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Aderhautmelanom - Wie sind die Heilungschancen?

Definition

Das Aderhautmelanom ist der häufigste, bösartige Tumor im Augeninneren beim Erwachsenen. Die Aderhaut bildet den hinteren Anteil der Gefäßhaut im Auge. Ein Aderhautmelanom entsteht durch eine Entartung der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten), die für die Augenfarbe von Bedeutung sind. Daher sind diese Tumore oft dunkel gefärbt. Das Aderhautmelanom metastasiert häufig, was bedeutet das entartete Zellen an andere Stellen im Körper gelangen und sich dort ansammeln.

Heilungschancen - Wie ist die Prognose?

Die Heilungschancen sind abhängig davon, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Die weitere Prognose ist abhängig von verschiedenen Faktoren, unter anderem von der Größe und dem Zelltyp des Tumorgewebes. Bei großen und sogenannten epitheloidzelligen oder gemischtzelligen Tumoren sind die Prognosen schlechter, als bei kleinen und sogenannten spindelzelligen Tumoren. Etwa die Hälfte der Betroffenen mit epitheloidzelligen oder gemischtzelligen Tumoren verstirbt innerhalb von 5 Jahren. Jedoch bestätigen Ausnahmen die Regel, da viele individuelle Faktoren die Heilungschancen und den Verlauf bestimmen. Bilden sich Metastasen, ist die Prognose insgesamt schlechter.

Ursachen für ein Aderhautmelanom

Früher wurde vermutet, dass möglicherweise übermäßige UV-Strahlung Aderhautmelanome verursacht, ähnlich wie bei Hautkrebs (Melanom). Da der, im Auge befindliche, Glaskörper die einfallenden UV-Strahlen aufnimmt, ist die UV-Strahlung als hauptsächliche Ursache für ein Aderhautmelanom jedoch unwahrscheinlich.
Es wurde hingegen ein Zusammenhang mit dem Verlust eines Chromosoms, nämlich dem Chromosom 3 festgestellt. Anders als beim Hautmelanom wurde beim Aderhautmelanom eine enge Beziehung zu den Genen, eine sogenannte genetische Disposition entdeckt. Man beobachtete, dass Betroffene mit einem Aderhauttumor, die zwei gesunde Chromosome 3 besaßen, nur sehr selten die bösartige Form des Aderhautmelanoms entwickelten. Entsprechend zeigten diese sehr selten Metastasen. Betroffene mit einem Verlust von Chromosom 3 hingegen bildeten sehr oft bösartige, metastasierende Aderhautmelanome aus.

Diagnose

Jede augenärztliche Routineuntersuchung (z. B. bei einer Brillenverordnung) sollte eine Augenhintergrundspiegelung beinhalten, da so frühzeitig ein Aderhautmelanom erkannt werden kann. Wenn es einen Verdacht auf ein Aderhautmelanom gibt, ist in jedem Fall eine Augenhintergrundspiegelung beim Augenarzt, ggf. bereits schon beim Hausarzt angezeigt. Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss geben über die genaue Lage und Größe des Aderhautmelanoms. Auffälligkeiten und andere Erkrankungen der Aderhaut können hierbei unterschieden werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Augenhintergrundspiegelung

Zur fotographischen Abbildung der Augenblutgefäße wird eine sogenannte Fluoreszenzangiographie durchgeführt. Dabei werden feinste Blutgefäße durch Fluorenzfarbstoffe sichtbar gemacht. Hierdurch kann sich der Arzt ein Bild vom Zustand der Augenblutgefäße machen.

Um Metastasen auszuschließen, sollten darüber hinaus ein Röntgenbild des Thorax und eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane vorgenommen werden. Bei Verdacht auf Metastasen werden eine Computertomographie und eine Kernspinuntersuchung empfohlen. Auch eine Probeentnahme, eine sogenannte Biopsie, meistens der Leber, erfolgt bei Verdacht auf Metastasen. Wichtig sind Verlaufs- und Nachkontrollen.

Häufigkeit

Augentumore sind insgesamt im Vergleich zu anderen Tumoren selten. Das Aderhautmelanom betrifft in Europa einen von 100.000 Menschen pro Jahr. Das Aderhautmelanom kommt bei weißhäutigen Menschen etwa 50-mal häufiger vor als bei dunkelhäutigen Menschen. Mit steigendem Lebensalter erhöht sich das Risiko an einem Aderhautmelanom zu erkranken. Im Alter von 60-70 Jahren gibt es die meisten Erkrankungen an einem Aderhautmelanom. Bis zu etwa 50% der Betroffenen versterben an Leber- und Lungenmetastasen.

Symptome

Das Aderhautmelanom verursacht in den meisten Fällen zunächst keine Beschwerden. Daher bleibt es lange unentdeckt, bis es eine bestimmte Größe erreicht hat. Manchmal wird es zufällig bei einer Routineuntersuchung beim Augenarzt entdeckt. Wenn der Tumor wächst und eine bestimmte Größe annimmt und sich bis zum Bereich des schärfsten Sehens ausgedehnt hat, kommt es zu erheblichen Sehstörungen.

Für ein Aderhautmelanom ist ein orangefarbenes Pigment auf der Oberfläche des Tumors charakteristisch. Dieses kann der Augenarzt in seinen Untersuchungen erkennen. Der Tumor wölbt sich meist, zum Teil höckerig, hervor. Wenn der Arzt bei einer Ultraschalluntersuchung unter der Vorwölbung festes Gewebe erkennen kann, spricht dies für ein Aderhautmelanom. Am unteren Anteil des Auges kann der Arzt bei den Untersuchungen oft eine Ablösung der Netzhaut erkennen. Gegen ein Aderhautmelanom sprechen eine intensive schwarze Farbe und eine Größe von weniger als 2mm. Nur selten sind beide Augen betroffen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Netzhautablösung

Verlauf

Das Aderhautmelanom wächst lange Zeit ohne vom Patienten bemerkt zu werden, da es keine Symptome macht. Erst ab einer bestimmten Größe kommt es zu Einschränkungen des Sehvermögens. Da die Aderhaut des Auges keine Lymphgefäße besitzt, wachsen die entarteten Melanozyten, ohne vom Immunsystem erkannt zu werden und können bereits früh im Krankheitsverlauf an anderen Stellen des Körpers Metastasen bilden.

Therapie

Die Behandlung des Aderhautmelanoms richtet sich nach der Größe. Bei einem Aderhautmelanom von 2-3 mm werden wiederholte Verlaufskontrollen empfohlen. Bei einer Größe von 4-8 mm erfolgt meistens eine örtliche Bestrahlung. Hierbei wird ein Strahlenträger auf die Lederhaut des Auges genäht und verbleibt eine bestimmte Zeit, entsprechend der erforderlichen Strahlendosis. Diese Methode ist allerdings nur möglich bei geringer Höhe und bestimmter Größe des Tumors.

Bei einer Größe über 8 mm können diese örtlichen Strahler nicht eingesetzt werden und nicht wirken. Bei flachen, kleinen Tumoren ist eine Behandlung mit einem Infrarotlaser möglich. Diese erfolgt manchmal in Kombination mit einer lokalen Bestrahlung. Bei kleinen Tumoren kann eine Vereisung mit Hilfe von Kältestiften bis -78°, die sogenannte Kyrotherapie, empfohlen werden. Eine Laseragulation, also eine Verödnung mittels Laser, wird nur bei kleinen Tumoren mit geringer Höhe empfohlen. Hier wird mittels (Laser-)Licht der Tumor stark erhitzt.

Bei größeren Tumoren bis zu 15 mm wird zu einer Protonenbestrahlung geraten. Bei mittelgroßen Tumoren wird eine radiochirurgische oder eine chirurgische Entfernung des Tumors empfohlen. Bei günstiger Lage des Tumors, kann dieser von außen entfernt werden. Nach der Entfernung des Tumors wird zu einer antigenspezifischen Stimulation des Immunsystems geraten. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen und das Auge zu erhalten. Bei sehr ausgedehnten Tumoren wird allerdings zu einer Entfernung des Auges geraten.

Chemotherapie

In einigen Fällen wird zu einer Chemotherapie, oft in Kombination mit einer Strahlentherapie geraten. Hierbei besteht die Möglichkeit das chemotherapeutische Medikament direkt den Blutgefäßen des Auges zuzuführen. Außerdem ist es möglich, dass das Medikament in den Glaskörper des Auges eingebracht wird. Bei beiden chemotherapeutischen Verfahren wird an der betroffenen Stelle das Medikament hochdosiert gegeben. In einigen Fällen konnte dadurch der Behandlungserfolg verbessert und die Nebenwirkungen reduziert werden.

Metastasen

Durch die fehlende Versorgung des Auges mit Lymphgefäßen kann das Aderhautmelanom sehr lange wachsen ohne vom Immunsystem als fremd und bösartig erkannt zu werden. Dies ist auch der Grund, dass Aderhautmelanome bei Diagnosestellung häufig bereits metastasiert sind. Dies bedeutet, dass entartete Zellen des Aderhautmelanoms über das Blut an andere Stellen im Körper verschleppt wurden und sich dort angesiedelt haben. Die häufigsten Lokalisationen von Metastasen beim Aderhautmelanom sind die Leber und die Lunge.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Metastasen

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.04.2018
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