Inhalt:
- Hüftgelenksarthrose
- Synonyme
- Definition
- Alter
- Hinweis OPIS- Buch Hüftarthrose
- Geschlechtsverteilung
- Werbung Orthopaedicum
- Abbildung Hüfte
- Häufigkeit
- Ursache
- Risikofaktoren
- Werbung Ortho WS links
- Diagnose
- Folgen der Coxarthrose / Hüftarthrose
- Prognose
- Therapie
- Konservative Therapie
- Medikamentöse Therapie
- Physikalische Therapie
- Orthopädietechnische Maßnahmen
- Operative Therapie
- Buch bestellen
- Hinweis OPIS- Buch Hüftarthrose
- Selbsttest Arthroserisiko
- Weitere Informationen
Hüftgelenksarthrose
Synonyme
Arthrose des Hüftgelenkes, Hüftgelenksarthrose, Koxarthrose, Coxarthrose, Hüftarthrose, Arthrosis deformans, Osteoarthrose, Osteoarthritis deformans, Arthrosis deformans coxae, coxarthrosis
Vlg. auch Arthrose am Kniegelenk: Kniearthrose, Gonarthrose
Definition
Der Begriff “Hüftgelenksarthrose“ (= Koxarthrose oder auch Coxarthrose) umfasst alle degenerativen Erkrankungen im Bereich des Hüftgelenkes, die durch Erkrankung (z.B. angeborene Störung der Funktionseinheit Hüftkopf – Hüftpfanne oder Durchblutungs-, bzw. Stoffwechselstörungen, ...), Unfall (z.B. Schenkelhalsbruch) oder Verschleiß hervorgerufen werden.
Allen ursächlichen Erkrankungen gemein ist die zunehmende Zerstörung des Gelenkknorpels, die letztlich auch weitere Gelenkstrukturen wie Gelenkkapsel, Knochen und die zughörige Muskulatur schädigt.
Alter
In Fällen, bei denen die Ursache der Hüftgelenksarthrose unbekannt ist (= primäre Coxarthrose) entwickelt sich eine Hüftgelenksarthrose in der Regel erst im höheren Lebensalter (Malum coxae senile), somit meist erst nach dem 50.-60. Lebensjahr.
Häufig umfasst die Arthrose beide Seiten des Hüftgelenkes.
Hüftgelenksarthrosen, die auf nicht vollständig ausgeheilten Hüftgelenkserkrankungen oder anatomischen Varianten im Hüftkopf oder Pfannenbereich beruhen (= sekundäre Coxarthrose), treten in der Regel früher auf und beziehen sich meist nur auf eine Seite des Hüftgelenks.
Medizinisch bezeichnet man den einseitigen Gelenkbefall als monoartikulär.
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Dieses Buch informiert über alle konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten der Hüftarthrose. Vor- und Nachteile werden detailliert und laienverständlich beschrieben.
Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc JungermannAls "PDF" oder "Printversion" erhältlich.
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Geschlechtsverteilung
Da Frauen häufiger unter einer Hüftdysplasie leiden und der Knorpel aufgrund seiner Beschaffenheit weniger belastbar ist als der männliche Knorpel, neigen Frauen eher zu Hüftgelenksarthrose als bei Männern.
Abbildung Hüfte
- Wirbelsäule
- Beckenschaufel (Os ilium)
- Hüftgelenk
- Hüftkopf
- Schenkelhals
- Symphyse
- kleiner Rollhügel (Trochanter minor)
- großer Rollhügel (Trochanter major)
Häufigkeit
Da letztlich der Verschleiß als Auslöser für die Hüftgelenksarthrose als Ursache gesehen werden muss, erscheint es nicht überraschend, dass das Risiko an einer Hüftgelenksarthrose zu erkranken mit zunehmendem Lebensalter steigt. Studien belegen, dass ab einem Alter von 70 Jahren etwa 70 bis 80 % Verschleißerscheinungen an der Hüfte und/oder anderen Gelenken aufweisen.
Ein wesentlicher Risikofaktor zur Entstehung, bzw. zur Beschleunigung einer bestehenden Hüftarthrose ist das Übergewicht (Adipositas).
Ursache
Es gibt unterschiedliche Ursachen für die Entstehung einer Koxarthrose.
Hinzu kommt, dass die Ursachen in den meisten Fällen nicht bekannt sind. Um die Arthrose hinsichtlich ihrer Ursache besser differenzieren zu können, unterscheidet man zwischen der primären und der sekundären Arthrose. Wenn sich eine Arthrose ohne ersichtlichen Auslöser entwickelt – und das ist in den meisten Fällen der Fall –, spricht man von einer primären Arthrose.
Als sekundäre Hüftgelenksarthrose bezeichnet man hingegen eine Arthrose, die aufgrund von Vorschädigungen, Fehlbelastungen, individuellen Entzündungsprozessen oder fehlerhaft angelegter Hüftpfanne (Hüftdysplasie) oder Schenkelhals (Impingement) entsteht.
Das Röntgenbild rechts oben zeigt Ihnen eine gesunde Hüfte. Man erkennt den Abstand zwischen dem Hüftkopf und der Hüftpfanne sehr gut. Dieser Abstand impliziert, dass sowohl die Pfanne als auch der Hüftkopf mit einer guten Knorpelschicht bezogen sind. Dies ist bei einer Arthrose nicht mehr der Fall. Die Knorpelschicht weist in einem solchen Fall teilweise erhebliche Schädigungen auf.
Nachfolgend aufgelistet finden Sie die häufigsten Ursachen, die für eine Entstehung einer Hüftgelenksarthrose verantwortlich gemacht werden können. In den meisten Fällen stehen Ihnen noch weitere Informationen zur Verfügung, die Sie über einen Link erreichen können.
- Angeborene teil- oder komplette Verrenkung der Hüfte (Hüftluxation) bei angeborener Hüftdysplasie:
Bei etwa 10% aller Neugeborenen liegt der Hüftkopf nicht korrekt in der Pfanne. Die Diagnose wird in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt. Je nach individuell unterschiedlichem Ausmaß der Hüftdysplasie ist eine Behandlung durch Spreizverband oder eine Operation notwendig, um Spätfolgen zu verhindern. Es ist hierbei von besonderer Bedeutung, dass dieses Krankheitsbild möglichst früh erkannt wird, da nur innerhalb der ersten beiden Lebensjahre eine Nachreifung des Pfannendaches (Verminderung oder Aufhebung der Hüftdysplasie) möglich wird. Bei ausbleibender Diagnose oder Nichtbehandlung entwickelt sich eine dauerhafte Hüftdysplasie mit ihren Spätfolgen.
- Angeborene Formstörung (Hüftdysplasie):
Man spricht von einer Hüftdysplasie bei Patienten, deren Hüftpfanne zu flach oder deren Schenkelhalswinkel zu steil (siehe auch die Anatomie vom Hüftgelenk) ist. Dies hat zur Folge, dass das Pfannendach den Hüftkopf nicht vollständig überdeckt, was in der Folge bedeutet, dass die Last nur von einem zu kleinen Teil des Gelenkes getragen wird.
Dieses führt zum Frühverschleiß vom Hüftgelenk. Es erscheint daher einleuchtend, dass solche so genannten präarthrotischen Veränderungen (= Arthrose verursachenden Fehlstellungen) bei hochgradigen Befunden frühzeitig operativ korrigiert werden. Dies kann beispielsweise durch so genannte Umstellungsosteotomien geschehen.
Beim Vergleich des Röntgenbildes einer Hüftdysplasie mit dem Röntgenbild einer gesunden Hüfte (siehe oben) werden gravierende Unterschiede erkenntlich. Dass dies nicht ohne Folgen sein kann, erscheint logisch. Im geschlechtsspezifischen Vergleich fällt auf, dass Frauen verhältnismäßig häufiger unter einer Hüftdysplasie leiden. Das Verhältnis zwischen Frauen / Männern liegt bei etwa 9:1.
- Stoffwechselstörungen:
Diabetes mellitus
Durch Diabetes mellitus werden Ver- änderungen der Blutgefäße verursacht, die wiederum zu Durchblutungsstörungen im Bereich des Hüftkopfes führen. Die Folge aus dieser Minderversorgung ist beispielsweise eine Hüftkopfverformung oder im schlimmsten Fall das Absterben des Hüftkopfes (Hüftkopfnekrose, siehe unten).
Weitere Informationen finden Sie unter unserem Thema: Diabetes mellitus
- Gicht
Patienten, die unter Gicht leiden, weisen einen erhöhten Harnsäuregehalt im Blut auf. Liegt der Harnsäuregehalt bei etwa 8 mg / dl oder höher, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ablagerung so genannter Harnsäurekristalle (= Uratkristalle) im Gelenk sehr wahrscheinlich. Diese Kristalle zerstören die eigentlich glatte Oberfläche des Gelenkes. Kristalle lagern sich ab, wenn der Harnsäuregehalt im Blut zu hoch ist, es kann zu einem Gichtanfall kommen.
Weitere Informationen finden Sie unter unserem Thema: Gicht
- bakterielle Coxitis:
Hierunter fallen bakteriell verursachte Infektionen des Hüftgelenkes. Das Auftreten einer bakteriellen Coxitis ist theoretisch bei allen Menschen möglich, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit an einer bakteriellen Koxitis zu erkranken besonders bei Kindern und Patienten mit einem künstliches Hüftgelenk deutlich erhöht.
Bei Kindern kann sie beispielsweise durch eine Verschleppung eines Infektherdes über den Blutweg entstehen. So kann beispielsweise eine Mandelentzündung durch Verschleppung über den Blutweg eine bakterielle Koxitits oder chronische Knocheneiterung (Osteomyelitis) verursachen.
Lesen Sie bitte hierzu auch das Thema Osteomyelitis.
Epiphyseolysis capitis femoris
Das bedeutet: Die Epiphyse muss schnellstmöglich reponiert werden. Das bedeutet der abgerutschte Hüftkopf muß schnell wieder in seine ursprüngliche Lage gebracht werden. Dabei kann ein operatives Vorgehen, mit Reposition und Fixation des Hüftkopfes notwendig werden. Bei Frühdiagnose und operativer Therapie mit entsprechender Korrektur, ist die Diagnose als gut einzustufen. Ein bleibender Schaden kann insbesondere bei einer späten Diagnose nicht immer ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass besonders wenn darüber hinaus noch eine Hüftkopfnekrose auftritt, eine frühe sekundäre Coxarthrose droht. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie bei der Epiphyseolysis capitis femoris.
(bei Kindern und Jugendlichen, bei Jungen etwa zwischen 12. und 16. Lebensjahr, bei Mädchen in der Regel zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr):
Beim Kind ist der Hüftkopf durch die so genannte Wachstumsfuge (= Knorpelfuge) getrennt. Dies bedeutet, dass der Hüftkopf und der Schenkelhals noch nicht durchgehend knöchern verbunden sind. Tritt in der Wachstumsfuge zwischen Femurhals und –kopf eine Lockerung auf, kann sich daraus eine Trennung und Verschiebung ergeben. Das bedeutet, dass bei Belastung der Schenkelhals nach vorn oben (= ventral kranial) wandert, der Hüftkopf allerdings in der Hüftpfanne festgehalten wird. Eine akute Epiphysenlösung stellt stets einen der wenigen Notfälle in der Orthopädie dar.
- Gelenkchondromatose
Hierbei handelt es sich um eine Umwandlung von Schleimhautgewebe in Knorpelzellen, die Knorpelkugeln bilden, die als freie Gelenkkörper die Mechanik des Gelenkes stören.
- Hüftkopfnekrose (HKN):
Bei einer Hüftkopfnekrose handelt es sich um eine örtliche Durchblutungsstörung des Hüftkopfes. Durch die Durchblutungsstörung kommt es zu einer Verformung des Hüftkopfes. Durch die folgende Inkongruenz von Hüftkopf und Hüftpfanne kommt es kurzfristig zur Entwicklung einer Hüftarthrose.
- Morbus Perthes:
Durchblutungsstörungen des kindlichen Hüftkopfes mit zunehmender Verformung des Hüftkopfes. Der Morbus Perthes ist mit der Hüftkopfnekrose vergleichbar. Da er aber während der Wachstumsphase auftritt, können Inkongruenzen durch das noch bestehende Wachstum wieder ausgeglichen werden.
- Osteoradionekrose:
Darunter versteht man das Absterben des Hüftkopfes aufgrund von Durchblutungsstörung (Hüftkopfnekrose) infolge einer Bestrahlung eines hüftgelenksnahen Bereiches in der Tumortherapie.
- Protrusio acetabuli:
Darunter versteht man das Vorwölben der Hüftpfanne in das Becken. Diese Erkrankung findet man häufiger bei Erkrankungen des rheumatische Formenkreises (rheumatoide Arthritis / Rheuma).
- Rheumatoide Arthritis (Rheumatismus, chronische Polyarthritis):
Die rheumatoide Arthritis beginnt an der Innenhaut der Gelenke (= Synovia). Durch den chronischen Entzündungsprozess werden Substanzen freigesetzt, die das eigenen Gelenk angreifen und letztlich auch zerstören. Detailliertere Informationen finden Sie unter der Rubrik Rheuma / rheumatoider Arthritis.
- Verletzungen des Hüftgelenkes oder Hüftluxation:
Knochenbrüche im Bereich der Hüftpfanne (Acetabulumfraktur) oder des Schenkelhalses (Schenkelhalsfraktur) und Verrenkungen nach Unfällen im Hüftbereich
Risikofaktoren
- Übergewicht:
Übergewicht wirkt verschlimmernd auf die oben (unter Ursache) genannten präarthrotischen Veränderungen. Somit wird das Auftreten einer Koxarthrose durch Übergewicht erhöht. Sofern bereits eine Artrhose im Hüftgelenk vorliegt, wirkt das Übergewicht in der Regel Schmerz verstärkend. Übergewicht wirkt verschlimmernd, stellt allerdings keine Ursache isolierte dar und ist somit nicht alleinig arthroseerzeugend. - Fehlbelastungen, die beispielsweise in Folge schlecht angelegter Hüftpfannen (Hüftdysplasie), ungünstiger Schenkelhalswinkel (Coxa valga antetorta), etc. entstehen.
- endokrine Faktoren (hormonell bedingte Faktoren), z.B. ein cortisonproduzierender Tumor
- genetische Einflüsse, familiäre Häufung von Koxarthrose durch vererbte Hüftdysplasie und Knorpelqualität
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Röntgenbild Hüftgelenk
- Hüftpfanne
- Hüftkopf
- Schenkelhals
- aufgebrauchter Gelenkspalt
Diagnose
Was sollte untersucht werden, um eine Hüftgelenksarthrose zu diagnostizieren?
Klinische Diagnostik:
- Beurteilung von Bewegungsumfang und Bewegungsschmerz
- Beurteilung des Gangbildes
- Beinlängendifferenz
- Muskelatrophie
- Beurteilung druckschmerzhafter Punkte
- Beurteilung benachbarter Gelenke
- Beurteilung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität
Apparative Diagnostik:
Notwendige Untersuchungen:
- Röntgenbild: Beckenübersichtsaufnahme (BÜS)
Im Einzelfall nützliche Untersuchung:
- Röntgenbild: axiale / seitliche Aufnahme
- Röntgen: Funktionsaufnahmen und Spezialprojektionen
- Sonographie (Ultraschall)
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT / NMR)
- Szintigraphie
- Klinisch-chemisches Labor zur Differentialdiagnostik
- Punktion mit Synovialanalyse (feingewebliche Untersuchung der Gelenkschleimhautzellen)
Folgen der Coxarthrose / Hüftarthrose
- Schmerzen
Aus den Beschreibungen geht hervor, dass die Koxarthrose als solches eine chronische Erkrankung darstellt, die sich im Laufe mehrerer Jahre entwickelt. Nichtsdestotrotz gibt es Phasen akuter Schmerzen, man spricht dann von einer so genannten aktivierten Koxarthrose.
- Zu den ersten Hinweisen gehört meist ein Steifigkeitsgefühl, sowie ein recht diffuser Gelenk- und Muskulaturschmerz (= Myalgie, Hartspann). Daneben tritt immer häufiger ein so genannter Überlastungsschmerz auf, sowie ein Gelenkschmerz, der vor allem morgens früh (nach dem Schlafen) und nach längerem Sitzen auftritt, der so genannte Anlaufschmerz nach Bewegungsruhe. Dieser Anlaufschmerz verschwindet in der Regel sobald das Gelenk „eingelaufen“ ist. Er kann allerdings nach langem Laufen, Stehen oder Arbeiten in Verbindung mit einem Muskelmüdigkeitsgefühl wieder auftreten. Man spricht dann von dem so genannten Ermüdungsschmerz. Gelegentlich kann es auch zu so genannten Einklemmungsschmerzen im Leistenbereich kommen. Sie werden beispielsweise durch abgelöste Osteophytenpartikel (knocherne arthrosebedingte Anbauten). Einklemmungsschmerzen sind plötzlich einschießend und in der Regel mit heftigen Schmerzen verbunden. Später kommt der Belastungsschmerz mit belastungsabhängigen freien Intervallen hinzu, der dann im Endstadium in einem mehr oder weniger ausgeprägten Ruheschmerz endet.
- Schmerzlokalisation:
Leiste, Hüftaußenseite (Trochanterregion), Gesäßmuskulatur, Oberschenkelvorderseite bis zu Knie. Da eine Schmerzausstrahlung bis hinein ins Knie möglich ist, ist ein fehlerhaftes Deuten der Schmerzen durch den Patienten möglich. Bei unauffälligem Kniebefund im Rahmen einer Untersuchung sollte der behandelnd Arzt immer auch an mögliche Erkrankungen der Hüfte denken.
- Bewegungseinschränkung:
Je nach Schmerzausmaß treten unterschiedliche Bewegungseinschränkungen auf. In der Regel ist von der Einschränkung zunächst die Drehung (Innendrehung) betroffen, Immer schwieriger wird dann auch die Abspreizfähigkeit, die unter Umständen erheblich eingeschränkt sein kann. Weiter unten aufgelistet ist auch die Beinverkürzung, die entsteht, wenn der Patient nicht mehr dazu in der Lage ist, die Hüfte komplett zu strecken. Man spricht dann von einer so genannten Beugekontraktur, die zu einer funktionellen Beinverkürzung führen kann. Erwähnenswert ist, dass die Bewegungseinschränkung anfänglich ursächlich in der schmerzhaften Muskelverspannung begründet liegt, während sie später durch die Kapselverkürzung hervorgerufen wird.
- Störungen des Gangbildes – Der Patient vermeidet in der Regel schmerzhafte Bewegungen. Als Folge der Hüftarthrose fällt auf, dass Patienten sich beim Laufen verstärkt über das kranke Hüftgelenk neigen (zeigt sich als schwankender Gang)
- Minderung der Muskulatur im Bereich des Gesäßes und der Oberschenkel.
- Beinverküzung, bis zu 3 cm sind möglich.
In der Regel beschränkt sich eine Arthrose auf ein oder mehrere Gelenke, wobei sie in den meisten Fällen zunächst über Jahre hinweg symptomfrei verläuft. Auch wenn man eine Koxarthrose, also den Verschleiß des Hüftgelenkes bereits auf dem Röntgenbild diagnostizieren kann, sind Schmerzen oder schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen usw. nicht zwangsläufig vorhanden.
Krankheitsspezifisch steht zunächst die zunehmende Zerstörung des Hüftgelenkes im Vordergrund. Es treten erste Risse im Gelenkknorpel auf, die sich zunehmend erweitern und in Folge durch kleine absterbende Knorpelabriebpartikel eine Gelenkhautentzündung (Synovitis) auslösen. Sie ist es, die dann beim Patienten teilweise sehr starke Schmerzen verursacht. Eine Arthrose alleine ist nicht schmerzhaft! Durch den zunehmenden Druck, der auf dem Gelenk lastet versucht dasselbe en Druck durch eine größere Gelenkfläche zu vermindern. Dadurch kommt es zu Knochenanbauten. Die Konsequenzen der Veränderungen durch Zerstörung und Verformung im Bereich der Hüftpfanne sowie Kapselschrumpfung und Knochenanbau schlägt sich in einer schmerzhaften Funktionsminderung nieder.
Das Röntgenbild weist einen aufgebrauchten Gelenkknorpel auf, den man durch das Nichtvorhandensein eines Gelenkspaltes erkennt. Die Veränderungen werden besonders dann deutlich, wenn man sie mit dem Röntgenbild einer gesunden Hüfte (weiter oben) vergleicht.
Prognose
Natürlicher Verlauf
Der Verlauf einer Koxarthrose unterliegt vieler Variablen, die es nicht erlauben für den Einzelfall eine exakte Prognose zu stellen:
- Der individuelle Verlauf
- Die vielfältigen Ursachen einer Koxarthrose, die darüber hinaus nicht immer eindeutig definiert werden können.
- Es kann daher keine wissenschaftlich exakte Prognose im Hinblick auf den Krankheits- und Schmerzverlauf, der eventuellen Notwendigkeit konservativer oder operativer Therapien gegeben werden.
Fest steht allerdings, dass der Arthrosegrad mit der Dauer der Erkrankung zunimmt.
Prognose nach bestimmten therapeutischen Verfahren
- Umstellungsosteotomie / Korrekturosteotomien
Hierbei wird in erster Linie eine Druckreduzierung herbeigeführt. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass mit zunehmendem Arthrosestadium und Alter die Erfolgschancen dieser Operationsverfahren sinken. Mehr hierzu erfahren Sie weiter unten im Text. - Hüftendoprothetik
Der erfolgswahrscheinlich nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes liegt sehr hoch eine vollständige Beschwerdefreiheit zu erreichen.
Die Wechselrate, das heißt der Austausch vom Komponenten des Hüftgelenkes, liegt bei ca. 0,5% pro Jahr, nach 10-15 Jahren steigt die jährliche Wechselrate an. Mehr dazu finden Sie im Rahmen der Beschreibung künstliches Hüftgelenk.
Therapie
Als generelle Ziele der verschiedenen Therapiemöglichkeiten gelten: Die Minderung der Schmerzen und damit verbunden die Verbesserung der "Lebensqualität". Dazu zählt in erster Linie die Erhaltung, bzw. die Verbesserung der Beweglichkeit (Lösen von Spannungszuständen, Normalisieren der Muskelfunktionen), der Gehleistung und die Verzögerung des Fortschreitens der Koxarthrose.
Meist ist es wichtig, die so genannten „Störfaktoren“ auszuschalten. Darunter fallen beispielsweise Achsenfehlstellungen, einseitige Überlastungen, Übergewicht oder auch Stoffwechselstörungen. Dies ist unter Umständen nicht immer leicht.
Konservative Therapie
- Beratung
Im Rahmen der Beratung werden Patienten über die Erkrankung, sowie deren natürlichen Verlauf und die Beeinflussbarkeit durch etwaige Therapieformen aufgeklärt. Aufgrund der vielen individuellen Fakturen ist eine solche Beratung immer individueller Natur. Besonders die individuellen Lebensgewohnheiten finden hier ihre Berücksichtigung.
Im Rahmen der konservativen Therapie ist der Patient besonders gefordert. Er muss unter Umständen gewohnte Verhaltensweisen abändern. So ist beispielsweise darauf zu achten, dass ein tragbares Verhältnis zwischen der tatsächlichen Belastung und der möglichen Belastbarkeit geschaffen wird. Damit verbunden ist das Vermeiden von ganztägigem Gehen und Stehen sowie die Minderung der Gelenkbelastung. Zuletzt Genanntes impliziert besonders: Kein Heben schwerer Gegenstände und keine sportliche Überanstrengung, etc.
Medikamentöse Therapie
Diese Therapieform therapiert nicht die Ursache. Die medikamentöse Behandlung dient vielmehr der Reduktion der Schmerzen und der Entzündungshemmung.
Hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Man kann systemisch und lokal mit diversen Substanzgruppen therapieren. Dies soll nachfolgend näher erläutert werden.
- Antiphlogistika (NSAR)
Medikamente wie beispielsweise Diclofenac, Ibuprofen und auch die neuen sogenannten Cox-2-Hemmer z.B. Celebrex zählen zu dieser Medikamentengruppe. - Steroide
Steroide werden in der Regel nur lokal und somit hüftgelenksnah injiziert. Zu den Steroiden zählt beispielsweise das Cortison. - Entzündungshemmende Mittel:
Dazu zählen antirheumatische, kortisonfreie Medikamente, aber auch Kortison selbst. Nebenwirkungen treten hierbei verhältnismäßig häufig auf. Aus diesem Grund sollte eine Therapie immer nur auf ärztliche Anweisung erfolgen! - Knorpelschutzpräparate
Knorpelschutzpräparate (z.B. Hyaluronsäure oder Chondroitinsulfat) werden in den Anfangsstadien einer Arthrose als erfolgsversprechend eingestuft.
Eine Behandlung erscheint daher vor allem in den Anfangs- bis Mittelsatdien der Arthrose sinnvoll. Über die Ausprägung der Wirksamkeit streiten sich die Kontinente. Während europäische Mediziner eher zurückhaltend sind, sehen amerikanische Ärzte größere Therapieansätze. - Naturheilkunde
, besonders ist hierbei die Teufelskralle zu nennen. Die Teufelskralle kann bei leichten Schmerzen allein und bei stärkeren Schmerzen zur Unterstützung der bestehenden Therapie eingesetzt werden. Die Teufelskralle soll die Symptome der Hüftarthrose vermindern. - Spritzenbehandlung
um oder in das betroffene Gelenk, gewöhnlich mit Kortison und einem örtlichen Betäubungsmittel
Physikalische Therapie
Die Möglichkeiten der physikalischen Maßnahmen sind sehr vielfältig. Nachfolgend sind einige denkbare Maßnahmen aufgelistet:
- Physiotherapie (Krankengymnastik)
- Massagen (auch: Unterwassermassagen)
- Feuchte Wärme (Moorpackungen,...)
- Mobilisierung, Muskelkräftigung, Muskeldehnung und Koordinationsschulung.
- Thermotherapie (Wärme- / Kältetherapie)
- Hydro- und Balneotherapie (Wasser- / Lufttherapie)
- Elektrotherapie (Stromtherapie)
- Zugbehandlung am Bein (mit einem Gewicht von ca. 1 kg), um eine Entspannung der Hüftmuskulatur zu erreichen.
Orthopädietechnische Maßnahmen
- Stock bzw. Unterarmgehstütze auf der gesunden Seite. Der Patient muss im Umgang mit dieser Maßnahme eine besondere Gehtechnik lernen: Erst wird der Gehstock und das kranke Bein zusammen nach vorne gesetzt, dann erst folgt das gesunde.
- So genannte Pufferabsätze
- Keilkissen, Sitzerhöhungen, Arthrodesenstuhl, Entlastungsorthesen
Operative Therapie
Heutzutage werden Operationen zum einen zur Verhütung einer drohenden Deformierung, aber auch zur Schmerzbekämpfung, bzw. zur Wiederherstellung durchgeführt.
Allgemeine Indikationskriterien
- Ursache der Arthrose, Stadium der Erkrankung, bisheriger Verlauf
- Schmerzen, Leidensdruck
- Bestehen andere Gelenkerkrankungen
- Individuelle Faktoren (Alter, Allgemeinzustand und Begleitkrankheiten)
- Compliance und Motivation, Arbeitssituation, sozialer Status, Aktivitätsgrad des Patienten
Die Auswahl des Operationsverfahrens ist dabei in erheblichem Maße von den Indikationskriterien abhängig. Es stehen demzufolge verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung.
Häufige Operationsverfahren
- Gelenkerhaltende Operationen
Korrekturosteotomien an Femur und Becken
Wird eine Koxarthrose diagnostiziert, so wird stets geprüft, ob duch eine Gelenk erhaltende operative Maßnahme der vollständige Ersatz des Hüftgelenkes (Hüftendoprotheses) verhindert werden kann. Dabei berücksichtigt man in erster Linie eventuell präarthrotischen Veränderungen, sozusagen spezifische Veränderungen, die in den entsprechenden Gelenkbereichen nahezu unweigerlich zur Ausbildung einer Arthrose führen würden.
Hierunter fallen:
- ein zu steiler oder zu flacher Schenkelhalswinkel, der beispielsweise im Rahmen einer intertrochantäre Umstellungsosteotomie des Oberschenkels korrigiert wird,
- eine zu flache Pfanne, die durch die sogenannte Beckenosteotomie vertieft werden kann,
- Fehlstellungen nach Knochenbrüchen
Heutzutage wird die Versteifung (= Arthrodese) der Hüfte nur noch in speziellen Fällen durchgeführt. Durch die Versteifung wird primär eine Schmerzfreiheit erreicht. Eine ggf. unumgängliche Hüftendoprothese einzubauen erweist sich allerdings als sehr schwierig, wenn die Hüfte bereits im Vorfeld versteift wurde.
Wie man anhand der Beschreibungen feststellen kann, sind die unterschiedlichen Umstellungsosteotomien nur sehr individuell einsetzbar. Immer müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen.
Man kann somit festhalten, dass Gelenk erhaltende Operationen der Korrektur von Fehlstellungen eines oder beider Gelenkkörper eingesetzt werden. Dabei soll im Bereich des Hüftgelenks vor allem die mechanische Beanspruchung verbessert und das Fortschreiten der Arthrose verzögert werden. Die Erfolgschancen einer Umstellungsosteotomie sind höher, wenn die Gelenk erhaltende Operation im frühen Arthrosestadium stattfindet. Somit sinken die Erfolgschancen bei zunehmendem Arthrosestadium.
- Planung und Vorbereitung:
- Implantate, Instrumente
- Fremdblutsparende Maßnahmen
- Intraoperative Röntgenmöglichkeit
- Planskizze
-
Mögliche Folgen und Komplikationen
Als allgemeine Risiken und Komplikationen gelten:
- die Hämatombildung = Blutergußbildung,
- Wundheilungsstörungen,
- Wundeninfektionen,
- tiefe Beinvenenthrombose,
- Gefäß- und/oder Nervenverletzung
Spezielle / spezifische Folgen:
- Beinlängenunterschied
- meist vorübergehende Glutealinsuffizienz (= dauerhafte Schwächung der Gesäßmuskulatur)
- Verbreiterung der Hüftsilhouette
Komplikationen
- Verzögerte Knochenbruchheilung,
- ausbleibende Knochenbruchheilung,
- Implantatversagen,
- Korrekturverlust,
- Schmerzpersistenz (Schmerz bleibt erhalten)
Gelenkersatz (künstliches Hüftgelenk)
Im Rahmen einer Endoprothesenoperation erfolgt zunächst eine komplette Entfernung aller zerstörter Gelenkanteile. Diese entfernten Gelenkanteile werden dann durch künstliche ersetzt. Dies hat zur Folge, dass die Patienten in der Regel schmerzfrei werden.
Mittlerweile sind Hüftprothesen als solches recht lange „haltbar“, wenngleich Wechseloperationen besonders häufig bei jungen und aktiven Patienten stattfinden. Daher sollte der Operationszeitpunkt sorgsam gewähklt werden. Wenn die Lebensqualität jedoch erheblich, z.B. durch nächtliche Schmerzen eingeschränkt ist, sollte eine Hüftprothesenoperation erfolgen.
Zu bedenken ist auch, dass mit steigender Implantationsdauer das Lockerungsrisiko ansteigt.
Man kann daher festhalten:
Jüngere Patienten mit schwerer Koxarthrose sollten eine Operation auf sich nehmen, wenn alternativ alle konservativen Therapieoptionen ausgeschöpft wurden.
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