Medizin Online > Medikamente  > Marcumar


Marcumar

Synonyme im weiteren Sinne

Phenprocoumon (Wirkstoffname), Cumarine, Vitamin K -Antagonisten (-Hemmstoffe), Antikoagulanzien, Gerinnungshemmer

Häufige Tippfehler: Macuma, Marcuma, Macumar

Erklärung / Definition

Marcumar gehört zur Gruppe der indirekt wirkenden Hemmstoffe der Blutgerinnung (medizinisch: indirekte Antikoagulanzien). In Abgrenzung zu den direkt wirkenden Antikoagulanzien wie das direkt in die Blutgerinnung eingreifende Heparin besteht der Wirkmechanismus der Cumarine in einer Hemmung der Bildung von für die Gerinnung notwendigen Blutgerinnungsfaktoren (s.u.).
Entdeckt wurde ihre Wirkung per Zufall in Kanada: In den 1920er Jahren konnte nachgewiesen werden, dass das gehäufte Auftreten schwerer, oft tödlicher Blutungen bei Rindern und Schafen auf deren Verzehr faulenden Klees, der große Mengen des bei der Gärung entstehenden Cumarins Dicoumarol enthielt, zurückzuführen war.
Die zuvor als Sweet Clover Disease (engl. Süße Klee- Krankheit) gefürchtete Erkrankung ermöglichte so bereits wenige Jahre später die Behandlung erster Patienten mit Dicoumarol und wurde seit 1944 zur vorbeugenden Behandlung nach einem Herzinfarkt empfohlen.

Handelsnamen

Marcumar ®

Chemischer Name

Phenprocoumon


Anwendungsgebiete / Indikation

Marcumar wird unter anderem bei folgenden Krankheitsbildern eingesetzt:

Cumarine / Marcumar werden zur Behandlung von Gerinnseln der Beinvenen (Thrombose) und Lungenembolie verwendet.
Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich ein Gerinnsel der Beinvenen löst, über die untere Hohlvene, Vorhof und Kammer des rechten Herzens in die Lungenarterie gelangt und das Gefäß verstopft. Dies kann z.B. nach längerer Immobilität wie Flugreisen oder nach Operationen mit anschließender Bettlägerigkeit passieren.
Zu den typischen Beschwerden der zu 10% innerhalb der ersten Stunde tödlich verlaufenden Lungenembolie gehören:

  • plötzlich auftretende Atemnot (medizinisch: Dyspnoe) bzw. beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
  • stechende Schmerzen im Brustkorb (Thorax)
  • und charakteristische Blutbildveränderungen (bei 95% aller Embolien sind sog. D-Dimere im Blut nachweisbar, bei denen es sich um Bruchstücke des körpereigenen Proteins Fibrin handelt. Die D-Dimere entstehen als natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen zur Gerinnselbildung führende, überschießende Blutgerinnung.

In schweren Fällen von Lungenembolien (sog. „fulminante“ Lungenembolien) kann es auch zu plötzlichem Blutdruckabfall mit Schwindel oder Bewusstlosigkeit kommen:
Das für die Blutversorgung der Lunge zuständige rechte Herz versucht, gegen den durch das verstopfende Gerinnsel gesteigerten Widerstand im nachgeschalteten Gefäß Blut in die Lunge zu pumpen, ist aber als eine für niedrige Drücke ausgelegte Pumpe überfordert und wird insuffizient.
Weitere Informationen zur Lungenembolie finden Sie unter unserem Thema: Lungenembolie

Der Stellenwert der als Tabletten (medizinisch: oral) eingenommenen Cumarine / Marcumar in der Behandlung der Lungenembolie besteht zuvorderst in der Vorbeugung weiterer Lungenembolien.
Der Mechanismus besteht in der Hemmung der für die Blutgerinnung notwendigen Bildung der Blutgerinnungsfaktoren II, VII, IX, und X.
Das für die Herstellung notwendige Enzym (Protein) wird durch Marcumar irreversibel (unwiderruflich) inaktiviert.
Enzyme stellen biologische Katalysatoren dar, die chemische Reaktionen im Körper beschleunigen. Die Aufgabe des durch Cumarine gehemmten Enzyms besteht in der Beschleunigung der Regeneration von Vitamin K, welches für die Synthese der oben genannten Blutgerinnungsfaktoren benötigt und dabei „verbraucht“ wird.

Für chemisch Interessierte

Das Vitamin K - Derivat Vitamin K Alkoxyd ermöglicht unter Bindung eines Protons die Carboxylierung, also die Anlagerung von CO2 an Glutamatreste der Blutgerinnungsfaktoren.

 

Ein Mangel an Vitamin K (das K steht hierbei für „Koagulation“, medizinisch für „Blutgerinnung) hat also den gleichen Effekt zur Folge wie die Einnahme von Cumarinen.
Im Gegenzug kann die Blutgerinnungshemmung jederzeit durch die Einnahme von Vitamin K beendet werden (z.B. wenn es als unerwünschte Nebenwirkung zu Blutungen kommt, s.u.), da dieses dann wieder für die Synthese der Blutgerinnungsfaktoren zu Verfügung steht. Die Gerinnung verbessert sich dann wieder innerhalb weniger Stunden.

Zur Auflösung bestehender Gerinnsel (Thrombose) sind allerdings nicht Cumarine / Marcumar, sondern sog. Fibrinolytika angezeigt. Diese sind Enzyme, die das im Rahmen der Gerinnungsreaktion gebildete Fibrin spalten.
Beispiele für solche akut auf der Intensivstation als Erstmaßnahme verabreichten Fibrinolytika stellen Urokinase, Alteplase und die aus Bakterien gewonnene Streptokinase dar.

Cumarine / Marcumar werden des weiteren zur Prävention der Gerinnselbildung bei Vorhofflimmern (VHF) eingesetzt.
Bei dieser häufigsten anhaltenden, zu 80% ohne Beschwerden auftretenden Herzrhythmusstörung, kontrahieren sich die Herzvorhöfe bis zu 400 mal in der Minute, was zu einer ungenügenden Auswurfleistung in die Herzkammern und in Folge dessen zu einer Verlangsamung des Blutstroms (medizinisch: Stase) und erhöhtem Risiko der Bildung von Gerinnseln (Thrombose) kommt.
Der Grund dafür ist, dass die Scherkräfte des fließenden Bluts die Gefäßwände zur Abgabe körpereigener, gerinnungshemmender Substanzen stimulieren.
Bleibt die Stimulation aus, bildet sich eine gefäßverschließender Thrombus. Die von intakten Gefäßwänden gebildeten Gerinnungshemmer wie das Stickstoffmonoxid (NO) können auch therapeutisch verabreicht werden, um bei einem Angina pectoris Anfall die Herzkranzgefäße zu erweitern (Angina pectoris bedeutet medizinisch „Brustenge“ und bezeichnet das durch eine mangelnde Sauerstoffversorgung des Herzens ausgelöste Beklemmungsgefühl im Brustkorb.
Die Ursache dafür ist fast immer eine als Koronare Herzerkrankung, kurz KHK, bezeichnete Atherosklerose der Herzkranzgefäße, also die Einlagerung von Fettpartikeln in die Gefäßwand, die eine Entzündung mit der Einwanderung von Immunzellen und Freisetzung gefäßschädigender Substanzen nach sich zieht.
Durch die Ablagerungen im Gefäß vermindert sich dessen Durchmesser so stark, dass nicht mehr ausreichend Blut zur Versorgung des Herzmuskels hindurchfließen kann.
Zur Behandlung dieser vor allem durch zu hohe Blutcholesterinspiegel, Zigarettenrauchen und Bluthochdruck mitverursachten Erkrankung stehen neben dem bereits erwähnten NO, s.o. des weiteren noch sog. Beta-Blocker zu Verfügung, welche durch eine Senkung von Herzfrequenz und Schlagkraft des Herzens den Sauerstoffbedarf vermindern.
Außerdem verlängern Beta-Blocker, als Beispiel seien die häufig verabreichten Medikamente Metoprolol und Bisoprolol (Handelsnamen: Beloc® bzw. ebenfalls Bisoprolol) angeführt, die die als Diastole bezeichnete Entspannungsphase des Herzens verlängern, in der sich die Herzkranzgefäße passiv nach einer Kontraktion des anschließend erschlaffenden Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut füllen.
Auf diese Weise verbessern Beta-Blocker die Sauerstoffversorgung des Herzens nicht nur durch eine Senkung des Bedarfs, sondern auch durch eine Erhöhung des Sauerstoffangebots.) Studien mit vielen Patienten haben gezeigt, dass Cumarine / Marcumar auf lange Sicht die Prognose bei bestehender Koronarer Herzerkrankung verbessern, da es durch die Gerinnungshemmung seltener z.B. zu einem vollständigen Verschluss der Herzkranzgefäße und Absterben von Herzmuskelzellen kommt (Herzinfarkt).
Auch nach Operationen mit Ersatz von Herzklappen ist eine solche Antikoagulation notwendig, da künstliche Herzklappen als körperfremdes Material verstärkt das Gerinnungssystem aktivieren, auch wenn versucht wird, dieses Risiko durch neue, mit gerinnungshemmenden Substanzen beschichtete, Materialien zu minimieren. Eine weitere Anwendung von Cumarinen / Marcumar stellt die Vermeidung von Rückfällen (medizinisch: Rezidivprophylaxe) nach Herzinfarkten dar.


Wirkung

Die medizinisch als Hämostase bezeichnete Blutgerinnung stellt eine hochkomplexen, kaskadenartig im Blutgefäß ablaufende Reaktion dar, bei der die sich gegenseitig aktivierenden Blutgerinnungsfaktoren schlussendlich ein Enzym namens Thrombin aktivieren, welches aus dem Riesenprotein Fibrinogen (auch bekannt als Blutgerinnungsfaktor II) kleine Bruchstücke abspaltet, die die Blutplättchen (medizinisch: Thrombozyten) miteinander vernetzen und so einen stabilen Blutpropf bilden.
Ausgelöst wird die Bildung des Hauptgerinnungsenzyms Thrombin entweder von außen („extrinsisch“) bei einer Gefäßschädigung, die zur Freilegung von Bindegewebsfasern (Kollagen) führt, durch von Bakterien gebildete Giftstoffe („Endotoxine“), oder die Aktivierung erfolgt durch in das Blutgefäß freigesetzte Substanzen von innen („intrinsisch“).
In jeden Fall wirken die Blutgerinnungsfaktoren erst dann optimal, wenn zusätzlich verschiedene Begleitsubstanzen, Membranfette und elektrisch positiv geladenes Kalzium vorhanden sind.
Letzteres wird benötigt, damit sich die Gerinnungsfaktoren an elektrisch negativ geladene Oberflächen der Blutplättchen anlagern und diese stabil vernetzen können. Therapeutisch wird das notwendige Vorhandensein von Kalzium genutzt, um durch Entzug von Kalzium Blut ungerinnbar zu machen (z.B. damit Blut bei der Blutabnahme nicht sofort gerinnt, werden Moleküle namens Citrat oder EDTA zugesetzt, die das im Blut vorhandene Kalzium binden, so dass es nicht mehr für die Blutgerinnung zu Verfügung steht.)

Verstoffwechslung von Curmarinene

Was geschieht mit Cumarinen im Körper (medizinisch: Pharmakokinetik)?

Die beiden wichtigsten eingesetzten Cumarine sind das mit einer Wirkdauer von 7 bis zu 10 Tagen länger wirksame Phenprocoumon (besser bekannt unter seinem Handelsnamen Marcumar) sowie das die Gerinnung für bis zu 6 Tagen hemmende Warfarin (besser bekannt als Coumadin).
Cumarine stellen die ersten gerinnungshemmenden Medikamente dar, die als Tablette, d.h. oral, eingenommen werden dürfen, da sie aus dem Darm wie andere Nährstoffe fast vollständig ins Blut aufgenommen (medizinisch: resorbiert) und nicht durch die Salzsäure des Magens zerstört werden.
Zu beachten ist, dass die maximale Wirkung der Cumarine / Marcumar nicht sofort, sondern erst nach 24 bis 36 Stunden eintritt, da nur die Neubildung von Gerinnungsfaktoren gehemmt wird, nicht aber die noch im Blut vorhandenen Faktoren abgebaut werden.
Zu Beginn einer Therapie müssen daher zunächst sofort wirksame Antikoagulanzien / Gerinnungshemmer mitverabreicht werden.
In der Regel wird Heparin verwendet, welches das Hauptenzym der Blutgerinnung, Thrombin (sowie den Blutgerinnungsfaktor X) direkt hemmt.
Im Gegenteil kommt es durch die Cumaringabe anfangs sogar zu verstärkter Blutgerinnung, welche die zusätzliche Gabe von Heparin notwendig macht: Cumarine hemmen auch die Bildung gerinnungshemmender Proteine, die „Protein C“ und „Protein S“ genannt werden.
Werden diese „natürlichen Thrombose- Schutzstoffe“ nicht mehr ausreichend gebildet, droht genau der unerwünschte Effekt- nämlich eine vermehrte Gerinnselbildung.

Rezeptpflicht

Es besteht für alle Dosierungen Rezeptpflicht!

Preise

Da immer vom Kostendruck im Gesundheitswesen gesprochen wird, halte ich es für wichtig auch Preise für Medikamente zu erfahren:

Marcumar® Tabletten

Stück

Preis in €

Marcumar® Tabletten

 20 (N1)

12,54

Marcumar® Tabletten

 50 (N2)

16,34

Marcumar® Tabletten

100 (N3)

22,62

Stand: Januar 2004

Hersteller sind beispielhaft genannt und wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Wir haben mit keinem Hersteller eine persönliche Verbindung!

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Nebenwirkung und alternativen zu Marcumar erhalten Sie unter unserem Thema: Nebenwirkung Marcumar

Hier finden Sie weiterführende Themenbereiche zu Erkrankungen am Herzen:

Eine Liste aller Medikamente, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z.

Disclaimer / Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie, dass wir in allen unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.
Alle Angaben stellen nur Auszüge dar, daher können wichtige Informationen nicht genannt sein.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass alle Medikamente nie selbständig und ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.