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Heilung der Parodontose

Synonym

Parodontitis, Entzündung des Zahnhalteapparates

Einleitung

Bei der fälschlicherweise als Parodontose bezeichneten Erkrankung handelt es sich um eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnhalteapparates (lat. Parodontium).
In der medizinischen Fachsprache lautet die richtige Bezeichnung für dieses Erkrankungsbild Parodontitis. Die Parodontose geht in den meisten Fällen mit einer nicht umkehrbaren (lat. Irreversiblen) Zerstörung der Strukturen des Zahnhalteapparates einher.

Im Allgemeinen unterscheidet man rein fachlich zwischen der apikalen (von der Wurzelspitze des Zahnes ausgehende) und der marginalen (vom Zahnfleischsaum ausgehende) Parodontose. Beide Formen können jedoch nicht vollständig voneinander abgegrenzt werden, denn beide können auch ineinander übergehen. Obwohl die Ursachen für die Entstehung einer Parodontose vielfältig sein können, zählen marktote Zähne und entzündliche Prozesse im Bereich des Zahnfleischs (lat. Gingiva) zu deren Hauptursachen.
Die Gründe für die Ausbildung einer Zahnfleischentzündung (lat. Gingivitis) sind wiederum in einer unregelmäßig und/ oder schlichtweg fehlerhaft durchgeführten Mundhygiene zu suchen.

Im Zuge dessen kommt es vor allem an schwer zugänglichen Stellen und engen Zahnzwischenräumen zur Festsetzung von Zahnbelägen. Zahnbelag (Plaque) besteht zum Hauptteil aus Nahrungsresten und den Stoffwechselendprodukten der innerhalb der Mundhöhle ansässigen bakteriellen Erregern. Beim Unterlassen einer regelmäßigen Entfernung dieser Ablagerungen dringt die Plaque im Regelfall bis unter den Zahnfleischsaum vor und verursacht die Bildung tiefer Zahnfleischtaschen. Eben diese Aufweitungen der Gingiva dienen im weiteren Verlauf als ideale Brutstädten für Bakterien und andere Krankheitserreger.
Folge ist eine starke Abwehrreaktion des Organismus und die Entstehung von entzündlichen Prozessen.

Parodontose heilen

Das primäre Ziel beim Parodontose heilen besteht darin, die entzündlichen Prozesse im Bereich des Zahnhalteapparates einzudämmen und deren optimale Ausheilung zu fördern.
Des Weiteren sollte sich dem eigentlichen Parodontose heilen eine geeignete Prophylaxe- Behandlung anschließen, denn nur auf diese Weise kann das Risiko des erneuten Auftretens einer Parodontose effektiv gesenkt werden. Aus diesem Grund wird in der Regel noch vor dem eigentlichen Heilen ein umfangreiches Parodontal- Screening durchgeführt. Der behandelnde Zahnarzt muss sich in einem ersten Schritt zunächst ein genaues Bild über den Schweregrad der Parodontose und die Ausdehnung der Erkrankung innerhalb der Bestandteile des Zahnhalteapparates machen.
Darüber hinaus muss das Zahnputzverhalten des Patienten und die Gründlichkeit der Mundhygiene genau analysieren werden.

Der behandelnde Zahnarzt greift zu diesem Zweck zu recht einfachen Mitteln. Zu Beginn kann der Zustand des Zahnfleischs (Gingiva) mit bloßem Auge betrachtet werden.
Entzündungen oder andere krankhafte Prozesse im Bereich des Zahnfleischs beeinflussen das Aussehen der Gingiva extrem schnell und bringen sichtbare Verfärbungen mit sich. Während das gesunde Zahnfleisch rosige, hell und regelrecht durchblutete erscheint, zeigt sich eine angegriffene Gingiva durch eine zunehmend dunkler werdende Färbung.
Entzündetes Zahnfleisch erscheint schon mit bloßem Auge angegriffen.

In einem zweiten Schritt wird sowohl die Ausdehnung, als auch Tiefe bestehender Zahnfleischtaschen beurteilt. Zu diesem Zwecke wird eine skalierte Messsonde am Zahn längs zwischen Zahnsubstanz und Gingiva, in die Zahnfleischtaschen eingeführt und ein spezifischer Screening- Index erhoben.

Die im Praxisalltag am häufigsten angewendete Methode ist der sogenannte PSI (Parodontal Screening Index). Der PSI bildet den Mittelwert der Taschentiefen eines jeden Gebissquadranten, es wird also lediglich an einem Zahn (stellvertretend für alle Zähne des Quadranten) gemessen. Eine um ein Vielfaches genauere Methode ist das Erfassen aller Zahnfleischtaschen.
Pro Zahn werden gleich sechs Messwerte erhoben. Bei umfangreicher Ausdehnung der Parodontose ist es darüber hinaus sinnvoll eine sogenannte Röntgenübersichtsaufnahme (OPG) anzufertigen. Diese Aufnahme ermöglicht die exakte Beurteilung des Knochenzustandes und somit eine Einschätzung der Prognose des Parodontose Heilens. Das Parodontose heilen selbst wird in insgesamt drei Phasen gegliedert, denen sich eine mehrjährige Prophylaxephase anschließt.
Sowohl der Ablauf, als auch der Umfang und die Intensität des Parodontose Heilens sind, wie die meisten zahnärztlichen Behandlungsmaßnahmen, in hohem Maße vom Ausgangszustand und der Aggressivität der Parodontalerkrankung. Anhand der in der Diagnose- Phase erhobenen Befunde entscheidet der behandelnde Zahnarzt ob ein geschlossenes Verfahren ausreicht oder das offene Parodontose heilen von Nöten ist.

Im nächsten Schritt muss das gesamte Gebiss des betroffenen Patienten mit Hilfe von sogenannten Küretten professionell gereinigt werden. In der zahnmedizinische Fachsprach bezeichnet an die Grundmaßnahme beim Parodontose heilen als Professionelle Zahnreinigung (PCR, Kürettage).
Bei den verwendeten Küretten handelt sich um sterilisierbare Handinstrumente, deren Enden in einem spezifischen Winkel angeschliffen sind.

Diesem spezifischen Schliff ist zu verdanken, dass die Küretten besonders eng an der Zahnsubstanz entlang geführt werden können. In Folge dessen kann eine effektive Entfernung von harten (Zahnstein) und weichen (Plaque) Zahnbelägen sichergestellt werden.
Während des Parodontose Heilens werden zuerst alle supragingivalen (oberhalb des Zahnfleischrandes liegenden) Zahnbeläge gründlich beseitigt werden. Schon durch die Durchführung einer solchen professionellen Zahnreinigung und dem Erlernen einer effektiven, auf den jeweiligen Patienten abgestimmten Zahnputztechnik kann der Zustand des Zahnhalteapparates deutlich verbessert und die Parodontose geheilt werden.
Bei den meisten Betroffenen muss keine weitere Therapie durchgeführt werden um die Parodontose zu heilen. Bei Patienten, bei denen die Parodontose jedoch weit fortgeschritten ist und/ oder große Teile des Kieferknochens betroffen sind, müssen weitere parodontologische Maßnahmen durchgeführt werden.

Die sogenannte geschlossene Behandlungsphase bildet den nächsten Schritt zum Heilen der Parodontose. In dieser Phase schließt sich die Entfernung aller unter dem Zahnfleischrand (subgingival) gelegenen Ablagerungen an. Bei der subgingivalen Zahnreinigung verwendet der behandelnde Zahnarzt neben den in der Hygienephase verwendeten Küretten auch spezielle schall- und/ oder ultraschallbetriebene Handinstrumente.
In diesem Behandlungsschritt können auch besonders festsitzende Ablagerungen und fester Zahnstein vollständig abgetragen werden. Durch die erneute Messung der Taschentiefen in einem gesonderten Kontrolltermin nach der Einhaltung einer ungefähr einwöchigen Abheilungszeit kann der Fortschritt der Therapie beurteilt werden.

Außerdem kann erst nach Ablauf dieser Zeit abgewogen werden, ob weitere Behandlungsmaßnahmen angeschlossen werden müssen. Liegt beim Patienten nach dem Parodontose heilen nur eine geringgradige Reduktion der Taschentiefen vor oder weist der Betroffene besonders tiefe Ausgangstaschen (ab einer Tiefe von ungefähr 7mm) auf, so wird es häufig notwendig, zusätzlich eine offene Behandlungsmethode einzuleiten.
Während der Durchführung dieses Verfahrens wird das Zahnfleisch chirurgisch mit einem Skalpell eröffnet. Dies bietet den Vorteil, dass der Zahnarzt im Anschluss die Entfernung der unter dem Zahnfleisch gelegenen (subgingivalen) Beläge unter Sicht durchführen kann. Folge ist eine wesentlich effizientere Reinigung der Zahnoberfläche, was besonders gute Chancen mit sich bringt, die Parodontose zu heilen.

Ein weiterer Vorteil des Offenen Verfahrens ist die Tatsache, dass auch bereits entstandene Knochendefekte genau beurteilt und, noch in der selben Sitzung, durch natürliches oder künstliches Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden können. Zu den Nachteilen der offenen Zahnreinigung gehört beispielsweise die Tatsache, dass die Heilungszeit im Vergleich zum geschlossenen Verfahren deutlich verlängerte ist. Die Erfolgsaussichten (Prognose) des Parodontose heilen können durch die Anwendung eines gegen die innerhalb der Mundhöhle lebenden Bakterien gerichtetes Antibiotikum um ein Vielfaches gesteigert werden.

Es ist also im Zuge der Vorbeugung (Prophylaxe) einer sofortigen Reinfektion in den meisten Fällen sinnvoll die Bakterienbesiedlung innerhalb der Mundhöhle zu reduzieren.

Hausmittel zur Parodontosebehandlung

Wie bei vielen Erkrankungen existieren auch zur Behandlung von Parodontose diverse Hausmittel. Zu diesen gehört bspw. Wasserstoffperoxid. Es gilt als stark antibakterielles Mittel, das als Mundspülung in einer Verdünnung mit Wasser (1:2) morgens und abends angewandt werden kann. Es ist sehr wichtig, dass man die Spülung nicht verschluckt und den Mund anschließend mit Wasser ausspült. Weiterhin gilt Backpulver als ein altbekanntes Hausmittel zur Bekämpfung von Bakterien unter dem Zahnfleisch. Das Backpulver wird mit Wasser zu einer Paste angerührt und mit dem Finger auf das Zahnfleisch aufgetragen. Nach 10 Minuten Einwirkzeit kann der Mund ausgespült werden. Zur alternativen Parodontose Behandlung eignet sich weiterhin grüner Tee, eine Ölkur oder Nelkenöl. Salzwasser, Zitronensaft oder Teebaumöl werden in der natürlichen Behandlung von Parodontose ebenfalls empfohlen. Insgesamt ist es jedoch sehr wichtig zu wissen, dass das Anwendung von Hausmitteln allein ein Parodontosetherapie beim Zahnarzt nicht ersetzen können. Sie können diese jedoch sinnvoll ergänzen.

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Homöopathie

Eine Parodontose lässt sich nur vollständig heilen, wenn sie im Frühstadium detektiert wurde. In allen anderen Fällen versucht man das Fortschreiten des pathologischen Zustandes zu minimieren und den Erhalt des Zahns zu sichern. Ein abgebauter Kieferknochen oder nicht mehr vorhandene Bindegewebsfasern des Zahnhalteapparates können nicht wieder hergestellt werden. Eine homöopathische Behandlung kann die Heilung oder die Minderung des pathologischen Zustandes unterstützen. Es können Einzelhomöopathika wie bspw. Arnica oder auch Komplexhomöopathika wie bspw. Aqua silicata komplex Nestmann zum Einsatz kommen. Weiterhin werden Organpräparate angewandt, die in verschiedenen Potenzierungen hergestellt und je nach Intensität des entzündlichen Zustandes angepasst werden. Zuletzt werden des Weiteren die bekannten Schüßler-Salze in der Homöopathie zur begleitenden Behandlung der Parodontose verwendet. Hier kommen vor allem die Schüssler Salze Nr. 2, Nr. 11 und Nr. 3 zum Einsatz. Generell sollte man sich zur Anwendung homöopathischer Medikamente von einem Homöopathen beraten lassen.

Begleittherapie mithilfe einer Ölkur

Eine bekannte und sehr wirkungsvolle Begleittherapie zur Parodontose Behandlung ist die Anwendung einer Ölkur. Sie wird über mehrere Wochen angewandt und hat bereits einige Erfolge bei der Behandlung von entzündeten Mandeln, Nasennebenhöhlenentzündungen und Schleimhauterkrankungen verzeichnet. Prothesenträger sollten diese vor der morgendlichen Durchführung der Ölkur heraus nehmen. Bei der Anwendung der Kur nimmt man morgens auf nüchternen Magen einen Esslöffel kaltgepresstem Sonnenblumenöl in den Mund. Man zieht dieses mehrfach durch die Zähne und lässt es 10 – 15 Minuten im Mund verweilen. Es sollte im Mund nahezu konstant in Bewegung bleiben. Zwischenzeitlich empfehlen sich kurze Pausen, um das Öl einwirken lassen zu können. Das gelbe Öl emulgiert dann zu einer weißen Flüssigkeit, die im Anschluss ausgespuckt werden soll. Dies sollte am besten in ein Papiertuch erfolgen, das in der Folge im Müll entsorgt werden kann. Um den Geschmack ein wenig zu beseitigen, kann der Mund im Anschluss an die Behandlung mit lauwarmem Wasser ausgespült werden. Im Frühstadium kann eine Parodontose geheilt werden. Die oben beschriebene Ölkur allein reicht jedoch nicht aus. Sie ist ausschließlich als Begleittherapie anzuwenden.

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Weiterführende Informationen

Weitere Informationen aus dem Bereich der Zahnmedizin:

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Zahnmedizin finden Sie unter: Zahnmedizin A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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