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Asthma bronchiale

Synonyme im weiteren Sinne

Bronchialasthma, Allergisches Asthma, Extrinsisches Asthma, intrinsisches Asthma, Status asthmaticus, Asthmaanfall, Kinderasthma, Berufsasthma

Englisch:

Häufige Tippfehler: Astma

Definition Asthma

Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, die anfallsweise zu Atemnot und Husten führt.
Beim Asthma kommt es zu einer wiederholten und plötzlich auftretenden Verengung (Obstruktion) der Atemwege. Bei länger bestehendem Asthma kann es zusätzlich zu einem strukturellen Umbau des Atemapparates kommen.


Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in der Bevölkerung
Die Erkrankungshäufigkeit des Asthma bronchiale nimmt wie die anderer allergischer Erkrankungen weiterhin stark zu. In Deutschland sind circa 10% der kindlichen und 5% der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen.
Bei Kindern zählt Asthma bronchiale zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Haben die Eltern „atopische“ Erkrankungen (z.B. Allergien) liegt das Risiko eines Kindes an Asthma zu erkranken um bis zu 50% höher.

Unterschiede zwischen Ost- und West-Deutschland gleichen sich inzwischen einander an, wohingegen früher eine deutlich geringeres Vorkommen von Asthma bronchiale in Ost-Deutschland beobachtet werden konnte, was die Annahme stützt, dass bestimmte Lebensumstände (z.B. zunehmende Hygienisierung), das Auftreten der Krankheit unterstützen.

Anatomie der Lunge

Anatomie und Lage der Lunge

  1. rechter Lungenflügel
  2. Luftröhre (Trachea)
  3. Luftröhrengabelung (Carina)
  4. linker Lungenflügel

Um die Vorgänge im Körper zu verstehen, die der Erkrankung Asthma zugrunde liegen, ist es notwendig sich den menschlichen Atemapparat etwas genauer anzusehen. Atmung ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem mehrere Strukturen beteiligt sind. Neben der Lunge, in der Sauerstoff aus der Luft ins Blut aufgenommen wird, spielen die Atemwege eine große Rolle.

Vom Mund oder der Nase gelangt die Luft in die Luftröhre (Trachea). Die Luftröhre zweigt sich im Brustkorb (Thorax) in einen rechten und einen linken Seitenast - Hauptbronchus genannt - auf, sie führen jeweils zum linken und rechten Lungenflügel. In den Lungenflügeln zweigen sich die beiden Hauptbronchien immer weiter auf und bilden immer kleinere Äste, die letztendlich zu den Lungenbläschen führen, wo der Gasaustausch stattfindet. Bei jeder Aufzweigung wird der Durchmesser der luftleitenden Bronchien kleiner.
Man kann sich das Ganze als umgedrehten Baum vorstellen, an dem die Luftbläschen wie Äpfel hängen, weshalb man das Ganze auch als Bronchialbaum bezeichnet. Die Aufgabe des Bronchialbaums besteht aber nicht nur darin, die Atemluft zu den Lungenbläschen zu führen, er sorgt außerdem dafür, dass die Luft gewärmt, angefeuchtet und gereinigt dort ankommt.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, ist das Bronchialsystem mit einer speziellen Schleimhaut überzogen. Sie ist stark durchblutet, was zu einem Wärmeaustausch zwischen Luft und Blut führt, mit kleinen Härchen besetzt, in denen sich z.B. Pollen oder Staubkörner verfangen und sie sondert Schleim ab, von dem die Luft bei der Passage Feuchtigkeit aufnimmt. All das passiert buchstäblich in einem Atemzug. Unter der Schleimhaut der Atemwege befindet sich eine ringförmig angeordnete Muskelschicht.
Sie ermöglicht dem Körper den Durchmesser der Bronchien gezielt zu regulieren. Eine Verengung bezeichnet man hier als Obstruktion eine Weitung als Dilatation. Im gesunden Zustand setzt der Körper diese Regulation z.B. ein, wenn er einer starken Belastung ausgesetzt wird, die eine gesteigerte Atmung verlangt, wie z.B. ein Dauerlauf / Jogging. Durch Weitstellung der Bronchien gelangt die Luft leichter in die Lunge, dies sorgt für eine bessere Versorgung mit Sauerstoff.

Ursachen, Entstehung und Risikofaktoren

Asthma ist eine wiederholte und plötzlich auftretende Verengung (Obstruktion) der Atemwege.
Ein Asthma - Anfall kann durch verschiedene Reize ausgelöst werden, die in einer gesunden Lunge ohne Folge bleiben, bei einem Asthmatiker jedoch eine entzündliche Reaktion der Bronchialschleimhaut auslösen.

Die Schleimhaut schwillt an und sondert vermehrt einen zähen Schleim ab, beides verengt die Öffnung der Bronchien.
Zudem zieht sich die Muskulatur der kleineren Atemwege krampfartig zusammen, was die Atmung zusätzlich erschwert. Die Sauerstoffversorgung der Lunge und damit des Körpers verschlechtert sich, im Extremfall kann ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten.


Abbildung Bronchien

  1. Schleim
  2. Schleimhaut
  3. Muskulatur

Folgen des Asthmas (rechte Abbildung)

  • Die Bronchialmuskulatur (3.) verdickt sich
  • Die Schleimhaut (2.) schwillt an
  • Es entsteht vermehrt zäher Schleim (1.)

Die Entstehung eines Asthma bronchiale ist ein von vielen Faktoren beeinflusster Prozess, an dem neben Umweltfaktoren auch genetische Anlagen beteiligt sind.

Man unterscheidet das exogen-allergische Asthma von nicht - allergischem Asthma. Mischformen sind häufig.

Dem exogen-allergischen Asthma liegt eine fehlgeschaltete Antwort des Immunsystems zugrunde. Mögliche Allergene sind: Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare und Schuppen, Blütenpollen und berufsbedingte Allergene, wie z.B. Mehl für den Bäcker.

Das nicht-allergische Asthma wird durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst, bei denen das Immunsystem nicht mobilisiert wird: körperliche Anstrengung, kalte Luft, manchmal auch feucht-warme Luft, Stress und Emotionen (Lachen, Weinen, Angst).

Meistens treten jedoch beide Formen zusammen auf, da es z.B. durch die ständige Atemwegsentzündung beim allergischen Asthma zu einer bronchialen Übererregbarkeit (Hyperreagibilität) kommt, was bedeutet, dass schon bei kleinsten Reizen wie Rauch, Parfüm oder kalter Luft eine Empfindlichkeit besteht und die Schleimhaut in der oben beschriebenen Weise reagiert.

Weitere Sonderformen sind das Anstrengungs-induzierte Asthma (Belastungsasthma), das meistens in der Entspannungsphase nach einer körperlichen Anstrengung auftritt und das Medikamenten-induzierte Asthma, überwiegend ausgelöst durch Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure – kurz ASS (Aspirin) - enthalten (Bestandteil der meisten Kopfschmerztabletten).

Beim allergischen Asthma läuft eine ganz bestimmte Fehlregulation der Immunantwort (körpereigene Abwehrreaktion) ab, die sich gegen Stoffe richtet, die eigentlich für den Körper keine Gefahr darstellen. Zusätzlich weisen die meisten Asthmatiker einen erhöhten Blutspiegel an IgE (Immunglobulin E) auf. IgE ist ein spezieller Antikörper der Immunabwehr, der im Körper als Bote für die Vermittlung einer allergischen Reaktion dient.
Am Anfang der Erkrankung ist das auslösende Allergen auf das der Körper reagiert manchmal noch feststellbar. Meist kommen aber im Laufe der Zeit immer mehr auslösende Allergene hinzu, man spricht dann von einer Ausweitung des Allergiespektrums. Der ursprüngliche Reiz ist nun nicht mehr feststellbar und die Vermeidung der auslösenden Allergene immer schwieriger, man muss also z.B. nicht nur auf ein Haustier verzichten, sondern nach und nach auch auf Frühlingsspaziergänge und Parfum.

Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle. Zum einen können sie das Ausmaß der Erkrankung beeinflussen, zum anderen spielen sie eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krankheit.

Oftmals weisen Patienten mit Asthma bronchiale noch weitere Erkrankungen auf, die zu den atopischen Krankheitsbildern gezählt werden.
Unter Atopie versteht man eine genetisch begründete Bereitschaft des Organismus auf verschiedene natürliche oder künstliche Umweltreize mit einer überschießenden Immunantwort zu reagieren. Zu den atopischen Erkrankungen gehören neben dem Bronchialasthma z.B. auch die Neurodermitis oder der „Heuschnupfen“.
Haben die Eltern atopische Erkrankungen liegt das Risiko eines Kindes an Asthma zu erkranken um bis zu 50% höher.

Beschwerden / Symptome

Die Symptome des Asthma bronchiale können je nach Ausprägung, auslösendem Reiz und Schweregrad der Erkrankung zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten, unter Umständen ist man sporadisch, saisonal oder das ganze Jahr über betroffen. Asthma - Anfälle sind lediglich die „Spitze des Eisberges“, auch während eines scheinbar symptomlosen Intervalls lässt sich die Erkrankung durch die zugrunde liegende chronische Atemwegsentzündung nachweisen.

Bei einem Asthma-Anfall verengen sich auf äußere Reize hin die Atemwege, es kommt zur Atemnot, die Atmung ist sichtlich erschwert und die Ausatmung (klinisch als Expiration bezeichnet) oft von einem pfeifenden Ton begleitet, den man klinisch als expiratorischen Stridor oder Giemen bezeichnet.
Außerdem kommt es zu einer Verlängerung der Atemphasen. Während bei der normalen Atmung die Einatmung (klinisch als Inspiration bezeichnet) länger als die Ausatmung dauert, ist dieses Verhältnis während eines akuten Asthma-Anfalls verschoben und kann sich sogar umkehren.
Um die Atmung für sich zu erleichtern nimmt der Asthmatiker bei einem akuten Anfall meist unwillkürlich eine sitzende Haltung ein und stützt die Arme auf. Dadurch werden Muskeln, die am Arm ansetzen und zum Brustkorb ziehen, in ihrer eigentlichen Funktion umgekehrt und können als Atemhilfsmuskulatur den Brustkorb (Thorax) heben und senken, was die Atmung erleichtert. Zusätzlich ist der Anfall meist von einem ausgeprägten Hustenreiz und einer Erhöhung der Schlagfrequenz des Herzen begleitet, was an einer erhöhten Pulsfrequenz abzulesen ist. Weiterhin kann eine Blaufärbung der Lippen, klinisch als Zyanose bezeichnet, auftreten, die auf eine verminderte Sauerstoffanreicherung des Blutes hindeutet.

Vor allem die Ausatmung ist bei einem Asthma - Anfall erschwert. Das liegt an einem grundsätzlichen Unterschied im Ablauf von Ein- und Ausatmung. Während der Atmung in Ruhe weitet sich der Brustkorb mit Hilfe der Atemmuskulatur und in der Lunge wird durch das Zwerchfell ein Unterdruck erzeugt, der die Atemluft wie ein Sog in die Lunge zieht. (Siehe Grafik unten).
Die Ausatmung dagegen wird nicht von Muskulatur unterstützt, sie erfolgt also passiv durch die Rückstellkraft der Lunge. Es gibt zwar auch Muskulatur, die die Ausatmung unterstützen kann, sie spielt aber erst eine Rolle bei verstärkter Atmung und ist somit schlecht entwickelt. Asthmatiker können sie jedoch trainieren und damit während eines Asthma - Anfalls ihre Atemnot mildern.

Ausatmung:
Die Lunge zieht sich zusammen, wie ein losgelassenes Gummiband!

Einatmung:
Das Zwerchfell spannt sich an und zieht die Lunge nach unten, Luft strömt

Mit zunehmender Dauer des Anfalls stellen sich Erschöpfung und Verwirrtheit ein, verursacht durch die große Anstrengung, die zur Atmung aufgebracht werden muss und die zunehmende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Ein Anfall kann wenige Sekunden, aber auch Stunden und im Extremfall Tage dauern. Unbehandelt kann ein schwerer Asthma-Anfall auch tödlich enden, man nennt dies Status asthmaticus.

Was oft unerwähnt bleibt, ist die große Angst, die ein Patient während eines Anfalles entwickelt. Sie kann bis hin zum Vernichtungsgefühl gehen und ist als zusätzlicher Faktor zu berücksichtigen, da sie den Leidensdruck des Patienten erhöht und den Anfall zusätzlich verschlimmern kann.

Im Intervall zwischen zwei Anfällen sind Asthmatiker häufig beschwerdefrei, Husten kann über lange Zeit das einzige Asthmasymptom sein und wird oft als chronische Bronchitis fehlgedeutet! Asthma-Anfälle sind deshalb nur die Spitze des Eisberges!

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Folgen vom Asthma

Wird die Erkrankung nicht richtig behandelt oder schlägt die Behandlung nicht an, besteht zum einen die Gefahr sich verschlimmernder Asthma-Anfälle, die zum Teil lebensbedrohlich sein können und sofortige ärztliche Therapie benötigen (Status asthmaticus). Zum anderen können Langzeitschäden für die Lunge und das Herz - Kreislaufsystem auftreten.
Das grundsätzliche Problem des Asthmaanfalls ist, dass die Luft die Lunge nicht mehr verlassen kann, also keine frische Luft mehr nachkommt, auch wenn es während eines Anfalls den Anschein hat, dass der Betroffene um „Luft ringt“. Auf die Dauer kann durch mehrere Asthma-Anfälle die Lunge so belastet werden, dass sich durch die ungenügende Ausatmung die Lunge überbläht.
Man spricht hier von einem Lungenemphysem. Dies führt zu schweren, nicht mehr rückgängig zu machenden Einschränkungen der Lungenfunktion, die sich in Leistungsabfall und verminderter Belastbarkeit für den Patienten äußern. Eine weitere Folge der Lungenüberblähung kann eine Schwäche des rechten Herzens - Cor pulmonale genannt - sein.
Der Grund hierfür ist der durch die Überblähung ständig erhöhte Druck in der Lunge, der das rechte Herz übermäßig anstrengt. Alle diese Krankheitsfolgen können mit der richtigen Behandlung vermieden werden. Umso wichtiger ist eine möglichst frühzeitige und konsequente Therapie.


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