Was können Anzeichen auf eine bevorstehende Schizophrenie sein?

Einleitung

Die Anzeichen einer Schizophrenie sind vielfältig und leider nicht immer eindeutig. Darunter versteht man die Symptome bzw. Auffälligkeiten, die eine Person kurz vor einem schizophrenen Schub zeigt. In der Regel kündigt sich ein solcher Schub an, bevor die eigentlichen Symptome der Schizophrenie beginnen.

Leider sind diese Vorboten nicht spezifisch und individuell unterschiedlich, sodass es keine allgemeinen Warnzeichen gibt. Trotzdem kommen manche Anzeichen häufiger vor als andere und können gerade bei einer vorbekannten Schizophrenie als Vorboten gedeutet werden.

Was sind die typischen Anzeichen?

Zwar gibt es keine spezifischen, aber durchaus typische Anzeichen für eine Schizophrenie. Diese kommen bei einer Vielzahl psychischer Erkrankungen vor und betreffen hauptsächlich den Gemütszustand. Patienten mit einer beginnenden Schizophrenie sind beispielsweise häufig launisch, misstrauisch und emotional unausgeglichen, bereits lange bevor die eigentliche Schizophrenie auftritt. Diese Phase wird Prodromal-Phase genannt und beginnt Jahre vor der Erkrankung. 
Sie kommt bei vielen Erkrankungen vor, beispielsweise auch bei einer Depression. Bei der Schizophrenie ist diese Phase jedoch meistens auffälliger ausgeprägt. Die Betroffenen merken häufig selbst wenig von diesen Veränderungen, aber den Angehörigen fallen sie auf.

Die Prodromalphase kann dabei von leichten Stimmungsschwankungen bis zu massivsten Wesensänderungen reichen. Positivsymptome, wie sie für die Schizophrenie typisch sind, z.B. Wahn oder Halluzinationen, treten dabei noch nicht auf. Diese werden als positiv bezeichnet, da sie zum normalen Denken und Empfinden dazu kommen. Negativsymptome, die das Fehlen von Emotionen und anderen kognitiven Funktionen bezeichnen, können jedoch schon in dieser frühen Phase auftreten. Dazu gehören beispielsweise depressive Verstimmungen, Angst und Unruhe, Denk- und Konzentrationsstörungen, Misstrauen und ähnliche Symptome.

Die Folge ist häufig ein sozialer Rückzug, durch den sich die Betroffenen regelrecht isolieren. Man spricht von einer sozialen Behinderung, die diese Menschen durchleben und somit nicht mehr regulärer Teil der Gesellschaft sein können. Da diese Symptome aber nicht spezifisch für eine Schizophrenie sind, wird die Krankheit nicht erkannt und folglich nicht behandelt. Wenn es dann letztendlich zur richtigen Schizophrenie kommt, sind die meisten Betroffenen schon lange vom Rest der Gesellschaft ausgeschlossen.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema:Die Schizophrenie.

Gibt es einen Test für Schizophrenie?

Für Schizophrenie gibt es viele Tests, gerade im Internet. Da die Anzeichen einer Schizophrenie aber unspezifisch sind und dem Betroffenen nicht als solche auffallen, sieht man keine Notwendigkeit um diese Symptome abzuklären. Zudem sind die meisten dieser Testungen nicht besonders aussagekräftig und ersetzen keinesfalls den Besuch beim Arzt, weswegen die Durchführung von vornherein als kritisch gesehen werden kann.

Nichtsdestotrotz kann man natürlich bei dem begründeten Verdacht auf eine Schizophrenie solche Tests zu Rate ziehen, gerade als Angehöriger. Gute Tests sollten die Symptome der Prodromalphase erfragen, da die typischen Schizophrenie-Symptome in dieser Frühphase noch nicht auftreten. Tests für eine bereits ausgeprägte Schizophrenie werden diese Frühphase folglich nicht erfassen und falsch negativ ausfallen. Aussagekräftig sind Testungen daher am ehesten für Personen, bei denen schon einmal ein schizophrener Schub aufgetreten ist und bei denen ein Rückfall vermutet wird. Bei diesen Betroffenen kennt man die individuelle Ausprägung der Schizophrenie bereits, kann sich an die Prodromalphase zurückerinnern und gegebenenfalls Parallelen zur aktuellen Situation erkennen. In diesem Falle wäre ein Besuch beim behandelnden Arzt jedoch sinnvoller als die Durchführung von Tests.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass es zwar Tests für die Schizophrenie und ihre Anzeichen gibt, diese aber in den seltensten Fällen angewandt werden oder nicht sinnvoll sind.

Wie kann man auf eine Schizophrenie testen? Erfahren Sie hier mehr zum Thema.

Was mache ich als Betroffener, wenn ich vor einer schizophrenen Phase stehe?

Wie bereits erörtert nehmen die wenigsten Betroffenen ihre Schizophrenie bewusst als Erkrankung wahr und können erste Anzeichen eines Schubs nicht als solche deuten. Leidet eine Person schon länger an einer Schizophrenie und hat ein gutes Verhältnis zu seinem Psychiater, so kann man ihm die Vorteile einer Therapie aufzeigen und ihn zur aktiven Mitarbeit bewegen. Solche Patienten achten eher auf ihre Symptome und deren schubförmigen Verlauf. Viel mehr tun als sich an ihren Psychiater zu wenden, können die Betroffenen allerdings nicht.

Die einzige Hilfe bei einer ausgeprägten Schizophrenie ist eine Betreuung durch Experten mit medikamentöser Therapie und eventueller stationärer Aufnahme ins Krankenhaus. Wenn ein Patient also merkt, dass sich ein neuer Schub ansteht, sollte er sich so schnell wie möglich bei seinem Therapeuten melden. In der Regel sind es jedoch die Angehörigen, die erste Symptome bemerken.

Lesen Sie auch den Artikel:Die Therapie einer Schizophrenie oder Was ist eine schizophrene Psychose?

Was mache ich als Angehöriger, wenn ich eine schizophrene Phase vermute?

Freunde und Familie merken in der Regel als erstes, wenn eine Person eine Schizophrenie entwickelt oder bei längerem Krankheitsverlauf wieder kurz vor einem schizophrenen Schub steht. Die Angehörigen können daher meist schneller reagieren als der Betroffene selbst.

Da jedoch die Anzeichen vor einem Schub individuell unterschiedlich ausgeprägt sind, ist das Erkennen neuer Symptome nicht immer ganz leicht. Viele Betroffenen verstehen sich darauf, ihre Erkrankung zu verstecken und wirken im Alltag oft vollkommen unauffällig. Nur nahe Angehörige haben daher eine Chance, erste Veränderungen wahrzunehmen. Da sich jedoch viele Patienten krankheitsbedingt von ihrem Umfeld isolieren, sind bei vielen gar keine nahen Angehörigen da, die eine Veränderung der Symptomatik erkennen könnten. Einen sich anbahnenden Schub zu erkennen ist daher für Betroffene wie Angehörige äußerst schwierig.

Sollte bei Freunden und Verwandten trotz allem der Verdacht aufkommen, die Schizophrenie verschlimmere sich, können sie prinzipiell auch nichts anderes tun, als sich an den behandelnden Arzt zu wenden. Die schnelle Reaktion auf einen sich entwickelnden Schub scheitert daher in der Regel nicht an der Umsetzung, sondern am initialen Erkennen der Problematik.

Informieren Sie sich hier überdie Symptome einer Schizophrenie.

Wie sehen die Anzeichen bei Kindern aus?

Kinder leiden höchst selten an einer Schizophrenie. Erkrankungsbeginn ist typischerweise im frühen Erwachsenenalter, gelegentlich schon etwas früher, also bei Jugendlichen, aber so gut wie nie im Kindesalter. Von „typisch“ kann daher bei einer kindlichen Schizophrenie nie die Rede sein, nicht bei den eigentlichen Symptomen und erst recht nicht bei den ersten Anzeichen vor einem akuten Schub. Die ersten Veränderungen, die Kinder vor einer Schizophrenie zeigen, sind daher weder typisch noch eindeutig.

Prinzipiell sind die gleichen Symptome wie beim Erwachsenen möglich, allen voran Stimmungsschwankungen, soziale Isolation, kognitive Einbußen wie Konzentrationsstörungen und so weiter. Diese können jedoch bei allen psychischen Belastungen und Erkrankungen vorkommen, weswegen sie keine spezifischen Indikatoren für eine Schizophrenie sind. Da jedoch sämtliche psychischen Erkrankungen behandelt werden sollten, gerade bei so jungen Patienten, ist die wichtigste Maßnahme immer der Besuch beim Arzt. Eltern haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, welche Stimmungsprobleme normal und welche vollkommen untypisch sind.

Wirkt ein Kind also ohne erfindlichen Grund besonders bedrückt, isoliert sich, verhält sich übertrieben misstrauisch oder auf andere Art ungewöhnlich auffällig, sollte es einem Arzt vorgestellt werden.

Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema:Die Schizophrenie bei Kindern.

Weiterführende Information

Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Psychiatrie finden Sie unter: Psychiatrie A-Z.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 04.12.2019 - Letzte Änderung: 06.09.2020