Durchfall beim Zahnen

Einleitung

Beim Zahnen treten viele unterschiedliche Symptome bei Kindern auf. Dazu kann auch eine Veränderung des Stuhlgangs zählen. Typischerweise wird der Stuhlgang flüssiger, ab einem Wasseranteil vom 75% im Stuhlgang kann man von Durchfall sprechen. Auch eine erhöhte Stuhlmenge oder Stuhlfrequenz können sich bemerkbar machen. Häufig kommt es zudem zu einer Veränderung der Farbe des Stuhlgangs. So können beispielsweise schaumige oder weißliche Auflagerungen auffallen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Durchfall beim Baby und Zahnen beim Baby

Warum kommt es beim Zahnen zu Durchfall?

Durchfall ist ein sehr allgemeines Symptom, welches seinen Ursprung in verschiedenen Teilen des Verdauungstraktes haben kann. Beim Zahnen (wenn also die ersten Zähne durch das Zahnfleisch brechen) kommt es zu einer vermehrten Speichelproduktion im Mund. Der Speichel wird zu einem großen Teil heruntergeschluckt, jedoch „sabbern“ zahnende Kinder typischerweise vermehrt aufgrund des hohen Speichelflusses. Der Anteil des Speichels, der heruntergeschluckt wird, kann nun die Verdauung im Darm verändern.

Dadurch kann es zu einer anderen Stuhlzusammensetzung mit einem größeren Flüssigkeitsanteil kommen, wodurch der Durchfall entsteht. Auch die Farbe des Stuhlgangs kann sich verändern zudem tritt in seltenen Fällen auch ein veränderter Geruch auf. Der heruntergeschluckte Speichel hat nicht nur einen Einfluss auf die Verdauung. Zudem muss der Speichel des Babys auch wieder ausgeschieden werden. Dies kann sich in Form von schleimigen bis flüssigen Auflagerungen auf dem Durchfall bemerkbar machen. Außerdem reagieren viele Kinder im Allgemeinen mit Veränderungen des Verdauungstraktes auf das Zahnen, sodass der Darm auch aufgrund der allgemeinen Irritation vermehrt flüssigen Stuhlgang produziert.

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Wie unterscheide ich Durchfall durch Zahnen von einem Infekt?

Ein Infekt geht im Gegensatz zum Zahnen häufig mit weiteren Symptomen einher. So kommt es bei Magen-Darm-Infekten häufig zu Fieber (beim Zahnen können gelegentlich auch erhöhte Körpertemperaturen auftreten, diese überschreiten jedoch in den meisten Fällen nicht die Grenze zum Fieber = 38,5°C).

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Außerdem haben Kinder mit einem Magen-Darm-Infekt in der Regel ǘbel riechenden Durchfall. Außerdem kann der Stuhlgang eine grünliche oder gelbliche Farbe annehmen. Beim Zahnen wäre eher eine hellere Färbung des Stuhls mit schleimigen Auflagerungen zu erwarten. Sowohl beim Zahnen als auch bei Infekten sind die Kinder oftmals quengelig und nicht besonders munter. Außerdem haben sie oftmals weniger Appetit als üblich. Jedoch ist der Appetit beim Zahnen aufgrund des unangenehmen bis schmerzenden Gefühls im Mund verringert. Beim Magen-Darm-Infekt zeigen die Kinder dagegen eine vermehrte Empfindlichkeit am Bauch.

Begleitende Symptome

Beim Zahnen macht sich die lokale Veränderung im Mund häufig auch an anderen Stellen des Körpers bemerkbar. So kann es aufgrund des vermehrten Speichelflusses zu den Durchfällen kommen. Auch erhöhte Körpertemperaturen bis hin zu leichtem Fieber sind beim Zahnen nicht selten. Zusätzlich können bei den Babys rote Backen auftreten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Fieber beim Zahnen

Beim Zahnen wird nicht nur die Speichelproduktion angeregt, bei vielen Kindern beginnt auch die Nase zu laufen. Dabei tritt jedoch normalerweise kein Husten auf, der Schleim aus der Nase ist typischerweise klar (im Gegensatz zu Infekten, bei denen grünlicher bis gelblicher Schleim auftritt). Beim Zahnen kann außerdem der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes beeinträchtigt sein, sodass das Kind müde, abgeschlagen und schlecht gelaunt ist. Auch der Appetit kann vermindert sein. Durch den zusätzlich auftretenden Durchfall können die Kinder auch an einem starken Flüssigkeitsverlust leiden.

Wunder Po

Ein wunder Po ist bei Durchfall beim Zahnen meist eine Folge des Durchfalls. So kann der Stuhlgang durch die Veränderungen etwas aggressiver an der Haut und den Schleimhäuten wirken und so die Haut am Po irritieren. Außerdem führt der vermehrte Stuhlgang grundsätzlich zu einer Reizung der Haut, da sie im Gegensatz zur sauberen Windel nun vermehrt Stuhlgang und Flüssigkeit ausgesetzt ist. Das häufige Windeln wechseln sowie die damit verbundene Säuberung des Babypopos können die Haut je nach verwendeten Tüchern zusätzlich schädigen und so einen wunden Po verursachen. Wichtig ist es, den Babypo häufig einzucremen, damit die Haut längerfristig geschätzt ist.

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Rote Backen

Rote Backen können bei Babys während des Zahnens auftreten. Dies ist vor allem der Fall, wenn die ersten Backenzähne wachsen. Doch auch die Schneidezähne können bei den Babys bereits rote Bäckchen verursachen. Häufig sind die Backen besonders dann gerötet, wenn die Körpertemperatur etwas ansteigt. Auch eine laufende Nase aufgrund der vermehrten Speichel- und Schleimproduktion im Nasen- und Rachenraum kann zu den roten Backen beitragen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Zahnen des Backenzahns beim Baby

Fieber

Fieber ist bei Kindern ein sehr allgemeines Symptom. Es ist in der Regel ein Ausdruck dafür, dass im Körper Veränderungen stattfinden. Insbesondere wenn das Immunsystem der Kinder aktiviert wird, kommt es zu Fieber oder einer erhöhten Körpertemperatur. Beim Zahnen kann das Wachstum der Zähne die Körpertemperatur der Kinder leicht erhöhen, jedoch kommt es typischerweise nicht zu ausgeprägtem Fieber. Die Körpertemperatur überschreitet daher nur selten die Grenze von 38,5°C. Im Zusammenhang mit Durchfall muss man beim Fieber immer auch an eine infektiöse Ursache der erhöhten Temperatur denken. Treten also Durchfall und starkes Fieber gleichzeitig auf, sollte ein Magen-Darm-Infekt zunächst ausgeschlossen werden.

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Dauer

Die Dauer des Zahnens ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Nicht selten kommt es über eine Dauer von einigen Tagen bis Wochen zu vermehrtem Speicheln und roten Backen. Anschließend kommt für einige Tage Durchfall hinzu. Bis die Zähne tatsächlich sichtbar sind, können jedoch einige solcher Episoden auftreten.

Manche Kinder haben den Durchbruch ihrer Zähne bereits nach einigen Tagen, bei anderen Kindern kommt es zu mehrwöchigen Phasen des Durchfalls beim Zahnen. Typischerweise tauchen die ersten Zähne der Babys im Alter von sechs bis acht Monaten auf. Dann folgen nach und nach die weiteren Zähne, bis im Alter von zwei bis drei Jahren das Milchgebiss vervollständigt ist. Die Symptome beim Zahnen sind typischerweise bei den ersten Zähnen am stärksten ausgeprägt, sie lassen im Laufe der Zeit nach.

Wann muss ich zum Kinderarzt?

Wenn Durchfall beim Zahnen auftritt, ist ein Kinderarztbesuch zunächst nicht zwangsläufig notwendig. Es gibt jedoch einige Anzeichen, bei denen man zum Kinderarzt gehen sollte. So muss man zum Kinderarzt, wenn beim Zahnen ausgeprägtes Fieber (über 38,5 bis 39°C) auftritt. Auch Veränderungen des Stuhlgangs (vor allem der Farbe und des Geruchs) können auf andere Ursachen als das Zahnen hindeuten und sollten daher untersucht werden. Wenn Zeichen des Flüssigkeitsmangels beim Kind auftreten, sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Kann das Kind seine Trinkmenge jedoch nicht erreichen, sollte man ebenfalls zum Kinderarzt gehen.

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Das macht der Kinderarzt

Der Kinderarzt ist bei Durchfall beim Zahnen in erster Linie dafür zuständig, andere Ursachen der Symptome auszuschließen. Er sollte zunächst in den Mund schauen, so kann er feststellen, ob die Zähne bereits durchgebrochen sind. Dies könnte eine Prognose der Dauer der Symptome ermöglichen. Außerdem sollte der Kinderarzt den Bauch des Babys abhören und abtasten. Wenn ihr vermehrte oder besonders wenige Darmgeräusche hörbar sind, kann dies ein Hinweis auf einen Magen-Darm-Infekt sein.

Der Kinderarzt kann außerdem bei Symptomen wie Fieber Medikamente wie Zäpfchen oder Fiebersaft aufschreiben. Diese müssen bei etwas erhöhter Temperatur nicht eingenommen werden, können jedoch helfen, wenn das Fieber stärker ansteigt. Der Kinderarzt sollte zusätzlich darauf achten, ob Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels vorliegen.

Hausmittel

Beim Zahnen können bei Babys einige Hausmittel zum Einsatz kommen. Gerne hilft man den Kindern beim Zahnen, indem man einen Beißring oder etwas Vergleichbares anschafft. Darauf können die Babys herumkauen, sodass das Zahnen unterstützt wird. Weitere Hausmittel werden vor allem gegen die zusätzlich auftretenden Symptome eingesetzt. Bei Durchfall kann man versuchen die Ernährung etwas umzustellen und so positiv auf den flüssigen Stuhlgang einwirken.

Rote Backen und erhöhte Körpertemperaturen können mit kühlenden Wickeln behandelt werden. Eine wichtige Bedeutung kommt außerdem der Flüssigkeitszufuhr der Babys zu. Gerade durch die Durchfälle und die erhöhte Körpertemperatur verlieren die Kinder mehr Flüssigkeit als üblich. Je nach Alter können zusätzliches Wasser, Tee, Fruchtsäfte oder auch eine Gemüsebrühe den Flüssigkeitshaushalt des Kindes unterstützen.

Lesen Sie mehr zumThema unter: Hausmittel zur Behandlung von Durchfall

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Durchfall beim Zahnen finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Kinderheilkunde finden Sie unter: ​​​​​​​Kinderheilkunde A-Z.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 18.02.2020 - Letzte Änderung: 11.05.2021