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ISG-Blockade
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Einleitung
Unter einer Blockierung versteht man eine reversible Abweichung von der normalen Gelenkfunktion, bei der das Gelenkspiel (joint-play)innerhalb des normalen, physiologischen Bewegungsraumes eines Gelenkes eingeschränkt oder aufgehoben ist. Ursachen für eine Gelenkblockierung sind funktionelle oder strukturelle Veränderungen an den Gelenkflächen oder im Weichteilmantel. Es können dabei eine oder mehrere Bewegungsrichtungen eines Gelenkes bzw. Bewegungssegmentes betroffen sein. Charakteristisch für die Blockierung ist, dass sie immer eine freie Bewegungsrichtung hat.
Synonyme
Hypomobilität des Iliosacralgelenkes
Kreuz-Darmbeinblockierung, ISG-Blockade, ISG-Blockierung
SIG-Blockade, SIG-Blockierung, Iliosacralgelenksblockierung, Iliosacralgelenksblockade, Sacroiliacalgelenksblockierung, Sacroiliakalgelenksblockade
Anatomie
Das ISG (medizinisch: Articulatio sacroiliaca) ist die gelenkige Verbindung zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os Ilium).Die Gelenkflächen (Facies auricularis) zwischen diesen beiden Knochen haben bumerang-bis c-förmige Gestalt und befinden sich zwischen dem 1. und 3. Sacralwirbel. Sie bestehen aus einem oberen und unteren Pol, deren Umschlagstelle sich etwa in Höhe des 2. Sakralwirbels befindet. Zwischen oberen und unteren Pol befindet sich eine Knickstelle, deren Winkel 100-120° beträgt.
Für die Stabilität des ISG sind die Oberflächenbescahffenheit der Gelenkflächen, die Lage des Kreuzbeins im Beckenring und eine Reihe von Bändern verantwortlich. Aufgrund dieser stabilisierenden Faktoren sind im ISG nur geringe Bewegungen möglich. Eine aktive Bewegung im ISG ist nicht möglich. Durch Fehlstellungen des Darm oder des Kreuzbeins, werden die betroffenen Bänder vermehrt belastet. Die Folge ist eine Spannungszunahme der Bänder, die zu einer Bewegungsstörung des ISG und somit zu einer Blockierung führen kann.
Innerviert wird das ISG hauptsächlich aus der Wurzel S1.
Allgemeines
Das Iliosacralgelenk ist eines der therapieintensivsten, von Schmerzen befallenen Körperbereiche
60-80% der Bevölkerung leidet einmal im Leben an einer ISG-Blockierung und somit unter Rückenschmerzen.
Eine Blockierung des ISG kann in jedem Alter vorkommen und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen.
Das Kreuz-Darmbeingelenk ist der Umlenkpunkt des einachsigen Bewegungsorganes Wirbelsäule auf das zweiachsige Bewegungsorgan Beine. Diese Übergagszonen sind besonders anfällig für Funktionsstörungen.
Weitere Übergangszonen in denen häufig Blockierungen auftreten sind die Kopfgelenke, der cervicothorakale Übergang (Übergang von der Hals-zur Brustwirbelsäule) und der thorakolumbale Übergang (Übergang von der Brust-zur Lendenwirbelsäule).
Ursachen
Wie anfangs schon erwähnt hat das ISG wie jedes andere Gelenk ein physiologisches Gelenkspiel (joint-play). Darunter versteht man die Summe der passiven Bewegungsmöglichkeiten die ein Gelenk durchführen kann und ist somit Grundveraussetzung für eine normale, gesunde Gelenkfunktion. Ist dieses Gelenksspiel vermindert, so liegt eine Blockierung vor.
Bezogen auf das Iliosacralgelenk ist die Ursache für eine Blockierung meist ein Verhebetrauma oder klassischerweise der Tritt ins Leere, beispielsweise beim Übersehen einer Treppenstufe.
Häufig tritt eine Blockierung des ISG auch als Begleitphänomen bei anderen orthopädischen Erkrankungen auf, wie z.B. nach Hüftoperationen oder im Rahmen von Wirbelsäulenerkrankungen.
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Symptome
Leitsymptom der ISG-Blockade ist der Rückenschmerz, der häufig als tieflumbal beschrieben wird und meist einseitig auftritt. Eine Schmerzverstärkung nach längeren Sitzen und eine Verbesserung der Beschwerden durch Bewegung und Wärmeanwendungen sind häufig.
Oftmals kommt es zu einer Schmerzausstrahlung in den Gesäßbereich, in die Leiste und in den Lendenwirbelsäulenbereich. Auch eine Kombination mit Missempfindungen wie Kribbeln und Ameisenlaufen wird beobachtet. Auch Knieschmerzen sollten den Arzt an die differentialdiagnostische Möglichkeit einer ISG-Blockade denken lassen.
Die Symptome der ISG-Blockade gehören in die Gruppe der pseudoradikulären Schmerzsyndrome.
Grundsätzlich lassen sich radikuläre von den pseudoradikulären Schmerzsyndromen unterscheiden.
Unter pseudoradikulären Schmerzen versteht man Schmerzen die nicht auf eine Wurzelreizung zurückzuführen sind. Klassischerweise berichten die Patienten über Rückenschmerzen, die in das Bein ausstrahlen, die Vorder-sowie die Rückseite des Beines betreffen können, aber meist im Kniebereich enden. Häufig wird die Kniekehle von den Schmerzen ausgespart. Auch Sensibilitätsstörungen in Form von Kribbeln und Ameisenlaufen können auftreten. Da der Spinalnerv bei den pseudoradikulären Schmerzsyndromen nicht betroffen ist lassen sich die Sensibilitätsstörungen keinen Dermatomen (das von einem Rückenmarksnerv versorgte Hautgebiet) zuordnen.
Beim radikulären Schmerz wie er bei einem Bandscheibenvorfall auftritt kommt es zu einer Reizung der Nervenwurzel. Dementsprechend sind die Schmerzen und die Sensibilitätsstörungen, die in die Extremität ausstrahlen Dermatombezogen.
Das zweite Leitsymptom der ISG-Blockade neben dem Rückenschmerz ist der Leistenschmerz. Aus funktioneller Sicht sollte der Arzt beim Auftreten von Leistenschmerzen die folgenden Körperregionen untersuchen:
- Das ISG
- Das Hüftgelenk
- Die Lendenwirbelsäule (häufig das Segment L3/4)
- Der Thorakolumbale Übergang
Vom Symptom zur Diagnose
Vorraussetzung für die Diagnose einer ISG-Blockade ist zunächst einmal eine gute Anamnese, die einem wichtige Hinweise auf die richtige Körperregion und Funktionsstörung gibt.
Nach der Inspektion bei der Veränderungen im Haltungsmuster erkannt und dokumentiert werden folgt die körperliche Untersuchung.
Es gibt eine Reihe von Tests die den Arzt eine Funktionsstörung erkennen lassen.
Man unterscheidet grundsätzlich orientierende Tests, die den Arzt Hinweise auf eine Funktionsstörung geben, von den Gelenkspieltests (Joint-play-Tests) die die Diagnose der Blockade sichern. Wichtig dabei ist immer wichtige Differentialdiagnosen wie Entzündungen und tumoröse Erkrankungen mit in Betracht zu ziehen.
Ist die Diagnose der ISG-Blockade gestellt und sind strukturelle Ursachen ausgeschlossen, stehen dem Arzt eine Reihe von Behandlungstechniken zur Verfügung.
Differentialdiagnose / alternative Ursachen
Aus funktioneller Sicht unterscheidet man zwischen einer Beckenverwringung und einer ISG-Blockade
Die Beckenverwringung ist eigentlich ein normaler Prozess beim Gehen. Kommt es aber zu funktionellen Störungen, die ihre Ursache nicht im ISG haben, sondern z.B. in der Wirbelsäule, oder aber auch in den Kopfgelenken kann es als Kompensationsmechanismus ebenfalls zu einer Beckenverwringung kommen.
Die Beckenverwringung ist charakterisiert durch:
- eine Asymmetrie der Beckenstellung, der Stellung der Schambeinäste der eine Indifferenz der Darmbeinstacheln auf einer Seite. Die ISG-Blockierung hat diese Asymmetrien in der Regel nicht.
- ein positives Vorlaufphänomen auf der entsprechenden Seite, das nach 20-30 Sekunden bei maximaler Rumpfbeuge wieder verschwindet. Bei einer Blockierung bleibt der Vorlauf konstant.
- normales Gelenkspiel (Joint-Play).
Um die Beckenverwringung zu therapieren, muss die Ursache gefunden und behandelt werden.
Dabei muss differenziert werden, ob die Ursache im Gelenk oder in der Muskulatur liegt.
Die Beckenverwringung und ISG-Blockade können auch in Kombination vorliegen.
Therapie
An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass hier nur eine kleine Auswahl an therapeutischen Griffen beschrieben werden soll und eine Vollständigkeit nicht gewährleistet werden kann.
Grundsätzlich unterscheidet man die Mobilisation (weiche Technik) von der Manipulation (Technik mit kurzem, schnellen Impuls)
- Mobilisation des Sakroiliakalgelenkes durch den Kreuzgriff in Bauchlage
Diese Technik eignet sich gut bei einem einseitig blockierten Gelenk (einseitiger ISG-Blockade). Dabei liegt der Patient auf dem Bauch und der Therapeut steht auf der gegenüberliegenden (nicht behandelten) Seite. Der Bauch des Patienten sollte unterpolstert werden, um die Lordose (normale Stellung der Lendenwirbelsäule) der Lendenwirbelsäule auszugleichen.
Bei der Ausführung fixiert die eine Hand des Therapeuten das untere Ende des Kreuzbeins, die andere Hand liegt gelenknah auf und mobilisiert das zu behandelnde ISG nach vorne-seitlich. - Mobilisation des Sakroiliakalgelenkes in Seitlage
Ziel dieser Technik ist es eine Traktion im ISG zu erreichen. Dabei liegt der Patient auf der Seite. Der Therapeut testet das Gelenkspiel in dem er mit dem Unterarm Druck auf das obere Darmbein gibt. Ist die Diagnose ISG-Blockade gestellt, kann man aus dieser Stellung direkt in die Behandlung übergehen.Durch den Druck auf das obere Darmbein kommt es zu einem Klaffen im behandelnden ISG und die Blockade wird somit gelöst.
Kommt es bei längerer Belastung zu Schmerzen, spricht das für eine Schwäche der Bänder. - Automobilisation
Bei einer ISG-Blockade gibt es auch die Möglichkeit die Funktionsstörung selbst zu beseitigen.Dabei befindet sich der Patient im Vierfüßlerstand auf der Patientenliege.
Durch Heben und Senken des Oberschenkels, der frei über die Tischkante ragt, kommt es zu einer Deblockierung des ISG. - Manipulation des ISG im Kreuzgriff
Bei dieser Technik liegt der Patient auf dem Bauch und der Therapeut steht auf der nicht zu behandelnden Seite. Mit der einen Hand fixiert er den Beckenkamm an der Spina iliaca posterior superior und die andere Hand liegt auf der Kreuzbeinspitze. Nach kurzer Vorspannung gibt der Therapeut einen kurzen Impuls nach vorne-seitlich.
Bevor man sich für eine Technik entscheidet, muß untersucht werden ob die Ursache der Beschwerden im Gelenk oder im Rahmen einer Beckenverwringung in anderen Bereichen liegt, z.B. in der Muskulatur.
Auch Infiltrationen des ISG mit einem Lokalanästhetikum in Kombination mit Cortison kann zur Verbesserung der Symptomatik beitragen.
Um das Schmerzlevel herunterzufahren, sollte unterstützend für ein paar Tage ein NSAR wie Ibuprofen oder Voltaren in Kombination mit einem Muskelrelaxans (Z.B. Tetrazepam, Musaril) gegeben werden.
Nach der Behandlung wird dem Patienten empfohlen sich zu bewegen und lokal wärmende Massnahmen (warme Bäder, Wärmflaschen,Kirschkernkissen) durchzuführen.
Allgemein muss man noch hinzufügen, dass Störungen im Bereich der Iliosakralgelenke meist sekundär bedingt sind. Aus diesem Grund müssen Ursachen im Bereich der Wirbelsäule und auch der Hüften ausgeschlossen werden.
Wird die Symptomatik nach 2-3 Behandlungen nicht besser, müssen auch entzündliche, rheumatologische und Tumorerkrankungen ausgeschlossen werden.
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