Kahnbeinbruch Therapie

Synonyme im weiteren Sinne

Kahnbeinfraktur, Bruch des Kahnbeins, Fraktur des Os scaphoideum (früher Os naviculare), Kahnbeinpseudarthrose, Bruch Handwurzelknochen, Scaphoidpseudarthrose, Handverletzung

Weitere allgemeine Informationen zum Thema finden Sie auch unter:  Kahnbeinbruch


Therapie

Wie alle Brüche kann auch die Kahnbeinfraktur konservativ im Gips oder durch eine Operation behandelt werden.

Die Indikation für ein konservatives vorgehen, sind unverschobene Brüche des Kahnbeins.

Durch die sehr langsame Bruchheilung ist die Dauer der Gipstherapie ausgesprochen lang.
Für die ersten 6 Wochen sollte ein Oberarmgips mit Daumeneinschluß angelegt werden. Wenn im Röntgenbild eine Knochenbruchheilung nachweisbar ist, kann in Anschluß auf einen Unterarmgips mit Daumeneinschluß gewechselt werden.
Röntgenkontrollen sollten nach einem Tag, nach einer Woche, danach nach der 6. und 12. Woche erfolgen.
Trotz optimaler Nachbehandlung gibt es Fälle, in denen konservativ keine Ausheilung der Fraktur gelingt.

 

Eine operative Versorgung sollte bei verschobenen Brüchen, insbesondere bei Schrägbrüchen und Querfrakturen erfolgen, da hier die Wahrscheinlichkeit einer ausbleibenden Bruchheilung höher ist.

Weiterhin sollte eine operative Therapie bei denen zu Befürchten ist, daß sich im Bruchspalt Kapsel oder Bandanteile befinden, die die Bruchheilung stören könnten.

Eine weitere Indikation zur operativen Therapie ist die ausgebliebene Bruchheilung nach 12 Wochen konservativer Therapie oder die Durchblutungsstörung des handgelenksnahen Kochenanteils (proximale Fragment).

Zur operativen Erstversorgung des Kahnbeinbruchs stehen inzwischen Spezialschrauben zu Verfügung. Dabei werden zunächst beide Knochenanteile mit einem Draht aufgefädelt und in idealer Paßform wieder zusammengeführt (zusammengepuzzelt) und dann mit einer Hohl- Schraube (kanülierte Schraube) überbohrt und beide Fragmente als Zugschraube zusammengepreßt. Teilweise wird bei der Operation auf den Draht verzichtet und die Fragmente direkt verschraubt (z.B. Herbertschraube).

Als Nachbehandlung schließt sich jedoch auch hier eine 4 – 6 wöchige Ruhigstellung im Gips an. Eine allgemeine Belastbarkeit wird nach ca. 10 Wochen erreicht. Eine maximale sportliche Belastung kann meist erst wieder nach 4 – 6 Monaten durchgeführt werden.

Nach Abnahme des Gipses sollte direkt die krankengymnastische und ergotherapeutische Nachbehandlung begonnen werden.

Bei alten Brüchen, die schon über Monate und Jahre nicht mehr zusammengewachsen sind (sogenannte Pseudarthrose) reicht eine Verschraubung nicht mehr aus. In diesen Fällen muß sich lebender Knochen vom Beckenkamm des Patienten „ausgeliehen“ werden. Altes Narbengewebe wird aus dem Bruchspalt entfernt und ein frischer Knochenblock aus dem Beckenknochen eingebolzt. Die Operationstechnik wird nach dem Erstbeschreiber Matti-Russe bezeichnet, teilweise auch als Matti-Russe-Plastik bezeichnet.

Neben des „klassischen Risiken“ einer operativen Therapie wie Infektion, Wundheilungsstörung, Thrombose, Embolie, Taubheit und Lähmung ist im Bereich der Hand der Morbus Sudeck gefürchtet. Mehr zum Thema Morbus Sudeck finden Sie unter vegetative Reflexdysthrophie.

Prognose

Die Prognose ist bei operativer und konservativer Therapie günstig. Trotzdem gibt es in beiden Therapieformen Therapieversager, das heißt eine Knochenbruchheilung bleibt aus.

Eine unbehandelte Kahnbeinfraktur endet allgemein in einer Falschgelenkbildung (Pseudarthrose), die beschwerdefrei sein kann und erst nach Jahren nach dem Sturzereignis Probleme bereiten kann. Zu bedenken ist, daß ein nicht unerheblicher Anteil an Kahnbeinfrakturen zunächst nicht sichtbar ist und daher übersehen werden kann.

Ungünstige Prognosen haben Schrägbrüche des handgelenknahen Anteils (proximal). Diese Brüche neigen auch unter Therapie zu einer fehlenden Bruchheilung. Folgen können Schmerzen im daumenseitigen Handgelenk durch Instabilität und Arthrose sein.

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Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012