Grauer Star

Synonyme im weiteren Sinne

Linsentrübung, Katarakt, Alterskatarakt
Englisch: cataract
Medizinisch: Katarakt

Definition

Der Graue Star heißt in der medizinischen Fachsprache Katarakt.

Grauer Star (diese Bezeichnung sollte aber wie der „grüne Star“ nicht mehr benutzt werden, wegen der Verwechslungsgefahr mit dem jeweils „anderen“ Star). Die Katarakt (grauer Star) bezeichnet im Allgemeinen jede Form von Linsentrübung. Die normalerweise durchsichtige Linse liegt beim Menschen hinter der Pupille und gehört zum optischen Apparat, mit dem das Auge die Schärfe einstellen kann.

Bei der fortgeschrittenen grauen Star kann man einen grauen Schleier hinter der Pupille erkennen. Daher rührt auch die Bezeichnung „Grauer Star“: „Grau“ wegen des Schleiers und „Star“ wegen des starren Blicks, der bei erblindeten Menschen zu beobachten ist.

Das Wort Katarakt stammt ursprünglich aus dem Griechischen (cataracta) und meint „Wasserfall“. Man nahm damals an, dass es sich bei dem grauen Schleier um eine geronnene Flüssigkeit handelte, die vor der Pupille herabgeflossen war. Die entstandene Trübung des Blickfeldes erweckte den Eindruck durch einen Wasserfall zu schauen. 

Anzeichen grauer Star

Das Hauptsymptom eines grauen Stars ist die immer schwächer werdende Sehkraft.
Durch Kristalle, die von veränderten Struktureiweißen in der Augenlinse stammen, erreicht das Licht nicht mehr ungehindert die Netzhaut und die Linse verliert ihre Transparenz.
Der graue Schleier sind typische Anzeichen für einen beginnenden grauen Star. Kontrast und Farben sind, wie durch Nebel, zunehmend schwerer zu erkennen. Der Vergleich, wie durch eine beschlagene Scheibe zu sehen, bringt zum Ausdruck, wie eingeschränkt die Betroffenen gerade im späteren Verlauf des Grauen Stars sind. Zu diesem Zeitpunkt ist dann die Graufärbung der Pupille meist auch für andere Sichtbar und auf Fotografien haben die Betroffenen keine sogenannten „roten Augen“ mehr.
Hinzu kommt, dass das einfallende Licht durch die Eintrübung zusätzlich gestreut wird und so zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit bei Gegenlicht führt, welches eine weiteres Anzeichen sein kann.
Dies ist gerade beim Autofahren im Dunkeln deutlich zu merken und sehr unangenehm. Eine bestehende Altersweitsichtigkeit bessert sich scheinbar ohne Grund, was ebenfalls als Anzeichen für einen Katarakt zu sehen ist.
90 Prozent aller Grauen Star-Erkrankungen zählen zum Grauen Altersstar (Katarakt senilis). Unbehandelt führt ein Grauer Star zur Erblindung. Bei vielen Älteren jedoch lässt die Sehfähigkeit durch den Grauen Star so schleichend nach, dass eine Operation nicht notwendig wird.
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Abbildung Auge

  1. Sehnerv (Nervus opticus)
  2. Hornhaut
  3. Linse
  4. vordere Augenkammer
  5. Ziliarmuskel
  6. Glaskörper
  7. Netzhaut (Retina)


Vergleich Grauer Star / gesundes Auge

grauer Star

gesundes Auge

Einteilung

Vergleich eines Augenpaares. Links fällte die milchige Färbung der Pupille durch den grauen Star auf, während rechts ein gesundes Auge abgebildet ist.

Man teilt die Kataraktformen (Formen vom grauen Star) zunächst nach den erworbenen und den angeborenen Arten ein. Die erworbenen Kataraktformen machen ca. 99% aller Katarakte (grauer Star) aus.

Zu den erworbenen Katarakten zählen: 

  • die Alterskatarakt (über 90% aller erworbenen Katarakte) = diese Erkrankung wird in der Regel als “grauer Star” bezeichnet    
  • Katarakte verursacht durch allgemeine Erkrankungen wie:
  • Katarakte durch Augenentzündungen
  • Postoperative Katarakte nach Glaskörperentfernungen
  • Verletzungsbedingte (traumatische) verursachte Katarakte nach
  • toxisch (pharmakologisch oder durch Gifte erzeugte) Katarakte
  • Kortison - haltige Medikamente
  • bestimmte Augentropfen in der Glaukomtherapie (Glaukom = Grüner Star bes. Parasympathomimetika)

Die angeborenen Katarakte (grauer Star) lassen sich genau genommen auch nach im Geburtskanal erworbenen (konnatalen) und genetisch bedingt (kongenital) und daher auch bei ansonsten von außen unbeeinflusster Entwicklung einteilen:

  • im Geburtskanal erworben durch Virusinfekte
  • genetisch bedingt
    • entweder X- chromosomal vererbt
    • Trisomie 13 und 15
    • Down-Syndrom und weitere Syndrome   
          
  • stoffwechselbedingt bei Galaktosämie (eine Unverträglichkeit gegen einen bestimmten Zuckerbaustein)

Häufigkeit

Bei den über 65 - jährigen haben fast 100% eine grauen Star und ca. 50% bemerken die Sehstörungen, wenn sie das 75. Lebensjahr erreicht haben. Jährlich werden zwischen 400.000 und 600.000 Menschen in Deutschland wegen einer Katarakt (grauer Star) operiert.

Häufigste Erblindungsursache

Insgesamt ist der graue Star unbehandelt die häufigste Erblindungsursache in der Welt. Die häufigste Form ist dabei die Alterskatarakt = grauer Star.

Ursache

Die Ursachen der Katarakt (grauer Star) sind sehr vielfältig.
Am häufigsten kommt die Alterskatarakt (Cataracta senile = grauer Star) vor, die man auf keine bestimmte Ursache zurückführen kann. Höchstwahrscheinlich kann man diese Form der Katarakt auf die im Alter schlechtere Versorgung der Linse mit Nährstoffen zurückführen.
Andere erworbene Katarakte lassen sich da besser der Ursache zuordnen.
So können zum Beispiel Verletzung vom Auge (Cataracta traumatica) und Strahlenbelastungen (vor allem Röntgenstrahlung, Infrarotstrahlen und UV-Licht) Ursache sein.
Chronische Entzündungen der Aderhaut (Cataracta complicata), wie bei bakteriell oder viral bedingten Infekten vorkommend, können natürlich auch eine Katarakt bedingen. Mangelernährung (vor allem Vitamin A – Mangel, oft ein Problem in Entwicklungsländern) und viele Krankheiten, die den Linsenstoffwechsel beeinflussen (wie z.B. die Zuckerkrankheit = Diabetes mellitus) kommen bei der Entstehung des grauen Stars in Frage.
Prinzipiell also alles, was die Ernährung und Versorgung mit Sauerstoff der Linse stören kann.
Eine Katarakt muss aber nicht immer erworben sein, sondern kann auch angeboren sein (Cataracta congenita) oder während der Schwangerschaft (Cataracta connatale) durch intrauterine, also vorgeburtliche, Infektion der Mutter entstehen (zum Beispiel durch das Masern- und Rötelnvirus). Dann muss man die Katarakt möglichst schnell operieren, weil sonst die Gefahr der Schwachsichtigkeit (Amblyopie) besteht.

Diagnose grauer Star

Die Diagnose "grauer Star" stellt der Facharzt für Augenheilkunde anhand der beschriebenen Beschwerden und mittels Untersuchungen der Linse an der Spaltlampe (Gerät, mit dem das Auge ausgeleuchtet wird) und der Sehschärfe. Ist die Trübung so ausgeprägt, dass es nicht möglich ist den Augenhintergrund zu begutachten, kann auch eine Ultraschall – Untersuchung beim grauen Star nützlich sein.

Sie ist schnell durchführbar, schmerzlos und kann Auskunft über:

  • Dicke
  • Konsistenz
    und
  • Veränderungen

des beschallten Gewebes, hier also der hintere Augenabschnitt, geben.

Grauer Star und Erblindung

Nebenbemerkung: So mancher Patient erschreckt bei der Diagnose „Grauer Star“ und denkt sofort an Erblindung. Tatsächlich ist der „graue Star“ aber sehr gut behandelbar und hat mit Erblindung zunächst erstmal nichts zu tun.

 Anders ist dies bei der angeborenen Katarakt, weil beim Kind sich das Sehen erst noch entwickeln muss. Dies ist ein sehr komplizierter Vorgang und kann nur in den ersten Lebensjahren passieren.

Ist in dieser Zeit die Entwicklung gestört, entstehen lebenslange Sehstörungen bis hin zur Erblindung.

Gute Therapiemöglichkeiten

Also: Bei der Feststellung einer Katarakt oder „grauer Star“ sich nicht unnötig beunruhigen lassen, in den meisten Fällen handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das heutzutage gut therapiert werden kann.
Lesen Sie mehr zum Thema: Grauer Star Therapie

Historie Grauer Star

Schon bei den alten Ägyptern wurde der graue Star (Katarakt) behandelt und zwar von den sogenannten Starstecher.
Dabei wurde seitlich ins Auge ein Schnitt gesetzt, die sogenannte Starnadel bis zur Linse vorgeschoben und die Linse damit nach unten an den Grund des Augapfels gedrückt. Dadurch war die Sicht wieder frei, auch wenn nun keine Scharfstellung mehr möglich war. Allerdings kam es häufig zu Infekten, die nicht selten bis zur Erblindung führten.
Hierzulande wurden derartige Operationen im Mittelalter durchgeführt. Meistens von reisenden Wundheilern, die auf Festen und Jahrmärkten ihre Dienste anboten. Sie konnten deshalb oft nicht belangt werden, wenn es Wochen später zu Erblindungen kam. Der Komponist Johann Sebastian Bach wurde so an beiden Augen behandelt. Er erholte sich nicht mehr, erblindete und starb an den Folgen.

Nachbehandlung grauer Star

Da mit der Kunstlinse eine Nah- oder Ferneinstellung der Schärfe (Akkommodation) nicht mehr möglich ist, benötigt der Patient trotzdem eine Brille. Entweder für die Ferne oder eine Lesebrille für die Nähe.

Nach einer Katarakt – Operation sollte für die nächsten 4 – 6 Wochen zunächst etwas Ruhe eingehalten werden. Das heißt, keine unnötige körperliche Schwerstarbeit, kein Leistungssport, möglichst nicht schwimmen gehen, Saunagänge vermeiden und auch kein Druck auf das Auge zulassen.

Bevor es Kunstlinsen gab, verordnete man die Starbrille. Diese ist heute nur noch sehr selten nötig, wenn entweder keine Kunstlinse eingesetzt werden konnte oder eine Unverträglichkeit gegen Kontaktlinsen besteht.
Die Starbrille ist eine sehr starke Plus - Brille mit ca. 12 – 15 Dioptrien. Dadurch nimmt man alle Gegenstände ca. 25 Prozent größer wahr. Aber auch hier muss darauf geachtet werden, dass die Differenz der Brechkraft zwischen dem rechten und linken Auge nicht zu groß ist, da sonst ein Bild in beiden Augen unterschiedlich groß wahrgenommen wird. Daher war bei der Starbrille oft nur ein Glas mit der besonders starken Brechkraft ausgestattet.
Bei einer einseitigen Linsenlosigkeit sind deshalb Kontaklinsen besser, weil durch den näheren Abstand zum Auge auch eine geringere Bildgrößendifferenz besteht.

Komplikation

Seltene Komplikationen bei der Katarakt – Behandlung ist das Zerreißen der hinteren Kapsel und eine bakterielle Infektion.
Meistens werden die Bakterien dabei nicht von unsauberen Instrumenten übertragen, sondern stammen aus dem Bindehautsack des Patienten selber. Besonders Patienten mit einer Abwehrschwäche (z.B. AIDS) oder allgemeinen Erkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Neurodermitis sind speziell gefährdet.

Eine besondere Spätfolge der Grauer Star – Operation kann der Nachstar sein. Als Nachstar bezeichnet man eine Trübung der Hinterkapsel. Zurückzuführen ist die Trübung entweder auf eine Veränderung des Gewebes oder einer Regeneration von Zellen der Linsenoberfläche (Linsenepithelzellen), die während der Operation nicht vollständig entfernt worden sind. Man kann dann versuchen, den zentralen Teil der Hinterkapsel mit einem Laser zu durchtrennen oder die regenerierten Zellen mittels einem Sauger zu entfernen.

Prognose Grauer Star

Die Aussicht auf besseres Sehen nach einer Katarakt – Operation sind prinzipiell sehr gut. Voraussetzung ist natürlich, dass keine weitere Augenkrankheit das Sehen stört und eine eventuell bestehende Grunderkrankung angemessen behandelt wird. Bei der Katarakt – Behandlung von Kindern kommt es vor allem darauf an, dass die Therapie rechtzeitig begonnen wurde.

Nebenbemerkung:
Manchmal werden sogenannte „Antikataraktika“ verordnet. Dieses sind Medikamente, die gegen Linsentrübung wirken sollen. Bei Katarakt (grauer Star) gibt es zur Zeit kein bewiesenermaßen wirksames Medikament!



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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.11.2014