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Akute nekrotisierende ulzerierende Parodontitis

Definition

Bei der akuten nekrotisierenden ulzerierende Parodontitis (ANUP) handelt es sich um eine Sonderform der Parodontitis die meist aus der akuten nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis (ANUG) hervorgeht. Bei der akuten nekrotisierenden ulzerierenden Parodontitis ist nicht nur das Zahnfleisch betroffen, wie bei der Gingivitis, sondern vor allem der Zahnhalteapparat. Es handelt sich um eine rasch fortschreitende Entzündung, die von akuten Schmerzen begleitet ist und bei der es schon zu Beginn der Erkrankung zu Gewebezerfall (Nekrosen) und zur Bildung von Geschwüren kommt (Ulzeration).

Informieren Sie sich mehr über das Thema: Parodontitis

Ursachen

Es handelt sich um eine Mischinfektion verschiedener Bakterienstämme, darunter Fusobakterien-Stämme, Treponema- und Selenomonas-Stämme, sowie das Bakterium Prevotella intermedia und Porphyromonas gingivalis. Die nekrotisierende ulzerierende Parodontitis geht aus der nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis hervor und zu deren Ursachen gehören psychischer Stress, ein geschwächtes und schlecht funktionierendes Immunsystem, beispielsweise bei HIV-positiven Patienten, Mangelernährung, mangelhafte Mundhygiene und Tabakkonsum. Meist kommt es zur Infektion im jugendlichem Alter oder bei jungen Erwachsenden, aber auch eine Spätinfektion bei Patienten im hohen Alter ist nicht ausgeschlossen.

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Diagnose

Aufgrund der akuten Schmerzen und dem raschen Verlauf der Entzündung sollte schon bei den ersten Anzeichen ein Zahnarzt aufgesucht werden. Dieser kann bei der ersten Inspektion der Mundhöhle bereits typische Symptome der nekrotisierenden ulzerierenden Parodontitis erkennen und behandeln. Auch eine Laboruntersuchung kann Aufschluss über die Bakterienstämme geben und gegebenenfalls eine gezielte Behandlung ermöglichen.

Diese Symptome können auf eine akute nekrotisierende ulzerierende Parodontitis hindeuten

Bei der nekrotisierenden ulzerierenden Parodontitis kommt es zu einem Übergreifen der Entzündung auf alle Strukturen des Zahnhalteapparates. Es kommt zu Nekrosen des Zahnfleisches und des Knochens. Zu Beginn kommt es zu starken Nekrosen der Zahnfleischpapillen bis hin zu interdentalen Kratern und freiliegendem Knochen. Begleitend kommt es zu Blutungen und starken Schmerzen.  Die anfänglichen Schmerzen sind ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen parodontalen Erkrankungen, da diese meistens schmerzlos verlaufen.

Aufgrund der mangelhaften Mundhygiene kommt es zu gräulich-gelblichen Belägen auf der Mundschleimhaut. Darunter kommt es zur Bildung von Geschwüren (Ulzeration). Meist kommt es zu einem fauligen oder metallischen Geschmack im Mund und zu Mundgeruch. Allgemeinmedizinisch kann es zu Fieber und entzündeten Lymphknoten kommen. Insgesamt stellt sich ein schlechter gesundheitlicher Allgemeinzustand ein. Die Symptome müssen nicht alle vorhanden sein und richten sich nach Ausmaß und Schwere der Erkrankung. Durch die Schmerzen ist die Nahrungsaufnahme sehr erschwert und auch die Mundhygiene ist nicht gut durchzuführen, was den Allgemeinzustand noch weiter verschlechtert und das Fortschreiten der Entzündung im Mund weiter begünstigt.

Behandlung/ Therapie

Die Therapie der nekrotisierenden ulzerierenden Parodontitis besteht aus zwei Teilen. Zur Akuttherapie gehört die Beseitigung der Keime um ein weiteres Ausbreiten der Entzündung zu verhindern und somit ein Eindämmen der Krankheitsaktivität zu erzielen. Zuerst sollen die Schmerzen reduziert werden, damit eine adäquate Mundhygiene wieder möglich ist. Unter Lokalanästhesie wird der Zahnarzt die Zahnbeläge entfernen und anschließend desinfizierende Spülungen (z.B. CHX®) verwenden. Die Zahnbeläge werden entweder mit Handinstrumenten wie Küretten oder mit Ultraschallinstrumenten gründlich entfernt.

Eine zusätzliche lokale Verwendung eines Kortikosteroidpräparates (z.B. Dontisolon®) hilft zusätzlich die Freisetzung gewebsauflösender Botenstoffe und Enzyme zu unterbinden. Als zweiter Therapiepunkt kann eine zusätzliche Therapie mit Antibiotika (z.B. Penicillin) sinnvoll sein, besonders dann, wenn der Allgemeinzustand sich auch nach der vorangegangenen Akuttherapie nicht bessert und die Symptome nach 2-3 Tagen nicht deutlich weniger werden. Eine gründliche Mundhygiene durch den Patienten zuhause und regelmäßige desinfizierende Mundspülungen (z.B. CHX®) sind sehr wichtig für einen erfolgreichen Heilungsverlauf.

Bei sehr starken Schmerzen zu Beginn der Therapie kann ein Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen®) helfen. Da die nekrotisierende ulzerierende Parodontitis auf ein geschwächtes nicht gut funktionierendes Immunsystem hindeutet und zu den Frühsymptomen einiger Erkrankungen, wie zum Beispiel einer HIV-Infektion zählt, sollten man sich zusätzlich von einem Internisten untersuchen lassen. An die Akuttherapie schließt sich die Erhaltungstherapie an, sie beinhaltet regelmäßige Kontrollen und gründliche Zahnreinigung.

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Prognose

Ist die akute nekrotisierende ulzerierende Parodontitis erst einmal überwunden ist es wichtig die Mundhygiene weiterhin sorgfältig durchzuführen, um ein erneutes Auftreten der Entzündung zu verhindern. Wichtig sind zudem engmaschige Kontrollen durch den Zahnarzt. Durch Beseitigung der ursächlichen Faktoren kann es zur vollständigen Ausheilung kommen. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach Ausmaß und Schwere der Entzündung und ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Meist tritt aber nach der ersten Beseitigung der Keime rasch eine Besserung ein.  

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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