Zahnpasta

Einleitung

Neben der Zahnbürste ist die Zahnpasta oder Zahncreme, englisch toothpaste oder dentifrice, ein wichtiger Bestandteil der Mundhygiene. Entgegen der landläufigen Meinung, die Zahnpasta bestehe nur aus Schlämmkreide, Wasser und Aroma, ist die Zusammensetzung einer Zahnpasta wesentlich umfangreicher und stellt an die Entwickler  hohe Ansprüche bezüglich ihrer Formulierung.

Historie

Schon im Altertum hat man versucht, zur Zahnpflege zahnpastenähnliche Substanzen einzusetzen. Der Grund war hauptsächlich, schlechten Mundgeruch zu vermeiden. Kariöse Zähne gab es natürlich schon immer, aber man wusste noch nichts über die Ursachen. Deshalb benutzte man damals schon ätherische Öle wie zum Beispiel Minze in Verbindung mit anderen zum Teil abenteuerlichen, zumeist aber pflanzlichen weiteren Zusätzen. Eines dieser Stoffe war Holzasche. Die Ägypter stellten ein Gemisch aus Weinessig und Bimssteinpulver her. Die Römer benutzten sogar Urin. Im Mittelalter benutzte man ein Gemisch aus Kamillenblüten und Gewürznelken.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfand ein Apotheker in Dresden die erste Zahnpasta in der heutigen Form. Er benutzte dabei aber auch Bimssteinpulver als Putzkörper. Dadurch hatte die Paste einen zu hohen Abrieb.




Aufgaben

Die Zahnpasta unterstützt die reinigende Wirkung der Zahnbürste durch ihre Putzkörper. Sie bringt Wirkstoffe in die Mundhöhle und macht die Mundhygiene durch Schaum bildende Substanzen angenehmer. Siehe auch Zahnpflege und professionelle Zahnreinigung

Zusammensetzung

Zahnpasten enthalten eine Vielzahl unterschiedlicher Inhaltsstoffe. Im wesentlichen sind es Putzkörper, Bindemittel, Feuchthaltemittel, Schaum erzeugende Mittel, süßende Stoffe, Farbstoffe, Aromen, Konservierungsmittel Wasser, und spezielle Wirkstoffe. Einige Pasten enthalten noch zusätzliche Bestandteile.

Putzkörper

Putzkörper sind unlösliche anorganische Stoffe, die in Zahnpasten in unterschiedlichen Konzentrationen und Korngrößen enthalten sind. Der prozentuale Anteil beträgt bis zu 60 Prozent.

Da die Putzkörper die reinigende Wirkung der Zahnbürste unterstützen sollen, aber den Zahnschmelz nicht angreifen dürfen und sie nicht als Sand in der Mundhöhle empfunden werden,  wird die Korngröße der Partikel so gewählt, dass diese Bedingungen erfüllt werden. Die mittlere Teilchengröße beträgt daher 15 Mikrometer. Die oft erwähnte Schlämmkreide wird nicht verwendet, sondern gefällte Kreide. Der Unterschied besteht darin, dass Schlämmkreide zu scharfe Kanten hat und die gefällte Kreide abgerundete. Durch die Auswahl der geeigneten Putzkörper wird ein Maximum an reinigender Wirkung und ein Minimum an Abrieb erzielt. Am häufigsten wird Calciumcarbonat oder Kieselsäure als Putzkörper in Zahnpasten verwendet. Daneben gibt es aber auch eine Reihe anderer Stoffe, die als Putzkörper in Zahnpasten eingesetzt werden können.

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Bindemittel

Die Bindemittel sollen der Zahnpasta eine geschmeidige Konsistenz geben, indem sie die Trennung von Flüssigkeit und festen Stoffen verhindern. Unter anderem werden Alginate oder Methylzellulose als Bindemittel eingesetzt.

Feuchthaltemittel

Eine Zahnpasta sollte natürlich nicht austrocknen, deshalb werden ihr Feuchthaltemittel zugesetzt. Sie garantieren, dass die Paste immer die gleiche Konsistenz aufweist. Hierfür kommrn Glycerin, aber auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit zum Einsatz.

Schaummittel

Schaum erzeugende Zusatzstoffe werden auch Tenside genannt und sind Oberflächen aktiv. Bei sehr hohen Konzentrationen können sie deshalb auch die Mundschleimhaut angreifen. Um dies zu verhindern, wurde eine Höchstkonzentration von 2% festgelegt. Bei dieser Konzentration sind Schaummittel absolut unschädlich. Die Tenside lösen die Zahnbeläge und machen dadurch die Entfernung leichter. Außerdem  dringen sie auch in die schwer zugänglichen Zahnzwischenräume ein und machen durch ihre schäumende Wirkung das Zähneputzen angenehmer. Hauptsächlich wird als Schaummittel das geschmacksneutrale und mit anderen Inhaltsstoffen gut verträgliche Natriumlaurylsulfat oder medizinische Seife verwendet.

Süßstoffe

Selbstverständlich wird zum Süßen der Zahnpasta kein Zucker verwendet, sondern man fügt als Geschmackskorrigentien Sacharin oder Aspartat bei.

Konservierungsmittel

Zur Erzielung einer langen Haltbarkeit und zur Vermeidung von bakteriellem Befall werden Konservierungsstoffe eingesetzt. Dabei kommen Stoffe zum Einsatz, die auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden.

Farbstoffe

Farbstoffe werden hauptsächlich eingesetzt, um mehrfarbige Zahnpasten herzustellen oder aber auch um etwa farbige Zusätze zu überdecken. Für letzteres eignet sich hervorragend Titandioxyd, das farbige Pigmente überdeckt und die Paste weiß macht. Auch für Farbstoffe gilt, dass sie dem Lebensmittelrecht entsprechen.




Spezielle Wirkstoffe

Hier stehen Fluoride an erster Stelle. Jede Zahnpasta sollte in jedem Fall Fluoride enthalten. Sie machen durch Einbau in den Zahnschmelz diesen widerstandsfähiger gegen Säureangriffe und beugen so der Karies vor. In Verbindung mit dem aus dem Speichel stammenden Calcium fördern sie auch die Remineralisation. Hauptsächlich werden die anorganischen Salze Natriumfluorid oder Natriummonofluorphosphat sowie die organische Verbindung Aminfluorid eingesetzt. In Amerika hat sich Zinnfluorid bewährt.

Zur Pflege des Zahnfleisches kommen vorwiegend entzündungshemmende Wirkstoffe zum Einsatz. Es sind dies Allantoin, Carbamid oder Extrakte aus Kamille, Salbei oder Rosmarin. Ebenfalls findet Vitamin A als hautwirksames Mittel in Zahnpasten Verwendung. Salzhaltige Zahnpasten sollen das Zahnfleisch durch die Wirkung der Osmose straffen. Der Geschmack ist  allerdings gewöhnungsbedürftig  und sie schäumen auch nicht.

Zur Reduktion von Zahnbelägen und Zahnstein nimmt man einerseits antibakterielle Stoffe wie Chlorhexidindigluconat, Hexiditin oder Triclosan und zur Hemmung der Zahnsteinbildung Pyrophosphate als Zusatz in Zahnpasten

Bei Zahnpasten zur Behandlung und Vorbeugung von empfindlichen Zahnhälsen werden Strontiumchlorid, Kaliumnitrat oder Kaliumchlorid den Zahnpasten beigefügt.

Aromen

Für die Akzeptanz der Zahnpasta sind Aromen wichtig. Außerdem haben sie auch eine leichte antibakterielle Wirksamkeit. Bevorzugt werden aromatische Öle wie Pfefferminzöl,  Wintergrünöl und viele andere Aromen, wobei der Pfefferminzgeschmack bei weitem bevorzugt wird. Zimtöl wird in Deutschland nicht verwendet, da es zu Allergien führen kann. In Amerika ist es allerdings sehr beliebt.

Zahnpulver

Neben der Zahnpaste in der geschmeidigen Pastenform gibt es auch Zahnpulver in Granulatform. Die Zusammensetzung dieser Granulate unterscheidet sich wesentlich von den Pasten. Das Aufbringen auf die Zahnbürste ist nicht ganz einfach, da einiges an Granulat daneben geht.

Kinderzahnpasten

Für Kinder sind die Zahnpasten für Erwachsene zu scharf. Sie bevorzugen Pasten , die süß sind. Natürlich wird die Süße nicht mit Zucker erreicht, deshalb sind alle Kinderzahnpasten zuckerfrei. Die Süße wird mit Zuckereratzstoffen oder Zuckeraustauschstoffen erreicht. Da Kinder in vielen Fällen eine Fluoridprophylaxe erhalten, ist die Fluoridkonzentration in Kinderzahnpasten verringert.

Verpackung der Zahnpasten

Tuben werden als Zahnpastenbehälter fast ausschließlich eingesetzt. Früher waren sie aus Zinn und wurden nach Gebrauch recht unansehnlich. Heute benutzt man sogenannte Laminattuben, die aus  zwei Kunststoffschichten mit dazwischen liegender Metallschicht bestehen. Diese Tuben haben den Vorteil, dass sie sich nach Gebrauch immer wieder zurückstellen und die - dank ihres großen Schraubverschlusses - in aufrechter Position aufbewahrt werden können. Bei Zahnpasten mit verschieden farbigen Streifen wird ein Zweikammersystem verwendet.

Neben den Tuben gibt es auch Zahnpastenspender. Bei diesen etwas aufwendigeren Behältnissen wird die Zahnpasta durch einen Druck auf einen kleinen Hebel frei gegeben. Alle Verpackungen von Zahnpasten müssen eine Aufstellung der Inhaltsstoffe enthalten.

Anwendung

Zahnpasten werden in Verbindung mit der Zahnbürste zur Reinigung der Zähne angewendet. Gleichzeitig bringen sie Wirkstoffe zur Kariesvorbeugung und zur Pflege des Zahnfleisches in die Mundhöhle. Die Faustregel besagt, dass 3x täglich die Zähne geputzt werden sollten. Die Dauer des Putzvorganges sollte 3 Minuten betragen, dies wird aber in den wenigsten Fällen eingehalten.

Zahnpaste und Pickel / Mitesser

Mitesser sind verschlossene Talgdrüsen, die durch die Anwendung von Zahnpasta nicht beeinflusst werden können.
Bei Pickel handelt es sich in der Regel um Entzündungen dieser Talgdrüsen (Mitesser)
Die Empfehlung die einen positiven Effekt durch Zahnpaste auf Pickel und Mitesser zu haben ist also Unsinn.

Zusammenfassung

Zahnpasten dienen zusammen mit Zahnbürsten der Reinigung der Zähne. Dafür enthalten sie mehr oder minder abrasive Putzkörper. Darüber hinaus enthalten sie wichtige Stoffe zur Kariesvorbeugung und Gesunderhaltung des Zahnfleisches. Bei ihrer Zusammensetzung können viele unterschiedliche Stoffe miteinander kombiniert werden. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Fluoride.

 


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Autor: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 23.11.2010