Blinder Fleck

Definition

Als blinden Fleck bezeichnet man den Bereich im Gesichtsfeld jedes Auges, an dem keine Sinneszellen liegen, die Licht empfangen können. Damit handelt es sich bei um einen natürlich vorkommenden Gesichtsfeldausfall (Skotom) – also einen Bereich in dem wir blind sind.

Aufbau des blinden Flecks

Anatomisch entspricht der blinde Fleck der Sehnervpapille (Papilla nervi optici), an der der Sehnerv das Auge verlässt. Aufgrund der Entwicklung des Auges befinden sich die ableitenden Fasern jeder lichtempfindlichen Sinneszelle weiter in der Mitte des Auges als die Sinneszellen selbst. Neben einer leichten Verschlechterung des Auflösungsvermögens unseres Auges führt dies zu dem Problem, dass die Fasern, wenn sie das Auge verlassen, die Schicht der Sinneszellen durchstoßen müssen. Dies geschieht in der Sehnervpapille, die deswegen keine Sinneszellen enthalten kann und auch nicht lichtempfindlich ist.

Der blinde Fleck befindet sich 15° zur Nase hin verschoben im Gesichsfeld jedes Auges. Aufgrund der Brechung des Lichtes durch die Linse des Auges liegt der Bereich im Sichtfeld 15° außerhalb der Mitte der Sehachse auf jeder Seite. Dass der Gesunde sich dem Fehlen der Sehinformation an dieser Stelle nicht bewusst ist, liegt an der hervorragenden Leistung unseres Gehirns, aus den umliegenden Gebieten, den Informationen des anderen Auges und durch das Verrechnen verschiedener Bilder aus verschiedenen Augenbewegungen, auf die Abbildung im blinden Fleck zu schließen.

Wie groß ist der blinde Fleck?

Der Blinde Fleck hat einen Durchmesser von ca. 1,6-1,7 mm. Es handelt sich dabei um eine Durchlassstelle (Papille), durch die sowohl die Nervenfasern, als auch die dazugehörigen Blutgefäße den Augapfel verlassen. Sie wird vom Körper möglichst gering gehalten, muss jedoch auch groß genug für die Anzahl der hindurch tretenden Fasern sein. Bei zu geringer Größe würde sie die Gefäße quetschen und das Auge könnte dabei einen Schaden nehmen. Die oben genannte Größe bezeichnet einen Durchschnittswert, der im Einzelfall auch geringfügig nach oben oder unten abweichen kann.

Welche Funktion hat der blinde Fleck?

Als blinden Fleck bezeichnet man den physiologischen Austrittspunkt des Sehnervs aus dem Augapfel. Dieser Punkt selbst hat keine Funktion. Hier verlassen die Nervenfasern des Sehnervs (Nervus opticus) als Bündel das Auge auf dem Weg zum Gehirn. Es befinden sich keine Sehzellen, sogenannte „Photorezeptoren“, an dieser Stelle. Dies hat zur Folge, dass hier auch keine Sehleistung aufgenommen werden kann und der Mensch dort nichts sieht.

Der blinde Fleck wird vom Körper möglichst klein gehalten, um nur einen möglichst geringen Sehfeldausfall zu schaffen. Er muss jedoch auch groß genug sein, um die Nerven- und Blutbahnen ohne Quetschung weiterleiten zu können. Der Ausfall des Sehfeldes wird durch optische Eindrücke des anderen Auges im Gehirn ausgeglichen, damit die Leerstelle nicht auffällt. Das Gehirn kann die fehlende Stelle kompensieren und sorgt so dafür, dass jeder von Natur aus ein Gesamtbild der Umgebung wahrnehmen kann.

Abbildung blinder Fleck

  1. Hornhaut - Cornea
  2. Lederhaut - Sclera
  3. Regenbogenhaut - Iris
  4. Strahlenkörper - Corpus ciliare
  5. Aderhaut - Choroidea
  6. Netzhaut - Retina
  7. Vordere Augenkammer -
    Camera anterior
  8. Kammerwinkel -
    Angulus irodocomealis
  9. Hintere Augenkammer -
    Camera posterior
  10. Augenlinse - Lens
  11. Glaskörper - Corpus vitreum
  12. Gelber Fleck - Macula lutea
  13. Blinder Fleck -
    Discus nervi optici
  14. Sehnerv (2.Hirnnerv) -
    Nervus opticus
  15. Hauptsehlinie - Axis opticus
  16. Achse des Augapfels - Axis bulbi
  17. Seitlicher gerader Augenmuskel -
    Musculus rectus lateralis
  18. Innerer gerader Augenmuskel -
    Musculus rectus medialis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Welche Tests gibt es für den blinden Fleck?

Der blinde Fleck wird in der Regel durch eine Kompensationsreaktion des Körpers im Alltag nicht wahrgenommen. Durch einen einfachen Test kann er allerdings sichtbar gemacht werden. Dafür wird ein X und ein O in einem Abstand von etwa 10 cm voneinander auf ein weißes Blatt Papier geschrieben. Hält man sich nun das rechte Auge zu und fixiert den rechten Buchstaben in etwa 30cm Entfernung, verschwindet der linke Buchstabe. Beim Zuhalten des linken Auges verschwindet der rechte Buchstabe.

Lesen Sie hierzu unseren Artikel: Testen Sie Ihren Blinden Fleck

Was ist der Unterschied zwischen blindem Fleck und gelbem Fleck?

Der gelbe Fleck wird auch Macula lutea genannt. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Areal auf der Netzhaut, durch welches die Sehachse verläuft. Sehachse bedeutet, dass sich an dieser Stelle sich der Punkt mit der größten Dichte an Zapfen, den farbempfindlichen Sinneszellen, befindet. Ganz automatisch bündelt das Auge einfallende Lichtstrahlen beim Fixieren eines Objektes mit dem Auge immer so, dass diese genau an die Stelle des gelben Fleckes einfallen. Dadurch ist diese Stelle auch für die Scharfstellung der Umgebung zuständig. Die Größe beträgt in etwa 3-5 mm. Er wird deshalb gelber Fleck genannt, weil er bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes gelb erscheint. Die Farbe entsteht durch dort eingelagerte Pigmente (Lutein).

Beim blinden Fleck fehlt praktisch ein Stück der Netzhaut, wodurch hier keine Sehleistung erbracht wird, er ist also genau das Gegenstück zum gelben Fleck, an dem das Sehzentrum mit dem Punkt des schärfsten Sehens liegt und die feinste räumliche Wahrnehmung stattfindet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Gelber Fleck

Geschichte

Der blinde Fleck wurde bereits 1660 vom französischen Physiker und Geistlichen Edme Mariotte entdeckt.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Blinder Fleck finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 04.05.2011 - Letzte Änderung: 01.10.2021
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