Alveolitis sicca

Einleitung

Die Alveolitis sicca oder trockene Alveole ist eine postoperative Komplikation nach einer Zahnentfernung. Im Englischen wird sie als dry socket bezeichnet.

Struktur Anatomie

Jeder Zahn wird in einer Alveole, einem Zahnfach des Kieferfortsatzes, mit Fasern am Knochen befestigt. Nach der Extraktion also dem Entfernen des Zahnes ist ein freier knöcherner Raum entstanden, der sich mit Blut anfüllt. Dieser Blutpfropf wird Koagulum genannt. Dieses hat eine wichtige Aufgabe bei der Heilung des Defektes. Das Koagulum verschließt die Knochenwunde und  schützt so die Alveole vor eindringenden Bakterien. Es stellt somit den besten Wundverband dar. Später wird es dann nach Einwachsen von Kapillaren zu Bindegewebe umgewandelt. Dies ist der normale Verlauf nach dem chirurgischen Eingriff ohne Komplikationen




Komplikationen / Symptome

In relativ seltenen Fällen können aber auch postoperative Komplikationen auftreten. Neben Nachblutungen ist es vor allem die Alveolitis sicca, die den Patienten wegen der Symptome in die zahnärztliche Praxis führt. Sie ist nämlich mit starken, andauernden Schmerzen verbunden. Bevorzugt treten diese unangenehmen Nachwirkungen nach der Entfernung von Weisheitszähnen, fast ausschließlich im Unterkiefer, auf.
Neben den heftigen Schmerzen kann es auch zur Kieferklemme als Symptome kommen, wenn sich der Prozess im Kieferwinkelbereich abspielt.

Ursache

Die Ursache für die Beschwerden liegt im Zerfall des Koagulums. Entweder haben eingewanderte Bakterien das Koagulum zersetzt oder aber der Patient hat durch zu starkes Spülen das Koagulum aus der Alveole entfernt. Beides hat zur Folge dass der Knochen ungeschützt frei liegt und frei liegender Knochen ist äußerst schmerzhaft. Außerdem besteht eine Entzündungsreaktion des umgebenden Gewebes.

Therapie

Die Behandlung / Therapie muss wegen der großen Schmerzhaftigkeit unter Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) erfolgen.
Danach wird die Alveole gründlich von Speiseresten und dem restlichen zersetzten Koagulum befreit, der Knochen angefrischt und die Alveole mit Wasserstoff Peroxyd gründlich ausgespült. Danach wird die Alveole mit einem Gazestreifen als Tamponade vollständig ausgefüllt damit einerseits der Knochen vollständig abgedeckt und andererseits ein Abfluss von Sekret gewährleistet ist.
Der Gazestreifen kann auch mit einem Antibiotikum versehen sein und sollte als Therapie in kurzen Abständen, zunächst täglich, gewechselt werden.

Prophylaxe

Zur Vermeidung von postoperativen Schmerzen und der Ausbildung einer trockenen Alveole wurde eine Öl-haltige Calciumhydroxid Paste entwickelt, mit der nach jeder Extraktion die Alveole ausgefüllt werden sollte. Da aber die allermeisten Zahnentfernungen komplikationslos verlaufen, setzte sich diese Behandlungsmethode nicht durch.




Zusammenfassend

Zusammenfassend kann gesagt werden. Die Alveolitis sicca ist eine schmerzhafte Komplikation nach einer Zahnentfernung. Sie wird durch den Zerfall des Blutkoagulums verursacht, der zum Freiliegen des Knochens führt. Die Therapie besteht in einer gründlichen Wundrevision und anschließender Tamponade der Alveole. Dadurch wird eine Schmerzbeseitigung und Wundheilung gefördert.
Die Dauer der Therapie ist im Einzelfall sehr unterschiedlich.


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Autor: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 04.12.2011