Nicht selten weigern sich Patienten wegen zu starker Nebenwirkungen Tabletten einzunehmen und riskieren somit häufige Krankheitsrückfälle und Zwangsunterbringungen (siehe auch Thema Betreuungsrecht).
Bei solchen Patienten eignen sich sog. Depotmedikamente, die per Spritze verabreicht werden und deren Wirkung mehrere Wochen anhalten kann.
Insgesamt empfiehlt man schizophrenen Patienten Medikamente über einen Zeitraum zwischen 3-5 Jahren einzunehmen, um den größtmöglichen Schutz vor einem Rückfall zu haben.
Ergänzend zu den Neuroleptika kann man zur Behandlung noch weitere Medikamentengruppen einsetzen. Da Neuroleptika in den meisten Fällen erst nach Tagen bis Wochen wirken, setzt man die Gruppe der Benzodiazepine (z.B. Valium) ein, um dem Patienten rasche Hilfe zukommen zu lassen. Benzodiazepine eigenen sich jedoch keineswegs für eine Dauerbehandlung, da sie bei Dauergebrauch abhängig machen.
Darüber hinaus setzt man bei Depression, wie sie als Begleiterscheinung der Schizophrenie auftreten können, die Gruppe der Antidepressiva ein.
Ferner gibt man zum Schutz vor Rückfällen verschiedene Medikamente aus der Gruppe der sog. Antiepileptika.

Anmerkung: Rückfallquote

Ohne Neuroleptika liegt die Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahre erneut zu erkranken bei fast 90%.

Sozialtherapeutischer Therapieansatz

Informationsvermittlung (Psychoedukation)
Es hat sich als günstig herausgestellt, neben Einzeltherapie auch Angehörige und Partner mit einzubeziehen.

Inhalt der Informationsvermittlung sollte sein: eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie durch Mitarbeit (Medikamenteneinnahme) auf der einen Seite, sowie Abbau von Stress auf der anderen Seite, zur Besserung beigetragen werden kann. Ziele der Informationsphase sind:

  • Den Betroffenen eine Erklärung für das kombinierte Vorgehen aus Neuroleptikatherapie und Familienbetreuung / Psychotherapie geben.
  • Die „Selbstmanagementfähigkeiten“ fördern z.B. indem den Betroffenen eine aktive Rolle zugeteilt wird und der Pat. zum Experten für seine Erkrankung gemacht wird (Theorien zur Entstehung, Häufigkeit, Verlauf, Symptome...)
  • Abbau von Missverständissen, Vorurteilen und Schuldgefühlen.
  • Informationen über Neuroleptika

Verhaltenstherapeutische Familienbetreuung

Der von Falloon, Boyd und McGill 1984 entwickelte Therapieansatz stellt eine an die speziellen Bedürfnisse schizophrener Patient und ihrer Familien angepasste Version verhaltenstherapeutischer Familienbetreuung dar.
Die zentralen Komponenten sind:

  • Neuroleptikamedikation
  • Diagnostik, Analyse familiärer Konflikte und Belastungen
  • Informationen über Schizophrenie und Medikation
  • Kommunikationstraining (direkter Ausdruck positiver und negativer Gefühle, aktives Zuhören)
  • Problemlösetraining
  • Bei Bedarf: Einzeltherapie

Die Familienbetreuung sollte als ambulante Nachbetreuung durchgeführt werden und sich- wenn möglich- an die stationäre Behandlung anschließen.
Der Patient sollte soweit symptomfrei sein, dass er in der Lage ist, ca. 45 Min. konzentriert mitzuarbeiten.
Es ist zu empfehlen, ca. jede 4. Sitzung im Haushalt der Familie durchzuführen.
Die Dauer beträgt ca. 25 Sitzungen innerhalb des ersten Jahres, Frequenz wird dabei der Familie angepasst. Die Betreuung sollte etwa auf einen zwei-Jahres-Zeitraum angelegt sein. In Krisenfällen ist schnell eine außerplanmäßige Sitzung zu vereinbaren.

Training sozialer Kompetenzen

Bei diesem therapeutischen Ansatz geht es um die Verbesserung der sozialen Kompetenz, d.h. der Fähigkeit, mit anderen Menschen umzugehen und zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Diese Therapie wird in Gruppen durchgeführt und beinhaltet Übungen zur Verbesserung der sozialen Wahrnehmung und des sozialen Verhaltens. Geübt werden:

  • Empfänger-Fertigkeiten (Wahrnehmungsübungen, aktives Zuhören, Zusammenfassen der Sprecher-Äußerungen)
  • Einleiten, Aufrechterhalten und Beenden von kurzen Gesprächen
  • Ausdrücken von positiven Gefühlen wie Lob und Anerkennung
  • Ausdrücken negativer Gefühle
  • Einstehen für die eigenen Rechte und Zurückweisen ungerechtfertigter Forderungen
  • Problemlösetraining

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden Sie unter unseren Themen:

Qualitätssicherung durch: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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