Glitazone

Synonyme im weiteren Sinne

Diabetesmedikamente, Medikamente Diabetes mellitus, Pioglitazon (z.B. Actos®) Rosiglitazon (z.B. Avandia®)

 

Wie wirken Glitazone Pioglitazon (z.B. Actos®) Rosiglitazon (z.B. Avandia®)?

Die Medikamente aus der Stoffgruppe der Glitazone mit den beiden handelsüblichen Produkten Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) werden auch „Insulinsensitizer“ genannt. „Insulinsensitizer“ deswegen, weil sie die Empfindlichkeit der Körperzellen für das noch im Körper vorhandene Insulin erhöhen. Die Zellen können also trotz niedrigen Insulinspiegels noch Zucker aus dem Blut aufnehmen. Pioglitazon hemmt zusätzlich die Zuckerproduktion der Leber.

 
Die Medikamente Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) können mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen kombiniert werden, wodurch die zuckersenkende Wirkung zusätzlich verstärkt wird. Durch die verbesserte Insulinwirkung an der Zelle wird auch eine andere Wirkung des Insulins, nämlich die Fettproduktion, begünstigt.

Die hauptsächliche Nebenwirkung der Medikamente Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) ist daher eine Gewichtszunahme. Eine Zunahme von zwei bis drei Kilo ist hierbei durchaus möglich. Gerade bei Typ-2-Diabetikern besteht häufig ein Übergewicht. Eine Gewichtsabnahme unter Therapie mit Glitazonen fällt den Patienten meist schwer.

Der Einsatz mit Pioglitazon (Actos®) oder Rosiglitazon (Avandia®) sollte allerdings frühzeitig erfolgen, um die restlichen Insulinmengen im Körper noch ausschöpfen zu können.

Hinweis: Glitazone

In späteren Diabetesstadien kann die Insulinproduktion vollkommen versiegen. In diesem Fall zeigen Glitazone keine Wirkung mehr!

 

Trotz des relativ jungen Alters der Medikamente Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) weisen neueste medizinische Studien jetzt schon darauf hin, dass sie sehr viel versprechend sind. Gegenüber den anderen oralen Antidiabetika  wirken Glitazone nämlich an dem eigentlichen Problem des Typ-2-Diabetes: Die Insulinresistenz der Körperzellen wird durch die Glitazone wieder rückgängig gemacht. Zusätzlich beeinflussen Glitazone den erhöhten Blutdruck (Bluthochdruck) und die Blutfettwerte im positiven Sinne, wodurch langfristig das Risiko einer Arterienverkalkung gemindert wird.

Dosierung

Die Einnahme erfolgt einmal am Tag: 30 mg Pioglitazon (Actos®) morgens bzw. Rosiglitazon (Avandia®) 4 mg morgens. Rosiglitazon ist bis auf 8 mg pro Tag steigerbar.

Die Wirkung der Medikamente Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) tritt allerdings erst nach vier Monaten auf.

Welche unerwünschten Wirkungen können unter der Therapie mit Glitazonen auftreten?

Glitazone können nach längerer Einnahme bei Patienten mit Risiko eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auslösen oder bei Patienten mit bereits vorhandener Herzschwäche jene verschlechtern. Leider ist gerade die Herzschwäche bei Patienten mit Diabetes Typ-2 häufig anzutreffen. Ärzte sind daher zurückhaltend und werden Ihnen bei vorhandener Herzschwäche keine Glitazone verordnen. Herzschwäche macht sich durch Wassereinlagerungen z.B. an den Beinen oder durch Luftnot bemerkbar. Ihr Arzt wird Sie bei Kontrolluntersuchungen regelmäßig darauf ansprechen.

Eine Gewichtszunahme sowie eine Erhöhung des Cholesterins ist in Studien bei vielen Patienten beobachtet worden. Glitazone können die Leberwerte verschlechtern und Missempfindungen an Armen und Beinen hervorrufen. Wie bei fasst allen anderen oralen Antidiabetika können Glitazone Magen-Darm-Probleme hervorrufen. Außerdem sind unter der Therapie mit Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) Zeichen der Blutarmut (Anämie) beobachtet worden.

Wann sollten Sie die Glitazone nicht einnehmen?

Bei extremen Übergewicht verstärken Glitazone eine Gewichtszunahme und sollten daher durch andere Medikamente ersetzt werden. Wenn Sie an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder an einer Lebererkrankung leiden, dürfen Sie keine Glitazone einnehmen. Wenn Sie bereits Insulin spritzen, kommt für Sie keines der Glitazon-Präparate in Frage. Bei schweren Nierenerkrankungen oder wenn eine regelmäßige Dialysebehandlung notwendig ist, sollte ein Nutzen-Risiko-Verhältnis unter Therapie mit Pioglitazon (Actos®) bzw. Rosiglitazon (Avandia®) gründlich durchdacht werden.

Welche Medikamente können die Wirksamkeit von Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) verändern (Wechselwirkungen)?

Wenn Sie entzündungshemmende bzw. Schmerzmedikamente im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung, einer Gelenkentzündung oder einer Arthrose einnehmen (NSAR, Diclofenac, Indometacin, Piroxicam, Ibuprofen), wird eine Wassereinlagerung im Körpergewebe und eine Herzschwäche begünstigt. Einige Chemotherapeutika hemmen den Abbau von Rosiglitaton und verstärken seine Wirkung im Sinne eine Unterzuckerung. Wenn Sie Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte einnehmen, kann die Wirkung von Rosiglitazon verstärkt werden. Ihr Arzt wird dies berücksichtigen und gegebenenfalls eine Dosisanpassung vornehmen.


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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 06.05.2012