Wie kommt es zur Augenfarbe?

Anatomie & Physiologie

Der farbige Ring unseres Auges/ Augenfarbe nennt sich Iris (Regenbogenhaut). Die Iris besteht histologisch aus mehreren Schichten. Die Schicht, die für die Augenfarbe entscheidend ist, nennt sich Stroma iridis wobei Stroma so viel bedeutet wie Bindegewebe.
Diese Schicht besteht vornehmlich aus Kollagenfasern und Fibroblasten, also Zellen, die Bindegewebsbestandteile produzieren. Außerdem liegen in dieser Schicht die beiden Muskeln, die für die Weite der Pupille verantwortlich sind (Musculus sphincter pupillae für die Engstellung der Pupille und Musculus dilatator pupillae für ihre Weitstellung)

Entscheidend für die Augenfarbe ist noch eine weitere Zellpopulation: Die Melanozyten. Sie produzieren den Farbstoff Melanin der unter anderem auch für die Haut- und Haarfarbe eines Menschen von entscheidender Bedeutung ist. Menschen, in deren Iris wenige Melanozyten eingelagert sind, haben eine hellere Augenfarbe als solche, die viele Melanozyten enthalten.
Blaue Augen haben also die Menschen, die sehr wenige oder keine Melanozyten in ihrer Iris eingelagert haben. Wir genau nun die blaue Farbe zustande kommt ist allerdings immer noch viel diskutiert. Verantwortlich sind wohl vor allem zwei Komponenten:

1. das direkt hinter dem Stroma iridis gelegene Pigmentepithel (Myoepithelium pigmentosum, Achtung, diese sollte nicht verwechselt werden mit dem Pigmentepithel der Retina (Netzhaut), diese hat eine andere Aufgabe). Schimmert dieses nahezu ungehindert durch die Iris durch, so erscheint sie blau.

2. wie ungehindert das Pigmentepithel durchschimmern kann ist nun wiederum davon abhängig, wie viel Kollagen im Stroma iridis eingelagert ist, denn vom Kollagengehalt hängt ab, wie viel Licht gestreut und reflektiert wird und das wiederum ist entscheidend für die am Ende imponierende Augenfarbe.

Was ist nun aber mit den Augen die nicht blau sind?
Bei vereinzelter Einlagerung von Melanozyten erscheint die Iris grün oder grau. Liegen zahlreiche Melanozyten in der Bindegewebsschicht, so wirkt die Iris braun. Wie die unzähligen Farb-Facetten und –Schattierungen entstehen die es von jeder dieser Farben gibt, bleibt noch immer ein kleines Rätsel zu dem es viele Hypothesen gibt.

Vererbung der Augenfarbe

Lange Zeit galt hier das Davenport-Modell als schriftführend. Es ging von nur einem Gen für die Vererbung der Augenfarbe aus. Inzwischen ist jedoch klar, dass der Vererbungsmodus der Augenfarbe polygen ist. Das heißt, dass mehr als ein Gen für die Weitergabe der Augenfarbe von den Eltern an das Kind verantwortlich ist.

Dabei sind einige Augenfarben dominanter als andere. Braun ist die dominanteste aller Augenfarbe, es folgen in absteigender Reihenfolge grün, blau und grau. Theoretisch gilt nun also, dass wenn der Vater braune Augen hat und die Mutter blaue, sich braun gegen blau durchsetzen und das Kind der beiden braune Augen haben wird. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, da es von jedem Gen zwei Ausprägungen (Allele) gibt. So kann beispielsweise der Vater, der braune Augen (Phänotyp) hat in seinem genetischen Material (Genotyp) ein Allel für braune Augen und eines für blaue Augen haben.
An sein Kind gibt er nur eines der beiden Allele weiter. So muss also ein Kind eines braunäugigen Vaters nicht zwangsläufig auch braune Augen haben. Damit ist es aber längst nicht genug. Weitere Gene verkomplizieren die Genetik rund um die Augenfarbe noch um ein vielfaches.

Wenn Sie auf dieses Thema tiefer eingehen möchten, lesen Sie unseren neuen Text: Augenfarbe beim Baby - wann ist diese endgültig?

Wissenswertes

  • Etwa 90% der Weltbevölkerung haben braune Augen.
  • Gerade bei den Europäern ist es so, dass die meisten Neugeborenen mit blauen Augen auf die Welt kommen. Die Bildung des Melanins durch die Melanozyten beginnt erst in den ersten Lebenswochen, sodass die endgültige Augenfarbe sich erst nach einigen Monaten bis Jahren zeigt.
  • Beim Albinismus fehlt das Pigmentepithel der Iris vollständig. So wirken die Augen sehr hellblau bis fast rosa.
  • Selten sind die beiden Augen eines Menschen von völlig verschiedener Farbe. Dies wird dann als Iris-Heterochromie (heteros – ungleich und chroma – Farbe) bezeichnet. Ist ein Auge allein verschiedenfarbig, so wird dies als partielle Heterochromie bezeichnet. Eine Heterochromie kann angeboren oder erworben sein, beispielsweise durch ein Trauma.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.04.2018
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