Zuckungen im Schlaf

Definition

Zuckungen im Schlaf können Ein- und Durchschlafstörungen zur Folge haben, werden aber häufig nicht selbst von den Patienten wahrgenommen.
Sie sind durch einfache, meist wiederkehrende Bewegungsmuster im Schlaf charakterisiert, die wiederholtes Wecken zur Folge haben und die Erholungsfunktion des Schlafes mindern.

Parasomnien sind Phänomene, die während des Schlafes auftreten.
Sie beeinträchtigen nicht die Schlafqualität oder die Erholsamkeit des Schlafes. Bei dieser Form der Schlafstörungen handelt es sich um Aktivitäten, die eine Person nachts aus dem Schlaf (z.B. Zuckungen) heraus durchführt.

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Ursachen

Die große Bandbreite an Schlafstörungen kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Körperliches und seelisches Ungleichgewicht sind zwei mögliche Gründe, oft lässt sich ein ursächliches Problem allerdings nicht feststellen. Da viele Schlafstörungen in geringerem Ausmaß auch bei ansonsten beschwerdefrei schlafenden Personen auftreten, kann davon ausgegangen werden, dass eine solche Störung, solange sie nicht zu einer Belastung wird, ein natürlich auftretendes Phänomen ist. Gerade Muskelzuckungen beim Einschlafen sind in den meisten Fällen ungefährlich. Das Gehirn muss jeden Tag eine Unmenge an Reizen verarbeiten. Dies tut es durch ein Wechselspiel aus hemmenden und aktivierenden Strukturen.

In der Einschlafphase kann es nun passieren, dass die hemmenden Strukturen wie bei einem Computer schon heruntergefahren sind, während andere Teile des Gehirns noch aktiv sind und Bewegungssignale aussenden. Magnesium beeinflusst die Weiterleitung von Signalen zwischen Nerv und Muskel. Ein Mangel kann Muskelzuckungen insbesondere in oberflächlichen Muskelgruppen an Armen und Beinen auslösen.

Weitere ursächliche Faktoren können eine Krampfstörung im Gehirn, eine sogenannte Epilepsie, aber auch Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparates oder der nervlichen Strukturen des Körpers sein. Psychische Auslöser wie eine Depression oder auch Angststörungen sollten ebenfalls abgeklärt werden.

Oft kann die Störung nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden, sondern geht auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück. Der Lebensstil, insbesondere eine unzureichende Bewegung und Alkohol- und Drogenkonsum, sowie Belastungen durch die Umwelt (z.B. Stress) oder Nebenwirkungen von Medikamenten, können ebenfalls die Ausbildung einer Schlafstörung beeinflussen. Auch Koffeinkonsum oder ein unregelmäßiges Schlafverhalten sollten als mögliche Ursachen nicht vernachlässigt werden. Schlafbezogene rhythmische Bewegungsstörungen treten vornehmlich im Kindesalter auf und hängen oft mit Stressfaktoren der Umwelt (wie z.B. Streit mit den Eltern, Probleme in der Schule) oder medizinisch relevanten Störungen in der kindlichen Entwicklung (wie Autismus oder verzögerte geistige Entwicklung) zusammen. Im ersteren Fall kann die Störung spontan ausheilen.


Alkohol

Alkohol kann sich zerstörerisch auf Nervenbahnen, insbesondere im Gehirn auswirken. Das kann zu Taubheits- und Kribbelgefühlen sowie Gangstörungen führen, aber auch Muskelkrämpfe und -schwäche auslösen. Das Gehirn steuert die Bewegung der Muskulatur, indem es mittels Botenstoffen nervliche Signale aussendet oder blockiert. Alkohol wirkt positiv auf hemmende Botenstoffe im Gehirn, sowie negativ auf aktivierende. Dadurch wirkt Alkohol zunächst krampfvermeidend, da es die aktivierenden Signale blockiert, erhöht aber gleichzeitig die Erregbarkeit für aktivierende Botenstoffe. Das liegt daran, dass der Körper sensibler auf Signale reagiert, wenn er weniger davon wahrnimmt.

Das kann man sich durch ein Eigenexperiment gut vor Augen führen: man geht in einen dunklen Raum und versucht, sich an die dortigen Lichtverhältnisse zu gewöhnen, um etwas zu erkennen. Wird auf einmal das Licht angeschaltet, kommt es automatisch zu einer Reizüberflutung im Gehirn und man muss erst einmal die Augen schließen. Wenn der Alkoholspiegel nun abfällt, werden durch die erhöhte Erregbarkeit Nervenzellen im Gehirn aktiviert, die Krämpfe in der Muskulatur auslösen. Dieses Phänomen nennt man Rebound-Epilepsie und kann Stunden bis Tage nach dem eigentlichen Konsum auftreten.

Zudem ist Alkohol harntreibend, da es einen Botenstoff im Gehirn blockiert, der normalerweise die Wasserausscheidung über die Nieren begrenzen soll. Durch den erhöhten Durchfluss verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Blutsalze oder Elektrolyte, wie Kalium, Natrium und Magnesium. Diese Stoffe befinden sich in unterschiedlicher Konzentration im Blut und in den Körperzellen und beeinflussen und unterhalten wichtige Körperfunktionen. Insbesondere Magnesium kann bei einem Mangel zu Muskelkrämpfen führen, da es einen Einfluss auf die Weiterleitung zwischen Nerv und Muskel hat. Es blockiert muskelaktivierende Stoffe, sodass es bei einem Mangel zu einer Daueranspannung der Muskelzelle kommt. Auch Natriummangel kann zu Muskelzuckungen und in schweren Fällen sogar zu Krampfanfällen führen. Natrium ist ein Stoff, der für die Reizweiterleitung im Körper wichtig ist, besonders am Herzen, wo es die Erregungsweiterleitung des elektrischen Taktgebers an die Muskelzellen beeinflusst. Ist das Gleichgewicht von Natrium durch einen Mangel gestört, können Erregungen im Muskel leichter ausgelöst werden und dieser krampft.

Die negativen Einflüsse des Alkoholkonsums auf den Schlaf sind auch nicht zu unterschätzen. So fallen die für die Erholung des Körpers wichtigen REM-Phasen zugunsten eines oberflächlichen Schlafes weg. Das kann zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen.

Drogen

Rauschhaft wirkende Drogen, die zentralnervöse Strukturen wie das Gehirn beeinflussen, können immer auch Schlafstörungen auslösen. Substanzen, die z.B. in Ecstasy enthalten sind und eine ähnliche chemische Struktur wie die Amphetamine aufweisen (also auch ähnlich wirken), können den Gehalt von Botenstoffen im Gehirn beeinflussen und dadurch unter anderem Muskelzuckungen auslösen.

Nervenzellen sind über Schaltstellen, sogenannte Synapsen, miteinander verbunden. Durch Botenstoffe können Erregungen an einer Nervenzelle zur nächsten weitergereicht werden. Nach ihrer Ausschüttung werden sie von der Nervenzelle wieder aufgenommen, da der Körper gerne spart und die Botenstoffe nicht immer wieder aufs Neue nachbilden will. Amphetamine und ähnliche Stoffe wirken an der Stelle der nervlichen Reizweiterleitung hemmend auf die Wiederaufnahme der verwendeten Stoffe. Dadurch muss die Nervenzelle, wenn sie ein Signal weitergeben will, ständig neue Botenstoffe bilden, die sich an der Stelle der Weiterleitung anreichern und die Wirkung verstärken.

Der hierbei entscheidende Botenstoff ist Serotonin: Er wird an der Wiederaufnahme in die Nervenzelle gehindert, wodurch sich seine Wirksamkeit verlängert. Es sammeln sich immer mehr Serotonin-Moleküle im synaptischen Spalt an (siehe Bild), die Erregung bleibt länger bestehen und man fühlt sich glücklicher. Eine typische Wirkung ist die Euphorie, da sich Serotonin positiv auf die Stimmung auswirkt.

Übersteigt die Konzentration an wirksamem Serotonin ein bestimmtes Maß, kann es gefährlich werden. Es kommt zur Ausbildung eines sogenannten Serotoninsyndroms, was sich durch einen gesteigerten Bewegungsdrang, Muskelzuckungen und -zittern, Verwirrtheit oder Unruhe, Herzrasen, hohen Blutdruck, gesteigerte Reflexe und vermehrtem Schweißausbruch zeigt. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Wechselwirkung mit gewissen Medikamenten, die bei Depressionen eingesetzt werden (da Serotonin die Stimmung beeinflusst), und den sogenannten MAO-Hemmern, auftreten können. MAO-Hemmer verhindern den Abbau von Serotonin und ähnlichen Stoffen und können daher ähnliche Auswirkungen wie oben beschrieben haben.

Auch Kokain wirkt auf eine ähnliche Weise auf das Vergnügungszentrum des Gehirns und kann daher ebenfalls Schlafstörungen und Muskelkrämpfe auslösen. Rauschhaft wirkende Drogen können insbesondere im Zuge eines Entzugs Muskelzittern auslösen.

Formen der Zuckungen im Schlaf

Man unterscheidet folgende Formen der Zuckungen im Schlaf, auf die unten stehend näher eingegangen wird:

  • Restless-Leg-Syndrom
  • Periodische Bewegungen im Schlaf
  • Nächtliche Wadenkrämpfe
  • Schlafbezogenes Zähneknirschen
  • Schlafbezogene rhythmische Bewegungsstörungen

Restless-Leg-Syndrom

Beim Restless-Legs-Syndrom klagen die Patienten über quälende Missempfindungen der Unterschenkel, wodurch es zu Ein- und Durchschlafstörungen kommen kann.
Bevorzugt treten die Symptome beim Restless-Legs-Syndrom gegen Abend, in Ruhe, beim Liegen und manchmal auch in Ruhephasen während des Tages auf.

Periodische Bewegungen im Schlaf

Die periodischen Bewegungsstörungen der Gliedmaßen im Schlaf sind unregelmäßige, unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine (Zuckungen).
Häufig gehen diese einher mit nicht-erholsamem Schlaf, durch Symptome einer
Ein-und Durchschlafstörung, reduzierte Schlaferholsamkeit, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Monotonieintoleranz, sekundäre depressive Symptome und Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Nächtliche Wadenkrämpfe

Bei den nächtliche Wadenkrämpfen handelt es sich um spontan auftretende Wadenkrämpfe, meist aus dem Schlaf heraus ohne Vorzeichen.

Diese nächtlichen Wadenkrämpfe sind sehr schmerzhaft und können mehrere Minuten andauern. Die Rückbildung erfolgt meist spontan oder durch Massage, Bewegung (gezielte Dehnung) oder Wärmeanlage. Häufig betroffen sind die Waden oder Fußmuskeln, seltener andere Muskelgruppen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wadenkrämpfe nachts

Schlafbezogenes Zähneknirschen (Bruxismus)

Beim nächtlichen Zähneknirschen (Bruxismus) kommt es zur Aktivierung der Kaumuskulatur, was ein Zähneknirschen und eine vermehrte Abnutzung der Zähne zu Folge hat. Dadurch kann es zu Schmerzen im Bereich der Zähne und der Kaumuskulatur kommen.

Schlafbezogene rhythmische Bewegungsstörungen

Schlafbezogene rhythmische Bewegungsstörungen sind wiederholte, monotone, rhythmische Bewegungen. Diese treten vermehrt beim Einschlafen und während des Schlafes auf. Häufige Bewegungen sind das Kopfwerfen von vorne nach hinten, das Kopfrollen von rechts nach links, das Körperschaukeln in Ellenbogen-Knie-Lage und das Körperrollen in Bauchlage.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema Schlafstörung finden Sie auch unter:

Weitere Informationen zur Thema Psychologie finden Sie unter: Psychologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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