Inhalt:
Zahnfüllung
Einleitung
Durch Karies zerstörte Zähne können nicht vom Organismus wieder aufgebaut werden. Die Defekte müssen durch eine Zahnfüllung geschlossen werden. Leider wird oft die Bezeichnung Plombe als Synonym für die Füllung genannt. Dieses Wort leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Blei ab, und Blei hat nun wirklich nichts in der Mundhöhle verloren. Deshalb sollte diese irrige Bezeichnung aus dem Wortschatz endlich verschwinden.
Kavitätenpräparation
Bevor eine Zahnfüllung gelegt werden kann, muss natürlich zuerst das gesamte durch Karies zerstörte und erweichte Hartgewebe entfernt werden. Ist dies geschehen, erfolgt die Kavitätenpräparation d.h. die Ausgestaltung der Zahnhöhle für die Aufnahme des Füllungsmaterials. Bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Präparation noch nach dem von dem amerikanischen Zahnarzt "Blake" aufgestellten Regeln der „ extension for prevention“ durchgeführt. Das bedeutete, man entfernte nicht nur die kariösen Anteile, sondern erweiterte die Kavität bis in noch nicht befallende Areale, die in der Zukunft aber Karies anfällig sein könnten. Dieser Methode fiel natürlich viel noch gesunde Zahnsubstanz zum Opfer, deshalb wird heute davon Abstand genommen und man versucht im Gegenteil soviel wie möglich an Zahnhartsubstanz zu erhalten.
Ebenfalls von Blake stammt eine Einteilung der Kavitäten nach ihrer Lokalisation und Form. Er unterscheidet 5 Klassen:
- Klasse 1 Kavitäten auf der Kaufläche der kleinen und großen Mahlzähne
- Klasse 2 die Seitenflächen dieser Zähne
- Klasse 3 die Seitenflächen der Schneide- und Eckzähne
- Klasse 4 die Seitenflächen der Schneide- und Eckzähne mit Schneidekantenaufbau
- Klasse 5 Kavitäten im Zahnhalsbereich.
weiterführende Informationen
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Unterfüllung
Zu jeder Deckfüllung gehört auch eine Unterfüllung. Sie hat die Aufgabe das lebende Zahnmark, also die Pulpa, gegen thermische und chemische Reize abzuschirmen. Zinkoxydphosphatzement ist das bevorzugte Material für diese Verwendung. Eine geringere Rolle spielen Calciumhydroxid haltige Pasten oder Zinkoxyd-Eugenol. Auf diese Unterfüllung erfolgt die abschließende Versorgung mit einer Deckfüllung. Für die unterschiedliche Materialien zur Verfügung stehen.
Silikatzemente
Für eine Zahnfüllung der Frontzähe verwendete man jahrelang Silikatzement. Es gab ihn in verschiedenen Farben, sodass er auch den ästhetischen Ansprüchen genügen konnte. Allerdings war die Polierbarkeit nicht optimal, da Silikatzement eine relativ raue Oberfläche hat. Auch war die Haltbarkeit solcher Zahnfüllungen nicht sonderlich gut, es kam mit der Zeit zum Herausbrechen kleiner Partikel. Für den Seitenzahnbereich stand der Steinzement zur Verfügung. Ein sehr widerstandsfähiger Füllungswerkstoff und eine Alternative zum Amalgam. Silikatzement und Steinzement werden heute aber nicht mehr verwendet, da es bessere Alternativen gibt.
Amalgam
Die Zahnfüllung mit Amalgam wird seit vielen Jahren als Füllungsmaterial für den Seitenzahnbereich verarbeitet. Diese Verbindung von Quecksilber und Silberfeilung lässt sich als plastischer Werkstoff leicht verarbeiten, ist gut modellierbar und hält, ausgehärtet, dem Kaudruck stand. Amalgam ist jedoch wegen des Quecksilbergehalts in Misskredit geraten, der allerdings nicht gerechtfertigt ist. Die minimalen Aufnahmen von Quecksilber werden von manchen Nahrungsmitteln bei weitem übertroffen. Dämpfe von Quecksilber entstanden früher beim Anmischen von Amalgam, da es im Mörser stattfand. Heute jedoch erfolgt das Anmischen in geschlossenen Kapseln, sodass auch diese Gefahr nicht mehr vorhanden ist. Allerdings sind mit Amalgam keine zahnfarbene Zahnfüllung möglich. Für weitere Informationen, lesen Sie unser Thema Amalgamfüllung.
Komposit
Komposit, englisch composite, ist ein Füllungsmaterial, das aus einer organischen Kunststoffbasis, Matrix, mit anorganischen Füllern besteht. Da Silikatzement den an ein Füllungsmaterial zu stellenden Anforderungen nicht ganz entsprach, suchte man nach Alternativen. Zunächst experimentierte man mit reinem Kunststoff. Die Füllungen waren ideal zu polieren, hatten aber den Nachteil, bei der Abbindung zu schrumpfen und veränderten mit der Zeit ihre Farbe. Deshalb mischte man den Kunststoff mit fein gemahlenen Glas- oder Keramikpartikeln und erreichte so eine verminderte Schrumpfung. Dieses als Makrofiller bezeichnete Komposit mit einer Korngröße von 5m erschwerte die Politur, da es eine relativ raue Oberfläche hatte. Der nächste Schritt war der Einbau von Silica, sogenannten Mikrofillern mit einer Partikelgröße von 0,2m. Das bewirkte einen wesentlich höheren Filleranteil, eine sehr gute Polierbarkeit verminderte aber nicht die Schrumpfung entscheidend und war nicht genug abriebfest. Die letzte Entwicklung ist das Hybridkomposit. Es verbindet größere Filler mit Mikropartikeln in den Zwischenräumen der Makropartikel. Dadurch wurde der Kunststoffanteil noch mehr verringert, was die Polimerisationsschrumpfung zwar nicht ganz ausschaltet aber weiter verringert. Musste man zuerst das Material aus zwei Komponenten anmischen, so brachte die Einführung des lichthärtenden Komposits den Wegfall des Anmischens und eine wesendliche Verkürzung der Abbindezeit.
Die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Füllungsmaterialien sind die Ormocere, das sind organisch modifizierte Keramiken. Bei ihnen sind Matrix und Filler besser vernetzt und man versprach sich deshalb eine höhere Abriebfestigkeit gegenüber den gebräuchlichen Kompositen. Leider sind die Ergebnisse nicht so befriedigend und die Erwartungen erfüllten sich nicht. So sind heute die mit UV-Licht aushärtenden Hybridkomposite die Methode der Wahl. Sie haben im Gegensatz zu den chemisch aushärtenden Kompositen den großen Vorteil, dass sie eine beliebig lange Zeit die Modellierung der Zahnfüllung gewährleisten, da die Aushärtung erst mit der UV- Bestrahlung beginnt.
Um die Verbindung mit dem Zahnschmelz zu verbessern und so den Randspalt zu vermeiden, entwickelte man ein Verarbeitungssystem, das eine innige Verbindung von Füllung und Schmelz gewährleistet. Dazu wird der Schmelzrand mit Phosphorsäure angeätzt und nach dem Abspülen mit Wasser ein Haftvermittler, Bonding genannt, aufgetragen und erst dann die endgültige Füllung gelegt. Das Legen der Deckfüllung muss mit absoluter Trockenheit erfolgen, entweder mit Watterollen oder noch besser mit Kofferdam, einer Abdeckung mit Hilfe eines Gummituches. Während die Komposite im Frontzahnbereich die am besten geeigneten Füllungsmaterialien darstellen, sind sie im Seitenzahnbereich nicht ideal. Da sie wegen ihrer Schrumpfung bei der Abbindung, Polimerisation, nur mit hohem zeitlichen Aufwand zu applizieren sind. Man versucht die Schrumpfungsneigung insofern zu vermindern, indem man das Komposit in einzelnen Portionen in die Kavität einbringt und polimerisiert. Auch erreicht die Abriebfestigkeit nicht die von Amalgam.
Neben der Entwicklung und Verbesserung der Komposite, erfolgte auch eine Weiterentwicklung und Vereinfachung der Behältnisse. Zunächst war Komposit nur in Spritzen erhältlich. Das Material musste mit dem Spatel in die Kavität eingebracht werden. Jetzt liefert die Industrie Komposit auch in Kapseln, die eine direkte Applikation in die Kavität erlauben. Eine erhebliche Erleichterung für den Zahnarzt.
Glasionomerzement
Als Füllungswerkstoff ist Glasionomerzement weniger geeignet, da es eine geringere Abriebfestigkeit besitzt und schlecht polierbar ist. Neben der Verwendung als Unterfüllungsmaterial dient er zur Befestigung von Zahnkronen. Der Vorteil von Glasionomerzement ist, dass er sich mit der Zahnhartsubstanz chemisch verbindet.
Inlay
Die wohl beste Versorgung einer Seitenzahnkavität stellt das Inlay dar. Inlays werden entweder aus Gold oder Keramik gefertigt. Die Herstellung erfolgt außerhalb der Mundhöhle im zahntechnischen Labor. Dazu ist eine Abdrucknahme nach der Kavitätenpräparation notwendig. Die Kavität darf dabei keine unter sich gehenden Stellen aufweisen, damit das fertige Inlay ohne Schwierigkeiten eingesetzt werden kann. Das Inlay wird mit Phosphatzement oder Glasionomerzement einzementiert. Man erreicht mit einem Gold- oder Keramikinlay eine stabile, abriebfeste Versorgung von Kavitäten im Seitenzahnbereich. Keramikinlays haben gegen über den Goldinlays den Vorteil der Farbanpassung an den Zahn. Dagegen ist die Stabilität eines Goldinlays besser. Allerdings ist die Versorgung einer Kavität mit einem Inlay mit wesentlich größerem Aufwand verbunden, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt.
Goldhämmerfüllung
Neben dem Goldinlay ist die Goldhämmerfüllung die beste Art eine Kavität mit einer Füllung zu versorgen. Diese Methode der Zahnfüllung ist schon sehr alt, wird aber heute kaum noch durchgeführt. Im Gegensatz zum Inlay erfolgt diese Füllung direkt im Zahn. Benutzt wird Goldfolie oder Schwammgold, beide werden mit einem Stopfinstrument portionsweise in die meist kleinen Kavitäten eingebracht. Durch das Stopfen werden die einzelnen Schichten miteinander verbunden und ergeben so eine Füllung mit idealer Randgestaltung. Aufgrund des großen Arbeitsaufwands wird diese Art der Füllungstherapie nur noch sehr selten angewandt. Die Haltbarkeit solcher Füllungen ist jedoch sehr hoch.
Provisorische Füllungsmaterialien
Nach der Präparation und Abdrucknahme bei einer Versorgung mit einem Inlay wird die Kavität bis zum Einsetzen der Gussfüllung mit einer provisorischen Füllung verschlossen. Auch bei einer Wurzelbehandlung, die in mehreren Etappen sich vollzieht, wird in der Zwischenzeit der Zahn provisorisch dicht gemacht. Das erste von dem amerikanischen Zahnarzt Fletcher erfundene Material, das auch Fletcher genannt wurde, war ein Pulver, das mit Wasser angerührt wurde und sehr schnell fest war. Heute benutzt man eine in Tuben angebotene Paste, die länger zu verarbeiten ist und mit dem Speichel und Wärme aushärtet. Auch Zinkoxid-Eugenol wird als temporäre Füllung eingesetzt. Allerdings nicht in sehr tiefen Kavitäten, da es dann die Pulpa schädigen kann. Letztendlich benutzt man auch Guttapercha als Verschluss. Das Material wird in Stangen geliefert. Bei Erwärmung wird es formbar und kann dann in die Kavität eingebracht werden. Nach der Abkühlung hat es wieder eine feste Konsistenz. Im Gegensatz zu den anderen provisorischen Füllungen ist sehr leicht wieder zu entfernen.
Parapulpäre Stifte
Hat der kariöse Prozess den Zahn schon weitgehend zerstört, sodass eine normale Füllung keinen Halt finden würde, so kann man mit Hilfe der parapulpären Stifte Retentionen schaffen um eine Verankerung des Füllungsmaterials zu gewährleisten. Die kleinen Stifte werden in das Dentin geschraubt und können gebogen werden, sodass genügend Retention vorhanden ist.
Zusammenfassung
In der Füllungstherapie stehen uns je nach den Notwendigkeiten unterschiedliche Füllungsmaterialien zur Verfügung. Für den Seitenzahnbereich Amalgam, Inlay und in eingeschränkten Maße Komposit. Für den Frontzahnbereich haben sich UV-Licht härtende Komposite durchgesetzt. Für jede Zahnfüllung ist eine Unterfüllung unverzichtbar. Phosphatzement ist das dafür am meisten verwendete Material.
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