Ohren anlegen

Einleitung

Unter dem Begriff Ohren anlegen (Synonym: Otopexie) versteht man ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung abstehender Ohren.

Die ersten Operationsversuche zum Anlegen abstehender Ohren gehen auf den amerikanischen Chirurgen Edward Talbot Ely zurück. Dieser führte bereits im Jahre 1881 die erste Ohrenanlegeplastik durch. Während Talbot lediglich Anteile der Haut hinter dem Ohr entfernte, finden heutzutage Kombinationen mehrere Operationstechniken Anwendung.

Bei der Entscheidung für das chirurgische Anlegen der Ohren muss jedoch beachtet werden, dass abstehende Ohren kein Krankheitsbild darstellen. Bei der Behandlung der Segelohren handelt es sich aus diesem Grund um eine rein ästhetische Operation.



Abstehende Ohren

Abstehende Ohren werden umgangssprachlich oft als Segelohren bezeichnet. Definitionsgemäß stehen die Ohren bei den Betroffenen um mehr als 30 Grad vom Kopf ab.

In der Regel liegt den abstehenden Ohren eine genetische Veranlagung zugrunde. Das bedeutet, dass Segelohren in den Familien der meisten Betroffenen gehäuft auftreten. Das Ohr besteht aus einem einzigen Stück Knorpel, der von einer sehr dünnen Hautschicht bedeckt ist. Auf der Hinterseite der Ohren ist diese Hautschicht verschiebbar, während sie an der Vorderseite fest mit dem Knorpel verwachsen ist. Aus diesem Grund zeigt die Vorderseite der Ohren ein kompliziertes Relief, welches der unter der Hautschicht liegenden Knorpelstruktur entspricht.

Bei dem besonderen Merkmal „Segelohren“ handelt es sich keineswegs um ein Krankheitsbild. Abstehende Ohren schränken das Hörvermögen gar nicht oder nur geringgradig ein und stellen für die Betroffenen lediglich ein kosmetisches Problem dar. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können Segelohren, die nicht frühzeitig angelegt werden, jedoch die Entstehung verschiedenartiger psychischer Störungen begünstigen. Die betroffenen Kinder erfahren oftmals, dass jede sichtbare Abweichung von der Norm verspottet wird. Aus diesem Grund entwickeln sie oftmals Minderwertigkeitskomplexe und eine ausgeprägte Angst verspottet zu werden. Abstehende Ohren, die nicht frühzeitig angelegt werden, können somit für die Betroffenen weitreichende Folgen haben.

Operationsnotwendigkeit

Bei abstehenden Ohren handelt es sich lediglich um eine anatomische Variante. Segelohren stellen im eigentlichen Sinne kein Krankheitsbild dar.

Dennoch kann diese von der Norm abweichende anatomische Variante durch Rückmeldungen des Umfeldes durchaus einen Krankheitswert erlangen. Viele der Betroffenen erfahren gerade in jungen Lebensjahren Spott und sind täglichen Hänseleien ausgesetzt. Dies führt bei den Betroffenen oftmals zu ausgeprägten Minderwertigkeitskomplexen.

Nicht selten sind Personen mit abstehenden Ohren aus diesem Grund besonders gefährdet psychische Erkrankungen zu entwickeln. Studien zufolge leiden viele Menschen, die abstehende Ohren aufweisen, unter Depressionen. Dies betrifft zwar vor allem Kinder und Jugendliche, dennoch leiden auch Erwachsene häufig unter den Folgen der abstehenden Ohren.

In der plastischen Chirurgie werden Segelohren lediglich als gering ausgeprägte Ohrmuschelfehlbildung eingestuft, die Folge einer genetisch bedingten embryologischen Fehlentwicklung sei. Das Hörvermögen sei Experten zufolge durch die abstehenden Ohren jedoch nicht oder nur geringgradig eingeschränkt. Eine medizinische Notwendigkeit zum Anlegen der abstehenden Ohren besteht im Bezug auf das Hörvermögen demnach nicht. Die psychischen Beeinträchtigungen, die Segelohren mit sich bringen, können eine operative Korrektur jedoch durchaus rechtfertigen.

Operationsmethoden

Die Methoden zum Anlegen abstehender Ohren können grob in zwei Gruppen unterteilt werden.

Bei den herkömmlichen Operationsmethoden, nach denen bis heute die Mehrzahl der Fachärzte operieren, werden sowohl Teile der Haut, als auch Knorpelabschnitte entfernt. Da es sich bei den herkömmlichen Methoden zum Anlegen der Ohren in der Regel um offene, umfangreiche Operationen handelt, bergen sie eine Vielzahl von Risiken.

Patienten berichten nach der Behandlung häufig von starken Schmerzen. Darüber hinaus muss nach dem chirurgischen Eingriff eine antibiotische Prophylaxe durchgeführt werden. Zudem sollte das Behandlungsergebnis auch Wochen nach dem Eingriff mit einem Kopfverband gesichert werden. Nur auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Ohren nach dem Anlegen in der gewünschten Stellung verbleiben.

Während der gesamten Heilungsphase können die betroffenen Patienten von ausgeprägten Schwellungen, Blutergüssen und Schmerzen gequält werden. Darüber hinaus können auf Grund der offenen Operationsverfahren sichtbare Narben hinter der Ohrmuschel zurück bleiben.

Neuartige Verfahren hingegen gelten als wesentlich schonender und risikoärmer. Die Wahl der am besten geeigneten Behandlungsform muss jedoch nach einer umfangreichen Untersuchung vom behandelnden Arzt und in Abstimmung mit dem Patienten getroffen werden. Die meisten Verfahren zum Anlegen abstehender Ohren können sowohl unter lokaler Betäubung, als auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Bei Kindern empfiehlt es sich in der Regel einen operativen Eingriff unter Vollnarkose anzustreben.

Traditionelle Methoden

Die traditionellen Methoden zum Anlegen abstehender Ohren werden auch heute noch von den meisten der behandelnden Ärzte durchgeführt. Bei diesen Methoden handelt es sich um operative Eingriffe, bei denen Haut- und Knorpelanteile hinter der Ohrmuschel entfernt werden.

Patienten, die sich für das Anlegen der Ohren entscheiden und eine traditionelle Behandlungsmethode wählen, müssen beachten, dass es durch den operativen Eingriff zu lang anhaltenden Schmerzen, Infektionen, Schwellungen und Blutergüssen kommen kann.

Die wohl am häufigsten durchgeführte traditionelle Methode zum Anlegen abstehender Ohren ist die Operation nach Converse. Bei diesem Verfahren wird unmittelbar hinter der Ohrmuschel ein langer Schnitt gesetzt. Im Anschluss muss die Rückseite des Ohrknorpels freigelegt und vorbereitet werden. Dabei setzt der behandelnde Arzt kleine Risse in das Knorpelgewebe.

Nach dem Abtragen des Knorpels wird die Hautoberfläche entsprechend präpariert und die Wunde vernäht. Nach dem Anlegen abstehender Ohren nach Converse muss der betroffene Patient über mehrere Wochen einen speziellen Kopfverband tragen.

Patienten, die sich für die Durchführung dieser Operationsmethode entscheiden, sollten beachten, dass es bei vielen Personen unmittelbar nach dem Eingriff zur Entstehung von unnatürlichen, teils entstellenden Knorpelkanten und unregelmäßigen Vertiefungen auf der Vorderseite des Ohres gekommen ist. Darüber hinaus berichten viele Patienten davon, dass sie nach dem Anlegen der Ohren über einen langen Zeitraum an starken Schmerzen zu leiden hatten.

Des Weiteren gehört die Operation nach Stenström zu den häufigsten Verfahren zum Anlegen abstehender Ohren. Auch bei dieser Methode muss unmittelbar hinter der Ohrmuschel ein langer Schnitt gesetzt werden. Im Gegensatz zur Operation nach Converse wird hier jedoch zusätzlich die Vorderseite des Ohrknorpels freigelegt und präpariert. Auf diese Weise kann das Risiko der Entstehung von unansehnlichen Einziehungen an der Vorderseite des Ohres um ein Vielfaches gesenkt werden.

Auch Patienten, die sich für das Anlegen der Ohren nach Stenström entscheiden, müssen nach dem chirurgischen Eingriff über mehrere Wochen einen speziellen Kopfverband tragen. Nur auf diese Weise kann das Behandlungsergebnis langfristig gesichert werden.

Weitere Methoden zum Anlegen abstehender Ohren sind die Operation nach Pitanguy und das Operationsverfahren nach Mustardé. Auch bei der Operation nach Mustardé muss ein langer Hautschnitt hinter der Ohrmuschel gesetzt und das Knorpelgewebe entsprechend präpariert werden. Im Gegensatz zu den übrigen Operationsmethoden wird das Knorpelgewebe bei diesem Verfahren jedoch nicht vollständig entfernt.

Moderne Operationsmethoden

Die Fadenmethode gehört wohl mittlerweile zu den beliebtesten Verfahren zum Anlegen abstehender Ohren. Sie gilt als schonende Alternative zu den traditionellen Operationsmethoden zum Anlegen von abstehenden Ohren.

Bei Kindern die deutlich abstehende Ohren aufweisen empfiehlt es sich, bereits vor dem Abschluss des fünften Lebensjahres über eine operative Korrektur nachzudenken.

Mit der Fadenmethode zum Anlegen abstehender Ohren kann jede Ausprägung dieses Merkmals effektiv korrigiert werden. Weder die Dicke, noch die Härte des Ohrknorpels hat einen wirklichen Einfluss auf das spätere Behandlungsergebnis. Zudem kann die Fadenmethode zum Anlegen abstehender Ohren bei jeder beliebigen Ohrgröße durchgeführt werden.

Das eigentliche Anlegen der Ohren erfolgt bei der Fadenmethode durch nicht-auflösbare (nicht-resorbierbare), reißfeste Fäden, die mit Nadelstichen unmittelbar unter die Hautoberfläche gesetzt werden. Mit Hilfe dieser Fäden kann das abstehende Ohr, beziehungsweise die Falte der Ohrmuschel, in ihrer natürlichen Form stärker gebogen werden. Das abstehende Ohr gerät somit fast automatisch in die richtige Position.

Die Fadentechnik bietet den Vorteil, dass zum Anlegen der Ohren keine langen chirurgischen Schnitte erforderlich sind. Aus diesem Grund zeigt sich das Prozedere für den Patienten als weniger schmerzhaft. Darüber hinaus weist die Fadentechnik zum Anlegen abstehender Ohren deutlich weniger Risiken auf. Bei den Patienten kommt es weniger häufig zu Infektionen und Wundheilungsstörungen. Darüber hinaus lassen sich auch andere Fehlstellungen des Ohres mit Hilfe dieses Verfahrens effektiv beheben.

Bei Personen, die beispielsweise einem zu großen Gehörgangseingangstrichter (Cavum conchae) Aufweisen, kann dieser durch die Verlagerung der Ohrmuschelfalte in Richtung Gehörgangseingang korrigiert werden.

Ein weiterer Vorteil der Fadentechnik zum Anlegegen abstehender Ohren ist die Tatsache, dass es ohne chirurgische Schnitte auch nicht zur Entstehung unschöner Narben kommen kann. Mit Hilfe der Fadentechnik lassen sich demnach schöne, natürlich aussehende Ohrmuscheln formen. Abstehenden Ohren, die mit Hilfe der Fadentechnik korrigiert wurden, kann man nach einer Weile nicht mehr anmerken, dass es sich um operierte Ohren handelt.

Doch auch bei diesem neuartigen Verfahren zum Anlegen abstehender Ohren kann es zu Komplikationen kommen. Vor allem allergische Reaktionen auf das verwendete Fadenmaterial gehören zu den gefürchtetsten Risiken. Bei den betroffenen Patienten kommt es durch die gesteigerte Immunreaktion in der Regel zur Abstoßung der verarbeiteten Fäden. Abgestoßene Fäden müssen unbedingt entfernt werden. Nur auf diese Weise kann die Entstehung einer Infektion vorgebeugt werden.

Das Anlegen von abstehenden Ohren durch Anwendung der Fadentechnik wird in der Regel ambulant, das bedeutet ohne Krankenhausaufenthalt, durchgeführt. Bei Kindern, die das zehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sollte der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt werden. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist das Anlegen der Ohren mittels Fadentechnik in Lokalanästhesie problemlos möglich.

Nach dem Eingriff muss, bei Anwendung der Fadentechnik, im Gegensatz zu den bekannten traditionellen Verfahren, kein Kopfverband getragen werden. Personen die das Anlegen der Ohren auf diese Weise durchführen lassen, sind in der Regel schon am Folgetag wieder gesellschaftsfähig.

Risiken

Beim Anlegen abstehender Ohren handelt es sich, unabhängig von der gewählten Methode, um einen operativen Eingriff. Aus diesem Grund kann es zum Auftreten der allgemeinen Komplikationen operativer Eingriffe kommen.

Falls das Anlegen der Ohren unter Vollnarkose durchgeführt wird, kann es zu Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen. Darüber hinaus besteht beim operativen Anlegen abstehender Ohren das Risiko, dass sich im Bereich des Operationsgebiets Wundheilungsstörungen bilden. Auch das Auftreten von Infektionen nach dem Eingriff stellt keine Seltenheit dar. Darüber hinaus besteht beim Anlegen der Ohren die Gefahr, dass der chirurgische Eingriff nicht erfolgreich ist und dadurch eine weitere Operation notwendig wird.

Gerade bei den traditionellen Methoden kann das zu frühe Ablegen des Kopfverbandes dafür sorgen, dass die Ohren wieder in die ursprüngliche Lage gelangen. Nach dem operativen Anlegen der abstehenden Ohren ist die Mitarbeit des Patienten deshalb unabdingbar.

Darüber hinaus kann es, je nach gewählter Operationsmethode, zur Entstehung von Narben und Einziehungen kommen. Gerade beim Verfahren nach Converse entwickeln viele Patienten unansehnliche Einziehungen auf der Vorderseite der Ohren. Grund dafür ist die Fehlende Präparation des Knorpels vor dem Ohr.

Kosten

Die Kosten, die bei einer chirurgischen Korrektur abstehender Ohren anfallen, hängen von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem die individuelle Lage der Ohren, das Behandlungsausmaß und die Menge der benötigten Verbrauchsmittel sind für die Kalkulation der Kosten entscheidend.

Darüber hinaus muss beachtet werden, dass neben der Vorsorgeuntersuchung, zusätzlich Kosten für die Aufwände für:

  • den Operationssaal
  • die technischen Geräte
  • das Operationsteam
  • den Operateur
  • und den Anästhesisten anfallen.

Auch die Kosten für die Nachsorgeuntersuchungen müssen im Regelfall vom Patienten selbst getragen werden.

Im Allgemeinen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich die Kosten für das Anlegen von abstehenden Ohren in einem vergleichsweise erschwinglichen Rahmen bewegen. Grob kann man beim Anlegen abstehender Ohren in Deutschland von Kosten zwischen 1.500 und 2.800 Euro ausgehen.

Patienten, die sich dazu entscheiden den operativen Eingriff im Ausland durchführen zu lassen, können bis zu 70 Prozent der Kosten sparen. In diesem Zusammenhang muss jedoch dringend darauf geachtet werden, dass die gewählte Klinik gewissen Standards entspricht. Vor allem im Bezug auf die Hygiene und das sterile Arbeiten sollten keine Kompromisse eingegangen werden.

Des Weiteren ist vor der Durchführung dieser plastisch-ästhetischen Operation zu bedenken, dass durch mögliche Komplikationen weitere Kosten anfallen können.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht dazu verpflichtet Behandlungsmaßnahmen, die auf Grund einer Schönheitsoperation notwendig werden, zu tragen. Es empfiehlt sich demnach eine spezielle Versicherung abzuschließen, die notfalls für diese Zusatzkosten aufkommt. Die Kosten für eine solche Versicherung belaufen sich im Durchschnitt auf einmalig 80 Euro.

Bei Kleinkindern, die abstehende Ohren aufweisen, kann unter Umständen eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse möglich sein. Eltern betroffener Kinder sollten sich aus diesem Grund mit der zuständigen Krankenkasse in Verbindung setzen und die Situation schildern.

Im Allgemeinen gilt, dass eine vollständige Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse umso wahrscheinlicher ist, je jünger das betroffene Kind ist. Man kann davon ausgehen, dass die Kosten für das Anlegen abstehender Ohren bei Kindern, die das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in der Regel vollständig getragen werden. Bei Kindern, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden zumeist Anteile der anfallenden Kosten übernommen.

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