Folgen Sie uns auf:


Madenwurm (Enterobius vermicularis)

Was ist ein Madenwurm (Enterobius vermicularis)?

Madenwürmer (Enterobius vermicularis aus der Spezies der Fadenwürmer) sind Parasiten, die ausschließlich den Menschen befallen.
Sie leben und vermehren sich im menschlichen Dickdarm und legen ihre Eier auf der Haut rund um den Anus ab.

Madenwürmer werden zwischen 2 mm (Männchen) und rund 10 mm (Weibchen) groß, sind fadenförmig und charakteristisch weiß.
Die Größe der Eier liegt im Micrometerbereich und sind mit dem menschlichen Auge kaum zu erkennen.  Das Krankheitsbild des Madenwurmbefalls wird Enterobiose genannt.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Parasiten im Darm 

Wie ist der Übertragungsweg?

Der Lebenszyklus des Madenwurms läuft innerhalb des menschlichen Verdauungssystems ab. Nach der Paarung  wandern die Weibchen nachts zum Darmausgang und legen auf der Analhaut ihre Eier ab.
Diese bleiben dort kleben und verursachen einen ausgeprägten Juckreiz.

Durch Kratzen gelangen die Eier auf die Hände der infizierten Person und können so verteilt werden. Es erfolgt entweder eine wiederholte Ansteckung durch Führen der Hände zum eigenen Mund oder eine Übertragung auf andere Personen durch Hinterlassen der Eier auf Gegenständen, Türklinken etc. bei Berührungen  (sog. fäkal-oraler Infektionsweg).

Vereinzelt wurde auch eine Ansteckung durch das Einatmen aufgewirbelten eierhaltigen Staubs beschrieben, da die Eier bis zu zwei Wochen überlebensfähig sind.

Ursachen für eine Erkrankung

Eine konkrete Ursache für die Infektion mit Madenwürmern gibt es nicht.
Sie ist eine der häufigsten parasitären Erkrankungen des Menschen, laut Lehrmeinung erkranken 50% aller Menschen einmal in ihrem Leben an Enterobiose, die Zahl der Infizierten liegt bei über einer Milliarde.

Eine Ansteckung mit Madenwürmern sagt nichts über das Immunsystem eines Menschen aus, jeder kann daran erkranken.
Generell ist die Verbreitung unter Kindern deutlich häufiger als unter Erwachsenen (s.u.).

Als einzige Ursache für eine Verbreitung von Madenwürmern kann mangelnde Händehygiene betrachtet werden. Die Hände sind der Überträger vom Ablageort der Eier zur Eintrittspforte in den Körper.
Durch gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang kann dieser Infektionskreislauf unterbrochen und eine Ansteckung weiterer Personen vermieden werden.

Diagnose einer Enterobiose

Als Wegweiser zur Diagnose Madenwurmbefall (Enterobiose oder auch Oxyuriasis) dient der anale Juckreiz.
Daraufhin wird ein sog. Klebestreifenpräparat vom Anus gefertigt. Dabei wird eine Art Tesafilm auf den Anus geklebt und wieder weggenommen, um den Nachweis von Wurmeiern zu liefern.
Dieses Klebestreifenpräparat wird dann mikroskopisch untersucht, um die Eier darzustellen.

Dies gilt als sicherer Beweis für die Diagnose Madenwurmbefall. Anstelle des Klebestreifens wird häufig auch eine Stuhlprobe verwendet, um die Eier oder die Würmer selbst nachzuweisen.
Desweiteren ist im Blut häufig eine Eosinophilie festzustellen, eine Erhöhung bestimmter weißer Blutkörperchen, welche speziell auf Parasiten reagieren.

Auch eine Erhöhung der IgE Antikörper kann auf eine Infektion mit Parasiten hinweisen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Würmer im Darm

Warum treten sie gerne bei Kindern auf?

Kinder haben noch kein sonderlich ausgeprägtes Hygiene-Verhalten. Das Händewaschen nach dem Toilettengang wird häufig vergessen oder ist gar unliebsam, die Hände landen öfter im Mund, einem Juckreiz wird einfach nachgegeben und gekratzt, auch wenn sich die juckende Stelle am Hintern befindet.

Besonders tückisch ist der nächtliche Juckreiz am Anus, wo unbewusst im Schlaf gekratzt wird und somit die Eier aufgenommen werden. Auch in Kindergärten und -tagesstätten ist eine Verbreitung einfacher möglich, da nicht bei jedem Kind das Händewaschen nach dem Toilettenbesuch überprüft werden kann.

Es wird gemeinsam gespielt, das selbe Spielzeug angefasst und die Würmer verbreiten sich ungehindert. Die Kinder bringen die Würmer mit nachhause, wo sich auch die Familie anstecken kann.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit ist recht lang und beträgt fünf bis sechs Wochen, was der Entwicklung von geschlechtsreifen Würmern aus den abgelegten Eiern entspricht.

Madenwürmer haben mehrere Larvenstadien, die sie nach dem Schlüpfen durchlaufen. In der Regel erfolgt die Infektion mit den Eiern, die Würmer entwickeln sich dann während der Passage durch das Verdauungssystem und bleiben im Darm, wo sie sich paaren.

Die ersten Symptome (meist Juckreiz) treten durch die Eiablage am Anus auf.

Was können Anzeichen für einen Madenwurmbefall sein?

Das typische Symptom bei Madenwurmbefall ist der anale Juckreiz, welcher durch die abgelegten Eier ausgelöst wird.
Häufig sind die Würmer auch mit bloßem Auge im Stuhl zu erkennen. Sie stellen sich dar als spitz zulaufende, hell weiße, bis zu 12 mm lange, fadenförmige Gebilde.

Die kleineren Männchen sterben nach der Paarung ab und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Sie sind nur bis zu 5 mm lang und daher leichter zu übersehen.
Die größeren Weibchen können auch lebendig ausgeschieden werden und fallen daher manchmal durch Bewegung im Stuhl auf.

Begleitende Symptome

Das bei Madenwurmbefall klassische Symptom des Juckreizes am After kann noch von weiteren Symptomen begleitet werden.
Gerade bei Kindern kann es im Laufe der Erkrankung zu Verhaltensauffälligkeiten und auch Wachstumsverzögerungen kommen.

Durch den nächtlichen Juckreiz schlafen die Kinder schlechter, was sich tagsüber durch aus Übermüdung resultierendes, auffälliges Verhalten zeigt. Seltener kann es auch zu Bauchschmerzen kommen (s. u.).
Ein häufigeres Phänomen bei Madenwurmbefall ist dagegen ein Übergreifen der Infektion auf den Genitalbereich bei Mädchen.

Die Eier können beim Toilettengang auch auf die Vulva verteilt werden, wo ebenfalls Würmer schlüpfen können. Diese führen zu Entzündungen der Vulva und Vagina und können dort makro- bzw. mikroskopisch nachgewiesen werden.

Juckreiz

Juckreiz ist das charakteristische Symptom bei Madenwurmbefall, welches die Infizierten meist zum Arzt führt.
Er tritt hauptsächlich nachts und in der Analregion auf.

Der Juckreiz führt zur Aufnahme der Wurmeier auf die Finger und ist für die weitere Verteilung bzw. Ansteckung verantwortlich.

Schmerzen

Bei länger andauernder Infektion und stetiger Vermehrung der Würmer im Darm kann es dort zu Entzündungen kommen.
Diese führen zu Bauchschmerzen und -krämpfen, die sich wie eine Blinddarmentzündung äußern können, bis hin zur fulminanten Peritonitis (Bauchfellentzündung).

Solche Verläufe sind allerdings recht selten. Bei Kindern können solche Entzündungen wiederum zu Hemmungen des Wachstums führen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Peritonitis

Behandlung und Therapie

Madenwurmbefall sollte möglichst immer medikamentös behandelt werden. Dazu stehen eine Reihe von antiparasitären Substanzen zur Verfügung (s. u.).

Ergänzend können auch weitere Maßnahmen ergriffen werden. Diese dienen meist dazu, die weitere Ausbreitung und Ansteckung anderer Familienmitglieder zu verhindern. Unterwäsche mit einem engen Bund kann das nächtliche Kratzen am After möglicherweise unterbinden. Auch gekürzte Fingernägel helfen die Aufnahme und Verteilung der Eier zu vermindern.

Ist ein Befall mit Madenwürmern bekannt, sollte während der Behandlung und noch etwa zwei Wochen danach eine sorgfältige Händehygiene eingehalten werden. Benutzte Handtücher, Bettwäsche und Kleidung sollten bei mindestens 60° gewaschen werden. Möglicherweise kontaminierte Oberflächen und Gegenstände können durch Abwaschen mit heißem Wasser gut von anhaftenden Eiern gereinigt werden.

Ebenfalls ist es ratsam, morgens nach dem Aufstehen zu duschen, bevor die über Nacht abgelegten Eier verteilt werden können. Durch diese Maßnahmen wird das Risiko einer wiederholten Selbst-Infektion und der Ansteckung anderer minimiert.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: 

Mit welchen Medikamenten wird behandelt?

Medikamente, die gegen Fadenwürmer, wie auch den Madenwurm, wirksam sind, werden Anthelminthika genannt.

Die am häufigsten verschriebenen Wirkstoffe sind Mebendazol (z.B. Vermox) und Pyrantel (z.B. Helmex). Auch Tiabendazol, Piperazinderivate und Pyrvinium können eingesetzt werden.

Alle Wirkstoffe töten sowohl die ausgewachsenen Würmer wie auch ihre Larvenstadien ab. Meist wird eine Einmaldosis verabreicht, welche nach zwei Wochen wiederholt eingenommen werden sollte, um die Würmer auch wirklich loszuwerden.

Es wird empfohlen, auch engere Familienmitglieder mitzubehandeln, z. B. die Eltern betroffener Kinder, auch wenn diese noch keine Symptome bei sich bemerken. Die meisten Wirkstoffe wirken hauptsächlich im Darm und werden kaum resorbiert, dennoch kann es gelegentlich zu Nebenwirkungen kommen.

Gibt es auch rezeptfreie Medikamente?

Der Wirkstoff Pyrvinium (z.B. Molevac) kann rezeptfrei in der Apotheke bezogen werden.

Er wirkt nur gegen den Madenwurm, wohingegen die anderen Substanzen ein breiteres Wirkspektrum haben und auch bei anderen Wurmerkrankungen eingesetzt werden können. Mebendazol, Pyrantel und andere sind rezeptpflichtig und müssen vom Arzt verschrieben werden.

Bei Verdacht auf Wurmbefall sollte jedoch nicht eigenmächtig therapiert werden. Eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose und Anpassung der Therapie an das Ausmaß des Befalls und andere Faktoren, wie beispielsweise Alter und Körpergewicht, sind nötig.

Kann Homöopathie helfen?

Eine Wirksamkeit homöopathischer Therapien ist laut der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage nicht bewiesen.
Da die Würmer ohne adäquate Therapie weiter verteilt und andere Personen angesteckt werden können, ist immer eine medikamentöse Therapie zu empfehlen.

Wenn gewünscht, können zusätzlich auch homöopathische Mittel eingesetzt werden.
Sie ersetzen jedoch nicht die Behandlung mit Antihelminthika

Madenwürmer in der Schwangerschaft - So gefährlich ist das?

Ein Befall mit Madenwürmern während einer Schwangerschaft ist nicht zwingend bedrohlich. Die Würmer bleiben im Darm und stellen keine Gefahr für das ungeborene Kind dar.
Lediglich bei massivem Befall und Entzündungen im Darm kann sich der Wurmbefall negativ auf die Schwangerschaft auswirken.

Auch bei der Geburt ist eine Ansteckung des Neugeborenen durch in der Anal-/ Genitalregion klebende Eier möglich.

Daher sollte im Falle einer Infektion mit Madenwürmern während der Schwangerschaft mit einem Antihelminthikum therapiert werden. Nicht alle Wirkstoffe sind für eine Schwangere geeignet. Pyrvinium, Mebendazol und Noclosamid werden jedoch als in der Schwangerschaft einsetzbar aufgeführt.

Eine geeignete Therapie sollte jedoch mit einem Arzt besprochen werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.01.2019
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: