Procain Spritze

Definition

Bei Procain handelt es sich um ein lokales Betäubungsmittel und kann somit zur lokalen Schmerzstillung eingesetzt werden. Procain ist eines der ältesten bekannten Betäubungsmittel und wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Betäubung bei Amputationen eingesetzt.

Heute wird Procain besonders in der Zahnmedizin zur örtlichen Betäubung genutzt. Procain-Spritzen werden normalerweise von Ärzten direkt unter die Haut gesetzt. Ein Spritzen in Blutgefäße ist nicht zugelassen, da es zu schweren Komplikationen kommen kann.

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Indikationen

Procain ist ein lokales Betäubungsmittel zur örtlichen Schmerzausschaltung. Ein häufiger Einsatzort für Procain ist die Zahnheilkunde. Bei vielen Eingriffen, wie Zahnextraktionen und Wurzelbehandlungen kann mit Procain der Nerv, welcher die Zähne versorgt ausgeschaltet werden.

Im Unterkiefer reicht hierfür eine einzelne Injektion an dem Punkt, wo der Nerv Mandibularis den Knochen verlässt. Im Oberkiefer sind Injektionen an mehreren Punkten notwendig um die Äste des Nerv Maxillaris zu betäuben. Auch in anderen Bereichen kann Procain genutzt werden, um Schmerzen zu verhindern. Procain wird bei Nervenblockaden unter die Haut gespritzt, um den Nerv zu Ruhe kommen zu lassen.

Das Medikament wirkt in der Tiefe direkt auf die Nerven und kann mehrmals angewendet werden. Außerhalb der Medizin kann Procain auch beim Stechen von Tattoos und Permanent-Make-Up zur Schmerzstillung genutzt werden. Auch innerhalb von Schmerztherapien kann regelmäßig Procain genutzt werden.

Heute wird Procain nur noch selten zur Lokalanästhesie genutzt, da es besser wirksame Mittel mit weniger Nebenwirkungen gibt.

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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, welches nahezu jeden Menschen irgendwann im Leben betrifft. Wenn es sich bei den Rückenschmerzen um eine Nervenstörung oder Blockade handelt kann Procain unter die Haut gespritzt werden.

Diese Anwendung kann mehrere Tage wiederholt werden und so kann der betroffene Nerv zur Ruhe kommen. Die Spritzen könne vom Hausarzt gesetzt werden. Heute gibt es weitere lokale Betäubungsmittel, welche mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind.

Wie wirkt Procain?

Schmerzen an verschiedenen Orten im Körper werden von den Nerven zum Gehirn geleitet und dort bewusst wahrgenommen. Procain blockiert diese Weiterleitung. Das Medikament wird unter die Haut gespritzt und wandert zu den Nervenzellen. Dort lagert sich die fettliebende Substanz in der fettigen Zellmembran an. Durch diese Einlagerung werden verschiedene Kanäle für Elektrolyte blockiert.

Das Natrium kann nicht mehr wie gewohnt die Zellmembran passieren und die Bildung eines Aktionspotentials wird verhindert. Diese Aktionspotenziale, welche durch die Wanderung der Elektrolyte durch die Membran entstehen, wandern normalerweise wie eine Welle die Nerven entlang und bilden das Signal für das Gehirn. Je nach Konzentration werden bestimmte Nerventypen gehemmt.

Bei der geringsten Dosis wird zunächst nur die Schmerzempfindlichkeit gehemmt und bei höherer Dosis auch das Druck- und Temperaturempfinden. Dies liegt an der Dicke und der Ummantelung der Nerventypen. Die Wirkung hält nur wenige Stunden an und kann dann wiederholt werden.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen bei Procain sind eher selten. Procain hat eine Herzkraft- und Herzfrequenzsteigernde Wirkung, sodass bei einer normalen Dosis eine geringe Schwankung des Blutdrucks möglich ist. Eine höhere Dosis verstärkt diese Nebenwirkung. Auch im EKG, der elektrischen Ableitung des Stroms im Herzen, können Veränderungen auftreten.

Procain kann auf der sogenannten ST-Strecke eine Verkürzung und bei der T-Welle eine Abflachung verursachen. Bei einer Überdosierung können auch Empfindungsstörungen im Lippenbereich und Unruhe auftreten. Im Extremfall kann es zu Krampfanfällen kommen. In seltenen Fällen werden allergische Reaktionen auf Procain beschrieben.

Diese beinhalten eine Nesselsucht, Gewebsschwellungen und Atemnot. Leichtere allergische Reaktionen, wie örtliches Jucken, werden bei der ersten Anwendung häufiger genannt. An der Einstichstelle kann es zudem zu Rötungen und Blutergüssen kommen. Die Einstichstelle kann auch eine Eintrittspforte für Krankheitserreger sein und so einen Abszess bilden.

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Um in der Schmerztherapie erfolgreich behandeln zu können, bedarf es einer gründlichen Untersuchung, Diagnostik und Erhebung der Krankengeschichte.
Gerade in unserer sehr ökonomisierten Welt, bleibt zu wenig Zeit, um die komplexen Erkrankungen der Orthopädie gründlich zu erfassen und damit eine zielgerichtete Behandlung einzuleiten.
In die Reihe der "schnellen Schmerzmittelverschreiber" möchte ich mich nicht einreihen und versuche erstmal die Ursache der Schmerzen zu finden.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

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Wirkdauer

Die Wirkdauer von Procain ist relativ kurz. Je nach verabreichter Menge lässt die Wirkung nach ungefähr zwei Stunden nach. Die Behandlung kann mehrfach wiederholt werden. Die kurze Wirkdauer hat den Vorteil, dass die Betäubung für kurze Eingriffe genutzt werden kann und nicht zu lange Nachwirkungen hat.

Dies macht Procain für ambulante Eingriffe zum Beispiel in der Zahnheilkunde nutzbar. Bei längeren Eingriffen muss die Anwendung ergänzt werden oder ein anderes Medikament genutzt werden.

Kosten

Procain als Injektionslösung gibt es ab ungefähr vier Euro für zehn Ampullen mit jeweils zwei Milliliter. Bei ambulanten Eingriffen, welche von der Krankenkasse übernommen werden, gehört die lokale Betäubung mit Procain mit zu den bezahlten Leistungen.

Für eine Schmerzstillung beim Stechen von Tattoos oder ähnlichen Situationen muss man für das Medikament selber zahlen.

 

Anwendung in der Schwangerschaft

Da Procain nicht in die Blutbahn gespritzt wird, kann eine Anwendung in der Schwangerschaft durchgeführt werden. Eine einmalige Anwendung ist normalerweise sowohl in Schwangerschaft als auch in der Stillzeit unbedenklich. Eine längere Anwendung sollte nicht während der Stillzeit durchgeführt werden, da Procain in die Muttermilch übergeht.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema "Procain Spritze" finden Sie unter:

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 14.12.2018 - Letzte Änderung: 10.08.2021
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