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Akutes Nierenversagen

Synonyme

Akute Niereninsuffizienz, plötzliches Nierenversagen, ANV, Schock, Diabetes mellitus

Medizinisch: Ren

Englisch: Kidney

Definition

Dem akuten Nierenversagen (ANV) können verschiedene Ursachen zugrunde liegen, z. B. akute Glomerulonephritiden, Schäden an den Blutgefäßen der Nieren (z. B. Vaskulitiden), Giftstoffe uvm. Oft entsteht es nach schweren Verletzungen, Operationen, Schock oder Sepsis. Im Rahmen eines Multiorganversagens hat es eine besonders schlechte Prognose.


Einteilung und Symptome

Abbildung Niere

  1. Nierenmark
  2. Nierenrinde
  3. Nierenarterie
  4. Nierenvene
  5. Harnleiter (Ureter)
  6. Nierenkapsel
  7. Nierenkelch
  8. Nierenbecken

Einteilung und Symptome

Einteilung / Symptome:

Es existiert eine allgemein übliche Einteilung nach dem Ursprung der Ursache:

  1. prärenales akutes Nierenversagen
  2. renales akutes Nierenversagen
  3. postrenales akutes Nierenversagen

Das dialysepflichtige akute Niernversagen tritt mit einer Häufigkeit von ca. 30 Patienten / 1 Mio. Einwohner / Jahr auf, wobei das nicht dialysepflichtige akute Nierenversagen noch wesentlich öfter auftritt.
Besonders als Teil des Multiorganversagens (Versagen mehrerer innerer Organe zeitgleich) kommt es zunehmend vor, hier vor allem bei septischen Patienten (=Patient miit Blutvergiftung) mit systemischer (= den ganzen Körper betreffender Infektion) Infektion (Systemic Inflammatory Response Syndrome – SIRS).

Das prärenale akute Nierenversagen wird meist durch einen schweren Volumenmangel (z. B. durch Blutung / Blutverlust) oder im Rahmen eines Schocks ausgelöst. Besonders hervorgehoben werden sollte sein Auftreten als Teil des Multiorganversagens, wobei oft septische Patienten (Blutvergiftung durch Bakterienaussaat) betroffen sind. Weitere Ursachen können akute Durchblutungsstörungen sein, wie eine arterielle Embolie, eine venöse Thrombose (Blutpfropf durch Blutgerinnung), also Verschlusserkrankungen von Gefäßen oder ein Aneurysma (umschriebene Ausweitung eines arteriellen Blutgefäßes).

Die Symptome sind von der jeweiligen Ursache abhängig. Diese können schleichend sein, dass das akute Nierenversagen zunächst nicht erkannt wird.
Es kommt zur eingeschränkten (Oligurie) oder gar nicht mehr vorhandenen Harnausscheidung (Anurie) und den daraus entstehenden Komplikationen wie Übersäuerung (Azidose), Hyperkaliämie (Ansteigen von Kalium im Blut) uvm. Die Verwertbarkeit der Laborwerte kann durch Begleiterkrankungen von Leber, Herz oder Niere, sowie durch Diuretikagabe (Medikamente zur Anregung der Nierenfunktion (Harnausscheidung)) eingeschränkt werden.

Das renale akute Nierenversagen wird durch akute glomeruläre (rapid progressive Glomerulonephritis) und interstitielle (interstitielle Nephritis) Erkrankungen verursacht (Siehe Niere).
Außerdem können ihm Giftstoffe oder Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) zugrunde liegen. Vor allem bei den letztgenannten Erkrankungen sollte so früh wie möglich eine Gewebeprobe der Niere (Nierenbiopsie) zur diagnostischen Klärung erfolgen.
In diese Ursachengruppe gehören auch das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) und die akute Nierentransplantat-Abstoßung.

Die Symptome sind hier vielfältig und beinhalten meist Zeichen einer allgemeinen Erkrankung, wie Fieber, Hautveränderungen, Gelenkschmerzen oder Blutarmut (Anämie).

Das postrenale akute Nierenversagen entsteht durch Abflussbehinderungen in den ableitenden Harnwegen. Hierbei kann das Hindernis sowohl innerhalb der Harnleiter liegen, als auch diese von außen komprimieren (z. B. Prostataveränderungen; siehe Prostata).

Hier kommt es zu krampfartigen (kolikartigen) Schmerzen im Bereich der ableitenden Harnwege. Die genaue Ursache lässt sich mit einer Ultraschalluntersuchung meist herausfinden.

Die ausgeschiedene Menge an Urin kann oft nicht zur Diagnosefindung herangezogen werden, da das Leitsymptom Oligurie (wenig Harnausscheidung), wie oben bereits erwähnt, fehlen kann.


Diagnose

Entscheidende Hinweise geben Blutuntersuchung (hier vor allem mit Augenmerk auf Laborwerte wie : Harnstoff, Kreatinin, Blutgase, Säure-Basen-Status) und die Urindiagnostik.
Eine Untersuchung des Urins auf ausgeschiedene rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Eiweiße (sog. Proteinurie) muss unbedingt erfolgen! Hierdurch kann der Ort der Schädigung ermittelt werden, was für die weiter Vorgehensweise von großer Bedeutung ist.

Bei weiterhin unklarer Ursache sollte eine Nierenbiopsie in Erwägung gezogen werden.

Alternative Erkrankungen, die mit ähnlichen Ursachen einhergehen können, sind

Therapie

Ist ein bestehendes akutes Nierenversagen diagnostisch gesichert worden, ist die vordringlichste Maßnahme der sofortige Ausgleich des Volumenmangels entsprechend der Ursache des Verlustes (Blutung, Flüssigkeitsverlust über Magen-Darm-Trakt, Verbrennungen, u. a. m.).
Außerdem sollte auf eine ausreichende Kalorienzufuhr (vor allem über Glucose) geachtet werden, insbesondere bei bestehender Dialysepflichtigkeit.

Medikamente, die jetzt abgesetzt werden sollten, da sie gefährlich sein können, sind Dopamin sowie Schleifen- und osmotische Diuretika (wasserabführende Medikamente).

Da der Organismus Flüssigkeitszufuhr jetzt nur eingeschränkt vertragen kann, ist die Gabe hypertoner Infusionslösungen notwendig (Zufuhr von Fetten).

Bei entsprechenden Laborwerten und klinischen Anzeichen ist eine Nierenersatztherapie unumgänglich. Damit sollte im Allgemeinen bei folgenden Anzeichen begonnen werden:

Als Möglichkeiten der Nierenersatztherapie stehen Hämodialyse / Dialyse, Hämofiltration und Hämodiafiltration zur Verfügung.

Prognose

Als Teil einer übergeordneten, mehrere Organe betreffenden Störung (wie im Rahmen eines Multiorganversagens) hat das akute Nierenversagen (AVN) auch heutzutage noch eine hohe Sterblichkeit (> 75%).

Die eigentliche, d. h. nur auf die Niere bezogene, Prognose ist recht gut. Der Übergang in ein chronisches Nierenversagen kommt nur selten vor.
Bei erhaltener Harnausscheidung ist die Prognose sogar noch günstiger. Bei akutem Nierenversagen mit Ursachen wie Blutkreislaufstörungen oder Giftstoffen kann ein phasenartiger Verlauf auftreten:

  1. Oligurie / Anurie (geringer oder keiner Harnausscheidung)
  2. Polyurie (zuviel Harnausscheidung)
  3. normalisierung der Nierenfunktion

Der Abstand zwischen den einzelnen Abschnitten ist zeitlich variabel.
Das akute Nierenversagen (AVN) kann aber auch mit zahlreichen Komplikationen behaftet sein.
Der Wasser- und Elektrolythaushalt (Kalium, Kalzium) sowie die Säure-Basen-Bilanz des Organismus sind durch das Versiegen der Harnausscheidung stark gestört. Die Flüssigkeitsüberlastung äußert sich durch Ödeme und Hypertonie (Bluthochdruck).
In diesem Zusammenhang besonders gefährlich ist die „Fluid Lung“, d. h. Atemnot aufgrund von Wasser (interstitiellen Ödemen) in der Lunge, die nur auf dem Röntgenbild erkennbar sind.

Desweiteren kann sich eine Hyperkaliämie (zu hohe Kalium - Werte im Blut) einstellen, die als Notfall zu werten ist, da sie sich sehr schnell ausbilden kann. Sie wird durch die metabolische Azidose (Übersäuerung wegen mangelnder H+ - Ausscheidung über die Nieren) begünstigt und kann ab Werten von 7 mmol/l zu schweren Herzrhythmusstörungen führen.

Desweiteren kann es zum Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) und damit verbundenen Blutungen kommen.


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