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Borderline Syndrom bei Kindern

Einleitung

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung und wird als solche nach gängigen Diagnosekriterien erst mit dem Beginn des Erwachsenenalters festgestellt. Allerdings gibt es Kinder, bei denen eine ähnliche Symptomatik auftritt und die mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden, auch wenn sich dies nur teilweise in den offiziellen Kriterien zur Diagnosestellung niederschlägt. Diese Kinder, die unter dem Borderline - Syndrom leiden, haben oft schwere Belastungen im zwischenmenschlichen Miteinander und in der Familie oder traumatische Ereignisse erlebt . Die Kinder leiden unter einer unsteten, verzögerten oder gestörten Entwicklung, einer Selbstwertstörung sowie Aggressivität und Impulsivität. Sie sind charakterisiert durch angstvoll klammernde Beziehungen zu Bezugspersonen sowie Kontaktproblemen mit Gleichaltrigen.

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Symptome

Das Borderline-Syndrom bei Kindern ist wie bei Erwachsenen charakterisiert durch instabile menschliche Beziehungen, die abwechselnd mit der Idealisierung des Partners oder der Entwertung der eigenen Person Hand in Hand gehen. Dazu gehört ein gestörtes Selbstwertgefühl ebenso wie anhaltende Zustände von Leere und Langeweile und die Unfähigkeit zum Alleinsein. Selbstverletzendes Verhalten bis hin zum Selbstmordversuch gehört ebenfalls zu den bezeichnenden Symptomen.
Impulsives und teilweise aggressives Verhalten sowie heftige Stimmungsschwankungen können ebenfalls bei dem Borderline - Syndrom auftreten. Zusätzlich zu den aufgezählten Kriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung muss sichergestellt sein, dass diese Störung anhaltend und durchdringend ist und es als unwahrscheinlich gilt, dass sie nur auf eine Entwicklungsstufe begrenzt ist.

Stimmungsschwankungen z.B. können gerade in der Pubertät vermehrt auftreten, sind in diesem Zusammenhang aber eine natürliche und zum Leben gehörende Erscheinung. Sie müssen von krankhaften Stimmungsschwankungen deutlich abgegrenzt werden, um eine korrekte Therapie zu ermöglichen. Dies wird erschwert durch die Tatsache, dass der Übergang zwischen normalen und krankhaften Verhaltensweisen oft fließend ist. Daher muss bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung genau darauf geachtet werden, wie schwerwiegend und oft die oben beschriebenen Symptome auftreten. Wie bei vielen psychiatrischen Krankheiten vereint auch das Borderline-Syndrom eine breite Zahl von Symptomen in verschiedenster Ausprägung unter sich.


Es wurde auch ein Unterschied zwischen den Geschlechtern nachgewiesen. Mädchen sind anfälliger für selbstverletzendes Verhalten, emotionale Instabilität und langanhaltende Gefühle von Einsamkeit und Leere. Jungen hingegen leiden oft unter einer schwachen Impulskontrolle.

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Aggressives Verhalten

Aggressionen und Wutanfälle gehören zu den typischen Symptomen einer Borderline-Störung. Allerdings kommt so etwas auch regelmäßig bei gesunden Kindern vor, vor allem wenn sie müde sind oder man ihnen etwas verweigert. Aggression aufgrund des kindlichen Egoismus ist daher normal. Besonders häufige unprovozierte Aggressionen oder grundlose Wutanfälle ohne Auslöser weisen allerdings auf einen inneren Konflikt des Kindes hin und finden sich häufiger bei Borderline-Patienten.

Selbstverletzendes Verhalten

Selbstverletzendes Verhalten ist bei Borderline-Störungen sehr häufig, vor allem bei jugendlichen Patienten. Solche Verhaltensweisen wie Ritzen (Selbstverletzung mit einer Klinge oder ähnlichem, meist an Armen oder Beinen) sind bei Kindern eher selten. Aber auch das Treten gegen sich selbst oder das Schlagen des Kopfes gegen eine Wand zählen zur Selbstverletzung und können bereits im Kindesalter beobachtet werden. Diese Symptome weisen auf eine schwerwiegende Störung hin und grenzen das Borderline-Syndrom klar von natürlichen Stimmungsschwankungen und ähnlichem in diesem Alter ab.

Ursache

Als Ursachen des Borderline-Syndrom bei Kindern wird ein Zusammenspiel zwischen angelegten und von außen kommenden Umwelteinflüssen gesehen. So kann eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur oder das Vorkommen psychiatrischer Erkrankungen in der Familie die Entwicklung eines Borderline-Syndroms begünstigen.
Ebenso begünstigend können jedoch auch Umwelteinflüsse, wie z.B. die Erziehung, die Beziehung zu den Eltern und ähnlichen Bezugspersonen, traumatische Erlebnisse und Missbrauch in der Kindheit, wirken. Emotionale Kälte in der Eltern-Kind-Beziehung, sowie Vernachlässigung und Missbrauch können sich negativ auf die Entwicklung des Kindes, insbesondere auf soziale Fähigkeiten hin, auswirken und die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsststörung bei Kindern begünstigen.
Insbesondere sexueller Missbrauch spielt bei dem Borderline Syndrom eine Rolle, aber auch andere traumatische Erlebnisse wie Todesangst oder extreme Hilflosigkeit können, wenn sie nicht richtig verarbeitet werden.
Auch wenn familiäre Umstände in der Kindheit eine wichtige Rolle spielen, kommt gerade in der Pubertät der Beziehung zu gleichaltrigen eine ebenso wichtige Rolle zu. Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen bei Kindern können daher ebenfalls wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung oder den Verlauf eines Borderline-Syndroms sein. Manche Temperamentsmerkmale in der Kindheit lassen ebenfalls Rückschlüsse auf die spätere Entwicklung eines Borderline-Syndroms zu. So sind schüchterne Kinder, die zudem neurotische Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, also zu einer negativen Weltsicht und Überbewertung von Stressfaktoren neigen, anfälliger. Diese Faktoren spielen bei Kindern allerdings nur insoweit eine Rolle, wenn diese Faktoren nicht durch einen liebevollen familiären Umgang und durch erlernte soziale Fähigkeiten und Stressbewältigungsstrategien in ihrer krankhaften Ausprägung verhindert werden.

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Welchen Einfluss hat die Erziehung?

Als ursächliche oder zumindest beeinflussende Faktoren einer Borderline-Störung werden häufig traumatische Ereignisse in der Kindheit und Selbstwert- bzw. Selbstwahrnehmungsprobleme genannt. Somit kann eine vernachlässigende Erziehung eine Borderline-Störung begünstigen, während eine liebevolle und ermutigende Erziehung die Wahrscheinlichkeit für auftretende Symptome vermindert. Aufgrund der vielen anderen einflussnehmenden Faktoren ist dieser Zusammenhang aber nicht bei jedem Patienten eindeutig zu finden.

Therapie eines Borderline-Syndroms bei Kindern

Es gibt keine Medikamente. die die grundlegende Ursachen des Borderline-Syndroms beeinflussen würden. Zur Behandlung der Borderline Symptome wie Depression oder Stimmungsschwankungen können entsprechende Medikamente eingesetzt werden. Dies wären z.B. Antidepressiva oder der Stimmungsstabilisator Lithium.
Da oftmals traumatische Erlebnisse Ursache des Borderline-Syndroms bei Kindern sind, ist es angeraten, eine psychologische Therapiemethode zu wählen, die den Betroffenen hilft, ihre inneren Probleme und Erfahrungen zu verarbeiten. Ein oft eingesetztes Mittel ist die DBT (dialektisch-behaviorale Therapie), die insbesondere im Bezug auf die Veränderung schädlicher Verhaltensweisen einen günstigen Einfluss hat. Beim Borderline-Syndrom wären das unter anderem das selbstverletzende und selbstschädigende Verhalten, Selbstmordabsichten sowie zerstörerische Verhaltensweisen auf partnerschaftlicher, familiärer oder sozialer Ebene.
Ein Schwerpunkt ist der vertrauensvolle und ermutigende Umgang innerhalb der Therapie, der als Ziel ein konstruktives und klar umrissenes Arbeitsbündnis mit klaren Zielvorgaben bezüglich der angestrebten Verhaltensänderung hat. Der Patient wird nicht nur in die Verantwortung genommen, ihm soll auch vermittelt werden, dass seine Sicht der Dinge gehört und verstanden wird. Die therapeutischen Eingriffe erfolgen insbesondere auf Ebene der inneren und äußeren Achtsamkeit. Es sollen Fertigkeiten der angemessen Stressbewältigung sowie der besseren Kontrolle und Regulation von Emotionen vermittelt werden.
Die angewandten Therapiemethoden können ein Fertigkeitentraining, Gruppenverhaltenstherapie, Achtsamkeitsgruppe, Verhaltenserprobungen, selbsthilfeorientierte Übungsgruppen und Sozialberatung umfassen. Es können auch weitere Therapieformen wie Kunst- oder Ergotherapie oder Bewegungstherapie eingesetzt werden.

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Diagnose

Das Borderline-Syndrom wird anhand der Kriterien im „Diagnostic and Statistical Manual for Mental Disorders, Fifth Edition“ (DSM 5) diagnostiziert. Dazu gibt es einige halbstandardisierte Tests in Form von Interviews, die mit klinischen Beobachtungen gestützt werden müssen. Der wichtigste hierbei ist der Fragebogen SKID-2 mit dem 12 verschiedene Persönlichkeitsstörungen abgefragt werden können.
Es gibt einige Bedenken dagegen, das Syndrom schon im Kindesalter bzw. bei Jugendlichen zu diagnostizieren. Einmal ist die Gültigkeit der Diagnosestellung bei Kindern umstritten. Auch treten Stimmungsschwankungen und gestörte Selbstwertgefühle bei heranwachsenden im normalen Verlauf der Pubertät auf und die Persönlichkeitsbildung ist noch nicht abgeschlossen, sondern befindet sich noch in der Entwicklung, was auch einer der Gründe ist, weshalb Persönlichkeitsstörungen lange Zeit erst nach dem 18. Lebensjahr diagnostiziert wurden. Der wichtigste Grund scheint die befürchtete soziale Ausgrenzung zu sein.
Eine frühere Feststellung des Borderline-Syndroms ist für den Patienten hilfreich, da ein frühzeitiges therapeutisches Eingreifen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Zudem wurde in mehreren Studien festgestellt, dass die Symptomatik von Borderline auch bei Heranwachsenden stetig vorhanden ist und nicht den oben angesprochenen Schwankungen unterliegt.

Prognose

Die Prognose des Borderline-Syndroms ist auf lange Sicht gesehen recht günstig. Auch wenn bestimmte Verhaltensweisen ein Leben lang erhalten bleiben, konnten Studien nachweisen, dass bei Kontrolluntersuchungen nach 10 Jahren ein Großteil der Betroffenen nicht mehr unter die gängigen Diagnostikkriterien für das Borderline-Syndrom fällt. Voraussetzung für eine gute Prognose ist jedoch die Früherkennung und eine erfolgreiche Therapie, die ohne Abbrüche durchgeführt wird. Im akuten Verlauf dieses Syndroms kann es allerdings zu lebensbedrohlichen Situationen kommen, da Selbstmordabsichten bei dieser Erkrankung eine wichtige Rolle spielen und die Wahrscheinlichkeit für Selbstmord bei Borderline-Patienten im Gegensatz zur Normalbevölkerung erhöht ist.

Prophylaxe

Wie bei vielen psychiatrischen Krankheiten ist es schwierig für das Borderline-Syndrom Aussagen über die richtige Art der Prophylaxe zu treffen. Wichtig wäre es für die Kindern , den oben angesprochenen Risikofaktoren durch familiäre und soziale Unterstützung und wenn nötig therapeutischer Hilfe in Form einer psychologischen (Gesprächs-)Therapie zu begegnen. Für eine gelungene Früherkennung ist eine gesellschaftliche und persönliche Sensibilisierung für das Krankheitsbild vonnöten.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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