Inhalt:
- Kniearthrose / Kniegelenksarthrose / Gonarthrose
- Definition
- Synonyme
- Formen der Kniearthrose
- Hinweis OPIS- Buch Kniearthrose
- Abbildung Kniegelenk
- Geschlechtsverteilung
- Häufigkeit
- Ursachen
- Krankengeschichte
- Symptome
- Diagnose
- Therapie
- Ziel
- Buch bestellen
- Hinweis Kniearthrose
- Selbsttest Arthroserisiko
- Weiterführende Informationen
Kniearthrose / Kniegelenksarthrose / Gonarthrose
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich beim Thema Kniearthrose um ein Dr.Gumpert TOP - Thema handelt, zu dem ein ausführliches Buch verfasst wurde. Weitere Informationen erhalten Sie am Ende dieses Themas.
Definition
Unter Gonarthrose / Kniegelenksarthrose sind alle degenerativen (verschleißbedingte) Erkrankungen des Kniegelenkes zu verstehen, die durch eine zunehmende Zerstörung des Gelenkknorpel unter Mitbeteiligung der Gelenkstrukturen wie Knochen, Gelenkkapsel sowie gelenknaher Muskulatur gekennzeichnet sind.
Synonyme
Gonarthrose, Arthrosis deformans, Arthrose des Kniegelenkes
Formen der Kniearthrose
Drei Knochen bilden gemeinsam mit einem komplexen Kapsel- und Bandapparat (Seiten- und Kreuzbänder) das Gerüst des Kniegelenkes.
Dies sind:
- der Oberschenkel (Oberschenkelrollen oder Femurkondylen)
- der Schienbeinkopf (Tibiaplateau)
- die Kniescheibe (Patella).
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Abbildung Kniegelenk
- Oberschenkelmuskulatur (Musculsus quadriceps femoris)
- Oberschenkelknochen (Femur)
- Oberschenkelsehne (Quadricepssehne)
- Kniescheibe (Patella)
- Kniescheibensehne (Patellasehne)
- Kniescheibensehnenansatz (Tuberositas tibiae)
- Schienbein (Tibia)
- Wadenbein (Fibula)
Anhand des Bildes erkennt man, dass die Knochen einen engen Kontakt aufweisen. Damit auch an den Kontaktflächen eine schmerzfreie und ungestörte Beweglichkeit des Kniegelenkes stattfinden kann, sind die Knochen an den jeweiligen Kontaktflächen mit einer sehr glatten, weißlichen Knorpelschicht überzogen. Nur durch sie wird eine schmerzfreie und ungestörte Beweglichkeit des Kniegelenkes möglich.
Bei einer Gonarthrose liegt ein Kniegelenksverschleiß vor. Verschleißerscheinungen können isoliert auftreten, bzw. bevorzugt den inneren oder äußeren Kniegelenksanteil betreffen.
Anhand der näheren Definition der Gonarthrose erkennt man, welcher Teil des Kniegelenkes hauptsächlich betroffen ist:
- mediale Gonarthrose: betroffen ist hauptsächlich der innere Anteil
- laterale Gonarthrose: betroffen ist hauptsächlich der äußere Anteil des Kniegelenkes.
- Retropatellararthrose: betroffen ist hauptsächlich die Kniescheibengelenkfläche.
- Pangonarthrose: betroffen sind alle drei Gelenkteile
- Arthrose der Oberschenkelrolle (Femurkondyle)
- Arthrose des Schienbeinkopfes / Schienbeinplateus (Tibiaplateau)
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Geschlechtsverteilung
Das weibliche Geschlecht ist deutlich häufiger von einer Kniearthrose / Gonarthrose betroffen.
Häufigkeit
Die Gonarthrose / Kniegelenksarthrose ist eine häufige Erkrankung des Erwachsenen mit einer hohen Prävalenz (je nach Studie 27 - 90%) der über Sechzigjährigen. Aufgrund dieser Tatsache liegt eine hohe sozialmedizinische Bedeutung vor. Durch eine Kniearthrose wird einerseits die Arbeitsfähigkeit, aber auch die persönliche Lebensqualität beeinträchtigt.
Ursachen

- Fortgeschrittene mediale (innenseitige) Kniegelenksarthrose
Ursachen für die Enstehung einer Kniegelenksarthrose / Gonarthrose:
- Achsabweichungen (X- oder O-Bein)
- Verletzungen des Kniegelenkes, z.B. Fraktur mit Gelenkbeteiligung
- Systemerkrankungen, z. B. Bluterkrankheit
- Rheumatoide Arthritis (Rheuma, chronische Polyarthritis)
- Bakterielle Arthritis (= Entzündung des Kniegelenks durch Bakterien)
- Dystopien der Patella (= fehlangelegte Kniescheibe)
- muskuläre Dysbalancen, z.B. Lähmungen
- Dysplasien des Gelenkes
- Osteonekrose (z.B. M. Ahlbäck)
- Chondromatose
- Stoffwechselerkrankungen, z.B. Gicht
Wichtige Einflussfaktoren, die eine Kniegelenksarthrose begünstigen:
- Fehlbelastung
Krankengeschichte
Welche Fakten spielen bei der Erhebung der Krankengeschichte eine wichtige Rolle?
- Lokalisation, Funktionseinschränkung, Dauer, Intensität, Tagesrhythmus, Ausstrahlung des Schmerzes
- Belastbarkeit
- Hinken
- Beweglichkeit
- Einklemmung, Blockierung, Instabilitätsgefühl
- Schmerzfreie Gehstrecke
- Schwellneigung, Beschwerden beim Treppab-/Bergabgehen
- Gehhilfen
- vorausgegangen Unfälle
- stattgehabte Patellaluxation (Auskugeln der Kniescheibe)
- Frühere Kniegelenkserkrankungen
- Vorherige konservative oder operative Behandlung
Symptome
Nach längerem Liegen oder Sitzen klagen die Betroffenen häufig über ein Steifigkeitsgefühl des Kniegelenkes, verbunden mit einem Anlaufschmerz.
Das Kniegelenk neigt zu Schwellungen und Ergussbildungen, wodurch die Schmerzen auch bei geringeren Belastungen zunehmen.
Reizschübe, die zunächst eher selten auftreten, machen sich häufiger bemerkbar. Zusätzlich braucht das Kniegelenk längere Zeit, um wieder in einen reizfreien Zustand zurückzukehren.
Die Belastungssensibilität nimmt stärker zu. Das Treppensteigen und Trepp-, sowie Bergabgehen werden schneller schmerzhaft. Das Kniegelenk erscheint dem Patienten unsicher, die Reizerscheinungen nehmen zu.
Im weiteren Verlauf der Krankheit zwingen immer stärkere Schmerzen zu einem Anhalten beispielsweise bei Spaziergängen führen. Dadurch reduziert sich die Gehstrecke erheblich. Durch die schmerzbedingte Schonung schwindet die Muskulatur des Oberschenkels. Aufmerksame Beobachter haben den Eindruck, dass insbesondere auf unebenem Boden die Stabilität des Kniegelenkes abnimmt.
Das führt schließlich soweit, dass die Gelenkbeweglichkeit immer weiter abnimmt und auch im Ruhezustand (z.B. im Schlaf) teils heftige Beschwerden auftreten. Es können auch Achsenveränderungen des Kniegelnks, im Sinne von O-Beine (= Varus - Gonarthrose oder Varusgonarthrose) oder X-Beine (= Valgus - Gonarthrose oder Valgusgonarthrose) kommen.
Diagnose
Klinische Diagnostik:
Inspektion (Betrachtung):
- Beurteilung von Beinachse: Muskelatrophie, Beinlängendifferenz,
- Gangbild, Knieschwellung, Hautveränderungen
Palpation (Betastung):
- Überwärmung
- Erguß, Schwellung, tanzende Patella
- Krepitation, d. h. spürbares Reiben hinter der Kniescheibe
- Kniescheibenbeweglichkeit
- Verschiebeschmerz der Patella (Zohlen - Zeichen)
- Druckschmerz der Patellafacetten (Druckschmerz rechts und links der Kniescheibe)
- Druckschmerz am Gelenkspalt
Funktionstest und Schmerztest:
- Beurteilung von Bewegungsumfang und Bewegungsschmerz, Bandstabilität
- Meniskuszeichen - zum Nachweis von Schäden im Bereich des Innenmeniskus oder Außenmeniskus
Apparative Diagnostik:
Notwendige apparative Untersuchung:
Röntgen des Kniegelenks in 2 Ebenen
Im Einzelfall nützliche apparative Untersuchungen:
- Röntgen Funktionsaufnahmen und Spezialprojektionen (z.B. Patellaaufnahme, Tunnelaufnahme nach Frik, Einbeinstandaufnahme, Ganzbeinaufnahme): OP-Planung, Beurteilung spezieller Arthroseformen
- Sonographie (Ultraschall): Beurteilung Kniegelenkserguss, Bakerzyste
- Magnetresonanztomographie: Meniskusschaden?
- Computertomographie: Bruch mit Knorpelstufe?
- Skelett - Szintigraphie: Entzündung?
- Klinisch-chemisches Labor zur Differentialdiagnostik = Blutuntersuchung: Entzündungszeichen?
- Punktion mit Synoviaanalyse: Rheuma, Gicht, Bakterien?
Therapie
Ziele:
Verbesserung von Schmerz, ”Lebensqualität", Beweglichkeit, Vergrößerung der Gehleistung, Verzögerung des Fortschreitens der Arthrose.
Konservative Therapie:
Beratung:
Die Beratung ist stets individuell zu gestalten und umfasst die Bestandsaufnahme hinsichtlich des Verhaltens im Alltag, die körperlichen Belastungen in Beruf und Sport. Zusätzlich wird hinsichtlich Übergewicht, Bewegungsmangel, regelmäßige Übungen zur Beseitigung von Muskeldefiziten und Knieschule beraten.
Zur Beratung gehört auch die Aufklärung über die Erkrankung selbst, deren natürlichen Verlauf, aber auch hinsichtlich der Beeinflussbarkeit des Verlaufs durch konservative, bzw. operative Therapie.
Medikamentöse Therapie:
Die medikamentöse Behandlung dient der Schmerzreduktion und Entzündungshemmung. Sie kann systemisch (z. B. durch Tabletten, Tropfen ect.) und lokal (z. B. durch Salben, Spritzen ect.) mit unterschiedlichen Substanzgruppen durchgeführt werden.
- Antiphlogistika (NSAR), hierzu gehören z. B. Diclofenac (z.B. Voltaren), Ibuprofen und die neuen Cox-2-Hemmer (z. B. Celebrex)
- Steroide / Kortison (nur lokal), als Spritze ins Kniegelenk
- therapeutische Lokalanästhesie
- Chondroprotektiva
- Naturheilmittel, besonders ist hierbei die Teufelskralle zu nennen. Die Teufelskralle kann bei leichten Schmerzen allein und bei stärkeren Schmerzen zur Unterstützung der bestehenden Therapie eingesetzt werden. Die Teufelskralle soll die Symptome der Kniearthrose vermindern.
- Vitamine E und C
Physikalische Therapie:
- Physiotherapie / Krankengymnastik
- Knieschule
- Mobilisierung, Muskelkräftigung, Muskeldehnung und Koordinationsschulung
- Thermotherapie (Wärmetherapie)
- Hydro- und Balneotherapie (Wasser- und Lufttherapie)
- Elektrotherapie (Sonophorese, Jontophorese)
- pulsierende Signaltherapie (PST)
Orthopädietechnik:
- Schuhzurichtung an Konfektionsschuhen: Pufferabsätze, Schuhaußenranderhöhung bzw. Schuhinnenranderhöhung
- Handstock oder Unterarmgehstützen
- Fersenkissen
- Bandagen
Operative Therapie
Allgemeine Indikationskriterien:
- Ätiologie der Arthrose, Stadium der Erkrankung, bisheriger Verlauf,
- Schmerzen, Leidensdruck
- Andere Gelenkerkrankungen
- Alter, Allgemeinzustand und Begleitkrankheiten
- Compliance (Mitarbeit und Motivation des Patienten), Arbeitssituation, sozialer Status, Aktivitätsgrad des Patienten
Häufige Operationsverfahren:
Prinzipiell kommen folgende Verfahren in Frage:
- Arthroskopie (ggf. offen)
- Lavage (Spülung des Kniegelenks)
- Beseitigung mechanischer Irritationen
- Synovektomie (Entfernung der Gelenkschleimhaut)
- Weichteileingriff zur Verbesserung der Patellaführung / Kniescheibenführung
- Gelenknahe Osteotomien (zur Korrektur von O- und X-Beinen)
Korrektur in Frontal- und / oder Seitebene, Tuberositasversetzung - unikompartimentelle Schlittenprothese
- ungekoppelte bikompartimentelle Prothese
- gekoppelte bikompartimentelle Prothese mit und ohne Retropatellarersatz, ggf. mit Patellamodellierung
Gelenkosteotomien:
Korrektur des kniegelenknahen Achsenfehlers (X- oder O-Beine), um die mechanische Beanspruchung des Kniegelenkes zu verringern und damit das Fortschreiten der Arthrose zu verzögern. Bei Retropatellararthrose (Arthrose der Kniescheibe) kann nach Ausschöpfen aller vorgeschaltete Maßnahmen eine zusätzliche Operation am Ansatz der Kniescheibensehne indiziert sein.
Gelenkersetzende Operationen:
Der Knieendoprothese habe ich eine ganze Kategorie gewidmet.
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Ziel
Das Ziel jeder Behandlung einer Gonarthrose muß es sein eine Operation zu verhindern und eine Schmerzfreiheit zu erreichen.
Je nach Ausprägungsgrad kann dieses Ziel in den meisten Fällen durch konservative Therapie erreicht werden.
In seltenen Fällen müssen operative Verfahren die erlittenen Schäden “reparieren”.
Ein wichtiges Behandlungsziel ist dabei die Reduzierung der detritusinduzierten (zellmüllproduzierenden) Synovialitis (Gelenkschleimhautwucherung).
Dazu dienen Lavage (Spülung), Debridement (Reinigung), Beseitigung mechanischer Irritationen wie defekte Meniskusanteile, Osteophyten (Knochenanbauten). Bei Kniescheibenerkrankungen können zusätzliche Weichteileingriffe erforderlich sein. Bei rezidivierender Ergussbildung infolge Synovialitis kann eine Synovialektomie (Entfernung der Gelenkschleimhaut) angezeigt sein. Diese Verfahren sollen die Beschwerdesymptomatik zeitweise vermindern.
Sofern sich Schmerzen und Beschwerden nicht verbessern lassen, bleibt als letzte Lösung nur eine endoprothetische Versorgung (künstliches Kniegelenk) über.
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- Anatomie Kniegelenk
- Anatomie Kniescheibe
- Arthrofibrose
- Arthroskopie
- Bandverletzung im Kniegelenk
- Baker-Zyste
- Knieprothese
- Kniescheibenbruch
- Kniescheibenluxation
- Meniskus
- Meniskusoperation
- Meniskusriss
- Morbus Osgood-Schlatter
- O-Beine
- Oberschenkelknochen
- Patellaspitzensyndrom
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