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Fuchsbandwurm

Definition

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) gehört der Art der Bandwürmer an. Das Fuchs- in seinem Namen leitet sich da her, da er vor allem Füchse befällt und in ihnen als Parasit lebt. Der Fuchswurm kann jedoch im Rahmen einer "Fehlbesiedelung" auch den Menschen befallen und dann zur Erkrankung Echinokokkose führen.

Eine Infektion des Menschen ist durch Aufnahme der Eier des Fuchsbandwurms möglich die z.B. in Fuchskot vorkommen. Der Fuchsbandwurm kommt unter anderem in Mitteleuropa, auch in Süddeutschland vor. Auch der Hundebandwurm kann eine Echinokokkose auslösen, diese Form der Echinokokkose nennt man dann zystische Echinokokkose. Die Erkrankung ist unbehandelt lebensgefährlich.

Übertragungsweg

Neben Füchsen als Hauptwirte befällt der Bandwurm auch Hunde und Hauskatzen. Als Zwischenwirte kommen kleine Mäuse in Frage. Der Fuchs infiziert sich häufig, indem er befallene Mäuse frisst. Eine Infektion des Menschen ist nur durch Aufnahme von Fuchsbandwurm-Eiern möglich.

Diese Eier werden mit dem Kot der befallenen Tiere ausgeschieden. Auch können sie am Tierfell haften. Mögliche Übertragungswege sind also belastete Nahrung oder das Essen mit verschmutzten Händen. Durch Kontakt mit dem Fell infizierter Tiere z.B. beim Streichlen kann der Mensch infiziert werden.

Weiterhin wird auch das Einatmen von belastetem Staub, beispielsweise im Rahmen der Heuernte, als möglicher Übertragungsweg in Betracht gezogen. Nach aktuellem Stand führt die einmalige Aufnahme der Fuchsbandwurm-Eier jedoch nicht gleich zur Infektion sondern erst die Dauerexposition, also die immer wiederkehrende Aufnahme der Eier. Nach einer Auswertung zu Daten der in Europa infizierten Patienten gehörte ein Großteil dieser entweder zur Gruppe der Landwirte, arbeitete viel im Garten oder hatte eigene Haustiere.

Verbreitung des Fuchsbandwurms

Der Fuchsbandwurmlebt in (kalt-) gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel vor. So ist er in Russland, Zentralasien, China, Japan, Teilen der Türkei, des Irans und Indiens und in Teilen Europas verbreitet. In Europa ist er vor allem in Teilen Frankreichs, Teilen Österreichs, Teilen der Schweiz und Teilen Deutschlands zu finden.

Häufig kommt der Fuchsbandwurm insbesondere im Süden von Deutschland im Bereich der Schwäbischen Alb vor. Die Anzahl der befallenen Füchse variiert sehr stark. Während in Süd-West-Deutschland über 70% der Füchse infiziert sind, sind es in Oberbayern nur etwa 27%. In der Schweiz sind knapp 50% der Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Fuchsbandwurm erfolgt häufig eine Blutuntersuchung und bildgebende Verfahren. Im Blut kann nach Antikörpern gesucht werden, die nur dann vorhanden sind, wenn ein Kontakt mit dem Parasiten stattgefunden hat. Es gibt also keinen bestimmten Wert der in einer Standardblutuntersuchung bestimmt werden kann sondern es kommen immunologische Blutuntersuchungsverfahren zum Einsatz um bestimmte Antikörper sichtbar machen zu können.

Zur weiteren Diagnostik kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz da der Fuchsbandwurm zahlreiche innere Organe, allen voran die Leber, befallen kann. Befallene Leberherde lassen sich – je nach Größe – mit einer Ultraschalluntersuchung des Bauches erkennen.

Werden hier auffällige Bereiche festgestellt, können weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie / Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz kommen. Nicht selten ist die Echinokokkose ein Zufallsbefund weil aus einem anderen Grund eine Ultraschall-/CT-/MRT-Untersuchung des Bauches gemacht wurde. Die Unterscheidung zwischen Hunde- und Fuchsbandwurm ist mittels Blutuntersuchungen eher schwierig. Eine histologische Untersuchung von Operationsmaterial macht eine Differenzierung möglich.

Begleitende Symptome

Die Inkubationszeit (=Zeit zwischen Infektion und Auftreten der erster Symptome)  beträgt 5 bis 15 Jahre. Es dauert also oftmals sehr lange, bis die ersten Beschwerden auftreten. Die aufgenommenen Eier können nach der Aufnahme über die Blutbahn in verschiedene Organe gelangen. Am häufigsten ist die Leber betroffen doch auch ein Befall von Milz, Gallenblase und Gallengängen, Lunge und Gehirn ist möglich. Hier erfolgt die Ausbreitung der Eier durch Knospung von Zysten. Über das Blut kann die Infektion weiterer Organe erfolgen, es ist von einer Metastasierung die Rede.

Dieser Begriff wird normalerweise benutzt um eine Ausbreitung von bösartigen Krebszellen über die Blut- oder Lymphbahn in andere Organe zu beschreiben. Das liegt daran, dass die Echinokokkose in ihrem Ausbreitungsmuster einem bösartigen Krebs ähnelt. Unbehandelt führt sie früher oder später zum Tod. Die Ausbildung von Zysten und ihre Ausbreitung über die Blutbahn verursachen oftmals keine Symptome. Der Befall der Leber kann mit unspezifischen Oberbauchbeschwerden einhergehen, eines der häufigsten Symptome der alveolären Echinokokkose.

Selbst nach vielen Jahren sind die weiteren möglich Symptome eher unspezifisch: Abgeschlagenheit, Mattigkeit, vermehrter Müdigkeit, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut durch einen Gallestau). Es kann zu Folgeerkrankungen wie Entzündung der Gallengänge, Sepsis, Pfortaderhochdruck mit seinen Komplikationen (s.u.), Thrombosen, Entzündung der Nieren bis hin zum Funktionsverlust (Glomerulonephritis), Leberinsuffizienz bis hin zum Leberversagen und Embolien kommen.

Oberbauchschmerzen

Oberbauchschmerzen können häufig im Rahmen einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm auftreten kann. Sie stellen ein unspezifisches Symptom dar und kommen in Folge der Erkrankung duch den Befall der Leber zustande. Sie können Hinweis auf zahlreiche andere – und deutlich häufiger vorkommende – Erkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Gallensteine, Gallenblasenentzündung oder Bauchspeicheldrüsenentzündung sein.

Gelbsucht

Auch die Gelbsucht ist ein mögliches Symptom einer alveolären Echinokokkose. Das beschreibt die Gelbfärbung von Haut und Augen (das Weiße der Augen (Sklera) verfärbt sich gelb) beschrieben. Im Fachjargon spricht man von einem Ikterus. Er kann verschiedene Ursachen haben.

Bei einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist die häufigste Ursache für eine Gelbsucht eine Ausbreitung des Erregers der einen Gallenstau verursacht. Der Gallefarbstoff Bilirubin kann nicht wie sonst mit der Galle abfließen und es kommt zu einer Gelbfärbung der Haut.

Pfortaderhochdruck

Pfortaderhochdruck oder portale Hypertension beschreibt eine Erhöhung des Drucks in der Pfortader. Die Pfortader ist eine große Vene die aus dem Zusammenfluss mehrerer Venen entsteht die das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt und der Milz sammeln und über die Leber zum Herzen zurückführen.

Bei einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist die Ursache des erhöhten Drucks in der Pfortader zurückzuführen auf die Kompression einer Vene. Die wichtigsten möglichen Komplikationen eines Pfortaderhochdrucks sind: Die Ausbildung von Ösophagusvarizen mit der Gefahr der lebensgefährlichen Blutung im Bereich der Speiseröhre.

Es kann auch zu einer mangelnden Entgiftungsfunktion durch die Leber kommen, da das Blut nicht mehr ausreichend durch die Leber fließen kann. Dadurch kann es zu einer Enzephalopathie kommen. Das bedeutet, dass die Betroffenen durch psychische Symptome wie Verwirrtheit, Desorientierung und starkes Zittern auffallen können. Eine heaptische Enzephalopathie ist unbehandelt oft tödlich.

Lesen Sie hier mehr über Erkrankungen der Leber.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Je nachdem, wie früh die Erkrankung diagnostiziert wurde und wie weit sie schon fortgeschritten ist, gibt es verschiedene Therapieansätze. Meist ist eine medikamentöse Therapie notwendig. Die Medikamente gehören zur Gruppe der Benzimidazole.

Es kommen die Wirkstoffe Albendazol und Mebendazol zum Einsatz. Diese Hemmen das Wachstum von Parasiten. Nach aktuellem Wissenstand töten sie die Parasiten dabei aber nicht ab. Da sie also nur das Wachstum hemmen, müssen sie teilweise dauerhaft eingenommen werden da sich die Erreger sonst immer weiter vermehren.

Da bei vielen Patienten die Diagnose erst sehr spät gestellt wird kommt häufig die einzige Therapiealternative die eine Heilung hervorrufen kann nicht mehr in Frage, nämlich die Operation. Wenn sich die Erreger bereits über die Blutbahn in zahlreiche Organe ausgebreitet, also metastasiert haben, ist, wie bei einer Krebserkrankung auch, eine Operation nicht mehr sinnvoll. In der Regel wird eine medikamentöse Therapie durchgeführt.

Wann braucht man eine OP?

Eine Operation ist grundsätzlich immer das Mittel der Wahl. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto höher ist die Chance, dass sie sich noch nicht allzu weit ausgebreitet hat und die infizierten Bereiche operativ entfernt werden können. Wird die Erkrankung spät erkannt, ist es meist schon zu einer Metastasierung gekommen sodass eine operative Therapie nicht mehr zur Heilung führen kann. Dann ist eine Operation nur noch angezeigt, wenn ein bestimmter Herd starke Beschwerden macht und deshalb entfernt werden soll.

Heilungsdauer

Wie bereits beschrieben, können viele Patienten nicht mehr geheilt werden da die Erkrankung bei Diagnosestellung bereits zu weit fortgeschritten ist. Die Behandlungsdauer ist von Fall zu Fall verschieden und hängt davon ab, wie weit sich der Fuchsbandwurm bereits ausgebreitet hat. Über die Heilungsdauer kann daher keine pauschale Aussage getroffen werden.

Welcher Arzt behandelt das?

Zur Behandlung einer alveolären Echinokokkose bietet es sich an, ein Zentrum aufzusuchen. Da die Infektion mit dem Fuchsbandwurm eine mit 20-30 Neuerkrankungen im Jahr in Deutschland relativ seltene Erkrankung ist, gibt es Zentren, die auf die Behandlung der Erkrankung spezialisiert sind und viel Erfahrung haben. Ein Beispiel für ein solches Zentrum wäre das Universitätsklinikum Heidelberg.

Kann man den Fuchsbandwurm komplett abtöten?

Theoretisch ist eine Heilung der alveolären Echinokokkose möglich. Jedoch nur in den frühen Stadien und mithilfe einer vollständigen operativen Entfernung aller möglichen Erreger. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist ein komplettes Abtöten des Fuchsbandwurms in der Regel nicht mehr möglich.

Kann man einen Fuchsbandwurm durch einfrieren abtöten?

Der Fuchsbandwurm ist sehr widerstandsfähig. Er lässt sich beispielsweise auch nicht durch Desinfektionsmittel abtöten. Zur Abtötung der infektiösen Eier eignen sich Temperaturen von – 80 °C für einige Tage oder über 60 °C für einige Minuten (erhitzen).

Wie lang ist die Inkubationszeit vom Fuchsbandwurm?

Die Inkubationszeit wird mit 5-15 Jahren angegeben. Das hat damit zu tun, dass sie die Erreger zu Beginn sehr langsam vermehren und es relativ lange dauert, bis sie Symptome verursachen. Oftmals ist dann schon ein Großteil der Leber durch die Parasiten infiltriert und es ist zu einer Metastasierung gekommen. Ein Nachweis der Erkrankung durch Blutuntersuchungen ist jedoch bereits vor Auftreten von Symptomen (also vor Ablauf der Inkubationszeit) möglich. Vermutlich sind schon wenige Monate nach Infektion Antikörper im Blut nachweisbar die eine Infektion anzeigen.

Ist der Fuchsbandwurm ansteckend?

Der Fuchsbandwurm ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Welche Anzeichen für den Fuchsbandwurm gibt es?

Da die Vermehrung der Erreger sehr langsam erfolgt, zeigen sich die ersten Symptome oftmals erst Jahre nach der Infektion. Anzeichen gibt es keine spezifischen. Daher sollte von allen Menschen auf hygienische Maßnahmen (Lebensmittel waschen, Handhygiene) geachtet werden. Jäger sollten darauf achten, erlegte Füchse nur mit Schutzhandschuhen anzufassen. Hunde sollten regelmäßig entwurmt werden. Hunde die zur Jagd, insbesondere in Fuchsbauten, eingesetzt werden sollten im Anschluss sehr gründlich geduscht werden.

Was sind die Folgen des Fuchsbandwurms?

Die Komplikationen die aus einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm entstehen können, sind bereits bei den Symptomen mit aufgeführt. Generell gilt, dass eine unbehandelte alveoläre Echinokokkose über kurz oder lang zum Tod führt. Die Diagnostik und Therapie ist daher entscheidend.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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