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Zuckungen beim Baby

Definition

Zuckungen beim Baby sind plötzliche Bewegungsmuster beispielsweise der Arme, Beine oder des ganzen Körpers. Diese Zuckungen gelten als bekanntes Phänomen im frühen Kindesalter und sind in der Regel ohne nennenswerten Krankheitswert. Es handelt sich um bestimmte Reflexe oder ganz banale Muskelzuckungen, wie sie jeder von sich selbst kennt. Nur selten steckt hinter den Zuckungen eine behandlungsnotwendige Erkrankung wie die Epilepsie. Daher müssen sich frische Eltern erst einmal keinerlei Sorgen machen, wenn ihr Baby zuckt. Wichtig ist es, die Zuckung wahrzunehmen und ihren Verlauf oder mögliche Veränderungen wahrzunehmen.

Ursachen

Als allererstes sollte man bei kindlichen Zuckungen an harmlose Gründe denken und sich als Eltern nicht nervös machen. In den meisten Fällen basieren die Zuckungen des Babys auf der Auslösung des Moro-Reflexes. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Umklammerungsreflex, bei dem das Baby die Arme ausstreckt und gleichzeitig die Finger spreizt, um kurz danach die Arme wieder zusammen zu führen und die Hände zu einer Faust zu ballen. Der Moro-Reflex kann ausgelöst werden, wenn sich das Baby vor etwas oder im Schlaf erschreckt. Außerdem ist er auslösbar, wenn man das Baby auf dem Arm hat und plötzlich ruckartig nach hinten in Rückenlage absacken lässt. Dieser Reflex kann bis zum 4. Lebensmonat der häufigste Grund für Zuckungen sein, was als eine völlig harmlose Ursache gilt. Zudem stellen Zuckungen einen Teil der Entwicklung motorischer Fähigkeiten dar. Bevor die Babys beispielsweise lernen, Dinge zu greifen, können Zuckungen an den Händen beobachtet werden. Typisch für den 5. Lebensmonat sind gutartige Muskelzuckungen im Schlaf, sogenannte Schlafmyoklonien. Ab dem 9. Lebensmonat kann auch das Phänomen „Jactatio capitis et corporis nocturna“ (engl. rhythmic movement disorder of the head) Ursache für die Zuckungen sein. Dieses Phänomen beschreibt ein immer gleich ablaufendes Bewegungsmuster im Schlaf der Babys, wobei sie ihren Kopf leicht hin- und herwerfen. Manchmal ist auch nur ein leichtes Zucken oder Hin- und Herbewegen zu erahnen.

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Zuckungen beim Baby beim Einschlafen

Zuckungen beim Einschlafen ist bei Babys ein sehr häufig auftretendes Phänomen. Wie es auch die meisten Erwachsenen, kennen hängt dies damit zusammen, dass man in der Einschlafphase in den Tiefschlaf übergeht. Dabei zuckt man manchmal am ganzen Körper, wenn man das Gefühl hat, eine Treppe herunterzufallen oder zu stürzen. So ähnlich ist es auch beim Baby, wenn es vom REM-Schlaf (engl. rapid eye movement – also schnelle Augenbewegung) in den Tiefschlaf übergeht. Im REM-Schlaf befinden sich die Babys in einer aktiven Traumphase, während der Zuckungen der Augenlider aber auch der Arme und Beine beobachtet werden können.  Außerdem können die Babys bei sich selbst den Moro-Reflex während des Einschlafens auslösen, wenn sie sich beispielsweise durch ihren eigenen zuckenden Arm erschrecken. Dann wachen die Babys aufgrund ihres eigens ausgelösten Umklammerungsreflex häufig auf, was Einschlaf –und Durchschlafstörungen zur Folge haben kann.

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Begleitenden Symptome bei Zuckungen beim Baby

Begleitende Symptome zu den Zuckungen können je nach Ursache auftreten. Nach Zuckungen aufgrund des Moro-Reflexes weinen Babys häufig, da sie sich so sehr erschrocken haben. Ansonsten können harmlose Schlafmyoklonien sich mit einem Zittern des Körpers ankündigen. Im Schlaf ist es auch nicht untypisch, dass sich Babys durch die Zuckung selbst wach machen, sodass als begleitende Symptome häufig über Ein- und Durchschlafstörungen geklagt wird. Babys, bei denen vermehrt solche Zuckungen auftreten, sind davor und danach zudem häufig unruhig. Falls die Zuckung auf einer Epilepsie basiert, kann das Ganze auch mit einer Entwicklungsverzögerung einhergehen. Außerdem kann das Baby für einen kurzen Moment während der Zuckung abwesend wirken. Solche Entwicklungs- und Bewusstseinsstörungen treten glücklicherweise aber nur sehr selten als Begleitsymptom der Zuckungen auf.

Zuckungen beim Baby im Bauch der Mutter

Zuckungen des Kindes, die während der Schwangerschaft von der Mutter im Bauch wahrgenommen werden, sind in der Regel ganz normal und harmlos. Sie sprechen für die kindliche Aktivität und somit Vitalität. Die Babys können ab einer gewissen Schwangerschaftswoche nach Ausreifung ihres Gehörs Geräusche von der „Außenwelt“ wahrnehmen, auch wenn es nur ein dumpfer Schall sein kann. Da die Babys bereits in der Lage sind, das Fruchtwasser zu trinken, kann es passieren, dass sie diese aus Versehen einatmen und daraufhin Schluckauf bekommen. Schluckauf kann sich für die Mutter dann wie Zuckungen des Babys anfühlen. Dies ist aber ebenfalls überhaupt nicht besorgniserregend. In den seltensten Fällen handelt es sich bei Zuckungen im Bauch um ernstzunehmende Ursachen. Macht man sich als Mutter jedoch trotzdem Sorgen, kann man den Frauenarzt aufsuchen, um mithilfe eines CTG (=Kardiotokographie) die Herztöne des Babys zu kontrollieren und eine Ultraschalluntersuchung machen.

Zuckungen im Bein

Wie in jedem Körperteil, können auch die Muskeln im Bein zucken. Diese Zuckungen können bei den Babys vereinzelt auftreten oder immer wieder vorkommen. Eine Muskelzuckung im Bein kann von der Muskulatur selbst kommen, durch einen falsch angesteuerten Nerv entstehen oder auch zentral vom Gehirn gesteuert sein. Einige Babys neigen bei Stress zu leichten Muskelzuckungen. Bei regelmäßig auftretenden Zuckungen in einem Bein sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden, um Nervenerkrankungen auszuschließen.

Zuckungen im Gesicht

Im Gesicht befinden sich viele verschiedene Muskeln, welche für die Mimik, das Kauen, das Sehen und vieles mehr notwendig sind. Wie alle Muskeln, können auch diese Muskeln fälschlicherweise angeregt werden und daher zucken. Auch die sogenannten Hirnnerven, welche für die Steuerung im Gesicht zuständig sind, könne falsche Signale senden oder falsch angelegt sein. Bei einigen Babys ist besonders im Traumschlaf ein Zucken der Augenlider zu beobachten. Bei einzelnen Zuckungen ist hierbei keine weitere Diagnostik notwendig.

Fieberkrampf

Einige Babys und Kleinkinder neigen zu sogenannten Fieberkrämpfen. Fieberkrämpfe gehören zu den häufigsten Notfällen im Säuglings- und Kindesalter. Babys reagieren auf Infektionskrankheiten sehr schnell mit höheren Körpertemperaturen. Ungefähr fünf Prozent aller Kinder erleidet im Laufe der Kindheit mindestens einen Fieberkrampf. Beim Fieberkrampf handelt es sich um einen epileptischen Anfall, der mit Bewusstseinsverlust und Ganzkörperzuckungen einhergeht.
In den meisten Fällen dauert ein Fieberkrampf nur wenige Minuten. Ein einfacher Fieberkrampf hat eine sehr gute Prognose, jedoch kann es unter einem längeren Krampfanfall zu einer Sauerstoffunterversorgung kommen. Bei Erstauftreten eines Fieberkrampfes sollte der Kinderarzt oder Neurologe einige Untersuchungen durchführen, um sicherzustellen, dass es sich nicht um die Erstmanifestation einer Epilepsie handelt. Zur Vorbeugung sollte bei zu Krämpfen neigenden Babys die Körpertemperatur regelmäßig kontrolliert werden und Fieber medikamentös gesenkt werden.

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Diagnose

Die Diagnosestellung der kindlichen Zuckungen kann durch genaues Beobachten gestellt werden. Anhand dessen können Eltern bereits einschätzen, ob es sich beispielsweise um den harmlosen bis zum 4. Lebensmonat ausgeprägten Moro-Reflex handelt und man sich keine Sorgen machen muss bzw. keine ärztliche Untersuchung notwendig ist. Falls das Baby jedoch in regelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum zuckt, sollte dies sicherheitshalber von einem Arzt abgeklärt werden. Es gibt nämlich bestimmte Formen der epileptischen Erkrankungen, die bereits im jungen Kindesalter auftreten können und somit ausgeschlossen werden müssen. Die Diagnose einer solchen Epilepsie wird klinisch gestellt. Zum allererst erhebt der Arzt eine genaue Anamnese. Dazu zählen Fragen, wie häufig die Zuckungen auftreten, wie lange die Zuckungen anhalten, ob sie regelmäßig oder unregelmäßig auftreten, welche Teile des Körpers zucken, ob der ganze Körper beteiligt ist oder nur ein Teil und ob vor, während oder nach den Zuckungen sonstige Symptome wie Einnässen, Weinen oder Abwesenheit auftreten. Hier kann es hilfreich sein, die Zuckungen des Babys mit einer Kamera aufzuzeichnen, damit sich der Arzt ein Bild davon machen kann. Um eine mögliche Epilepsie zu verifizieren, ist das Anfertigen eines EEG (=Elektroenzephalographie), eine spezielle neurologische Untersuchung, notwendig.

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Wie kann man die Zuckungen von einer Epilepsie unterscheiden?

Bei einer Epilepsie handelt es sich um Krampfanfälle, bei welchen die betroffene Muskulatur unkontrolliert angespannt wird und hochfrequent zuckt. Weiterhin sind epileptische Anfälle meistens einzelne Episoden, welche einige Minuten anhalten. Einfache Zuckungen treten immer wieder auf und haben eine deutlich geringere Frequenz als ein Krampfanfall. Da es jedoch nicht die eine Epilepsieform gibt, lässt sich Epilepsie nicht grundsätzlich ausschließen. Für die genaue Diagnose ist eine ärztliche Diagnostik und möglicherweise ein EEG notwendig, bei dem die Gehirnströme gemessen werden.

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Wann sollte man zum Kinderarzt gehen?

Einzelne Muskelzuckungen sind nicht notwendigerweise dem Kinderarzt vorzustellen, aber es gibt einige Warnzeichen, bei deren Auftreten ein Arztbesuch notwendig ist. Wenn die Zuckungen wiederholt auftreten oder bei bestimmten Anlässen, wie Stress, auftreten sollte ein Kinderarzt und möglicherweise ein Neurologe weitere Untersuchungen durchführen. Ebenfalls sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden, wenn die Kinder bei den Zuckungen wesensverändert oder unaufmerksam werden.

Behandlung / Therapie

Eine Behandlung von Zuckungen beim Baby ist nur dann notwendig, wenn es sich um eine Epilepsie handelt. Anderenfalls heißt es abzuwarten und symptomatisch zu handeln. Das meint beispielsweise, dass man beim ursächlichen Moro-Reflex die Babys pucken kann, damit sich sich nicht vor ihren eigenen bewegenden Armen erschrecken. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Pucken, also das enge einwickeln des Kindes in ein Tuch, als therapeutische Maßnahme umstritten ist. Bei Muskelzuckungen, die mit einem Hin- und Herwerfen des Kopfes im Schlaf einhergehen, können Entspannungsübungen hilfreich sein.
Falls es sich um eine epileptische Erkrankung handelt muss je nach Epilepsieform eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Diese besteht aus einer medikamentösen Therapie mit sogenannten „Antikonvulsiva“, also Medikamenten gegen Krampfanfälle.

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Dauer / Prognose

Je nach Ursache der Zuckungen variiert dessen Dauer. Handelt es sich um den typischen Moro-Reflex, so hält das Zucken nur wenige Sekunden an. Der Moro-Reflex selbst ist bei Babys physiologischerweise nur von Geburt bis zum 4. Lebensmonat ausgeprägt. Darüber hinaus ist es auffällig, wenn ein Baby noch diesen Reflex hat und bedarf einer weiteren Abklärung. Im Falle einer Epilepsieform können die Zuckungen länger anhalten, teilweise Minuten, und in regelmäßigen Anfallsserien auftreten. Ist eine epileptische Erkrankung Grund für die Zuckungen, so kann die Prognose ungünstig ausfallen. Epilepsien, die sich im frühen Kindesalter zeigen, gehen oft mit einer hohen Sterblichkeit in den ersten Kindesjahren einher. Daher ist eine genaue Abklärung untypischer Zuckungen, die sich nicht mit einem normalen Moro-Reflex oder sonstigen harmlosen Gründen erklären lassen, wichtig.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Zuckungen beim Baby finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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