Inhalt:
Hallux valgus
Synonyme
Ballenfuß, Frostballen, Ballenzeh, Großzehenballenentzündung, Fußballenentzündung, Beulenfuß, Hallux abductovalgus
Englisch: Bunion
Häufige Tippfehler: Halux valgus
Definition
Der Hallux valgus ist die häufigste und bedeutsamste Zehenfehlstellung beim Menschen. Sie ist charakterisiert durch eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen und einer Drehung der Zehe nach innen (Innenrotation). Häufig kommt es mit der Zeit durch die Fehlbelastung des Gelenks zu einer schmerzhaften Arthrose im Großzehengrundgelenk und folglich zu einem Hallux rigidus.
Häufigkeitsverteilung
Der Hallux valgus ist die häufigste Zehendeformität. Er tritt fast immer in Verbindung mit einem Spreizfuß auf. Im Laufe des Lebens nimmt die Spreizfußfehlstellung langsam zu. Dies hat zur Folge, dass die Fehlstellung des Hallux valgus ebenfalls mit dem Alter zunimmt.
Beide Krankheitsbilder beeinflussen sich im Verlauf gegenseitig negativ. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Geschlechterverteilung beträgt etwa 9 : 1 (weiblich : männlich).
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Buch "Hallux Valgus"
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Dieses Buch informiert über alle konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten des Hallux Valgus.Vor- und Nachteile werden detailliert und laienverständlich beschrieben.
Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc JungermannAls "PDF" oder "Printversion" erhältlich.
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Allgemeines
Als Großzehenballen oder Hallux valgus wird die Wölbung der Großzehe zum äußeren Fußrand / Kleinzehe hin bezeichnet.
Diese Erkrankung wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Als wichtige Faktoren werden:
- eine anlagebedingte Komponente (Vererbung durch Mutter und Vater)
- ein Ungleichgewicht der Muskelzüge durch mangelndes Training der Fußmuskulatur und
- enges Schuhwerk
betrachtet. Durch die chronische Belastung des Großzehenballens kommt es zu knöchernen Anbauten (Exophyten) im Bereich der größten Belastung am Köpfchen des 1. Mittelfußknochens und begleitend zu einer zunehmend schmerzhaften, leicht entzündlichen Schleimbeutelbildung (Schleimbeutelentzündung). Man unterscheidet verschiedene Schweregrade der Verformung. Ziel der operativen Korrektur in frühen Stadien ist der Erhalt der Funktion des Großzehengrundgelenkes und somit die Wiederherstellung der vollen, schmerzfreien Beweglichkeit der Großzehe.
Die "Hallux valgus – Fehlstellung" ist eine klassische Folge unserer westlichen Zivilisation. So kommt es in Ländern und Kulturkreisen in denen Frauen keine Schuhe oder offene Schuhe (z.B. Sandalen) tragen, selten zur Ausbildung eines Hallux valgus.
Auf dem Bild links erkennen Sie die klassische Hallux valgus Fehlstellung. Zusätzlich sind die Fußsehnen dargestellt, die für die Ausbildung der Fehlstellung von Bedeutung sind.
Detaillierte Informationen zum Thema Hallux Valgus erhalten Sie in unserem Buch Hallux Valgus
Abbildung Hallux valgus
- Lange Strecksehne (Sehne des Musculus extensor hallucis longus)
- Anspreizersehne
(Sehne des Musculus adductor hallucis)
Durch einen zunehmenden Spreizfuß werd der Großzeh durch die Anspreizersehne (Sehne des Musculus adductor hallucis) immer mehr in die Hallux valgus Fehlstellung gezogen.
Ursache
Ursache für die Ausbildung eines Hallux valgus sind häufig eine vererbte, den gesamten Körper betreffende Bänder- und Bindegewebsschwäche. Diese verursacht die Entstehung eines Senk-Spreizfußes. Durch die verminderte Spannung des Bandapparates kommt es zu einer Abflachung des Fußlängsgewölbes und das beim Abrollen stark belastete Quergewölbe weicht immer breiter auseinander und zeigt dadurch die Schwäche der Bandverbindungen zwischen den Mittelfußknochen. Da man die anlagebedingte Schwäche des Bandapparates ärztlicherseits nicht beheben kann, wird nur die Symptome der Erkrankung therapiert. Das bedeutet, es können immer nur die Folgen des Spreizfußes, nicht der Spreizfuß an sich therapiert werden.
Durch das Tragen von bequemen Schuhen, wird unsere Fußmuskulatur nicht trainiert und unterfordert, was zu einem muskulären Ungleichgewicht vom Fuß führt. Das Training der kurzen Fußbinnenmuskulatur, die dem Aufspreizen des Fußgewölbes entgegenwirken kann, wird so verhindert. Insbesondere ungeeignetes Schuhwerk z. B. mit zu engem Vorfußbereich oder zu stark angehobener Ferse, das den Druck auf den Vorfuß um ein Vielfaches steigert, spielen eine wesentliche Rolle. Durch die zunehmende Fehlstellung des Fußes kommt es zu veränderten Zugrichtungen der o.g. Sehnen. Hierdurch wird die Einwärtsdrehung der Großzehe maßgeblich verursacht. Mit zunehmender Abknickung der Großzehe werden die muskulären Gegenspieler wirkungslos.
Detaillierte Informationen zu den Ursachen des Hallux Valgus erhalten Sie in unserem Buch Hallux Valgus
Symptome
Der Hallux valgus ist weit verbreitet, doch macht er in den meisten Fällen wenig Beschwerden. Es besteht keine Korrelation zwischen dem Grad der Fehlstellung und dem Ausmaß der Beschwerden. Große Fehlstellungen können wenig Beschwerden verursachen und umgekehrt. Je größer jedoch die Fehlstellung desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass durch die Fehlbelastung des Großzehengrundgelenkes ein frühzeitiger Knorpelverschleiß (Arthrose) eintritt.
Für viele Frauen besteht ein rein kosmetisches Problem. Die ersten Beschwerden treten in aller Regel über dem Ballen der Großzehe auf. Dieser Großzehenballen wird medizinisch auch als Exostose oder Pseudoexostose bezeichnet. An dieser Stelle ist der Fuß am breitesten, dementsprechend drücken Schuhe hier am stärksten. Es kommt zu mechanischen Belastungen der Haut und des darunter liegenden Schleimbeutels. Der Schleimbeutel verdickt sich daraufhin, um den Knochen besser zu schützen. Hierdurch wird der Ballen noch ausladender und der Druck im Schuh erhöht sich weiter. Entzündungen, Schwellungen, nicht-bakterielle und sogar bakterielle Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) können entstehen. Im weiteren Verlauf kann sich ein chronisch wiederkehrender, schmerzhafter Großzehenballen entwickeln (chronische Schleimbeutelentzündung). Im Endstadium der Erkrankung bestehen Dauerschmerzen.
Wie jedes Gelenk ist das Großzehengrundgelenk nicht für eine Schiefstellung (Inkongruenz) angelegt. Daher kommt es im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einem frühzeitigen Verschleiß / Arthrose des Gelenkknorpels (Hallux rigidus). Die Symptome des Verschleißes zeigen sich zunächst in einer Bewegungseinschränkung der Großzehe, die den Abrollvorgang schmerzhaft einschränken kann.
Im Allgemeinen kommt es zu einer langsamen, aber chronisch fortschreitenden (progredienten) Verschlechterung der Vorfußfehlstellung. Die Arthrose des Zehengrundgelenkes schreitet fort, Schmerzen und Entzündungen bleiben bestehen und die Großzehe kann bis zu 90° von der Grundstellung nach außen abweichen. Hierbei kann sich die Großzehe in extremen Fällen über oder unter die zweite und dritte Zehe legen.
Detaillierte Informationen zu den Symptomen des Hallux Valgus erhalten Sie in unserem Buch Hallux Valgus
Diagnose
Beschwerden des Patienten:
Durch die Fehlstellung der Großzehe und das sich vorbuckelnde Mittelfußköpfchen kommt es zum Schuhdruck, die Haut wird anfällig für Entzündungen. Über dem Mittelfußköpfchen bildet sich ein Schleimbeutel, der sich leicht entzünden kann.
Es kommt zu Schmerzen und Druckstellen am Fuß. Die abgewinkelte Großzehe und die Verschiebung der Kleinzehen behindern den natürlichen Laufvorgang. Es kommt zu Beschwerden beim Gehen und einer Verkürzung der Schrittlänge. Nicht selten ist ein Hallux valgus mit einer Hammerzehe oder Krallenzehe vergesellschaftet. Bei der Hammerzehe weicht die Großzehe in ihrem Endgelenk nach unten ab. Bei einer Krallenzehe weicht die Zehe im Grundgelenk nach oben ab, in den beiden körperfernen (peripheren) Gelenken wird sie krallenförmig nach unten gebeugt. An den gebeugten Flächen kommt es dann zu schmerzhaften Druckstellen, es bilden sich Hühneraugen (Clavus) und Schwielen. Häufig bestehen durch den begleitenden Spreizfuß auch Schmerzen unter den unnatürlich (unphysiologisch) belasteten Mittelfußköpfchen 2-4 (Metatarsalia) im Vorfußbereich der Fußsohle, der medizinisch auch als Metatasalgie bezeichnet wird.
Untersuchung:
Die Deformitäten des Fußes sind bereits äußerlich gut zu erkennen. Sie stellen sich wie oben beschrieben dar.
Röntgen:
Zur genauen Beurteilung der knöchernen Fehlstellung wird eine Röntgenaufnahme beider Füße angefertigt. Eine evtl. bereits eingetretene Gelenkschädigung kann erkannt werden. Zudem bestimmt das Ausmaß der Fehlstellung das operative Korrekturvorgehen.
Detaillierte Informationen zur Diagnose des Hallux Valgus erhalten Sie in unserem Buch Hallux Valgus
Differentialdiagnose
Um das Ausmaß eines Hallux valgus genau bestimmen zu können, sollte eine dynamische Fußdruckmessung durchgeführt werden. Dr. Gumpert bietet die Möglichkeit einer gezielten Laufbandanalyse an.
Durch den Einsatz der Druckmessplatte beim Gehen ist das Abrollverhalten im Fuß messbar. Die Bodenreaktionkräfte zeigen dabei den gezielten Einsatz der Großzehe im Stand, Gang und Laufverhalten.
Besonders zur operativen Vorbereitung ist eine Laufbandanalyse aus ärztlicher Sicht ratsam. Eine Laufbandanalyse ermöglicht des weiteren eine optimale Vorbereitung zur individuellen orthopädischen Einlagenversorgung.
Anatomische Fehlstellung werden einfach diagnostiziert und anhand Einlagen korrigiert und kompensiert. Dr. Gumpert bietet ab sofort die Möglichkeit einer orthopädischen Laufbandanalyse in Frankfurt am Main.
- Orthopaedicum Frankfurt
- Oeder Weg 2-4
- 60318 Frankfurt am Main
- Tel.: 069 558098
- anmeldung@orthopaedicum-frankfurt.de
- www.laufanalyse-frankfurt.de
Prognose
Grundsätzlich ist zu bemerken, dass bei richtiger Diagnosestellung und entsprechender Wahl des Operationsverfahrens die Langzeitprognose des operierten Hallux valgus gut ist.
Wichtig ist, das dass richtige Operationsverfahren für den individuellen Fall angewendet wird.
Sofern noch keine fortgeschrittene Arthrose im Grundgelenk der Großzehe zu sehen ist, sollte ein gelenkerhaltendes Operationsverfahren (z.B. Chevron oder Mc Bride etc) angewandt werde. Die Ergebnisse sind dabei in vielen Untersuchungen bei über 90 Prozent der Patienten gut bis sehr gut.
Bei jeder der oben genannten Vorfußkorrekturoperationen muss mit längerer Arbeits- und Sportunfähigkeit gerechnet werden. Darüber besteht oft eine zu geringe Aufklärung dem Patienten gegenüber. Bei Verfahren mit Knochenkorrektur sollte von einem Zeitraum zwischen 3-6 Monaten ausgegangen werden. Aus sozialmedizinischer Sicht kann das ein großes Problem darstellen.
Die erfolgreiche Behandlung von Vorfußbeschwerden erfordert außerdem eine enge Kooperation mit einem Orthopädietechniker. Vorteilhaft ist es deshalb, wenn ein erfahrener Orthopädietechniker jederzeit in einer Fußsprechstunde konsultiert werden kann. Eine solche Zusammenarbeit ist unter praktischen Gesichtspunkten nur an fußchirurgischen Zentren möglich.
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