Diabetische Retinopathie

Lesen Sie auch:

Synonyme im weiteren Sinne

Englisch: diabetic retinopathy

Definition

Die diabetische Retinopathie stellt eine Veränderung der Netzhaut dar, welche im Laufe der Jahre bei Diabetikern auftritt. Die Gefäße der Netzhaut verkalken, es können sich neue Gefäße bilden, die in Strukturen des Auges einwachsen und somit das Sehen stark gefährden. Auch Blutungen treten auf.

Zusammenfassung

Die diabetische Retinopathie ist eine Veränderung der Netzhaut, die sich in verschiedenen Befunden äußern kann. Es entstehen je nach Stadium Ablagerungen, Gefäßneubildungen oder gar zu einer Netzhautablösung und Blutungen. Als Ursache ist der Diabetes zu sehen. Diese Erkrankung ist häufig für eine Erblindung verantwortlich.
Die Betroffenen sehen unscharf und verschwommen. Je nachdem welche Bereiche der Netzhaut betroffen sind, gestalten sich die Symptome unterschiedlich schwer. Ist die Makula (gelber Fleck = die Stelle des schärfsten Sehens) betroffen, so droht Erblindung. Die Diagnose wird vom Augenarzt mittels der nicht- invasiven Augenhintergrundspiegelung gestellt. Um genaueres über das Stadium der Erkrankung sagen zu können, ist meist eine Farbstoffuntersuchung der Netzhaut notwendig. Die Therapie gestaltet sich schwierig. Neu gewachsene Gefäße könne mittels Laser verödet werden, allerdings nur, wenn sie nicht in der Makula (gelber Fleck) zu liegen kommen. Ist die Netzhaut abgelöst (sieh auch unser Thema Netzhautablösung), so muss sie mittels Operation wieder angelegt werden (hier nützt der Laser nichts!!!). Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht.

Abbildung Augapfel

  1. Sehnerv (Nervus opticus)
  2. Hornhaut
  3. Linse
  4. vordere Augenkammer
  5. Ziliarmuskel
  6. Glaskörper
  7. Netzhaut (Retina)

Ursache

Die Ursache der diabetischen Retinopathie liegt wie der Name schon sagt im Vorliegen der Grunderkrankung Diabetes. Dadurch werden im Auge die ohnehin schon kleinen Gefäße geschädigt.
Dies führt zu einer frühzeitigen Sklerose (eine Art Verkalkung) der Gefäße, was zu Gefäßverschlüssen führen kann. Ist ein Gefäß verschlossen, so kann die Netzhaut nicht mehr durchblutet und somit nicht mehr ernährt werden. Das Auge versucht diesen Sachverhalt zu kompensieren, indem es zu vermehrtem Gefäßwachstum anregt.

Epidemiologie / Vorkommen in der Bevölkerung

Die diabetische Retinopathie ist häufig für Erblindung verantwortlich.
Bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren ist sie sogar die häufigste Ursache.
Die Entwicklung ist dahingehend, dass die diabetische Retinopathie immer öfter auftritt. Dies liegt ganz einfach in der Tatsache begründet, dass die Grunderkrankung Diabetes ebenso immer häufiger auftritt.

Formen der diabetischen Retinopathie:

  1. nichtproliferative Retinopathie
    (Proliferation: Vermehrung/ Neubildung, Retina: Netzhaut)
    Hier gibt es leichte und schwere Formen. Bei der leichten Form können die aufgetretenen Veränderungen sich durchaus wieder zurück entwickeln. Vermehrtes Gefäßwachstum besteht hier noch nicht. Es bilden sich bereits kleine Aufweitungen der Gefäße, einzelne Blutungen und Fettablagerungen. Bei schweren Verläufen sieht man im Augenhintergrund, also auf der Netzhaut, mehrere Blutungen und teilweise abgestorbene Netzhautanteile. Die Gefäßveränderungen beschränken sich auf die Netzhaut.
    Das Sehen empfindet der Patient meist noch als völlig normal- trotz der für den Augenarzt bereits sichtbaren Veränderungen am Auge.

  2. proliferative Retinopathie
    (Proliferation: Vermehrung/ Neubildung, Retina: Netzhaut)
    Die nicht-proliferative Form der Erkrankung schreitet fort und es entsteht die proliferative Retinopathie. Hier kommt es zu einer Gefäßneubildung im Bereich des Austrittspunktes des Sehnervens aus dem Auge und entlang der großen Gefäßbögen. Wachsen diese Gefäße nun in den Glaskörper ein, so ziehen sie das Wachstum von Bindegewebe nach sich. Dadurch wird die Netzhaut von ihrer Unterlage gezogen. Es entsteht eine zugbedingte Netzhautablösung, welche zur Erblindung führen kann. Die Netzhaut wird von ihrer ernährenden Unterfläche, der Aderhaut, abgezogen. Es können auch Blutungen auftreten, die in den Glaskörper eintreten und somit das Sehen akut verschlechtern. Das Sehen ist allgemein in diesem Stadium im Vergleich zum nicht-proliferativem Stadium gefährdet.

  3. diabetische Makulopathie
    (Makula: Stelle des schärfsten Sehens = gelber Fleck)
    Desweiteren kann nicht nur die Netzhautperipherie betroffen sein, sondern im weiteren Verlauf die Makula. Bei dieser Form der diabetischen Retinopathie liegt eine verdickte Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula), Lipidablagerungen und vor allem Wasseransammlungen im Bereich der Makula vor.

Symptome

Je weiter die diabetische Retinopathie fortgeschritten ist, umso mehr verschlechtert sich das Sehen.
Auch von der Art der Erkrankung (proliverativ/ nicht-proleiferativ) ist das Sehen abhängig. Liegt eine Flüssigkeitsansammlung in der Makula (Makulaödem) vor, ist das Sehen verschlechtert. Für das Sehen bedeutend sind ohnehin fast ausschließlich Prozesse, welche sich in der Makula (gelber Fleck) abspielen
Auch Lipidablagerungen (Fettablagerungen) stören das Sehen.  Die Patienten bemerken verschwommenes oder verzerrtes Sehen oder blinde Flecken.

Diagnose

Mittels der Spiegelung des Augenhintergrundes erkennt der Augenarzt die Veränderungen an der Netzhaut. Um einen besseren Einblick in das Auge zu haben, werden Tropfen verabreicht, welche die Pupille erweitern. So lässt sich gut in das Auge hineinblicken.
Eine weitere Methode zur Diagnosestellung ist das so genannte FAG (Fluoreszenz- Angiographie). Dem Patienten wird über die Vene ein Farbstoff (kein Kontrastmittel) gespritzt, der sich schnell in den Gefäßen des Körpers verteilt, auch im Auge.
Es werden Fotos der Gefäße in unterschiedlichen Stadien gemacht, so dass man erkennen kann, ob ein Gefäß erweitert ist, oder gar leckt und Farbstoff austritt. Auch für diese Untersuchung muss die Pupille erweitert sein.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.01.2012