Schlüsselbeinbruch Therapie

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Wie wird ein Schlüsselbeinbruch therapiert?

Der Schlüsselbeinbruch/ Claviculafraktur kann grundsätzlich konservativ oder operativ therapiert werden. Die Entscheidung wird anhand des Röntgenbildes gestellt.

Konservative Therapie:

Die meisten Schlüsselbeinbrüche können konservativ behandelt werden.Dazu gehört der unverschobene Schlüsselbeinbruch, bei dem es lediglich zu einem Achsknick im Bereich des Schlüsselbeines gekommen ist und der wenig verschobene (gering dislozierte) Schlüsselbeinbruch, wenn es zu keiner wesentlichen Verkürzung der Schlüsselbeinlänge gekommen ist. Auch stärker verschobene Schlüsselbeinbrüche können theoretisch konservativ behandelt werden, allerdings kommt es dann gehäuft zu Falschgelenkbildungen (Pseudarthrosen) und / oder einer überschießenden Knochenkallusbildung. Eine verbleibende Falschgelenkbildung führt zu verbleibenden Schmerzen im Frakturbereich, eine überschießende Kallusbildung kann die unter dem Schlüsselbein verlaufende Gefäß- / Nervenstrasse komprimieren und z.B. zu Durchblutungsstörungen und Gefühlsstörungen des Armes führen.

Bei der konservativen Therapie des Schlüsselbeinbruchs wird ein Spezialverband angelegt, der sich wie ein Rucksack um beide Schultern legt („Rucksackverband“). Am Rücken des Patienten wird der Verband straff gezogen und befestigt, so dass die Schultern nach hinten gezogen werden. Durch das Zurückziehen der Schultern wird der Schlüsselbeinbruch eingerichtet (reponiert) und gehalten. Durch die Ruhigstellung im Frakturbereich reduzieren sich die Schmerzen und die Knochenbruchheilung wird beschleunigt.

Keinesfalls darf der Rucksackverband so straff angelegt werden, dass in den Armen ein venöser Rückstau entsteht oder es zu Gefühls- und Bewegungsstörungen des Armes kommt.

Erwachsene tragen den Rucksackverband je nach Frakturart / Bruchart für wenigstens 3-4 Wochen, Kinder bis 6 Jahre für 2-3 Wochen. Die Tragedauer wird letztendlich individuell anhand der Röntgenverlaufskontrollen bestimmt. Mit Hilfe des Röntgenbildes lässt sich die Bruchheilung (Frakturkonsolidierung) und die Fragmentstellung kontrollieren. Bei einer zunehmenden Fragmentverschiebung des Schlüsselbeinbruches (sekundäre Dislokation) trotz Rucksackverband, muss der Bruch ggf. doch noch operativ stabilisiert werden.

Problematisch bei der Röntgenbeurteilung des Schlüsselbeinbruchs ist ein mitunter monatelang sichtbarer Bruchspalt trotz klinisch stabiler knöcherner Bruchdurchbauung. Deshalb sollte man bei der Entscheidung über die Tragedauer des Rucksackverbandes auch den klinischen Untersuchungsbefund mit berücksichtigen. Weigel und Nerlich (2004) empfehlen folgendes vorgehen: Wenn der Patient die Schulter schmerzfrei bewegt und im Bruchbereich kein Druckschmerz mehr besteht, kann von einer übungsstabilen (keine belastungsstabile!) Bruchstabilisierung ausgegangen werden, auch wenn dies nicht mit dem radiologischen Befund im Einklang steht.

Probleme mit dem Rucksackverband sind häufig:

  • Zu lockerer oder zu straffer Sitz
  • Zu geringe Polsterung
  • Geringer Tragekomfort
  • Handhabung für den Patienten unklar

All diese Probleme wirken sich negativ auf die Mitarbeit (Compliance) des Patienten aus und können das Ergebnis der konservativen Therapie gefährden.

Die Weiterbehandlung sieht zunächst ein tägliches Nachspannen des Rucksackverbandes in der ersten Woche vor. Eine erste Röntgenkontrolle sollte nach ca. 1 Woche durchgeführt werden, anschließend abhängig von der Bruchart und der Gefahr einer evtl. Bruchverschiebung. Spätestens bei Abnahme des Rucksackverbandes sollte erneut eine Röntgenkontrolle durchgeführt werden. Nach 6-8 Wochen sollte die Schlüsselbeinfraktur belastungsstabil verheilt sein.

Operative Therapie

Die Indikation zur operativen Therapie eines Schlüsselbeinbruchs sollte zurückhaltend gestellt werden, weil die Ergebnisse bei sachgerecht durchgeführter konservativer Therapie zumeist gut sind und die Risiken (s.u.) der konservativen Therapie vermieden werden können.

Die Indikation zur operativen Therapie des Schlüsselbeinbruchs besteht bei:

  • Offenen Schlüsselbeinbrüchen (selten)
  • Begleitenden Gefäß- und Nervenverletzungen
  • Stark verschobenen Frakturen
  • Drohende Fragmentdurchspießung der Haut
  • Versagen der konservativen Therapie
  • laterale Bruch (Fraktur am äußeren Ende des Schlüsselbeins, da hier die Heilungspotenz des Knochens sehr begrenzt ist und mit dauerhaften Funktionseinschränkungen zu rechnen sind)
  • (Kosmetische Gründe)

Plattenosteosynthese:
Die überbrückende Bruchverplattung (Schlüsselbeinbruch) ist das Standardverfahren zur operativen Stabilisierung beim Schlüsselbeinbruch.

Durch einen längs über dem Schlüsselbein oder senkrecht über der Bruchzone verlaufenden Hautschnitt („Säbelhiebschnitt“) wird der Bruch erreicht. Die Bruchzone wird Knochen- und weichteilschonend eingerichtet und mit einer Metallplatte überbrückt. Wenigstens 3 Schrauben sollten ober- und unterhalb der Platte zur ausreichenden Bruchstabilisierung eingebracht werden.

Mit einer abschließender Röntgenkontrolle, Einlage eines Wundschlauches (Redondrainage) und schichtweisem Wundverschluss wird die Operation beendet.


Prevot-Nagelung
Die Prevot-Nagelung ist ein relativ neues Verfahren zur operativen Stabilisierung von Schlüsselbeinbrüchen. Über einen brustbeinnahen Hautschnitt wird die Knochenhöhle (Markraum) des Schlüsselbeines eröffnet und ein Nagel über die geschlossen oder offen eingerichtete Bruchzone bis in das seitliche (laterale) Schlüsselbeinende eingebracht. Der Nagel fungiert als interne Bruchschienung. In der Literatur wird über gute Ergebnisse mit dieser Operationsmethode berichtet.Da verschiedene Hersteller diese Nägel inzwischen Anbieten, wird auch synonym der Name TEN (titanic elastic nail) verwendet.

Bei beiden Operationsverfahren kann frühfunktionell physiotherapeutisch (krankengymnastisch) nachbehandelt werden. Ein Rucksackverband ist nicht notwendig. Eine Belastung des Armes (Abstützen, Heben etc.) darf je nach Röntgenverlaufskontrolle für 6-8 Wochen nicht erfolgen. Das eingebrachte Osteosynthesematerial (Platte, Schrauben oder Nagel) kann nach ca. 18-24 Monaten (Platte) bzw. 8-12 Monaten (Nagel) entfernt werden.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012