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Was ist eine Daumensattel- gelenksarthrose?
Synonyme
medizinisch = Rhizarthrose, Sattelgelenksarthrose, Daumenarthrose, Carpometacapalgelnksarthrose, Arthrose Daumensattelgelenk
Definition
Prinzipiell werden entsprechend der Form der Gelenkkörper verschiedene Gelenkformen unterschieden. Dies sind zum einen das Kugelgelenk, das Nussgelenk, das Gleitgelenk, das Wackelgelenk, das Walzengelenk, das Ei- und das Sattelgelenk.
Das Sattelgelenk (=Articulatio sellaris) besteht dabei aus zwei sattelförmigen Gelenkflächen, die vom Aufbau her optimal aufeinander abgestimmt sind und „passen“.
Das Daumensattelgelenk befindet sich zwischen dem großen Vieleckbein (= Os trapezium) und dem ersten Mittelstrahlknochen.
Eine Daumensattelgelenksarthrose (med.: Rhizarthrose) stellt eine Verschleißerscheinung (Arthrose) im Bereich des Daumensattelgelenkes dar. Häufig beschränkt sich die Arthrose auch auf weitere Gelenke der Hand, was zur Folge hat, dass auch in diesen Gelenken durch die Arthrose bedingte Folgen entstehen können (siehe unten).
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Röntgenbild Handwurzel
- 1. Mittelhandknochen (Daumen)
- Großes Vieleckbein (Os trapezium)
Zusammenfassung
Bei der Daumensattelgelenksarthrose handelt es sich um eine fortschreitende Zerstörung des Knorpels im Bereich des Daumensattelgelenkes. Dieses wird durch zwei Knochen gebildet: das große Vielecksbein (Os trapezium) des Handgelenkes und der erste Mittelhandstrahlknochen. Wie generell alle Knochen im Bereich eines Gelenkes sind diese beiden Knochen an ihren Verbindungsstellen mit einer Knorpelschutzschicht überzogen. Durch die Arthrose wird allerdings diese schützende Knorpelschicht fortschreitend zerstört. Dies hat die Entstehung von Schmerzen zur Folge, die in späteren Stadien zunehmen und auch teilweise in Ruhephasen auftreten können.
Der Entstehung einer Daumensattelgelenksarthrose werden unterschiedliche Ursachen zugeordnet. Dies sind beispielsweise:
- Hormonelle Ursachen, wodurch insbesondere Frauen nach den Wechseljahren häufig von einer Daumensattelgelenksarthrose betroffen sind. Meist bleibt die Arthrose in solchen Fällen allerdings nicht auf dieses Gelenk beschränkt. Meistens sind dann weitere Gelenke, insbesondere im Bereich der Hand, betroffen (Arthrosen der kleinen Fingergelenke).
- Gelenknahe Frakturen, die schlecht verheilten.
- Vererbung
Knorpel findet sich in jedem Gelenk wieder. Immer dann, wenn Knochen miteinander eine gelenkige Verbindung eingehen, sind die Knochen an dieser Stelle mit Knorpel überzogen. Er stellt in gewisser Weise eine Schutzhülle des Knochens dar. Wird aber durch eine Arthrose der Knorpel zerstört, ist die Schutzfunktion des Knochens gestört. Anhand der Schilderung kann man bereits schlussfolgern, dass sich eine Arthrose in jedem Gelenk des Körpers entstehen kann.
Von arthrotischen Veränderungen sind insbesondere das Hüft- (Coxarthrose) und Kniegelenk (Gonarthrose), sowie die Wirbelsäule (Rückenschmerzen) betroffen.
Nähere Informationen zum Krankheitsbild der Arthrose erhalten Sie durch Klicken auf das Wort: Arthrose.
Diagnose
Im Hinblick auf das Schmerzempfinden sei vorab angemerkt, dass Patienten gleiche Schmerzen individuell recht unterschiedlich wahrnehmen können. Dies hat für das Krankheitsbild der Daumensattelgelenksarthrose zur Folge, dass Patienten teilweise bereits im Frühstadium Ruheschmerzen empfinden, während andere den Ruheschmerz erst in fortgeschritteneren Stadien wahr nehmen. An dieser Stelle wird von einem „normal“ schmerzempfindlichen Patienten ausgegangen.
Im Frühstadium der Erkrankung fällt dem Patienten häufig ein Gefühl der Kraftlosigkeit im Bereich des Daumens auf. Besonders in Kombination mit alltäglichen Bewegungen treten häufig so genannt belastungsabhängige Schmerzen auf. Auch Druckschmerzen sind anfänglich typisch. Die Schmerzen nehmen allerdings teilweise recht schnell zu, da der Verschleiß unabdingbar voran schreitet.
In fortgeschritteneren Stadien nehmen die Schmerzen zu, werden heftiger und strahlen teilweise auch bis in andere Bereich aus.
Der klinische Befund einer Arthrose des Daumensattelgelenkes äußert sich in einer Kapselschwellung, folglich einer Schwellung um den Bereich des Sattelgelenkes herum. Typischerweise kann an dieser Stelle ein Druckschmerz ausgeübt werden.
Zwecks Absicherung der Diagnose wird in der Regel ein Röntgenbild erstellt. Röntgenbilder sind in der Regel die einzigen bildgebenden Verfahren, die aussagekräftig sein können. Sie sind es allerdings meist nur dann, wenn die Erkrankung sich schon in einem fortgeschritteneren Stadium befindet. Ein positiver Röntgenbefund stellt sich erst dann ein, wenn sich bereits knöcherne Veränderungen ausgebildet haben, die Erkrankung quasi schon weiter fortgeschritten ist.
In solchen Stadien können Röntgenbilder, die unter Belastung angefertigt wurden, zusätzlich eine Instabilität des Gelenkes abbilden. Dies ist dann in der Regel auf einen gelockerten Kapselbandapparat zurückzuführen.
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Konservative Therapie
Im Hinblick auf die Daumensattelgelenksarthrose gibt es verschieden Therapieformen, die angewendet werden können. Prinzipiell unterscheidet man zwischen der
- konservativen und
- operativen Therapie
Welche Therapieform individuell in Betracht gezogen werden sollte, ist abhängig vom Grad der Erkrankung und kann von Patient zu Patient differieren. Häufig wird in der Regel mit konservativen Therapieverfahren begonnen und eine Operation in der Regel erst dann in Erwägung gezogen, wenn der Patient auf die konservative Therapie nicht oder nur geringfügig anspricht.
Hier werden nun die unterschiedlichen Therapieformen näher erläutert.
Zu den möglichen konservativen Therapieformen zählen:
- Behandlung mit Wärme
- Einnahme so genannter Antiphlogistika (NSAR)
- Kortikoidinfiltration im Bereich des Gelenkes
- Manualtherapie (Form der Krankengymnastik)
- Die Ruhigstellung des Gelenkes durch das Anlegen einer Manschette oder einer Schiene.
Sofern es sich um eine einfachere Form der Daumensattelgelenksarthrose handelt und besonders dann, wenn die Arthrose im Frühstadium erkannt wurde, ist in der Regel eine konservative Therapie in Form von Gelenkschonung und Ruhigstellung des Daumens ausreichend. In der Regel erfolgt während dieser Zeit zusätzlich eine medikamentöse Therapie in Form von Einnahme spezifischer Rheumamedikamente (Celebrex, Voltaren, Ibuprofen, ...), die insbesondere die akuten Schmerzen lindern sollen.
Treten während Belastungsphasen Schmerzen auf, so wird dem Patienten in der Regel eine Orthese / Bandage (siehe Foto) verordnet. Bitte beachten Sie hierbei, dass Bandagen und Orthosen in besonderer Weise das Gelenk schonen, aber beispielsweise auch Muskeln schwächen. Tragen Sie daher eine Orthose / Bandage nur dann, wenn es wirklich notwendig erscheint. Dies ist in der Regel in Belastungssituationen der Fall. Das Tragen sollte somit niemals zur Gewohnheit werden!
Die Injektion von Cortison erfolgt in der Regel meist dann, wenn der Gelenkspalt der Daumensattelgelenksarthrose durch die Knorpelabnutzung nur minimal verändert wurde. Die Injektion erfolgt direkt ins Gelenk, somit bestehen auch injektionsbedingte Risiken, wie beispielsweise das Risiko einer Infektion. Nebenwirkungen des Cortisons, die sich auf den gesamten Körper auswirken, treten in aller Regel nicht auf. Das Ziel einer solchen Injektion ist das Herbeiführen einer möglichst langen Phase der Beschwerdefreiheit. Allzuhäufige Injektionen sollten vermieden werden, da es neben des allgemeinen Infektionsrisikos auch zu Verschmächtigungen im Bereich von Haut- und Fettgewebe kommen kann.
operative Therapie
Fortgeschrittenere Formen der Daumensattelgelenksarthrose trotzen häufig der konservativen Therapie. Sollten die Schmerzen trotz einer solchen Therapieform anhalten oder sogar zunehmen, sollte eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.
Auch im Bereich der operativen Therapie gibt es mittlerweile mehrere mögliche Vorgehensweisen. Somit bedeutet eine operative Therapie heutzutage nicht automatisch, dass das Gelenk eingesteift wird. Dies stellt mittlerweile nur noch die Ausnahme dar.
Welche operative Therapieform für Sie in Frage kommt, kann nicht pauschal entschieden werden. Jede Vorgehensweise – egal ob konservativ oder operativ – muss individuell nach Vor- und Nachteilen abgewogen werden.
Hier erhalten Sie weitere anatomische Informationen zur Hand und zum Themenbereich Arthrose.
Prinzipiell bestehen folgende operative Therapieformen zur Verfügung:
- Die Resektionsarthroplastik
- Die Resektion des Trapeziums
Auf dem Os trapezium, dem großen Vieleckbein, sitzt der 1. Strahl (= Daumen) auf. Um dieses Os trapezium herum entwickelt sich der Verschleiß, die so genannte Daumensattelgelenksarthrose.
Vereinfacht dargestellt impliziert diese operative Vorgehensweise, die Öffnung der Gelenkkapsel und das Entfernen des Os trapezium und damit Verbunden das Entfernen jeglicher Verschleißerscheinungen. Schließlich wird die Gelenkkapsel wieder sorgfältig verschlossen.
Die Resektion stellt einen relativ einfachen Eingriff dar, durch den die Mobilität als solches erhalten bleibt. Der Nachteil besteht darin, dass der Daumenstrahl erheblich verkürzt wird, wodurch letztlich die Muskeln an Kraft verlieren. In der Regel ist der Kraftverlust allerdings deutlich geringer als der Kraftverlust, der vor der Operation krankheitsbedingt vorlag. Man sollte hier vielleicht besser von einem Kraftverlust bezogen auf den Zustand vor der Erkrankung reden!
- Die Resektion des Trapeziums in Kombination mit einer Interposition ( = Epping – Plastik)
Dieser operative Eingriff besteht im Prinzip aus zwei Teilschritten, wobei der erste Teilschritt der Resektion des Trapeziums (a) gleicht.
Zusätzlich wird allerdings aus dem körpereigenen Sehnengewebe ein Teilstück in Form eines abgespaltenen Sehnenstreifens entnommen, welches in die durch die Entfernung des Os trapeziums entstandene Höhle eingebracht wird, indem es durch ein Bohrloch am Daumen gezogen wird. Man möchte durch dieses Einsetzen verhindern, dass der 1. Strahl (= Daumen) in den Hohlraum einsinkt.
Der Vorteil im Vergleich zur „einfachen“ Resektion des Trapeziums besteht darin, dass eine etwas geringere Verkürzung des Daumenstrahles erreicht wird. Allerdings muss zusätzliches Sehnengewebe entnommen werden und auch hierbei kann eine Verminderung der Kraft auftreten.
Eine Alternative zur Interposition eigenen Sehnengewebes besteht darin, ein Implantat einzupflanzen. Dieses Implantat besteht aus einem Silikon – Kautschuk – Gemisch und wird als so genanntes „Swanson – Implantat“ (Silastik – Spacer) bezeichnet. Während die beiden oberen Operationsmethoden häufig eine Verkürzung des Daumenstrahles und eine verminderte Kraftübertragung aufweisen, kann dies durch das Implantat vermieden werden.
Der Nachteil des Implantates besteht derzeit allerdings noch in der Beschaffenheit des Materials. Der Wissenschaft ist es bisher noch nicht vollständig gelungen, Materialien zu entwickeln, bei denen kein Abrieb festzustellen ist. Daher kann auch das „Swanson – Implantat“ von Materialabrieb betroffen sein. Auch Brüche und damit verbundene Wechseloperationen müssen einkalkuliert werden. Ebenso das Auftreten einer Synovitis (= Schleimhautentzündung) und / oder zystischen Veränderungen im Bereich des Knochens. Schließlich ist auch eine Subluxation des Implantates möglich.
- Die Arthrodese des Sattelgelenkes
Unter einer Arthrodese versteht man eine Gelenkversteifung. Generell sollten Arthrodesen des Sattelgelenkes nur dann vorgenommen werden, wenn sicher gestellt ist, dass das andere Gelenke unverändert sind. Dies ist wichtig, da dieses Gelenk infolge der Versteifung des Sattelgelenkes Ausweichbewegungen übernehmen muss und somit stärker gefordert wird. Der Nachteil dieser Operation liegt insbesondere darin, dass der Daumen in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschränkt wird.
- Der totalendoprothetische Ersatz des Daumensattel-gelenkes
Es gibt verschiedene Modelle, die den endoprothetischen Ersatz des Daumensattelgelenkes ermöglichen. Vor dem Einsatz einer Endoprothese sollte sichergestellt sein, dass das andere – Gelenke keinerlei Veränderungen (Arthrose) aufweist.
Der Einsatz fremden Materials kann immer eine Wechseloperation erfordern, allerdings wird in der Regel durch den Einsatz einer Prothese das Operationsziel (Schmerzfreiheit) schneller erreicht.
Operationsrisiken
Jede Operation ist mit Risiken verbunden! Vor der Operation werden sie individuell auf mögliche Risiken hingewiesen. Neben den allgemeinen Risiken gibt es stets auch individuelle Risiken, die mit ihrer aktuellen körperlichen Verfassung zusammen hängen. Aus diesem Grund sind die unten stehenden Operationsrisiken allgemeiner Natur und sollen Ihnen nur orientierend dienen. Die Auflistung der Operationsrisiken erhebt in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit!
- Da die Hand im Vergleich zu anderen Bereichen des Körpers viele Hautnerven aufweist, können durch die operative Hautöffnung Hautnerven durchtrennt werden. Dies hat unter Umständen dann eine dauerhafte Gefühlsminderungen am Daumen und örtlichen Schmerzen an der Verletzungsstelle zur Folge.
- Infektionen oder Störungen der Wundheilung sind generell bei allen Operationen niemals auszuschließen. Liegt eine schwerwiegende Infektion vor, so muss das Gelenk gegebenenfalls noch einmal operativ geöffnet und die Infektion versorgt werden.
- Feindurchblutungsstörungen der Hand treten seltener auf, können sich aber schwerwiegend auf die Bewegungsfähigkeit der Hand ausüben. Das Auftreten von Schmerzen und Schwellungen der Haut geht in aller Regel damit einher.
Nachbehandlung
Der Patient erhält in der Regel nach der Operation (= postoperativ) eine Schiene für die Dauer von circa 4 Wochen. Innerhalb dieser Schiene sind alle Gelenke frei beweglich.
Nach der Ruhigstellung wird der operierte Daumen ganz langsam wieder in den Alltag integriert. Dies bedeutet, dass für den Zeitraum von weiteren 4 bis 8 Wochen die Leistungsfähigkeit noch nicht wieder vollständig hergestellt werden kann. Alle Gewöhnungsversuche und Integrationsmaßnahmen des Daumens an den Alltag müssen behutsam durchgeführt werden. Treten Schmerzen auf, ist dies in der Regel stets ein Zeichen für Überforderung. Demnach implizieren das Auftreten von Schmerzen oder Schwellungen eine sofortige Reduktion der Belastung!
In der Regel erfolgt das Reaktivieren des Daumens ohne Belastung und möglichst eigentätig. Der behandelnde Arzt, bzw. der / die behandelnde Physiotherapeut(in) zeigt Ihnen entsprechende Übungen. In der Regel wird eine Krankengymnastik / Physiotherapie nur dann angeschlossen, wenn sich der Patient nicht an die vereinbarten Bewegungsübungen hält.
Ob die Reaktivierung in Eigenregie oder mit Hilfe einer Krankengymnastik / Physiotherapie durchgeführt wird, wird nach dem individuellen Heilungsverlauf entschieden.
Allgemeine Informationen zum Thema Krankengymnastik finden Sie auch unter unserem Thema: Krankengymnastik
Sollten dennoch Schwellungen auftreten, kann sich unter Umständen eine eine Lymphdrainage, bzw. Ergotherapie als sinnvoll erweisen.
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Fast jeder Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an Arthrose. |
Weitere Informationen
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Alle Themen, die zum Bereich Orthopädie veröffentlicht wurden, finden Sie unter: Orthopädie A-Z
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