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Parodontose

Einleitung

Die Parodontitis, im Volksmund auch Parodontose genannt, ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (par= um; odontos= der Zahn). Weltweit wird die Häufigkeit einer schweren Parodontose auf bis zu 12% geschätzt, sie ist somit die sechsthäufigste Erkrankung.

Der Zahnhalteapparat hat die Aufgabe, den Zahn im Knochen zu verankern. Baut sich dieser entzündlich bedingt ab, kann es zur Zahnlockerung und letztlich zum Zahnverlust kommen. Oft treten bei diesem Prozess wenige bis keine Schmerzen auf.

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung chronisch (oft Erwachsene mittleren Alters), seltener treten aggressive Formen auf (meist junge, gesunde Patienten).
Lesen Sie auch weiter unter: chronische Parodontitis

Eine familiäre Häufung kann vorkommen.
Als sekundäre Risikofaktoren für die Entstehung einer Parodontitis gelten der Tabakkonsum, Stress, genetische Faktoren, Diabetes und Schwangerschaft. Da die Wundfläche (Ausmaß der Entzündung) bei einer schweren Parodontose die Größe einer Handinnenfläche bedecken könnte und Bakterien über die Blutbahn in den Blutkreislauf gelangen, werden systemische Erkrankungen und Einflüsse wie Herzerkrankungen, Frühgeburten und Lungenerkrankungen mit ihr in Verbindung gebracht. In letzter Zeit wurden auch immer mehr Studien veröffentlicht, die sich mit einer genetischen Komponente bei der aggressiven Parodontose beschäftigen. Die Parodontitis gilt somit als komplexe und multifaktorielle Erkrankung.

Ursachen

Eine Parodontose (eig. Parodontitis) wird durch bestimmte Bakterien und Entzündungsreaktionen im Körper verursacht. Somit ist die Anwesenheit von Bakterien eine zwingende Voraussetzung für die Entstehung einer Parodontose. Jedoch entwickelt nicht jeder Patient, bei dem diese Bakterien nachweisbar sind, zwangsläufig eine Parodontose. Die wichtigsten Bakterien, die als parodontitisfördernd eingestuft werden, sind „Aggregatibacter actinomycetemcomitans“ oder „Porphyromonas gingivalis“.

Bei der Entstehung der chronischen Form der Parodontose entsteht zunächst Plaque (weicher Belag auf den Zähnen), wird dieser nicht durch Putzen entfernt, entsteht nach einigen Tagen Zahnstein. Dieser stellt einen Reiz für das Zahnfleisch (Gingiva) dar, welches nach ca. 7 Tagen entzündlich reagiert (Gingivitis). Setzt nun eine optimierte Mundhygiene ein, heilt die Gingivitis nach ca. einer Woche wieder aus. Setzt sich diese Entzündung aber weiter fort, beginnt sich der Zahnhalteapparat u.a. bestehend aus Zahnfleisch und Knochen zurückzuziehen. Wir sprechen von einer Parodontose (Parodontitis). Hierbei gelangen Mikroorganismen und Zahnstein unter das Zahnfleisch (Konkremente) und es entstehen sogenannte Zahnfleischtaschen. Diese können zu Hause nicht mehr selbstständig gereinigt werden.

Im schlimmsten Fall kann es durch den Abbau, in Kombination mit der körpereigenen Immunantwort, zum nicht reversiblen Knochenverlust bis hin zur Zahnlockerung und Zahnverlust kommen. Gefördert wird der Abbau des Zahnhalteapparates durch sekundäre Faktoren wie Überbelastung (Knirschen), Zahnstellung (erschwertes Putzen), Rauchen oder falsche Ernährung. Bei Rauchern ist das Risiko an einer Parodontose zu erkranken 5x höher als bei Nichtrauchern. Die Abwehrlage ist geschwächt, die Wurzeloberfläche durch das Nikotin „imprägniert.“

Lesen Sie mehr zum Thema: Ursachen der Parodontose

Diagnose

Spätestens alle 2 Jahre erhebt der Zahnarzt bei der Kontrolluntersuchung (bzw. bei der Zahnreinigung die Prophylaxehelferin) den PSI (Parodontaler - Screening- Index) mit einer speziellen Sonde, die zwischen Zahn und Zahnfleisch eingeführt wird. Hierbei kann die Taschentiefe bestimmt werden. Dieser Index dient der Früherkennung parodontaler Erkrankungen. Man unterteilt dabei das Gebiss in Sextanten und vergibt Werte von 0 bis 4:

  • 0: keine Blutung erkennbar, gesunder Zahnhalteapparat, keine erhöhte Sondierungstiefe.
  • 1: Leichte Zahnfleischentzündung, Blutung, keine erhöhte Sondierung. Eine Zahnreinigung ist ratsam.
  • 2: Zahnstein, aber noch keine erhöhte Sondierung. Eine Zahnreinigung ist ratsam.
  • 3: Taschen ab 3,5mm bis 5,5mm werden gemessen. Es blutet, der Zahnhalteapparat ist entzündet. Dieser Wert deutet auf eine moderate Parodontose hin.
  • 4: Taschen ab 5,5mm werden gemessen, es blutet, eine Entzündung liegt vor. Dieser Wert spricht für eine schwere Parodontose. Bei den Werten 3 und 4 wird in der Regel eine Parodontosetherapie eingeleitet. Bei Unsicherheiten in der Diagnosestellung kann eine zusätzliche Keimtestung erforderlich sein (Mikrobiologische Diagnostik).

Die häufigsten Diagnosen sind chronische Parodontose und aggressive Parodontose.

Bei der chronischen Parodontose sind bakterielle Beläge, oft unzureichende Mundhygiene und Entzündungsreaktionen des Immunsystems vergesellschaftet. Sie verläuft oft schubweise und wird in die generalisierte (mehr als 30% aller Zahnflächen sind betroffen) und lokale Form (weniger als 30% aller Zahnflächen sind betroffen) unterteilt.

Informieren Sie sich unter: Chronische Parodontits

Bei der aggressiven Parodontose sind oftmals jüngere Patienten betroffen, die klinisch gesund sind und eine gute Mundhygiene aufweisen. Die Destruktion verläuft rasch und eine familiäre Häufung liegt zumeist vor. Auch diese Form der Parodontose wird in lokalen und generellen Befall (mehr als 3 Zähne sind betroffen, die nicht den ersten Backen- und Schneidezähnen angehören) unterteilt.

Erfahren Sie mehr dazu unter: Aggressive Parodontitis

Unterteilt werden Erkrankungen des Zahnhalteapparates zudem noch in Zahnfleischerkrankungen (Gingivopathien) und Abszesse, in Erkrankungen, welche im Zusammenhang mit Zahnwurzelerkrankungen (Endo-Paro-Läsionen) stehen oder als nekrotisierende Erkrankungen auftreten. Bei einer Endo-Paro-Problematik ist neben der Parodontosetherapie eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich.

Die Parodontose kann auch als Manifestation systemischer Erkrankungen wie Bluterkrankungen (z.B. Leukämie) oder genetischer Erkrankungen (z.B. Down-Syndrom) auftreten. Tritt eine Parodontose um ein Implantat (künstliche Zahnwurzel mit Krone) auf, spricht man von einer Periimplantitis. Bei einer Periimplantitis misst der Zahnarzt Sondierungstiefen von 5mm und mehr, eine Entzündung um das Implantat und Knochenabbau liegen vor. Kann dies nicht durch konventionelle oder chirurgische Maßnahmen kontrolliert werden, ist gegebenenfalls eine Implantatentfernung (Explantation) nötig.

Zahnfleischtaschen

Die sogenannten Taschen bilden sich zwischen Zahn und Zahnfleisch aus. Bei einer gesunden Gingiva liegt das Zahnfleisch dem Zahn direkt an, sodass die Zahnfleischfurche höchstens 0,5 mm bis 1,5 mm tief ist. Kann man mit einem Instrument tiefer hinein, deutet dies auf eine krankhafte Veränderungen hin, denn das Zahnfleisch sollte am Zahn über Fasern befestigt sein und eng anliegen, sodass sie nicht mit einer Zahnarztsonde tastbar ist. Man unterscheidet zusätzlich noch Pseudotaschen und Rezessionen.

Pseudotaschen entstehen, wenn das Zahnfleisch am Zahn anschwillt und am Zahn entlang hoch wächst. So verlängern sich die Taschen scheinbar, weil der Weg bis zur befestigten Gingiva wächst. Oft ist dies die Folge von Medikamenten (bspw Immunsuppressiva).

Von Rezessionen spricht man, wenn das freie Zahnfleisch oder sogar das befestigte Zahnfleisch zurück geht und der Zahnhals oder die Wurzel frei liegt. Es ist zwar vielleicht keine Tasche mehr tastbar, man rechnet den Zahnfleischrückgang dennoch als solche dazu.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zahnfleischtasche

Symptome

Eine Parodontose tritt häufig schmerzfrei auf und wird daher erst bei beginnender Zahnlockerung oder Zahnwanderung wahrgenommen. Ein frühes Anzeichen kann Zahnfleischbluten sein oder eine Zahnfleischschwellung. Eiter und ein schlechter Geschmack können ebenso Warnhinweise sein. Auch sollte bei einem schlecht einstellbaren Diabetes an eine Parodontose-Abklärung gedacht werden. Viele Parodontosepatienten nehmen zudem Mundgeruch wahr (Halitosis). Dieser wird meist durch Schwefelverbindungen gramnegativer Bakterien ausgelöst.

Komplikationen / Folgen

Auch wenn die Parodontitis sich augenscheinlich nur im Mund abspielt, spielt sie eine große Rolle für den restlichen Körper. Die Folge von einer unbehandelten Parodontitis ist der Zahnverlust. Durch die Entzündung wird nach und nach das Zahnfleisch, der Zahnhalteapparat und der Knochen abgebaut, sodass die Zähne nicht mehr fest stabilisiert sind. Es ist schwierig, eine Prothese an Zähne zu b, die nur noch wenig in festem Knochen stehen. Ist zu wenig Knochen vorhanden, lassen sich auch nur schwierig Implantate einsetzen. Fehlende Kaufunktion beeinträchtigt die Lebensqualität und führt auch zu schlechterer Ernährung.

Komplikationen ergeben sich bei Patienten mit Herz- Kreislauf Problemen, Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder Frauen in der Schwangerschaft. Eine unbehandelte Parodontitis steigert das Risiko für eine Frühgeburt. In Studien hat sich gezeigt, dass schlecht oder falsch eingestellte Diabetes-Patienten im Vergleich zu gut eingestellten, eher an Parodontitis erkrankt sind. Die Sterberate durch Diabeteskomplikationen sind bei Patienten mit Parodontitis mehr als 8 mal so hoch als bei Parodontitis-freien Diabetikern. Ähnlich verhält es sich bei Patienten mit Herz- Kreislauf Erkrankung. Wer an Parodontitis leidet, hat ein 2,3 faches Risiko, an seiner Allgemeinerkrankung zu versterben als Zahn-gesunde Herz- Patienten. Außerdem wird vermutet, dass Parodontitispatienten tendenziell eher an Osteoporose erkranken. Durch den Zusammenspiel von Körperblutkreislauf und Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen, ist das Risiko, an einer Arteriosklerose zu erkranken erhöht. Somit steigt die Gefahr eines Herzinfarktes.

Therapie

Bei Auffälligkeiten im Parodontose-Screening (s.o., Wert 3 und 4) wird ein Röntgenbild (OPG) angefertigt und im ersten Schritt eine Zahnreinigung empfohlen. Hierbei werden die Zähne angefärbt, um Bakterien sichtbar zu machen und Putztechniken zu verbessern. Zudem werden Plaque, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und Indizes (z.B. Plaque-Index) erhoben. Die Behandlung dauert in der Regel ca. 1 Stunde und ist zumeist eine Privatleistung (bei gesetzlich versicherten Patienten). Nun kann eine oberflächliche Entzündung ausheilen und nach etwa 2 Wochen die parodontale Situation erneut begutachtet werden. Hierbei misst der Zahnarzt (oder eine Dentalhygienikerin) die sogenannten Taschentiefen mit einer Millimetersonde und notiert die Werte in einem Statusblatt. Sind Taschen von 3,5mm und mehr messbar, wird bei der Krankenkasse eine Parodontitistherapie beantragt.

Nach dieser Initialen Phase werden in meist zwei Sitzungen die Zahnfleischtaschen unter lokaler Betäubung mit Ultraschall und Handinstrumenten gereinigt. Manchmal kommt unterstützend ein Laser zum Einsatz. In einigen Fällen ist eine Antibiotikaeinnahme erforderlich. Schmerzmittel können verschrieben und eine Krankmeldung bei Bedarf ausgestellt werden. Zusätzlich muss der Patient nach der Therapie meist mit einer chlorhexidinhaltigen Mundspülung arbeiten. Ziel ist es, entzündungsfreie Verhältnisse zu schaffen und weiteren Knochenabbau zu verhindern.

Nach etwa 3 Monaten erfolgt ein Kontrolltermin. Es wird erneut ein parodontaler Status erhoben und nachgemessen. Ist die Entzündung komplett zurückgegangen und die Parodontose „stabil“, schließt sich der Recall an. Dieser umfasst regelmäßige Zahnreinigungen und Nachkontrollen, in schweren Fällen alle 3 Monate. Sollten bei der Reevaluation jedoch noch blutende, entzündliche Resttaschen sondierbar sein, werden diese entweder erneut gereinigt, mittels Laser, Pulverstrahlgeräten oder lokalem Antibiotikum therapiert oder chirurgisch entfernt.

Die komplette chirurgische/resektive Therapie (sog. „Aufklappen“ und Reinigen „unter Sicht“) ist heute eher selten und beschränkt sich meist auf einzelne Bereiche nach vorausgegangener geschlossener Therapie. Voraussetzung ist eine Resttasche von mindestens 5 mm Tiefe und Entzündungszeichen wie Blutung oder Eiteraustritt (Pus). Zusätzlich bietet sich bei Parodontose in vielen Fällen auch eine regenerative Therapie an, d.h. verlorengegangener Knochen wird wieder aufgebaut. Hierbei kommen Knochenersatzmaterialien, aber auch Membranen oder Schmelzmatrixproteine zum Einsatz. Stark gelockerte, aber noch erhaltungswürdige Zähne werden im Rahmen der Parodontose-Therapie geschient. Diese Schienung fördert durch Ruhigstellung die Heilung des Zahnhalteapparates, stabilisiert und verhindert weitere Zahnwanderungen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Parodontosebehandlung

Prognose

Unbehandelt kann eine Parodontose (eig. Parodontitis) zum Zahnverlust führen. Bereits verlorengegangener Knochen kann in den meisten Fällen nicht mehr vollständig regeneriert werden. Ziel ist es jedoch, einem weiteren Abbau entgegenzuwirken. Eine lebenslange Nachsorge, eine optimale Mundhygiene und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen sind notwendig, um eine stabile parodontale Situation zu schaffen. Eine Raucherentwöhnung ist ebenso förderlich, da Rauchen die Erkrankung fördert und Raucher schlechter auf eine Parodontosetherapie ansprechen.

Kosten

Liegt eine schwerwiegende Zahnbettentzündung (Parodontitis, im Sprachgebrauch auch Parodontose) vor, wird die Behandlung in der Regel durch die Krankenkasse bezahlt. Die Erstattung muss aber vor Beginn der Behandlung bei der gesetzlichen Krankenkasse beantragt und genehmigt werden.

Der Nachteil ist, dass die Krankenkasse erst ab einem bestimmten Schweregrad die gesamten Anteile übernimmt. Liegen die Taschentiefen bei 3,5 mm und mehr, wird der Heil- und Kostenplan genehmigt. Voraussetzung ist, eine gute Mundhygiene und eine Anleitung, wie man diese korrekt durchführt. Hier können Kosten von bis zu 26 € entstehen. In einigen Fällen muss die Vorbehandlung, meistens eine Professionelle Zahnreinigung, selbst bezahlt werden, vor allem dann, wenn die Parodontitis noch nicht so weit fortgeschritten ist. Die Kosten für eine Professionelle Zahnreinigung variieren je nach Zahnarzt zwischen 80 und 150 Euro. Die Krankenkassen übernehmen nur die Standardtherapie. Wer eine Behandlung mit Laser oder anderen modernen Produkten wünscht, muss gegebenenfalls privat etwas dazu zahlen.

Kann man Parodontose heilen?

Wer einmal am Zahnfleisch erkrankt ist, muss sein Leben lang besonders regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Meistens werden die Patienten nach erfolgter Parodontitistherapie im Halbjahresrhythmus zum sogenannten Recall einbestellt. In diesem Sinne ist die Erkrankung nicht heilbar.

Allerdings gehen die Symptome der Parodontitis weg, sobald die Therapie angeschlagen hat und beendet wurde. Die irreversiblen, also nicht rückgängig zu machenden, Folgen der Parodontitis wie Zahnfleischschwund  und Knochenverlust lassen sich nur durch weitere Therapien behandeln.

Bei Patienten, die im jugendlichen Alter bereits von aggressiver Parodontitis betroffen sind, werden immer wieder Behandlungen notwendig sein, um die Erkrankung in Schach zu halten, denn die Krankheit zeichnet sich dadurch aus, dass sie schnell zerstörend wirkt, sobald die Hygiene nicht sehr genau eingehalten wird. Außerdem muss man zusätzliche Putzmaßnahmen einführen, die ein zahn-gesunder Patient nicht durchführen muss.

Erfahren Sie mehr unter: Heilung der Parodontitis

Wie schmerzhaft ist eine Parodontitisbehandlung?

Für Schmerzen gibt es keine einheitliche Gradeinteilung. Die Schmerzempfindung ist subjektiv. Das bedeutet, jeder Patienten empfindet sie als unterschiedlich schmerzhaft. Außerdem kommt es darauf an, wie stark das Zahnfleisch bereits gereizt oder empfindlich ist. Generell schmerzt eine einfache Professionelle Zahnreinigung am Zahn nicht. Muss man jedoch unter das entzündete Zahnfleisch, schmerzt die Berührung. Die Behandlung mit einem Ultraschallgerät merkt man dementsprechend noch mehr.

Werden die Taschen gereinigt, wird in der Regel eine Betäubungsspritze gesetzt. So sollte die Behandlung völlig schmerzfrei verlaufen. Ist die Entzündung akut, kann es passieren, dass die Betäubungsmittel nicht richtig wirken können. 

Lesen Sie auch: Lokalanästhesie beim Zahnarzt

Bei Operationen nach dem geschlossenen und offenen Verfahren, oder Operationen, um das Zahnfleisch wieder her zu stellen, wird immer mit einer Betäubung gearbeitet, sodass man keinen Schmerz mehr spürt. Nach der Behandlung können Schmerzen auftreten, sobald die Betäubung nachlässt. Das kommt daher, dass die Weichgewebe durch Schnitte oder Nähte irritiert und gereizt werden.

Gegen die Schmerzen helfen meistens schon niedrig dosierte Schmerztabletten.

Wie sinnvoll ist eine Parodontitisbehandlung?

Um das entzündete Zahnfleisch mitsamt Zahnhalteapparat und umgebenden Knochen wieder zu heilen, ist die Therapie einer Parodontitisbehandlung unumgänglich. Die Folgen einer Parodontitis sind Zahnverluste und ein Rückgang des Knochens. Außerdem kann die Parodontitis auch Folgen für das System Körper haben.

Sie stellt ein Risiko dar für Patienten mit Diabetes Mellitus, mit Herzerkrankungen oder für Schwangere und deren Baby. Außerdem erhöht eine Parodontitis die Wahrscheinlichkeit, eine Arterioklerose oder einen Schlaganfall zu bekommen um 15-20%. Hat sich die Parodontitis einmal festgesetzt, ist es dem Körper nicht möglich, dagegen anzukämpfen.

Wird eine Parodontitis nicht behandelt, finden zerstörende Prozesse im Mundbereich statt. Das Zahnfleisch schwillt an und verliert seine Verbindung zum Zahn. Der Faserapparat wird nach und nach zerstört, was zur Folge hat, dass das Zahnfleisch mit der Zeit zurück geht. Wird neben dem Bindegewebe auch der Knochen befallen, kommt es zu Zahnlockerungen und unwillkürlich zu deren Verlust. Statt der eigenen Zähne müssen Prothesen angefertigt werden, oder Zähne ersetzt werden, um die Kaufunktion wieder her zu stellen.

Da die Parodontitis auch eine häufige Begleiterscheinung von vielen Krankheiten wie HIV oder anderen systemischer Krankheiten ist, ist es wichtig, das Zahnfleisch schnellstmöglich zu behandeln.

Dauer der Behandlung

Wie lange eine Behandlung dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen ist wichtig, wie stark die Parodontitis fortgeschritten ist. Außerdem ist die Art der Erkrankung relevant, denn eine aggressive Parodontitis muss wahrscheinlich über das gesamte Leben behandelt werden, wohingegen man eine leichte Entzündung innerhalb von 3-6 Monaten in den Griff bekommt. Die Behandlung beginnt mit einer professionellen Zahnreinigung. Werden die Zähne ordentlich geputzt, sodass der Zahnarzt die Mitarbeit des Patienten erkennt, werden die Zähne unterhalb des Zahnfleisches gereinigt. In gewissen Fällen muss das Zahnfleisch operativ geöffnet werden, sodass auch die Zahnwurzeln gereinigt werden können was auch einige Zeit in Anspruch nimmt. Nach 3 und 6 Monaten wird das Zahnfleisch kontrolliert und je nach Zustand ist die Behandlung abgeschlossen. Für die weitere Behandlung mit Prothesen oder Implantaten benötigt man wiederum Zeit, je nach dem wie stark der Knochen befallen wurde, muss dieser zusätzlich behandelt werden.

Risiken der Behandlung

Neben allgemeinen Risiken wie Wundheilungsstörungen treten nach einer Parodontose-Therapie hauptsächlich ästhetische Einbußen oder sensible Zahnhälse auf. Beides ist auf den Rückgang der Entzündungen verbunden mit einem Abschwellen des Gewebes zurückzuführen. Die Zähne wirken bei einigen Patienten verlängert oder lückig, hier helfen prothetische Maßnahmen oder Füllungstherapien. Zur Desensibilisierung der Zahnhälse werden u.a. Fluoridlacke empfohlen.

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Zur besseren Wundheilung werden insbesondere CHX-Präparate für den täglichen Gebrauch zu Hause empfohlen. Diese können bei zu langem Gebrauch (2-4 Wochen ist die maximale Anwendungsdauer) zu schnellerer Zahnsteinbildung, Verfärbungen und Geschmacksirritationen führen. All diese Nebenwirkungen bleiben nicht dauerhaft.

Hausmittel

Die Parodontitis ist eine Krankheit, die schon seit Ewigkeiten in unserer Gesellschaft bekannt ist. Dementsprechend wurden schon sehr viele Hausmittel getestet und ausprobiert. Wichtig ist, das Immunsystem stark und aufrecht zu erhalten. Gegen einige krankheitserregende Bakterien kann es selbst ankämpfen und somit eine Entzündung verhindern. Gesundes, vitaminreiches und zuckerarmes Essen hilft, die Parodontitis zum Teil zu verhindern. Außerdem sollten die Zähne gründlichst gereinigt werden. Es ist sehr wichtig, die Zähne und den gesamten Mundraum mechanisch zu säubern. Werden die Bakterien regelmäßig durch das Putzen entfernt, führen sie nicht zur Entzündung.

Es helfen auch antibakterielle Mundspüllösungen, die zum Beispiel Chlorhexidin  enthalten. Wasserstoffperoxid wirkt desinfizierend. In verdünnter Form, also als einprozentige Lösung, kann man es auch als Mundspülung verwenden. Außerdem stoppt es eventuelle Zahnfleischblutungen. In Notfällen genügt auch ein hochprozentiger klarer Schnaps, der durch den hohen Alkoholgehalt Bakterien tötet. Wenn es möglich ist, sollte dieser 60 Sekunden lang im Mund gegurgelt werden. Auch der Rachenbereich kann damit desinfiziert werden, um möglichst viele Bakterien abzutöten. Nach dem Gurgeln sollten alle Mundspülungen wieder ausgespuckt werden.

Hausmittel wie Backpulver, Salz und Zitronensäure sind mit Vorsicht zu genießen. Auf Dauer zerstören sie den Schmelz und irritieren das Zahnfleisch. Der Ergebnis mehrerer Studien zeigt, dass Grüner Tee und Kräutertees wie Salbei und Kamille antibakterielle Stoffe enthalten. Ein uraltes Hausmittel ist das Ölziehen. Durch Nelkenöl oder Teebaumöl werden Nahrungsreste gebunden und die Bakterienwände aufgebrochen. Das Ergebnis ist, dass viele Bakterien im Öl zugrunde gehen. Das Öl sollte 2 mal täglich durch Mund und Zähne gespült werden.

Die beste Therapie ist jedoch die Kombination aus zahnärztlicher Behandlung und eigener Mundhygiene durch ordentliches Putzen, Mundspülung und Zahnzwischenraumbürsten.

Homöopathie

Die Einnahme von Globuli ist als unterstützende Therapie gedacht. Auch Schwangere greifen gerne auf die Kügelchen zurück, weil sie eventuelle Nebenwirkungen von Medikamenten umgehen möchten. Wichtig ist aber, dass Homöopathie alleine bei einer schwerwiegenden Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates nichts bewirken kann. Gegen die Entzündung als zusätzliche Therapie eignet sich Mercurius solubilis. 3 mal täglich werden 5 Globuli eingenommen. Über einen Zeitraum von 8-10 Tagen kann es helfen, die Entzündung einzudämmen. Außerdem gibt es Homöopathika wie Arnica gegen die Schmerzen. Sinnvoll sind auch homöopathische Tinkturen, die man direkt auf das Zahnfleisch Tropfen oder einmassieren kann. Ein Beispiel ist Hydrastis canadensis.

Laser

Die Lasertherapie ist nicht nicht sehr erprobt und deswegen auch noch nicht weit verbreitet. Dennoch findet sie immer häufiger Anwendung im Bereich der Zahnfleischbehandlung. Die Laserarten werden in 2 Gruppen unterteilt. Einmal mit starker und einmal mit schwacher Energie. Grob gesagt entfernen die Hochenergie-Laser abgestorbenes Material, während die Laser mit niedriger Energie die Regeneration verbessern. Man hofft, dass durch den Laser auch Bakterien zerstört werden und das Zahnbett ein besseres Milieu erhält. Der Vorteil von Lasern ist die leichte Handhabung. Teilweise erreicht man Stellen, die wegen der Anatomie durch Handinstrumente nur schlecht erreicht werden können.

Mundspülung

Jegliche Art von Mundspülungen sind ein wichtiger Bestandteil in der Parodontitistherapie. Als Hausmittel werden gerne Kräuter wie Kamille, Salbei oder Ingwer aufgegossen und zum Spülen benutzt. Genauso kann man Teebaumöl oder Nelkenöl in Wasser geben und als Mundspülung benutzen. Wenn man die besser wirkenden industrielle Mundspülungen benutzt, sollte man darauf achten, dass sie besonders für das Parodont, also den Zahnhalteapparat, oder gegen Mundgeruch wirken. Beispiele sind Parodontax®, Meriodol Halitosis® oder „Sicherer Atem“®.

Sehr oft werden Mundspülungen verschrieben, die als Inhaltsstoff Chlorhexidin enthalten. Der Stoff CHX ist antibakteriell und vermindert die Keimzahl im Mundbereich.

Schüssler-Salze

Die Salze werden gerne von Heilpraktiker verschrieben, um jegliche Art von Zahnerkrankung zu behandeln. Sie sind sehr in der Alternativmedizin erprobt und werden zu homöopathischen Heilmitteln gezählt. Vor Gebrauch sollte man Rücksprache mit seinem Zahnarzt halten, da Therapiemaßnahmen aus der wissenschaftlichen Medizin zusätzlich angewendet werden müssen. Grundsätzlich werden die Salze 3-5 mal am Tag eingenommen. Gegen starke Zahnfleischentzündungen hilft es, Kalium phosphoricum (Nummer 5) im Mund zergehen zu lassen. Bei zurückgehendem Zahnfleisch greift man auf Schüssler Salz Nr.1 zurück, Calcium fluoratum. Bei chronischer Parodontitis sind die Süssler Salze Nr. 2 zur Langzeitbehandlung vorgesehen.

Ist Parodontitis ansteckend?

Da die Krankheit durch Bakterien ausgelöst wird, ist es möglich, dass durch Bakterienübertragung auch die Krankheit selbst übertragen werden kann. Die spezielen aggressiven Bakterien einer Parodontitis befinden sich direkt auf der Zahnoberfläche und unterhalb des Zahnfleisches. Wasser zum Beispiel spült die Plaque, den Zahnbelag in dem die Bakterien sitzen nicht einfach ab. Durch Tröpfchen kann die Krankheit also nicht so einfach übertragen werden. Beim direkten Kontakt, beispielsweise beim intensiven Küssen, können aber einige Bakterien übertragen werden. Man sollte auf jeden Fall vermeiden, dass man zu zweit eine gemeinsame Zahnbürste benutzt. So werden Bakterien, die beim Zähneputzen gelöst werden, über die Zahnbürste in das Zahnfleisch der zweiten Person übertragen.

Ist die Übertragung erfolgt, heißt das nicht, dass die Parodontitis bei der anderen Person auch ausbricht. Hier spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle. Ob und in welchen Maße die Entzündung ausbricht, hängt vom eigenen Immunsystem und der täglichen Zahnhygiene  ab. Bei einer aggressiven Parodontitis sollte man besonders vorsichtig mit dem Kontakt sein, denn die Bakterien, die diese Krankheit auslösen, sind wie der Name beschreibt, sehr aggressiv und resistent gegen Abwehrversuche.

Prophylaxe

Wichtig ist die richtige und regelmäßige (mind. 2 mal am Tag) Zahnpflege. Nicht nur die Kau-, Außen- und Innenflächen, sondern auch zwischen den Zähnen sollte mittels Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürsten  gereinigt werden. Auch die Zunge muss einmal am Tag mit einem Zungenreiniger abgezogen werden. Bei Mundgeruch kommen antibakterielle Mundspülungen mit Zink zum Einsatz. Zudem sind regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigungen ratsam.

Lesen Sie mehr zum Thema: Parodontose Prophylaxe

Anzeichen

Erste Symptome einer Parodontitis zeigen sich bereits als einfache Zahnfleischentzündung  (Gingivitis). Die Gingivitis ist immer einer Parodontitis vorgeschaltet, jedoch muss sich nicht zwangsläufig eine Parodontitis entwickeln.

Erfahren Sie mehr unter: Symptome einer Zahnfleischentzündung

Grundsätzlich entsteht bei Entzündungen Wärme, das Zahnfleisch wird rötlich gefärbt und schwillt an. Zunächst treten keine Schmerzen auf. Bewusster Schmerz kommt erst, wenn die Zahnfleischentzündung weiter fortschreitet und man von einer Parodontitis spricht. Die Zähne tun meist beim Kauen weh, das Zahnfleisch, wenn man es berührt.  Der Zahnbelag befindet sich nicht nur oberhalb, sondern auch unterhalb des Zahnfleisches. Sobald sich dort Taschen ausbilden, können dort leicht Essensreste hängen bleiben. In schwerwiegenden Fällen tritt Eiter aus dem Zahnfleisch aus. Dies führt auch zum Mundgeruch.

Stadien

Die Vorstufe einer Entzündung, die den gesamten Zahnhalteapparat betrifft, ist die einfache Zahnfleischentzündung, auch Gingivitis genannt. Sie geht auch von Bakterien aus, deren Symptome sind aber weniger stark ausgeprägt. Bekommt man die Zahnfleischentzündung nicht in den Griff, kann sie sich leicht auf weitere Weichteile ausbreiten. Die Bakterien wandern weiter am Zahn entlang in die Tiefe. Mit der Zeit befällt die Entzündung auch den Faserapparat und kann sogar auf den Knochen überspringen. Dies entspricht bereits dem Krankheitsbild der Parodontitis. Da die Symptome fließend sind, und nicht bei jedem Patienten gleich sind, kann man verschiedene Stadien nicht klar abgrenzen.

Mundgeruch

Die unangenehmen Gerüche entstehen durch Abfallprodukte von Bakterien, die zur Bildung des Zahnbelages beitragen. Sie wandeln Nährstoffe in schlecht riechende Produkte um. Am meisten handelt es sich um einfache Zucker, die in Buttersäure oder Ammoniak umgewandelt werden. Auch schwefelhaltige Produkte können entstehen. Außerdem entstehen beim Zerstören von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat Verwesungsprodukte, die den Mundgeruch ebenfalls auslösen können. Der Geruch ist meist sehr säuerlich und beißend. Mit der Parodontitisbehandlung verschwindet der Mundgeruch meist schnell.

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Keime

Es gibt mehrere Keime beziehungsweise Bakterien, die eine Parodontitis hervorrufen. Diese Bakterien heften sich an die Zahnoberfläche. Durch zuckerreiche Nahrung können sie sich vermehren und besiedeln die Zahnoberfläche als festhaltenden Biofilm. Sie ermöglichen, dass weitere Bakterien sich anheften können. Sog. Spätbesiedler kommen meist in hoher Zahl und ändern das Mundmilieu. Sie sind dafür verantwortlich, dass Mundgeruch entsteht. Parodontitis kann aber auch durch Herpesviren oder Pilze wie Candida albicans ausgelöst werden. Wichtig ist auch, bei einer bestehenden Parodontitis möglichst wenig fremde Keime in den Mund zu lassen. Durch die dauerhafte Entzündung entstehen kleine offene Wunden, durch die die Keime in die Blutbahn gelangen können.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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