Zahn ziehen

Synonyme im weiterem Sinne

Zähne ziehen, Zahnziehen, Zahnwechsel, Zahn

Einglisch: extraction

Lesen Sie auch:

Einleitung

Zahn ziehen

Das Ziehen eines Zahnes med. Extraktion, ist eine chirurgische zahnärztliche Leistung, die von den Krankenkassen voll bezahlt wird. Die Entfernung eines Zahnes erfolgt in der Regel unter einer Lokal- oder Leitungsanästhesie, sodass für den Patienten keine Schmerzen entstehen.

Historie

Im Mittelalter reisten so genannte Zahnreißer von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, um auf einem Podium Zähne zu ziehen. Dies erfolgte als Volksbelustigung für die Jahrmarktbesucher. Die armen Patienten mussten allerdings höllische Schmerzen aushalten, denn eine Betäubung beim Zahn ziehen gab es natürlich damals noch nicht. Dazu kamen Instrumente, die in vielen Fällen nicht nur den einen Zahn, sondern die Nachbarzähne gleich mit entfernten, da sie sich darauf abstützten. Die Folgen waren nicht nur die Entfernung der Zähne sondern oft auch die Entfernung von Teilen des Kieferknochens.

Gründe für das Zahn ziehen

Der Hauptgrund für eine Extraktion ist die völlige Zerstörung eines Zahnes, bei dem eine Wiederherstellung durch konservierende oder prothetische Maßnahmen nicht mehr möglich ist. Auch Zähne, deren Zahnhalteapparat chronisch entzündet oder zerstört ist, sind nicht mehr zu retten. Aber auch völlig gesunde Zähne müssen gelegentlich bei Jugendlichen extrahiert werden, wenn bei einem Engstand für kieferorthopädische Maßnahmen Platz geschaffen werden muss. Dies betrifft vor allem den ersten kleinen Mahlzahn, da statistisch gesehen, bei ihm eine hohe Kariesanfälligkeit besteht.

Unkomplizierte Zahnentfernung

Um den Vorgang einer Extraktion (Zahn ziehen) zu verstehen, muss man wissen, dass der Zahn nicht direkt mit dem Kieferknochen verwachsen ist, sondern zwischen der Zahnwurzel und dem Kieferknochen befinden sich Fasern aus Bindegewebe (Sharpeyische Fasern), mit denen der Zahn in seinem Zahnfach aufgehängt ist. Erst wenn diese Fasern zerstört sind, ist eine Zahnentfernung möglich.

Vor der Extraktion wird der Schmerz durch eine Lokalanästhesie ausgeschaltet. Im Oberkiefer genügt eine direkte Umspritzung des zu entfernenden Zahnes. Im Unterkiefer ist für die Extraktion der Mahlzähne eine Leitungsanästhesie im aufsteigen Ast des Unterkiefers notwendig, da der Nerv sonst nicht erreicht werden kann.
Im Anästhetikum ist ein Gefäß kontrahierender Zusatz enthalten, der die Blutungsneigung verringert. Das für die Extraktion nötige Instrumentarium sind Hebel und Zangen. Die Zangen sind, je nachdem welcher Zahn entfernt werden soll, unterschiedlich geformt und der Zahnform angepasst. Mit dem Hebel werden zunächst die Fasern zerstört und damit der Zahn gelockert, und erst dann kann  der Zahn mit der Zange aus dem Zahnfach  (Alveole) gezogen werden. Wichtig ist, dass sich im Zahnfach ein Blutkoagel bildet, das nicht durch Spülen entfernt wird. Dieser Blutpfropf ist der beste Wundverband und verhindert, dass Knochen frei liegt, was zu Schmerzen führt. Deshalb soll nach einer Zahnentfernung nicht gespült werden.

Chirurgische Zahnentfernung

Ist ein Zahn verlagert und liegt im Kieferknochen, hierbei handelt es sich hauptsächlich um Weisheitszähne, so kann die Extraktion nur chirurgisch erfolgen. Nach dem Aufklappen der Schleimhaut wird der Knochen, der den Zahn bedeckt, entfernt und dann der verlagerte Zahn mit Hebel und Zange entfernt. Die Schleimhaut wird wieder vernäht und verschließt somit die Wunde. Es kann aber auch bei der normalen Extraktion passieren, dass eine Wurzel abbricht und auf normalen Wege nicht entfernt werden kann.
Dann ist ebenfalls die so genannte Aufklappung notwendig, d.h. nach der Entfernung von Schleimhaut und Knochen wird der frei gelegte Wurzelrest entfernt. Der Verschluss erfolgt  auch hier durch Zurückklappen der Schleimhaut und Naht. Die Heilung erfolgt im Normalfall komplikationslos.

Zusammenfassung

Die Zahnentfernung, Extraktion (Zahn ziehen), erfolgt unter Lokal- oder Leitungsanästhesie. Man unterscheidet die normale Extraktion von der chirurgischen. In beiden Fällen wird der Zahn zunächst mit einem Hebel gelockert und dann mit der Zange entfernt. Eine Nachbehandlung ist in den meisten Fällen nicht notwendig, wenn das Blutkoagel in der Wunde nicht entfernt wird.


Weitere Informationen

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Zahnmedizin finden Sie unter Zahnmedizin A-Z

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012