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Autismus

Synonyme im weitesten Sinne

frühkindlicher Autismus, kindlicher Autismus, Asperger- Autismus; Autisten

Englisch: autism

Definition

Unter dem Ausdruck Autismus versteht man in der Regel beim Erwachsenen sowie auch beim Kind ein sich Abkapseln oder Absondern von der Außenwelt. Die Betroffenen leben in ihrer eigenen Gedanken- und Vorstellungswelt. Ein Zugriff von außen ist nur schwer möglich.

Bei Kindern muss zwischen dem frühkindlichen und dem kindlichen Autismus unterschieden werden. Sie differieren im wesentlich durch das Alter des Kindes voneinander. Der frühkindliche Autismus ist eine schon im Säuglingsalter bestehende Kontaktstörung. Das psychisch gestörte Verhalten wird schon vor dem 30. Lebensmonat entwickelt. Der kindliche Autismus tritt vermehrt bei Jungen im Schul- oder Adoleszentenalter auf. Dieser so genannte Asperger- Autismus macht sich in der Regel erst im 4. Lebensjahr bemerkbar. Insgesamt ist die Symptomatik geringer ausgeprägt.


Zusammenfassung

Speziell bei Kindern werden zwei verschiedene Arten von Autismus anhand des Kindesalters unterschieden:

Sie unterscheiden sich aber auch in der Ausprägung der Symptome. Als Ursache wird von einer erblichen Komponente ausgegangen, welche beim Asperger- Autismus stärker zu tragen kommt. Die Kinder sind verschlossen und in sich gekehrt. Sie sind nicht in der Lage Gefühle bei anderen wahrzunehmen oder zu zeigen. So wissen sie beispielsweise nicht, wie ein trauriges Gesicht aussieht. Auch Gefahren sind sie sich nicht in all ihrer Konsequenz bewusst. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie meist im Talentbereich besondere Fähigkeiten zeigen. Die Diagnose, welche sich durch die Beobachtung des Kindes ergibt, kann mit Hilfe der Eltern viel leichter gestellt werden. Schließlich sind sie diejenigen, die das Kind ständig um sich haben. Auch bei der Therapie müssen die Eltern mit einbezogen werden. Da es bis heute keine Autismus- spezifische medikamentöse Behandlung gibt, wird bei dieser unheilbaren Krankheit verhaltenstherapeutisch vorgegangen. Zum größten Teil erfolgt diese nach dem Belohnungsprinzip. Vorbeugend kann dieser Krankheit leider nicht entgegengewirkt werden, da die Ursachen noch nicht bis ins Detail geklärt sind. Je früher man jedoch den Autismus erkennt, umso früher kann auch mit einer adäquaten Therapie begonnen werden. Die Prognose ist vom Ausmaß der Erkrankung abhängig. Allgemein kann jedoch gesagt werden, dass sich Asperger- Autisten als Erwachsenen relativ selbstständig zurecht finden.

Epidemiologie

Von etwa 10000 Kindern leiden 4 an frühkindlichem Autismus und etwas mehr an Asperger- Autismus. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Ob der Autismus mit anderen psychischen Erkrankungsbildern einhergeht ist bis heute nicht belegt.

Ursachen

In der Entstehung des Autismus sind noch nicht alle Geheimnisse gelüftet. Es werden verschiedene Faktoren in die Überlegungen mit einbezogen:

1. genetische Faktoren:

Mann geht beim frühkindlichen Autismus von einer genetischen Disposition aus.

Sind also bereits Familienmitglieder autistisch, ist das Risiko der Erkrankung der         Nachkommen allgemein höher. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass bei einem erkrankten Zwilling die Wahrscheinlichkeit des anderen Zwillings sehr hoch ist auch an Autismus zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 95%, bei zweieiigen immerhin noch 35%. Hinzu kommt die Tatsache, dass eine frühe Hirnschädigung des Kindes die genetische Disposition verstärkt.

2. neurologische Faktoren:

Bei Autisten scheinen gewisse Hirnareale weniger ausgebildet oder entwickelt zu sein, als bei normalen Personen. Auch die Hirnschädigung noch vor Geburt begünstigt das Entstehen von Autismus. Das Ausmaß der Schädigung oder Unterentwicklung des gehirns scheint in Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung zu stehen.

3. biochemische Faktoren:

Bei vielen Autisten wurde ein erhöhter Spiegel eines bestimmten Botenstoffes im Blut festgestellt werden: Serotonin. Hieraus wird versucht die Lernschwierigkeiten zu erklären.

4. Geburtsbedingungen

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Autismus und geringem Geburtsgewicht und angeborenen Missbildungen gibt. Man konnte im Nachhinein feststellen, dass bei vielen Autisten diese Bedingungen bei Geburt vorgelegen haben.

Symptome

Der frühkindliche Autismus äußert sich bereits im Säuglingsalter durch mangelnde Kontaktaufnahme. Bei den Säuglingen fehlt jedwede Reaktion auf Zuwendung der Umgebung. Sie sind also unfähig soziale Beziehungen einzugehen. Sprachliche, sowie nicht- sprachliche Kommunikationsprobleme stehen bei dieser Form des Autismus im Vordergrund. Meist weisen die Kinder einen in die Ferne gerichteten Blick auf („Löcher in die Luft starren“). Die Aufnahme von Blickkontakt fehlt fast gänzlich und die Gesten werden von den betroffenen Kindern nicht verstanden. Der soziale Kontakt leidet also deutlich, da sie auch keinen Körperkontakt mögen und diesen versuchen zu vermeiden. Obwohl die Kinder die Sprache ihrer Eltern verstehen, zeigen sie eine Sprech- und Sprachentwicklungsverzögerung. eine Besonderheit ist hier die so genannte Echolalie, es werden also Wörter oder Sätze einfach wiederholt und so als Antwort dargeboten (Beispiel: Frage: „Kommst Du?“ Antwort: „Kommst Du?“) Auch zwanghafte Spielgewohnheiten vor allem auch zweckentfremdet oder eine übermäßig starke Bindung an einzelne Objekte (Lieblingsspielzeug) können Hinweis auf ein Vorliegen eines Autismus sein. Auch sich immer wiederholende Handlungen sind typisch.

Der kindliche Autismus, der bevorzugt bei Jungen im Schulalter auftritt, äußert sich durch eine Beziehungsarmut. Die Kinder finden wenige bis keine Freunde in der Schule und wirken in sich gekehrt. Meist sind diese Kinder jedoch hochintelligent. Oft finden sich besondere Fähigkeiten im Talentbereich, wie beispielsweise Klavierspielen. Diese Form des Autismus wird auch Asperger- Autismus genannt. Die Kinder sind meist auch motorisch ungeschickt und wirken „tollpatschig“.

Beide Autismusformen weisen in Denken und Verhalten bestimmte Muster auf. Das Denken beispielsweise ist affektgeleitet und steht in Widerspruch zur Realität, was von den Betroffenen jedoch ignoriert wird. Die Kinder flüchten sich oft in Fantasien.

Autistische Kinder haben alle Schwierigkeiten sich anzupassen und Freundschaften zu knüpfen. Ihr Charakter ist zurückhaltend, kontaktschwach und kühl. Autistische Kinder können schwer oder gar nicht Gefühle verstehen und zeigen. Sie wissen zum Beispiel nicht was ein trauriger oder fröhlicher Gesichtsausdruck ist. Ebenso wenig wissen diese Kinder was eine echte Gefahr ist. Sie laufen beispielsweise einfach auf die Straße, ohne sich der Gefahr der vorbeifahrenden Autos bewusst zu sein. Sie reagieren sehr empfindlich auf jede Veränderung ihrer gewohnten Umgebung.

Diagnose

Die Diagnose wird lediglich anhand der Symptome, die das Kind aufweist, gestellt. Es gibt keine spezifischen Tests, um einen Autismus nachzuweisen, da die Kinder „wie in einer anderen Welt leben“. Somit muss auf Tests, welche die Kinder einbeziehen, verzichtet werden. Hiermit ist zu begründen, dass der Autismus oft erst im Kindergarten diagnostiziert wird, obwohl er schon bei Geburt besteht. Die Elternbefragung spielt eine große Rolle. Sie wissen am Besten wie sich ihr Kind normalerweise verhält und welche Auffälligkeiten es zeigt.

Therapie

Wichtig in der Therapie ist vor allem die Elternschulung, die einen großen Teil der Therapie einnimmt. Gegen die erbliche Erkrankung des Autismus gibt es keine heilende Therapie.
Psychiatrische oder psychosomatische Betreuung spielt eine große Rolle. Hier kommt vor allem die Verhaltenstherapie zum tragen. Zur Therapie des Autismus wird vor allem das Belohnungsverfahren eingesetzt. Gewünschtes Verhalten wird belohnt. Bei einem so genannten autoaggressiven Verhalten (z. Bsp. mit dem Kopf an die Wand schlagen) kann die Notwendigkeit zur Bestrafung bestehen. Bestrafung meint in diesem Falle zum Beispiel das Wegnehmen des Lieblingsspielzeugs. Solche Maßnahmen sollten nur in Ausnahmefällen zum Tragen kommen.
Autistische Kinder benötigen eine sehr stabile Familienstruktur und eine sich möglichst nicht verändernde Umgebung. Auf überschießendes Verhalten des Kindes muss zum Beispiel sofort adäquat reagiert werden. Je nachdem welche Bereiche besonders unterentwickelt sind, bedürfen diese besonderer Förderung (motorisches Lernen bei motorisch eher schwachen Kindern).
Medikamentös kommen – allerdings nur bei schweren Krankheitsverläufen mit beispielsweise Selbstverletzungen – Präparate aus der Psychotherapie in Frage. Normalerweise finden diese Medikamente bei schizophrenen Patienten Anwendung. Hier sind Sulpirid und Risperiden zu nennen, welche die Serotoninspiegel im Blut senken. Bei einigen Kindern können so das Verhalten und die geitigen Fähigkeiten verbessert werden. Speziell auf den Autismus ausgerichtete Medikamente stehen bis heute nicht zur Verfügung. Auch ist der Autismus keine heilbare Krankheit. es kann lediglich versucht werden die Symptome einzudämmen.

Prophylaxe

Eine Vorbeugung vor dem Krankheitsbild des Autismus gibt es nicht. Je eher jedoch die Störung erkannt wird, umso früher kann das Kind entsprechend individuell betreut werden. Hilfe gibt es bei sozialen Einrichtungen.

Prognose

Der Autismus ist eine nicht heilbare Krankheit, die jedoch im Laufe des Lebens nicht fortschreitet. Man sagt, dass die Symptomatik im Laufe der Jahre sogar leicht abnimmt. Eine Normalisierung der geistigen Leistungsfähigkeit konnte allerdings bis heute auch noch nicht beobachtet werden. Es gibt auch hier verschieden starke Ausprägung der Schwere der Krankheit. Erwachsene, die am Asperger- Syndrom leiden, können später ziemlich selbstständig ihr Leben meistern. In aller Regel leben sie jedoch sozial sehr isoliert. Andere Autisten haben da schlechtere Aussichten: Sie können kaum selbstständig leben und sich zurechtfinden. Sie benötigen oft lebenslange Unterstützung.


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