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Schambeinast

Was ist der Schambeinast?

Der Schambeinast ist ein großer knöcherner Fortsatz des Schambeins (Os pubis) und stellt einen Teil des knöchernen Beckens dar. Insgesamt hat das Schambein zwei Schambeinäste, einen oberen (Ramus superior ossis pubis) und einen unteren (Ramus inferior ossis pubis). Die Schambeinäste stehen quer zum Beckeneingang und sind knöchern mit dem Darmbein (Os ilium) und dem Sitzbein (Os ischii) verbunden. Beide Äste bilden den sogenannten Schambeinwinkel (Angulus subpubicus/Arcus pubis).  

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Beckenknochen

Anatomie

Die Schambeinäste sind anatomisch gesehen ein Teil des knöchernen Beckens.
Das Becken besteht aus den drei miteinander verschmolzenen Knochen Sitzbein (Os ischii), Darmbein (Os ilium) und Schambein (Os pubis). Wie der Name schon sagt, gehören die Schambeinäste zum Schambein. Dieses setzt sich aus einem Körper (Corpus ossis pubis) und zwei Schambeinästen zusammen.
Die Schambeinäste sind Knochenfortsätze, die quer zur Beckeneingangsebene verlaufen. Es gibt sowohl einen oberen als auch einen unteren Schambeinast.

Der obere Schambeinfortsatz (Ramus superior ossis pubis) geht über in das Darmbein (Os ilium). Zudem sind dort zwei anatomische Strukturen hervorzuheben. Der Schambeinkamm (Pecten ossis pubis) bildet die obere scharfkantige Begrenzung des oberen Schambeinastes und ist Ursprung eines Muskels. Zudem bildet er die direkte Fortsetzung der Linea arcuata (abgerundete Knochenkante auf der Innenseite des Darmbeins). Zusammen mit dem Darmbein und Sitzbein ist der obere Schambeinast am Aufbau der Gelenkpfanne (Acetabulum) für den Oberschenkel beteiligt.
Die zweite anatomische Besonderheit ist der Schambeinhügel (Tuberculum pubicum), ein kleines Knochenhöckerchen, an dem das Leistenband (Ligamentum inguinale) ansetzt. Der untere Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis) geht über in das Sitzbein (Os ischii).

Beide unteren Schambeinäste begrenzen den sogenannten Schamwinkel, welcher beim Mann als Angulus subpubicus bezeichnet wird. Er beträgt circa 70° und ist somit eher spitz. Bei der Frau wird der Schamwinkel Arcus pubis genannt und misst etwa 90° bis 100 °. Er ist damit eher stumpf und stellt einen Vorteil während der Geburt da.
Zudem sind beide Schambeinäste zusammen mit dem Sitzbein an der Bildung des Foramen obturatorium beteiligt. Das Foramen obturatorium ist eine große runde Öffnung im Becken, durch die verschiedene Nerven und Gefäße verlaufen.

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Funktion

Die Schambeinäste haben verschiedene Funktionen im Becken. Zum einen bilden sie zusammen mit anderen Knochen anatomische Strukturen. So entsteht zum Beispiel das Foramen obturatorium durch den oberen und unteren Schambeinast und das Sitzbein (Os ischii). Durch diese große Öffnung im Becken verlaufen Gefäße und Nerven.
Des Weiteren sind die Schambeinäste Ursprung und Ansatz unterschiedlicher Strukturen. Das Foramen obturatorium wird von einer Membran verschlossen (Membrana obturatoria), die unter anderem an den beiden Schambeinästen ansetzt.
Besonders herauszuheben ist der Schambeinkamm (Pecten ossis pubis) am oberen Schambeinast, an dem ein Muskel (Musculus pectineus) seinen Ursprung hat. Auch anderen Muskeln, die besonders für das Heranziehen des Oberschenkels zuständig sind (Adduktorenmuskeln), nutzen die Schambeinäste als Ursprungsort.
Eine weitere Struktur, die eine Ansatzstelle darstellt, ist der Schambeinhügel (Tuberculum pubis). Hier setzt das Leistenband (Ligamentum inguinale) an.

Erkrankungen am Schambeinast

Schambeinastfraktur

Eine Schambeinastfraktur ist ein Bruch des Schambeinastes und kann in eine komplette und inkomplette Beckenringfraktur eingeteilt werden.
Symptome einer Schambeinastfraktur sind eher unspezifisch und werden als Rücken- oder Kreuzschmerzen beschrieben, die bei Bewegung zunehmen.
Diagnostiziert wird eine solche Fraktur mit Hilfe eines Röntgenbildes oder besser noch mit einem CT (Computertomographen).

Je nach Art der Beckenringfraktur erfolgt eine unterschiedliche Behandlung. Bei einer inkompletten Beckenringfraktur ist entweder der obere oder der untere Schambeinast gebrochen. In diesem Fall muss der Patient einige Tage Bettruhe halten und bei Bedarf Schmerzmittel einnehmen. Jedoch sollte der Patient so schnell wie möglich wieder mobilisiert werden, damit Folgeerkrankungen wie z.B. Lungenentzündungen vermieden werden. Unterstützend kann das Becken durch Tragen eines speziellen breiten Gürtels stabilisiert werden, was viele Patienten als angenehm empfinden.
Im Gegensatz dazu sind bei einer kompletten Beckenringfraktur sowohl der obere als auch der untere Schambeinast betroffen. Unter Umständen können auch noch weitere Teile des Beckens beschädigt sein. In diesem Fall ist ein operativer Eingriff unumgänglich.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Schambeinastfraktur

Schambeinastentzündung

Eine Schambeinastentzündung (Ostitis pubis, auch Pubalgia genannt) ist eine nicht-infektiöse Entzündung des Schambeinastes oder auch umliegender Strukturen, wie zum Beispiel der Schambeinfuge (Symphysis pubica), des gesamten Schambeins (Os pubis) oder auch anliegender Muskeln (Adduktoren, Bauchmuskeln).
Besonders häufig ist diese Erkrankung bei Leistungssportlern, die viel laufen (z.B. Tennisspieler, Fußballer).
Die Ursache für eine Entzündung am Schambeinast ist eine andauernde Überbelastung. Häufig geschilderte Symptome sind Schmerzen bei Gehen und Treppensteigen als auch beim Stehen auf einem Bein. Oft sind die Schmerzen lokal begrenzt, können aber auch bis in die Leisten oder unteren Bauchmuskeln ausstrahlen. Verstärkt wird dieses Scherzempfindung, wenn der Arzt eine Tastuntersuchung (Palpation) durchführt.
Therapiert wird eine Entzündung des Schambeins, bzw. Schambeinastes in erster Linie konservativ. Dem Patienten werden entzündungshemmende Medikamente (Antirheumatika) verschrieben als auch Physiotherapien angeordnet. Diese sollen verschiedene Muskelgruppen dehnen, als auch die Beckenbodenmuskulatur stärken.
Eine Sportpause wird ebenfalls empfohlen, um die Entzündungsstelle zu schonen, stößt aber oftmals auf Widerstand seitens des Patienten.

Schmerzen am Schambeinast

Schmerzen am Schambeinast sind ein unspezifisches Symptom und können verschiedene Ursachen haben. Es sollte eine genaue Anamnese des Patienten erfolgen, um Genaueres über die Symptomatik zu erfahren. Zudem führt der Arzt eine Tastuntersuchung durch (Palpation). Zur eindeutigen Diagnose werden heutzutage oft bildgebende Verfahren angewendet, wie das Röntgen und die Computertomographie.
Gründe für Schmerzen am Schambeinast sind sehr vielfältig und können von einer Fraktur bis zu einer Entzündung reichen. Frakturen kommen häufiger bei älteren Patienten vor und können durch einen Sturz bedingt sein. Oft beschreiben Betroffene diesen Schmerz als tiefen Rückenschmerz, der bis zum Steißbein reicht.
Eine Entzündung im Bereich des Schambeinastes findet sich vor allem bei Leistungssportlern, die einer hohen mechanischen Beckenbelastung ausgeliefert sind. Diese Schmerzen strahlen gelegentlich bis in die Leiste oder auch unteren Bauchmuskeln aus.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Schmerzen am Schambein - Das sind die Ursachen

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.05.2019
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