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Plexus brachialis Anästhesie

Einleitung

Die Plexus brachialis Anästhesie ist ein Verfahren der Regionalanästhesie, unter dem Operationen im Bereich des Armes möglich sind. Das Verfahren ist relativ einfach in der Durchführung und hat wenig Komplikationen. Neben der Anwendung bei Operationen kann die Plexus brachialis Anästhesie auch bei chronischen Schmerzen angewendet werden.

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Anatomie des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, welches sich aus den Spinalnerven C5 bis Th1 zusammensetzt und vor allem Arme und Hände, aber auch die Schulterregion mit Nerven versorgt. Er verläuft nach dem Austritt aus dem Wirbelkanal zwischen zwei Muskeln am Hals, dem Musculus scalenus anterior und medius, welche die sogenannte „Skalenuslücke“ bilden. Im weiteren Verlauf verläuft er dann unter dem Schlüsselbein hindurch in Richtung Arm. Auf seinem Weg wird der Plexus brachialis von Blutgefäßen begleitet. Dieser komplette Strang aus Nerven und Blutgefäßen wird von Bindegewebsplatten umhüllt und in verschiedene Kompartimente untergliedert.

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Durchführung der Anästhesie

Bei der Plexus brachialis Anästhesie wird mit einer Injektionsnadel ein lokales Betäubungsmittel in eines der Kompartimente verabreicht und verteilt sich dann entlang des Nervengeflechts. Je nachdem welche Nerven beziehungsweise welche Stellen des Armes genau betäubt werden sollen, wird die Anästhesie an verschiedenen Stellen injiziert.

Hilfreich beim Aufsuchen des Nervengeflechts sind auf jeden Fall ein Nervenstimulator und/oder ein Ultraschallgerät. Der Nervenstimulator ist an die Injektionsnadel gekoppelt und macht die richtige Stelle zur Betäubung dadurch kenntlich, dass er durch Stromimpulse die von dem Nerven versorgten Muskeln zucken lässt. Mit Hilfe des Ultraschallgeräts kann man die Nerven selbst darstellen, die in etwa aussehen wie eine Wolke oder Watte. Oder man orientiert sich an Leitstrukturen wie zum Beispiel Blutgefäße, die ähnlich verlaufen.

Indikation

Das örtliche Betäubungsmittel, welches in die Nähe des Plexus brachialis gespritzt wird, hemmt die Weiterleitung des Aktionspotentials entlang des Nerven, indem es an den jeweiligen Ionenkanälen wirkt. Dadurch werden Informationen wie etwa Schmerzen oder Druck nicht weitergeleitet.

Die Indikation für eine Nervenblockade liegt vor allem im operativen Bereich, um bei einem Eingriff am Arm möglichst keine Schmerzen entstehen zu lassen. Dadurch kann bei der nachfolgenden Narkose und nach der Operation Schmerzmittel eingespart werden, sodass in der Folge der Patient weniger Nebenwirkungen der Schmerzmittel entwickelt und insgesamt auch weniger Schmerzen hat.
Eine Operation am Arm kann des Weiteren auf diesem Weg auch ohne Narkose stattfinden, da ja der Arm in jeglicher Hinsicht betäubt wird. Dieses Verfahren kann auch bei älteren oder schwer erkrankten Menschen durchgeführt werden, bei denen keine Vollnarkose möglich ist.
Die Plexus brachialis Anästhesie kann zum Beispiel beim Einrenken einer ausgekugelten Schulter (Schulterluxation) zum Einsatz kommen, damit die Schmerzen auszuhalten sind und das Einrenken bei Bewusstsein stattfinden kann. Eine weitere Operationen bei denen ein solches Verfahren genutzt werden kann ist zum Beispiel eine distale Radiusfraktur.

Zusätzlich kann eine Nervenblockade des Plexus brachialis die Beschwerden bei einem chronischen Schmerzleiden reduzieren.

Generell kann das lokale Betäubungsmittel einmalig verabreicht werden oder mittels eines Verweilkatheters aus Plastik, welcher für eine gewisse Zeit in Plexusnähe fixiert werden kann, mehrmals nach Bedarf nachgespritzt werden.

Zugänge

Je nach Anlass wird eine bestimmte Stelle des Plexus brachialis zur Injektion des Betäubungsmittels gewählt, da in dem Nervengeflecht zahlreiche, recht komplexe Umschaltungen der einzelnen Nerven stattfinden und somit die verschiedenen Qualitäten an unterschiedlichen Stellen anzutreffen sind. Man unterscheidet verschiedene Zugänge der Plexus brachialis Anästhesie.

Beim interskalenären Zugang wird der Plexus brachialis relativ am Anfang nach Passage der Skalenuslücke geblockt, sodass vor allem die Region der Schulter und des Oberarmes betäubt wird. Dieser Zugang ist für die Einrenkung einer ausgekugelten Schulter geeignet.

Der supraclaviculären Block soll den ganzen Arm betäuben und wird oberhalb des Schlüsselbeins nahe der A. subclavia und der ersten Rippe gesetzt. Diese Methode kommt seltener zum Einsatz, da die Gefahr eines Pneumothorax zu groß ist.

Eine gute Alternative zur Betäubung des ganzen Armes ist der vertikal infraklaviculäre Block, der eine hohe Erfolgsquote besitzt. Allerdings deckt er nicht die Schulterregion ab. Die Injektionsstelle liegt unterhalb des Schlüsselbeins und soll das Kompartiment treffen in welchem der Plexus brachialis von Arteria und Vena axillaris begleitet wird. Diese Loge soll auch beim sogenannten axillären Block der Anästhesie getroffen werden, der Zugang erfolgt jedoch über die Achselhöhle.

Komplikationen

Allgemein ist die Plexus brachialis Anästhesie ein sicheres und komplikationsarmes Verfahren. Unerwünschte Symptome wären durch eine Schädigung des Nervens mit der Injektionsnadel hervorgerufene Sensibilitätsstörungen nach der Anästhesie, sowie die Bildung eines Blutergusses durch Punktion eines der umliegenden Blutgefäße.
Eine schwerwiegendere Komplikation ist die Punktion des Rippenfells, was einen Pneumothorax hervorrufen würde. Es kann ebenfalls zu einer allergischen Reaktion auf das verwendete Medikament oder die verwendeten Materialien kommen.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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